Wieso gibt es hier zu diesem Buch noch keine ausführlichere Meinung? Weil es schon älter ist? Tatsächlich basiert diese Übersetzung ins Deutsche auf der französischen Ausgabe von 2009. Es ist in seiner Gedankenwelt aber noch immer hochaktuell und angesichts des derzeitigen wildgewordenen Kapitalismus, dass sich sogar Regierungen zu kaufen versucht, unbedingt lesenswert. Und es ist auch nicht komplex oder verschwurbelt abgehoben geschrieben! André Comte-Sponville schrieb das Buch auf Basis seiner Vorträge und musste schon allein deshalb darauf achten, das seine Zuhörer ihm folgen und seine Gedankengängen auch wirklich nachvollziehen können.
Der ehemalige Professor für Philosophie an der Sorbonne postuliert vier Ordnungen: die technowissenschaftliche, die rechtlich-politische Ordnung, die der Moral und die ethische. Sie alle haben ihre Existenzberechtigung, sollten aber nicht für sich allein stehen sondern ineinander wirken, weil sie dominant vertreten - gerade auch in einem Staatssystem - größten Schaden anrichten können.
Um diese Ordnungen und ihr Ineinandergreifen darzulegen, bewegt sich Comte-Sponville mit seinen Gedankendarlegungen nicht in theoretisch abgehobenen Gefilden sondern immer auch im Alltag und führt uns als Menschen in unserem eigenen Verhalten immer wieder selbst vor Augen: "Um sich Glauben zu verschaffen, hat es noch nie genügt, Chef zu sein: Dazu muss man glaubwürdig sein, und das ist etwas ganz anderes. Wenn wir diesen Unterschied vergessen, sind wir lächerlich und folglich in dem Maße, wie wir Macht besitzen, auch tyrannisch." (S. 106 - Und Donal Trump stand damals noch längst nicht so prominent auf der Weltbühne!)
Das Buch ist nicht in seinen Formulierungen schwere Kost aber in seinen Aufrufen an uns: "Man wird mir nicht ausreden können, dass das Unglück unserer Zeit teilweise den vielen Menschen zu verdanken ist, die gehorchen möchten, aber nur wenn sie einverstanden sind. Und andere, die so daran gewöhnt sind zu gehorchen, dass sie aus Gehorsam einverstanden sind. Jene besitzen die Freiheit des Geistes (im besten Fall), aber keine Disziplin. Diese haben Disziplin, aber keine Freiheit des Geistes." (S. 107)
Wenn der Autor beschreibt, wie wichtig zur Sicherung der individuellen Freiheit und Wohlstandsmehrung für alle die einverständliche und geregelte Zusammenarbeit aller nötig ist, wird dem Leser schmerzlich bewusst, in welcher Welt wir uns gerade befinden. Er legt aber auch dar, dass es schon an uns selbst liegt, ob wir diesen Zustand akzeptieren und ihn bewusst noch mehr ins Extreme laufen lassen oder ob wir uns dagegen wehren, was mit dem Nachdenken beginnt und natürlich in die persönliche aktive Beteiligung mündet.
Der Kapitalismus hat eben keine Moral, die müssen die anderen Ordnungen, gerade auch die der ethischen, ihm schon geben und die der rechtlich-politischen - damit auch wir alle - auch durchsetzen. Entscheidend ist, was wir alle wollen und nicht was das Geld von uns will.
Insofern ein dringender und eindringlicher Appell, unseren Hintern wirklich ganz persönlich hochzubekommen...
Ich habe dieses Buch jetzt das dritte Mal gelesen und finde noch immer neue Stellen, die mir wichtig sind und die auch wieder aktueller geworden sind. Insofern ist das Buch wirklich von zeitloser Kraft für den Gewinn einer eigenen moralischen Anschauung, die im Einklang mit den Werten steht, die wir uns gegenüber selbst auch vertreten sehen wollen. Das Buch bleibt aktuell und absolut lesenswert!!!
André Comte-Sponville
Lebenslauf
Alle Bücher von André Comte-Sponville
Glück ist das Ziel, Philosopie der Weg
Kann Kapitalismus moralisch sein?
Woran glaubt ein Atheist?
Liebe
Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg
Woran glaubt ein Atheist?: Spiritualität ohne Gott
Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben
Sex
Neue Rezensionen zu André Comte-Sponville
André Comte-Sponville greift in seinem überschaubaren Buch (ca. 180 Seiten) Grundthemen philosophischer Betrachtungen auf: Moral, Politik, Liebe, Tod, Erkenntnis, Freiheit, Gott, Atheismus, Kunst, Zeit, Menschsein und Weisheit. Dabei schöpft er bei den alten Meistern, wie zum Beispiel Platon, Blaise Pascal, Baruch de Spinoza oder Kant, bringt aber auch eigene Erkenntnisse und Überlegungen zu Papier.
Dies macht er in einem persönlich wirkenden „Du“, welches sich vor allem an die jugendliche Leserschaft richtet. Doch auch der schon etwas reifere, aufmerksame Leser fühlt sich von den Zeilen angesprochen und angeregt zum Nach- und Weiterdenken.
Das Buch ist einfach und unkompliziert zu lesen, verfällt manchmal fast in eine Art „Plauderton“ und ist hilfreich, um philosophische Grund-Zusammenhänge zu erfassen und zu erfahren.
Nicht zu vergessen sind die wirklich witzigen und originellen Zeichnungen von Sempé, die das Gelesene manchmal auf erschreckende Art simplifizieren.
Fazit: Ein guter Schlüssel.
Philosophie ist mehr als eine aus der Antike stammende Wissenschaft, die wörtlich übersetzt „Liebe zur Weisheit“ heißt. Sie begegnet jedem von uns im Alltag, denn "Philosophieren heißt, selbst zu denken" (Seite 9) Der Autor und ehemalige Philosophie-Professor Comte-Sponville nimmt in diesem Buch zwölf Themen genauer unter die Lupe: Moral, Politik, Liebe, Gott, Kunst etc.
Ich habe bisher einige Bücher des Autors gelesen und mochte auch "Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg" sehr. Bei dem Streben nach Glück, kann das Philosophieren einen bedeutenden Beitrag leisten und ich fand viele Gedankengänge Comte-Sponvilles sehr anregend und schön.
Wie bereits im Vorwort erwähnt, richtet sich dieses Buch vor allem an jüngere Leser und ich denke das Anfängern mit diesem Buch philosophische Grundgedanken verstöndlich näher gebracht werden können. Doch auch Leser, die gerne hin und wieder anregende philosophische Bücher lesen möchten, werden an diesem Buch ihre Freude haben. Die bibliografischen Verweise am Ende des Buches geben zuästzlich weitere Hinweise auf bestehende Literatur.
Allzu komplex und in die Tiefe gehen die Betrachtungen des Autors nicht, dafür erhält man inspirierende und viele interessante Denkanstöße und neues Input. Comte-Sponville hält auch mit seiner eigenen Meinung und Einstellung nicht zurück und so wird in vielen Themen seine eigene Meinung mehr als deutlich. Dies führt zu einer anregenden und einbeziehenden Lektüre, die mir sehr gut gefallen hat.
Für Leser philosophischer Texte, ob Neulinge oder Kenner, bietet das Buch viele frische und anregende Gedanken. Mich hat "Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg" sehr begeistern können und ich hatte wunderschöne Lesestunden.
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