Anatol Regnier Frank Wedekind

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Inhaltsangabe zu „Frank Wedekind“ von Anatol Regnier

Frank Wedekind (1864-1918) war nicht nur seinen Zeitgenossen ein Rätsel. Die Literaturwissenschaft tut sich bis heute schwer mit ihm und sieht ihn irgendwo zwischen Verklemmung und sexueller Obsession. Sein Enkel Anatol Regnier ermöglicht nun einen neuen Blick auf diesen zutiefst widersprüchlichen Menschen.
Mit zahlreichen s/w-Abbildungen im Text.

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  • Rezension zu "Frank Wedekind" von Anatol Regnier

    Frank Wedekind

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. January 2012 um 13:39

    Eine ungewöhnliche Biografie. Sie in ihrer Ungewöhnlichkeit zu beschreiben, erscheint ein schwieriges Unterfangen. Ein kurzer Versuch soll daran aber nicht scheitern. - - Gewöhnlich, zumindest nicht ungewöhnlich oder gar außergewöhnlich, ist, dass sich ein Nachkomme schriftstellerisch intensiv mit einem Vorfahren befasst. Als ungewöhnlich muss aber schon die Perfektion angesehen werden, mit der der Enkel des literarisch schwer einzuordnenden, allenfalls aus seiner Zeit heraus zu beurteilenden Frank Wedekind seine eigenen Gedanken mit den schriftlichen Aussagen seines Großvaters mütterlicherseits und vieler Personen des Umfelds von Frank Wedekind verbindet und daraus ein überzeugendes Buch schafft. Regnier fordert die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers, der ständig zwischen Grundschrift (in der die eigenen Aussagen Regniers gehalten sind) und Kursivschrift (mit der vermutlich den größeren Teil des Buches ausmachenden Wiedergabe der Aussagen Dritter) hin und her geschaukelt wird. Als ungewöhnlich muss aber auch die Distanziertheit bezeichnet werden mit der der Enkel an Wedekind herangeht. Kaum eine eigene Bewertung des Charakters, des außergewöhnlichen Intellekts, des unangepassten sexuellen Bewusstseins und vor allem der literarischen Bedeutung der Person des Großvaters durch den Enkel. Regnier bringt seine eigenen Wertungen weitgehend indirekt ein. Über Kalendereinträge des Großvaters, über schriftliche Aufzeichnungen von Personen des persönlichen Umfelds des Großvaters, über anderweitig in Erfahrung gebrachte Umstände aus dessen Leben, über die Wiedergabe von Aufführungskritiken und ähnliches mehr. Er, Regnier, überlässt es dem Leser, darüber zu urteilen, was von Frank Wedekind zu halten ist. Ob er, der Leser, beziehungsweise sie, die beim Gebrauch des Wortes Leser immer hinzu zu denkende Leserin, Frank Wedekind als Genie oder als gestörte Persönlichkeit sehen will, als Wegbereiter für eine neue Art von Literatur oder als literarischen Windmacher, als nackten Egoisten oder als bis zuletzt liebevolles Familienmitglied, als gescheiterten oder als vollendeten Menschen - oder als ein Persönlichkeit, die von allem etwas hat. Regnier generiert damit beim Leser eine Empathie ganz besonderer Art. -- Für mich, der ich an meiner Schule weder während des Dritten Reiches noch danach bis 1950 etwas über Frank Wedekind gehört hatte (ich glaube nicht, dass ich mich bloß nicht mehr daran erinnere!), hat das Buch überdies auch einen erweiterten Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit Wedekinds eröffnet. Viele, nicht nur künstlerisch bedeutende Persönlichkeiten aus dieser Zeit hat Regnier kurz oder weniger kurz charakterisiert. Ihrem Lebensweg ist sogar noch für die Zeit nach Wedekinds Tod ein eigener Abschnitt gewidmet. Aber auch wissenswerte Details erfährt man. Ein Beispiel: Wussten Sie, dass Thomas Mann in einem Zensurbeirat, wie es ihn damals noch gab, einst für ein Werk von Wedekind eingetreten ist? -- Ein außergewöhnliches Buch!

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