André Hille

 3,8 Sterne bei 18 Bewertungen

Lebenslauf

André Hille geboren 1974, gründete die "Textmanufaktur", heute eine der führenden Autorenschulen im deutschsprachigen Raum. Zehn Jahre lang unterrichtete er Kreatives Schreiben und Lektorat, u.a. an den Universitäten Leipzig und Saarbrücken und am mediacampus Frankfurt. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Fischerhude. Im Herbst 2020 erschien sein erster Roman "Das Rauschen der Nacht".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von André Hille

Cover des Buches Das Rauschen der Nacht (ISBN: 9783896676542)

Das Rauschen der Nacht

 (12)
Erschienen am 31.08.2020
Cover des Buches Jahreszeit der Steine (ISBN: 9783406799914)

Jahreszeit der Steine

 (6)
Erschienen am 16.02.2023

Neue Rezensionen zu André Hille

Cover des Buches Jahreszeit der Steine (ISBN: 9783406799914)
Constanze_Pachners avatar

Rezension zu "Jahreszeit der Steine" von André Hille

All das ist Leben
Constanze_Pachnervor einem Jahr

"Ein allzu frühes Erwachen im dörflichen Zuhause...Die tägliche Routine setzt ein, aber eine Spannung liegt in der Luft. Das Paar mit seinen drei kleinen Kindern schweigt sich an, im Laufe des Tages steigt der Druck zwischen ihnen, der sich einfach entladen muss. Doch wohin wird das führen?" Klappentext

Laut dem Autor @andre.hille74 ist #jahreszeitdersteine in einer Sinn- und Schreibkrise während der Coronazeit entstanden. Ich stelle mir einen Autor vor, der sich gelähmt in seinen alten Schreibstrukturen und unruhig durch die Suche nach einem Raum für die eigene Stimme fühlte. Ganz trotzig in sich gekehrt begann er alten Ballast aus den Ohren zu kramen, um eine helfende Stimme zu finden, die ihm den Mut schenken könnte, pragmatisch alt Bewährtes hinter sich zu lassen.

Ich kann nach der Lektüre nur sagen, dass er diese Stimme gefunden hat - er erzählt mit seiner Seele voll Stimmungs warnehmender Kraft von Stille, von Beisammensein, von Zwist, von Heilung, von familiärer Alltäglichkeit, von unerwartet verletztenden Worten, von der Angst vor dem Schweigen, von winzigen Gesten der Liebe, von all dem, was scheinbar unsichtbar zum Leben gehört. Vermeintlich begleiten wir eine Familie nur an einem einzigen Tag, doch durch das fragmentierte Zeitenspiel gelangen wir auf abzweigende Äste, die mit herausfordernden Sinn die Wahrnehmung schulen - in der eingegrenzten Zeitstruktur von vierundzwanzigstunden verschachteln sich die assoziativen Erinnerungen an die Verhangenheit, die mit ihren unbequemen Wurzeln den Lebenskreislauf beatmen.
Subtil werden der Ehekonflikt sowie die Kernkonflikte der Familie vom stillsitzendem Geschehen in ein Fischernetz eingefangen, um den Leseraum unbequem zu gestalten. Aber gerade diese Anforderung der Distanz läßt all das drumherum beim Lesen verschwinden, drängt dich in die erzählte Welt und treibt dich in das Netz - ein Aufhören ist ein Ding der Unmöglickeit!

"Vielleicht ist das überhaupt unsere einzige Aufgabe, die Beben unserer Kindheit zu dämpfen, vielleicht ist unser Körper nichts anderes als ein Puffer zwischen den Generationen." S.331

Lieben Dank an @c.h.beckliteratur
für das #rezensionsexemplar

Cover des Buches Jahreszeit der Steine (ISBN: 9783406799914)
Leselampe_s avatar

Rezension zu "Jahreszeit der Steine" von André Hille

Wunderbar
Leselampe_vor einem Jahr

"Ich befinde mich im Zentrum des Lebens, es ist wie im Sommer, wenn alles auf einmal blüht und man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll, dieser Überfluss an Rede, an Streit, an Liebe [...] und nur an einem herrscht Mangel: an Zeit." (S. 302)

Doch ist es kein sonnendurchfluteter Sommertag, an den uns André Hille in seinem wunderbaren Roman entführt, sondern ein kaltgrauer Tag im November. Eine Zeit, die er als "Jahreszeit der Steine" betitelt und mit der er jene Epoche im Jahr ganz und gar zutreffend definiert, in welcher die Äcker brach liegen und die Steine des Bodens die Oberfläche zieren. Ein scheinbar trostloser Zustand leblos wirkender, abgeernteter Felder, die doch zeitgleich in größter Vorbereitung neusprießenden Lebens stehen. Über einen ganzen Tag hinweg begleiten wir den namenlosen Protagonisten: ein Ich-Erzähler, der augenscheinlich mit dem Autoren selbst gleichzusetzen ist. Er ist Vater dreier Kinder, verheiratet, und erzählt von seinen ganz gewöhnlichen Alltagsroutinen, stets darum bemüht, Familie, Freizeit und Beruf unter ein Dach zu bringen. Niemals rosig dargestellt, sondern total real. Und am Ende dieses ganz gewöhnlichen Dienstags im Herbst bleibt ihm lediglich die Frage: bin ich diesem Tag gerecht geworden? 

Viel außergewöhnliches passiert in diesen 24 Stunden zwar nicht, aber es steckt so viel Liebe im Detail und das ist hierbei ganz klar die Sprache. Hillers scharfe Beobachtungsgabe, die selbst die kleinsten, feinsten Bestandteile des Lebens miteinfasst, verströmt eine ganz ruhige, ureigene Dramaturgie, die feinfühliger und sensibler nicht sein könnte. Voller Empathie und Emotionen ist dieses Buch ein gänzlich unaufgeregtes über den ganz gewöhnlichen Alltagswahnsinn, vom Leben auf dem Land, dessen Inhalt sich durch die sprachliche Ausdruckskunst im Gedächtnis des Lesers manifestiert und festankert. Die Wortwahl ist auf höchste Form bedacht, die Gedanken angenehm ausschweifend und immer wieder nachsinnend. Ein literarischer Strom ungezügelter, gar beflügelnder Gedankengänge, die gerne auch ins philosophische abdriften und mal hierhin, mal dorthin schwärmen; auch in die Kindheit des Autors, die er aus heutiger Sicht in eigener Rolle des Vaterseins reflektiert. Hille macht sich die Sprache in höchstem Geschick zu eigen und macht diesen Roman trotz so wenig Handlung doch so lebendig.

Ein überaus angenehmes Buch, das total ergreifend ist, obwohl es sich lediglich einen ganz normalen Alltag als Thema ausnimmt. Es lebt vom herumirren, vom vor sich hin sinnieren und ist eine ganz große, unerwartete Überraschung und damit auch ein komplettes Highlight für mich. Ich habe dieses Buch Seite für Seite genossen: wunderbar unaufgeregt, melancholisch und richtig, richtig toll zu lesen!

Cover des Buches Jahreszeit der Steine (ISBN: 9783406799914)
Kristall86s avatar

Rezension zu "Jahreszeit der Steine" von André Hille

2,5 Sterne
Kristall86vor einem Jahr

Klappentext:

„JEDER TAG BIRGT EIN GANZES LEBEN


Ein allzu frühes Erwachen im dörflichen Zuhause, der kleine Sohn des Ich-Erzählers liegt quer im Bett zwischen den Eltern – die tägliche Routine setzt ein, aber eine Spannung liegt in der Luft, das Paar mit seinen drei kleinen Kindern schweigt sich an, im Laufe des Tages baut sich immer mehr Druck auf, der sich einfach entladen muss. Doch wohin wird das führen?


André Hilles Roman "Jahreszeit der Steine" erzählt einen einzigen Tag von morgens bis Mitternacht, ein Tag voller Arbeit, Erledigungen, Kontakten, Auseinandersetzungen, Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Ein Tag voller Anspannung. Jeder Tag birgt ein ganzes Leben. Mit seinen Höhen und Tiefen, Ereignissen und Begegnungen, den Bildern und Überlegungen, die hervorgerufen werden. Konfrontiert mit den Wünschen und Eigenheiten der Kinder, die zärtlich und liebevoll beschrieben werden, erinnert sich der Erzähler an seine eigene, schwierige Kindheit im Osten, fragt sich, was es heißt, ein guter Vater zu sein und woher die Konflikte mit seiner Frau Levje rühren. Gedankenreich und berührend, entwaffnend ehrlich, gelegentlich zornig, dann wieder komisch, aber immer von einer geradezu magischen Präzision – "Jahreszeit der Steine" ist ein Gegenwartsroman, der einen noch lange beschäftigt.


Ein unerschrockener Blick auf die Wahrheit des Familienlebens


Die Geschichte eines einzigen Tages von Frühmorgens bis Mitternacht


Ein präzise, gedankenreich, entwaffnend, ehrlich und liebevoll erzählter Gegenwartsroman“


Autor Andrè Hille beschreibt auf 336 Seiten knapp 24h Stunden Familienalltag aus Sicht eines Familienvaters. Er beschreibt akribisch und genau seinen Verlauf, seine Erkenntnisse, seine Lust etwas zu sagen und schlussendlich fällt es dann doch hinten über weil etwas anderes dazwischen kommt. Als Leser ist man hier kein Voyeur sondern stiller Mitwisser der Geschichte. Hille geht bei den meisten Gegebenheiten auch immer wieder gedanklich in seine Ost-Kindheit. Ich muss gestehen, die gesamte Geschichte liest sich ähnlich eines Tagebuchauszuges aber gleichzeitig auch wie ein Gesprächsprotokoll eines Psychologen der seinem Klienten aufmerksam zuhört. Es liegt dann an uns das Gelesene in gewisser Weise zu beurteilen. Steht uns das zu? In meinen Augen nicht. Hille trägt hier den Inhalt seines Seelenrucksacks vor und wir Leser haben die Möglichkeit eine ehrliche Einschätzung zu seinem selbst zu erhalten aber auch was es heißt eine Familie mit 3 Kindern zu managen. Jeder wird hier für sich Themen anders sehen als der Autor selbst und ganz ehrlich, wer so offen ein Buch schreiben kann, sollte es doch auch schaffen offen mit seinem Partner über Probleme zu sprechen. Familie ist nicht immer einfach. Egal ob mit dem Partner oder mit 1 oder mehr Kindern. Es liegt aber an uns selbst etwas Positives daraus zu machen, etwas wo wir uns aufgehoben fühlen und auf Augenhöhe mit dem eigenen Partner stehen. 

2,5 neutrale Sterne für diese Geschichte.

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