André Georgi

 4.2 Sterne bei 126 Bewertungen
Autor von Tribunal, Die letzte Terroristin und weiteren Büchern.
André Georgi

Lebenslauf von André Georgi

André Georgi, Jahrgang 1965, studierte nach seinem Abitur Philosophie und Germanistik in Freiburg, Berlin und Wien. Zudem besuchte er die Autorenschule Hamburg/Berlin, an der er später als Lehrer unterrichtete. Georgi ist nicht nur als Schriftsteller von "Tribunal" bekannt, sondern vor allem auch als Drehbuchautor. Als solcher hat er unter anderem Drehbücher für den "Tatort" und andere Krimi-Serien geschrieben. André Georgi lebt seit 2009 in Bielefeld.

Neue Bücher

Die letzte Terroristin

Erscheint am 12.08.2019 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von André Georgi

Tribunal

Tribunal

 (76)
Erschienen am 10.03.2014
Die letzte Terroristin

Die letzte Terroristin

 (49)
Erschienen am 13.08.2018
Die letzte Terroristin

Die letzte Terroristin

 (0)
Erscheint am 12.08.2019
Figurenkonstellationen

Figurenkonstellationen

 (0)
Erscheint am 31.12.2019
Tribunal

Tribunal

 (1)
Erschienen am 23.05.2014

Neue Rezensionen zu André Georgi

Neu

Rezension zu "Die letzte Terroristin" von André Georgi

Die dritte Generation.
Gulanvor 4 Monaten

Oben auf dem Brief prangen der rote Stern und das Sturmgewehr. Darunter bekennt sich das Kommando Holger Meins zu dem Attentat. Kawert lässt den Brief sinken und schaut zurück auf das Desaster hinter ihm, auf den völlig zerstörten Wagen, auf Wegners halb von Kawerts Mantel bedeckte Leiche. Noch nie in seinem Leben – noch nie – hat Kawert sich so sehr wie ein Versager gefühlt wie heute. (Auszug Seite 30)

Das frisch vereinte Deutschland im Jahr 1991: Treuhand-Chef Hans-Georg Dahlmann hat den undankbarsten Job im Land: Er muss die ostdeutsche Staatsbetriebe privatisieren und dabei versuchen, genügend Jobs im Osten zu erhalten. Doch die westdeutsche und ausländische Wirtschaft wollen im Osten eher Schnäppchen machen. So wird Dahlmann zwischen den Positionen zerrieben und angefeindet. Er steht bereits auf der Liste der Roten Armee Fraktion.

In dieser Situation bewirbt sich eine junge Frau bei ihm um eine Assistentenstelle, Sandra Wellmann. Eine ehemalige Kommillitonin seiner Tochter, begabt und strebsam. Dahlmann stellt sie ein und sie wird schnell seine rechte Hand. Doch was er nicht weiß: Wellmann ist während des Studium von der RAF rekrutiert worden. Sie soll ihn ausspionieren, einen Anschlag vorbereiten. Doch ihre Entschlossenheit wird auf eine harte Probe gestellt, denn Dahlmann ist kein Raubtierkapitalist. Er kennt Marx und Engels besser als sie, er kämpft gegen andere, um den totalen Ausverkauf zu verhindern, er protegiert sie.

Währenddessen versucht BKA-Abteilungsleiter Andreas Kawert die dritte Generation der RAF aufzuspüren. Anders als die vorherigen RAF-Generationen hinterlässt diese kaum Spuren. Kawert hat viel Mühe investiert, um ein V-Mann-Netz aufzubauen, um die RAF zu infiltrieren. Doch den Anschlag auf den Bankchef Wegner konnte Kawert nicht verhindern. Nun steht er unter enormen Druck. Denn er ahnt, dass Hans-Georg Dahlmann der nächste auf der Todesliste der RAF ist.

Autor André Georgi ist vor allem als Drehbuchautor tätig und hat für zahlreiche TV-Reihen und Fernsehfilme die Vorlage verfasst. 2014 gab er sein Debüt als Autor mit dem starken Thriller Tribunal über den Bosnienkrieg und die Kriegsverbrecherprozesse in Den Haag. Und auch mit seinem zweiten Buch bleibt er dem Sujet des Politthrillers treu. Wer sich in der Geschichte der Bundesrepublik ein wenig auskennt, der wird erkennen, was Georgi hier zu einem fiktiven Politthriller zusammenbraut. Das Attentat auf Alfred Herrhausen, der Mord an Detlev Rohwedder, der Polizeizugriff in Bad Kleinen. Alles mehr als 25 Jahre her, von einigen sicherlich längst vergessen (wie die RAF) – ist das heutzutage noch der richtige Stoff für einen spannenden Thriller?

Das kann ich absolut bejahen. Das gilt auch für die vielen, die die Ereignisse von damals kaum noch präsent haben dürften. Georgi schreibt spannend, mit dem richtigen Gespür für Tempo und Dialoge. Aber es funktioniert genauso für jemanden wie mich, den die Geschichte der RAF schon immer faszinierte, seitdem ich als Neunjähriger in den Fernsehnachrichten die Bilder vom Tatort des Mordes an Gerold von Braunmühl gesehen hatte. Ich kenne die Fakten, dementsprechend das grobe Gerüst des Plots bis hin zum Ende – und trotzdem war es für mich nicht langweilig, sondern ich fühlte mich gut unterhalten. Zum einen durch die fiktiven Parts, die alternativen Erklärungsansätze, manche nennen es Verschwörungstheorien (der Mord an Rohwedder wird offiziell immer noch der RAF zugeschrieben und die Spuren weisen auch eindeutig in diese Richtung, doch es gab immer mal wieder Zweifel an der Version). Zum anderen an dem präzisen Blick des Autors für die verschiedenen Figuren und den deutschen Realitäten Anfang der Neunziger, die er mit teilweise spitzer Feder beschreibt.

Wo sind die Erben des Sozialismus, die uns beistehen und den Anschluss rückgängig machen? Denen wir gezeigt haben, dass wir bereit sind, alles aufzugeben? Eine satte, selbstzufriedene Landschaft verweigert den Ausnahmezustand. Eine Partisanin sticht den Leviathan mit einer Tannennadel in den Fuß, der Leviathan spürt ein Kitzeln, lacht ein frühlingsblaues Lachen und holt die Fliegenklatsche. Zehn Minuten noch oder zehn Wochen, dann klebe ich als zermatschtes Insekt an der Windschutzscheibe von DaimlerAudiBMWOpelVWPorscheland. (Seiten 249-250)

Der Roman wurde nach einem Drehbuchs des Autors auch als Zweiteiler verfilmt. Am 5.und 7. November 2018 lief im ZDF „Der Mordanschlag“. Nach dem zweiten Teil folgte dann noch eine 45-minütige Dokumentation. Die Hauptrollen spielen Petra Schmidt-Schaller als Sandra Wellmann, Ulrich Tukur als Hans-Georg Dahlmann, Jenny Schily als Terroristin Bettina Pohlheim und Maximilian Brückner als Andreas Kawert. Der Film ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt worden (u.a. Susanne von Borsody, Stefanie Stappenbeck, Christoph Bach, Alexander Held). Ein exzellenter Cast, bei dem – wieder einmal – Tukur als harter, aber herzlicher Macher mit Augenmaß herausragt. Dagegen bleibt Schmidt-Schaller etwas blass, was auch daran liegen könnte, dass man als Zuschauer lange rätselt, warum sie überhaupt bei der RAF mitmacht, wirkt sie doch über weite Strecken eher wenig kämpferisch.

Dadurch, dass Drehbuch und Buch aus einer Hand kommen, sind Buch und Film auch nahe beieinander. Das Spiel, dass Georgi um Fakten und Fiktion treibt, ist im Film noch einen Tick extremer, da einige Szenen (insbesondere beim Attentat auf Wegner/Herrhausen) sehr eng an den tatsächlichen Ereignissen angelehnt inszeniert wurden und die alten Bilder dem Zuschauer wieder ins Gedächtnis kommen. Um die Verschwörungstheorien jedoch nicht allzu sehr ins Kraut schießen zu lassen, wird die Täterschaft der RAF in der anschließenden Dokumentation noch mal deutlich betont. Ansonsten verfolgt diese eher die Person Rohwedder und sein Wirken in der Treuhand und weniger der RAF. Das fand ich ein wenig schade, aber neue Erkenntnisse beim Mord an Rohwedder sind wohl nicht mehr zu erwarten. Die RAF hat sich zum Mord bekannt, Haarspuren des in Bad Kleinen getöteten Terroristen Wolfgang Grams wurden am Tatort gefunden, die genauen Täter sind bis heute nicht ermittelt und werden es wohl auch nie.
Insgesamt war der Fernsehfilm durchaus passabel, allerdings gelingt es ihm – anders als dem Buch – zu selten, die Tiefe der Figuren auszuloten. Insofern gibt es von mir eine klare Empfehlung für das Buch für alle Freunde des gepflegten Politthrillers.

Kommentare: 2
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K

Rezension zu "Die letzte Terroristin" von André Georgi

Macht richtig Spaß!
Kaffeesatz19vor 5 Monaten

Gute Unterhaltung zum Thema RAF. Spannender und flüssig zu lesender Thriller. Gelungene Verknüpfung von Fakten und Fantasie.

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Rezension zu "Die letzte Terroristin" von André Georgi

Das letzte Aufbäumen der RAF
schillerbuchvor 6 Monaten

Was bewegte die Terroristen der RAF das zu tun, was sie taten, nämlich Menschen umzubringen, die für sie „das System“ repräsentierten? Das ist eine der Fragen, denen André Georgi, Autor und Drehbuchautor in diesem Thriller nachgeht.

Der Inhalt

Berlin 1991: Der Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann stellt eine neue Assistentin ein, die er auch privat kennt. Sandra Wellmann ist eine Studienfreundin seiner Tochter Julia und war früher immer wieder zu Gast im Hause Dahlmann. Nach ihrem BWL- und Jurastudium und einigen Jahren, in denen sie bei einer Obdachlosenhilfe arbeitete, wollte sie zur Treuhand, um dort beim Aufbau Ost zu helfen. Das jedenfalls ist der Grund, den sie ihrer Freundin nennt, die ihr die Stelle vermittelt. In Wirklichkeit gehört Sandra zur RAF und soll Dahlmann ausspähen, der deren nächstes Opfer sein soll.

Ihr Gegenspieler ist Andreas Kawert vom BKA, der eine Reihe von V – Männern in die Szene eingeschleust hat und weiß, daß etwas geplant ist. Aber wird es ihm wirklich gelingen, das Attentat zu verhindern?

Die Hauptpersonen

André Georgi erzählt aus verschiedenen Perspektiven: Sandra Wellmann ist Mutter eines Jungen, der jedoch meist bei seiner Tante, Sandras Schwester Miriam, und seiner Großmutter lebt. Ihr Beruf lässt nichts anderes zu – meint jedenfalls ihre Familie. Sandra hat sich von Schwester und Mutter vollkommen entfremdet, alle Versuche der Mutter, die Tochter wieder für sich zu gewinnen, scheitern. Das Verhältnis zu ihrem Chef jedoch gestaltet sich von Anfang an vertrauensvoll, Dahlmann freut sich, die Jugendfreundin seiner Tochter an seiner Seite zu haben und schätzt deren manchmal rücksichtslose Offenheit. Das stürzt Sandra zunehmend in innere Konflikte, denn sie empfindet durchaus Sympathien für den Treuhandchef und merkt, daß dieser ernsthaft versucht, den Ausverkauf eines großen Chemieunternehmens in Bitterfeld an ein Konsortium aus Scheinfirmen zu verhindern. Überzeugt von seiner Mission und von vielen Politikern nur hingenommen, weil er vom Kanzler gestützt wird,  arbeitet er rund um die Uhr, seine Familie in Düsseldorf sieht er nur alle paar Wochen. Sandra versorgt ihre beiden Mitkämpfer Bettina Polheim und Matthias Gelfert mit Informationen und als sie von Dahlmann zu einem Abendessen mit der Familie eingeladen wird, scheint der Moment gekommen, in dem das Trio zuschlagen kann.

Sandras Gegenspieler ist Andreas Kawert vom BKA, der dem harten Kern der RAF seit Jahren auf der Spur ist und ein Netz von V – Männern aufgebaut hat. Eine Maßnahme, die beim BKA umstritten ist und von der endlich Ergebnisse erwartet werden. Als das BKA von einem dieser Informanten erfährt, daß ein Attentat auf seinen Bankchef geplant wird, kommt diese Warnung zu spät und der Druck auf Kawert wird immer stärker. Daß er sich gerade von seiner Frau trennt, die ebenfalls bei BKA arbeitet, macht seine Situation nicht leichter. Aber sein Chef stellt sich von ihn – noch.

Meine Meinung

Diesen Roman habe ich fast in einem Rutsch durchgelesen, so spannend fand ich ihn. Als Leserin war ich ganz dicht dran an den Terrorist*innen, ihrem Leben im Untergrund und den akribischen Vorbereitungen auf das Attentat. Ihre Motive und ihre Gedankenwelt bleiben dabei wirr und unklar, sie sind schon so lange im Untergrund, daß sie eigentlich gar nicht mehr so richtig an ihre Ideologie glauben, ein Ausstieg jedoch ist ihnen auch nicht möglich.

Aber auch Kawert ist ein Getriebener: Er ist überzeugt davon, daß es eine dritte Generation der RAF gibt, jedoch weiß man beim BKA kaum etwas über sie. Auch seine V-Leute können wenig beitragen und letztendlich gelingt es ihm nicht, die Attentate zu verhindern. Nach dem Tod von Dahlmann kommen ihm jedoch immer mehr Zweifel, ob wirklich die RAF hinter diesem Attentat steckt – einige Ungereimtheiten in der Spurenlage weisen in eine ganz andere Richtung.

André Georgi hat reale Geschehnisse (die Anschläge auf Alfred Herrhausen und Detlev Rowedder sowie die Geschehnisse in Bad Kleinen) zu einem spannenden Thriller verarbeitet, das Vorbild für Sandra Wellmann ist Susanne Albrecht, die Patentochter des 1977 ermordeten Erich Ponto, die den Attentätern den Zutritt zur Villa des Bankiers ermöglichte. Es gelingt ihm, die Atmosphäre der Nachwendezeit in den frühen 1990er Jahren realistisch einzufangen und ähnlich wie Wolfgang Schorlau bietet er eine Möglichkeit an, wie die nie wirklich aufgeklärten Geschehnisse gelaufen sein könnten.

Fazit: Absolut spannende Lektüre mit sorgfältig recherchiertem, zeitgeschichtlichem Hintergrund. Leseempfehlung!

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Mutige LeserInnen gesucht! Zusammen mit dem Autor André Georgi möchten wir Euch zu einer Thriller-Leserunde der Extraklasse einladen: In Tribunal ist Hochspannung garantiert… Um einen Kriegsverbrecher zu überführen und Tausenden Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, setzt Jasna Brandič ihr Leben aufs Spiel. Ihre letzte Hoffnung ist ein Mann, der über Leichen ging und der sie vor eine schwerwiegende Entscheidung stellt.

Den Haag: Kovać, ehemaliger Kommandant einer Elitetruppe der serbischen Armee, ist wegen Massenmordes angeklagt. Jasna Brandič, Topermittlerin einer internationalen Spezialeinheit, hat nach langen Ermittlungen einen Kronzeugen, der Kovać' Schuld eindeutig beweisen kann. Am Tag der Verhandlung bringt ein Attentat alles zum Scheitern. Jasna steht vor einem Scherbenhaufen. Da erreicht sie die Nachricht, dass jemand aus Kovać' engstem Kreis bereit ist, gegen seinen ehemaligen Weggefährten auszusagen – vorausgesetzt, Jasna schützt ihn vor seinen eigenen Leuten. Sofort reist Jasna nach Belgrad. Gegen den Willen ihrer Vorgesetzten versucht sie, den Mann zu finden und vor das Tribunal zu bringen. Um das zu verhindern, sind Kovać' Anhänger zu allem bereit… Zur Leseprobe »

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Wer Lust auf einen politischen Thriller von einem der gefragtesten Tatort-Autoren hat, ist in dieser Leserunde genau richtig. André Georgi freut sich schon auf die Diskussion mit Euch:  »Es war beim Schreiben nicht immer einfach und ich glaube, es ist beim Lesen auch nicht immer einfach … Ich bin sehr neugierig, was Ihr denkt und was Ihr zu den verschiedenen Themen und den formalen Entscheidungen, die ich getroffen habe, sagen werdet. Ich freue mich, in eine wirkliche Diskussion über dieses Buch einzusteigen.«

Wir verlosen 25 Exemplare von Tribunal unter allen, die uns bis Dienstag, den 29. April 2014, Folgendes verraten:

Was macht Dich zum mutigen Leser/ zur mutigen Leserin?

Wir sind gespannt!

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André Georgi, geboren 1965 in Kopenhagen, ist in Berlin aufgewachsen. Er studierte Philosophie und Germanistik und lebt als Drehbuchautor und Dramaturg in Bielefeld. Von ihm stammen zwanzig Drehbücher zu Fernsehkrimis – darunter für den Tatort, für Bella Block und die Verfilmungen von Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach und Siegfried Lenz.

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