Anatole Broyards Buch ist ein Buch der Nostalgie, eigentlich sogar der offenen Sehnsucht und gleichsam ein Dokument. Darin breitet er die Welt der Bücher und der Frauen aus – dies sind die beiden Motive, die das ganze Buch durchziehen: Literatur und Sex. Wobei der Sex nicht vor allem geschildert, sondern mehr in seiner damaligen Stellung, seiner Mystik, seiner Idee untersucht und beschrieben wird. Während er die Literatur in ein sanftes Licht taucht.
Es müssen verrückte Zeiten gewesen sein, im Greenwich Village der späten 40er Jahre. Einerseits die Flut an Freiheit, andererseits die Flut an Gesten und Hüllen; das wahre Leben im falschen war wohl von gigantischen Ausmaßen, zumindest in den Beschreibungen von Broyard. Er schildert das Ringen um eine Freiheit und Authentizität, die in vielerlei Hinsicht stets drohte, ins Paradigma, in die Pose oder das Dogma abzurutschen.
Verrückt nach Kafka ist tatsächlich vor allem lesenswert, wenn man einmal den Geist dieser Epoche spüren will, wenn man diese unbekannte Zeit ein wenig vor sich entstehen lassen will. Eine Zeit, in der Bücher und Sex noch etwas Heiliges hatten, nicht oftmals Attitüde oder Attribut waren, sondern das Ding an sich - zumindest in den Vorstellungen der eher behüteten Student*innen, zu denen Anatole Broyard gehörte.
Aus unbekannteren Zeiten




