Anatol Stefanowitsch

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Eine Frage der Moral

Eine Frage der Moral

 (2)
Erschienen am 12.03.2018

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Rezension zu "Eine Frage der Moral" von Anatol Stefanowitsch

faire Sprache - kein Drama!
brokkolinovor 11 Tagen

Anatol Stefanowitsch begegnete mir zum ersten Mal bewusst auf Twitter. In knappen Tweets, die zwischen Ernsthaftigkeit, Satire und angenehmem Humor variieren, liegt sein Augenmerk oft auf dem deutschen Sprachgebrauch in Bezug auf Rassismus. Auch diese vom Duden publizierte Streitschrift zielt auf eben dieses Thema ab, wobei u. a. auch das generische Maskulinum auf dem Prüfstand steht.

Streitschrift ist hierbei etwas überzogen, denn Stefanowitsch „streitet“ nicht, noch schreit er Zeter und Mordio. In dem überschaubaren Sachbuch führt er uns Leser*innen mit logischen Schlussfolgerungen und begründeten Argumenten an die Moral unserer Sprachnutzung heran: Möchte ich als Frau nur mitgemeint sein, wenn mensch im generischen Maskulinum spricht? Möchte ich wirklich mit meinem Bestehen auf „Das wird man ja noch so sagen dürfen!“ auf Gefühlen marginalisierter Personen und Gruppen herumtreten? Gibt es nicht sogar gewisse Kompromisse in unserer Sprache, die wir leicht anwenden können?

Beharrlich zeigt Stefanowitsch diverse Argumente derjenigen auf, die z. B. die Umformulierung „N~könig“ zu „Südseekönig“ in Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ als katastrophalen Eingriff in unsere Sprache und den Ursprung des Werkes empfanden oder es als Übertreibung abtaten. Er beleuchtet diese Argumente jeweils kurz, betrachtet sie von mehreren Perspektiven und zeigt zudem eine Lösung auf, die entsprechend der „Goldenen Regel“ agiert oder zumindest ein Kompromiss für Zweifelnde anbietet.

Das nicht zu Unrecht wichtigste Element in seiner Schrift ist der Perspektivwechsel, an dem wir alle uns wohl doch noch zu selten bedienen. Der uns jedoch nichts kostet und keine Umstände bereitet.

Dem hinzufügen möchte ich, dass mensch (auch bei aller Mühe) natürlich mal Fehler macht, und wenn man dann darauf hingewiesen wird – wie wäre es denn, wenn dann nicht gleich alle an die Decke gehen, sondern sagen „Achso okay, sorry, ich wollte sagen: Studenten UND STUDENTINNEN“, kein Drama.

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Rezension zu "Eine Frage der Moral" von Anatol Stefanowitsch

Ein Plädoyer für politisch korrekte Sprache.
Schnickvor 9 Monaten

"Aber ein Bemühen um eine nicht diskriminierende Sprache wäre ein Zeichen, dass wir überhaupt Gleichheit wollen."


Anatol Stefanowitsch ist Sprachwissenschaftler und Blogger. Ich habe zwar vorher schon ein paar Beiträge auf Twitter gelesen, weiß aber sonst nicht viel über ihn. Dieses Buch aber hat es mir aber sofort, nachdem ich es entdeckt habe, angetan.

Es ist nicht unbedingt so, dass ich eine Befürworterin so genannter politisch korrekter Sprache bin. Sicher verwende ich das N-Wort nicht, aber mir erscheinen viele Auswüchse als übertrieben. Aber eigentlich sollte ich "erschienen" schreiben, denn Stefanowitsch schreibt in dieser Streitschrift sehr anschaulich, weshalb politisch korrekte bzw. nicht diskriminierende Sprache sinnvoll ist. Natürlich geht er dabei auch kurz auf einige Argumente ein, die Gegner der politisch korrekten Sprache immer wieder anführen. Auch ich habe mich während der Lektüre mit Schrecken immer wieder selbst erkannt.

Mir hat besonders gefallen, dass Stefanowitsch nie herablassend schreibt und auch nie belehrend wirkt. Er beschreibt einfach Sprache und ihre Wirkung und verdeutlicht dadurch auch die Macht der Sprache und somit auch die Macht der Herabwürdigung durch Sprache. 

Ich bin leider keine Wissenschaftlerin und ich bin leider auch nicht gut darin, Rezensionen zu schreiben, aber ich kann das Buch wirklich allen empfehlen, die offen sind für andere Sichtweisen, für Argumente, vielleicht sogar für ein besseres Miteinander.

Das Büchlein hat nur 63 Seiten und ist schnell gelesen, aber es wirkt nach. 

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