Man Down

von André Pilz 
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Man Down
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Ein Leben aus den Fugen, ein Mann auf dem Weg in den Abgrund. Hart, direkt, schonungslos.

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Wunderbare Literatur, brutal und liebevoll zugleich!

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Inhaltsangabe zu "Man Down"

"IN DEN NÄCHTEN, DA TRÄUMTE ICH ZU FALLEN. VON EINEM DACH. VON EINEM FELSEN. AUS EINEM FLUGZEUG. ICH STÜRZTE JEDE NACHT IN DIE TIEFE."
Mit 25 ist Kai am Leben gescheitert. Nach einem Arbeitsunfall hat er seinen Job verloren, er lebt in einer Bruchbude und auch sonst scheint nichts zu funktionieren. Zuflucht findet er bei Alkohol und Drogen, mit denen ihn sein Freund Shane versorgt. Dann tauchen Shanes Brüder auf, die Kai Geld geliehen haben, und zwingen ihn, Drogen für ihn zu schmuggeln. Immer weiter rutscht Kai ins Kleinkriminellenmilieu ab und findet keinen Halt. Bis er Marion trifft. Sie ist klug, sexy - und sie mag Kai. Hals über Kopf verliebt er sich in sie und alles könnte gut werden. Marion könnte seine Rettung sein. Doch ihr Leben ist mindestens genauso verkorkst wie das von Kai und sie hütet ein dunkles Geheimnis …

KRAFTVOLL, AUTHENTISCH UND OHNE TABUS
André Pilz erzählt in „Man Down“ eine große Geschichte von Verzweiflung und Hoffnung, Liebe und Leid, Freundschaft und Betrug, und verleiht all jenen, die am Rande der Gesellschaft stehen, eine authentische Stimme - ein Roman über eine verlorene Generation in unserer Wohlstandsgesellschaft, erzählt mit so viel Kraft, so viel Direktheit und Emotion, dass der Schmerz noch lange spürbar ist.

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Leserstimmen:

„Die Sprache von ‚Man Down‘ ist nichts für Zartbesaitete. Aber genau so muss man diese Geschichte erzählen, finde ich. Kai ist am Ende und bewegt sich im Kleinkriminellenmilieu, und genau dazu passt die Sprache: direkt und ohne Tabus."

„Für mich ist André Pilz ein Ausnahmeschriftsteller! Wie kann man so hart und gleichzeitig so berührend schreiben? ‚Man Down‘ ist für mich eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe."

„Von ‚Man Down‘ war ich schwer beeindruckt. Es ist genau denen gewidmet, die sonst im Leben wie in der Literatur ignoriert werden: den Gescheiterten, die es in unserer Leistungsgesellschaft nicht geschafft haben. Der Autor schafft es, ihnen ein Gesicht und eine Geschichte zu geben. Wahnsinns Buch, das bis zur letzten Seite fesselt!"

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783709978917
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:328 Seiten
Verlag:Haymon Verlag
Erscheinungsdatum:18.08.2017

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    Gulans avatar
    Gulanvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Leben aus den Fugen, ein Mann auf dem Weg in den Abgrund. Hart, direkt, schonungslos.
    Abwärts.

    Oh ja, Florian, ich liebe den Kick, den Rausch. Er hält mich am Leben und macht mich kaputt. Mit jedem Rausch verliere ich ein Stück meiner Seele und meiner Kraft und meines Willens. Verliere ich einen Teil meiner Lebensfreude. Das ist eine Kapitulation auf Raten. Der Rausch ist verlogen und hinterlistig. Er gaukelt mir vor, lebendig zu sein, voller Leidenschaft und Feuer, und ich glaube ihm, und wenn ich dann wieder runterkomme, wird mir klar, dass ich nur zu einem billigen Porno gewichst habe und dass die heiße Braut nur auf dem Bildschirm existiert.

    Ich glaube nicht, dass ich Schmerz jemals ohne Drogen ertragen werde können.

    Ich wünschte, ich wäre stärker, aber ich weiß, ich bin es nicht.

    Ich ergebe mich lieber den Drogen als dieser Welt (S.100)


    Kai Samweber ist gelernter Dachdecker, doch in seinem Beruf wird der Mittzwanziger nach einem Sturz vom Dach wohl nie mehr arbeiten. Seine körperlichen Beschwerden ertränkt er in Alkohol und Drogen. Hinzu kommen auch Geldsorgen. In Erwartung des ihm zugesagten, noch ausstehenden Lohns leiht sich Kai einige tausend Euro bei den zwielichten Brüdern seines besten Kumpels Shane. Doch sein alter Chef zahlt nicht, meldet Insolvenz an und Kai hat nun ein echtes Problem. Er muss als Drogenkurier seine Schulden abarbeiten.


    Fahrstuhl nach unten


    Unverschuldet hat Kais Leben eine fatale Wendung genommen. Mit körperlichen Schmerzen, völlig blank, um den letzten Lohn betrogen, lässt er sich zunehmend gehen und trifft, wenn er sich überhaupt aufrafft, die falschen Entscheidungen. Sein Leben kennt nur noch eine Richtung: Abwärts. Kai trinkt, kifft, wirft noch andere Sachen ein, lebt in den Tag hinein, feiert exzessive Partys im Studentenheim, wäscht seine Sachen nicht mehr und lässt seine Wohnung verwahrlosen. Er lernt Marion kennen, eine junge Studentin, doch die Liebe steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Er verliebt sich Hals über Kopf, liebt wie im Rausch, aber ignoriert, dass auch Marion eine Last mit sich herumträgt. Gleichzeitig droht seine Tätigkeit als Drogenkurier jederzeit aufzufliegen.


    Der Autor André Pilz wurde mir schon von verschiedenen Seiten empfohlen, so dass ich ihn endlich mal lesen wollte. Der Vorarlberger debütierte 2005 mit dem Roman „No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz“. Der Autor schreibt über sozial- bzw. gesellschaftskritische Themen, so dass mehrere Romane auch fürs Theater adaptiert wurden, unter anderem das 2010 erschienene „Man Down“. Zuletzt erschien 2016 der Kriminalroman „Der anatolische Panther“.


    Parental Advisory


    Im Büro nebenan öffnete mir eine schockierte Frau, die aussah wie ne Sekretärin in nem billigen Porno, und irgendwie passte das sogar, irgendwie war dieses ganze verfickte Leben doch auch nichts anderes als n billiger Porno. Gott holte sich bestimmt einen runter, während er zusah, was wir da trieben. Begeilte sich an dem Schlachten und Lieben, Lachen und Weinen, an dem Blut, Dreck, Sperma, dem ganzen Wahnsinn. (S.94-95).


    André Pilz lässt Kai Samweber seine Geschichte selbst als Ich-Erzähler vortragen. Die Sprache ist direkt, ungeschminkt, manchmal sogar vulgär. Auf einem Tonträger würde ein Aufkleber „Parental Advisory“ prangen. Doch die gewählte Form sorgt für eine hohe Authentizität, der Leser ist direkt bei der Hauptfigur. Als Besonderheit wird die chronologisch vorgetragene Geschichte immer wieder von Abschnitten unterbrochen, in denen Kai Briefe an seinen verstorbenen Bruder Florian schreibt. Diese Briefe nutzt Kai zur Selbstreflektion, er vertraut sich seinem Bruder an. Gleichzeitig deuten diese Briefe aber noch eine weitere Ebene an, eine Schuld, die Kai mit sich herumschleppt.


    Das Buch spielt in München und zeigt eine ganz andere Seite, die man von der bayerischen Hauptstadt sonst so mitbekommt (auch in Kriminalromanen): Prekariat, Perspektivlosigkeit, Gewalt. Im Grunde genommen ist das Buch ein Noir: Einem jungen Mann wird übel mitgespielt, in seiner Not wird er kriminell und setzt einen Mechanismus zu einem bitteren Ende in Gang, das der Leser mit zunehmender Sicherheit erwartet. Die Geschichte ist auch ein Aufschrei gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit, allerdings sind mir die Figuren des feisten Chefs und des illoyalen Anwalts ein wenig zu plakativ geraten. Das trübt den Gesamteindruck aber eigentlich kaum, „Man Down“ ist eine harte, schnörkellos und rasant erzählte Story und für mich absolut empfehlenswert.

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    awogflis avatar
    awogflivor 10 Monaten
    Im freien Fall

    Ich mag dieses Milieu und die Sprache des Romans zwar überhaupt nicht. Die Protagonisten sind ordinär, primitiv, gewalttätig, hasserfüllt und gleichzeitig auch lamentierend weinerlich, die Stimmung ist siffig, alkohol- und drogengeschwängert, sexuell anrüchig - also extrem tief.
    …..und dennoch ist es ein gutes Buch, sehr kraftvoll wird dem Leser eine authentische unangenehme Welt mit Macho-Verliererattitüde geschildert, bei der ich als Leserin in jeder Zeile unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. So funktioniert gute Literatur, die primäre Todsünde ist Langeweile, alles andere ist bei mir zumindest sekundär.

    Kai ist 25 und am Ende: Bei seiner Arbeit als Dachdecker ist er heruntergefallen, hat sich schwer verletzt und ist nun arbeitslos, pleite und perspektivlos. Eine Weile kämpft er noch gegen den freien Fall, wehrt sich gegen die Abzocke seines Ex-Chefs, ihn um seine geleisteten Überstunden zu betrügen, borgt sich von den falschen Leuten Geld, um die Zeit, in der er sein Recht erkämpfen möchte, zu überbrücken. Als er glaubt, völlig am Boden zu liegen öffnet sich eine weitere Falltür (welch eine herrliche Analogie!), die ihn in ungeahnte Tiefen katapultiert. Der weitere Abstieg ist vorprogrammiert: Arbeit als Drogenschmuggler, um das geliehene Geld zurückzuzahlen, eine extrem problembehaftete Liebe und Beziehung zu einer Frau mit ähnlicher Biografie, ein krimineller- eigentlich komplett verschlagener falscher Freund und zu guter Letzt der Showdown mit dem Rücken zur Wand am Abgrund, der dennoch eine Art Befreiungsschlag darstellt. Eine großartige Geschichte!

    Sprachlich hat das Werk sicher Anleihen beim Altmeister des tiefen Macho-Romans Charles Bukowski genommen, wobei der verbale Stil perfekt auf die abgewrackten deutschen Vorstädte und Glasscherbenviertel der heutigen Zeit transferiert wurde, in der Leute mit Migrationshintergrund Tür an Tür mit Nazischlägerversagern wohnen. Aber die harten knackigen Macho-Figuren von Kai und Shane sind nicht ganz so überzeichnet wie bei Bukowski, sondern es schleicht sich eine weinerliche Selbsterkenntnis, eine Auseinandersetzung mit dem und suhlen im Versagen ein. Das gefällt mir fast besser, da es von der Figurenentwicklung weitaus realistischer gezeichnet ist.

    Auch die Liebesgeschichte ist harter Tobak. Sie ist ein bisschen vergleichbar mit der Stimmung von Wir Kinder vom Bahnhof Zoo der 80er Jahre, erzählt aus der Sicht eines „alternden“ nunmehr erwachsenen Detlef, Freund von Christiane F. Statt Heroin werden nun modernerweise wahlweise rezeptpflichtige Schmerzmittel kombiniert mit Alkohol, Extasy oder Pilze eingeworfen und anschließend noch kiloweise Gras geraucht, um wieder runterzukommen. Marion, die große Liebe von Kai hat ihre eigene furchtbare geheimnisvolle Geschichte und diese öffnet letztendlich auch die letzte Falltür für unseren Helden bzw. Anti-Helden Kai.

    Ich kann die Begeisterung von vielen für diesen Roman sehr gut verstehen. Ein großartiger Plot, wundervolle Figurenentwicklung, aber eine Welt und eine Sprache, die gar nicht angenehm sind. Da ist nichts ein bisschen subtil oder umschrieben, alles wird dem Leser quasi gewalttätig mit einem primitiven Holzhammer eingebläut. Auch dass jemand mit diesen typischen Versagerfiguren, der Welt, dem Hass und der Sprache so gar nix anfangen kann, ist völlig verständlich. Ich bin ein ganz kleines bisschen ambivalent, liebe die Stärke der Geschichte, die Spannung, mag die Welt nicht, gebe aber trotzdem oder vielleicht sogar deshalb eine klare Leseempfehlung aus.

    Fazit: Harter Tobak! Nicht für jedermann! Ein weiterer, weniger bekannter österreichischer Autor, den man beachten sollte.

    Kommentare: 2
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    dominonas avatar
    dominonavor 2 Jahren
    Absturz

    Das Buch ist voller Gewalt und Hass auf das deutsche System. Der Protagonist kann seit einem nicht selbst verschuldeten Sturz vom Dach nicht mehr auf dem Bau arbeiten, bekommt aber auch sein Geld vom Chef nicht, der sich schön aus der Affaire zieht. So rutscht der liebe Kai in die Drogenszene ab und dann lernt er auch noch ein Mädel kennen...trotzdem ist er auf alles sauer und man kann ihn verstehen. So viel Hass und Gewalt habe ich bisher nicht in vielen Büchern gesehen.

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    Monis avatar
    Monivor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderbare Literatur, brutal und liebevoll zugleich!
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Man Down ist die Geschichte eines jungen Mannes auf dem Abstieg, ohne Zukunftsperspektiven inmitten unseres Sozialstaats - eine Verlierer- und Liebesgeschichte am unteren Rand der Gesellschaft. Das Buch führt uns vor Augen, wie einfach der Weg dorthin ist und wie ungerecht und untätig sich unsere Gesellschaft gegenüber ihren Verlierern verhält. Drogensucht, Alkoholmissbrauch, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit, Freundschaft, Liebe und Verrat und der Kampf ums nackte Überleben sind die Themen, die mich bis zur letzten Seite und darüber hinaus gefesselt haben.

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    gurkes avatar
    gurkevor 7 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Der 25 jährige Kai ist in seinem Leben an einen absoluten Tiefpunkt angekommen. Er hat keinen Job mehr, kein Geld und nimmt Drogen. Als er nicht mehr weiter weiß, leiht er sich von Shanes Brüdern Geld. Shane ist der beste Freund von Kai, allerdings sollte man nicht mit seinen türkischen Brüdern spaßen. Letztendlich zwingen diese ihn Drogen zu schmuggeln um seine Schulden abzuarbeiten.
    Als Kai Marion kennenlernt, scheint zunächst alles anders zu werden. Sie ist nicht nur intelligent und hübsch, sie ist auch noch seine große Liebe und erwidert diese. Doch auch Marion hat so einiges zu verbergen...

    Von Anfang an ist der Leser mitten in der Geschichte. Sie ist aus der Sicht von Kai erzählt und hat es wirklich in sich. Er nennt alles knallhart beim Namen und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Seine Worte stammen direkt aus dem Milieu. Das wirkt aber nicht zu obszön oder fehl am Platz. Im Gegenteil, diese Sprache macht die Erzählung sehr authentisch.

    Der Autor hat es geschafft, dass man von Anfang an mit Kai fühlen konnte. Mal hat man ihn verstanden, mal hat man Mitleid mit ihm und des Öfteren ist man wohl mit seinem Verhalten überhaupt nicht einverstanden. Fakt ist aber, dass man während des gesamten Buches das ganz nah bei ihm ist, so als säße Kai direkt neben einem und erzählt seine Geschichte.

    "Man Down" schockt nicht nur und rüttelt den Leser auf, sondern ist auch ein absoluter Pageturner. Wenn man das Buch einmal angefangen und sich auf die Geschichte eingelassen hat, kann man es unmöglich wieder aus der Hand legen. Hat man auch die letzte Seite zuende gelesen, lässt einen der Roman immer noch nicht los, sondern setzt sich im Kopf fest. Auch auf mich hat das Buch einen sehr bleibenden Endruck hinterlassen.

    Für mich gibt es keinen Kritikpunkt. Ich habe alle Höhen und tiefen und alle Gefühle von Kai hautnah miterleben dürfen und bin absolut fasziniert von "Man Down".
    Ich möchte hier eine Empfehlung an alle Leser aussprechen, die mal etwas ernstes lesen möchten, das mitten aus dem Leben zu stammen scheint. Für mich war das Buch etwas ganz besonderes.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 8 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    'Ich war fett im Minus damals'

    Inhalt:
    Der Ich-Erzähler Kai hatte einen schweren Unfall, ist bei der Arbeit vom Schlossdach gefallen. Nun ist er arbeitslos, pleite, wartet auf das Geld, das ihm sein Ex-Arbeitgeber noch schuldet, dröhnt sich den ganzen Tag mit Alkohol, Tabletten und Drogen zu. Er hatte sich in der Not Geld von den zwielichtigen Brüdern seines besten Freundes Shane geliehen und merkt nun, dass er die beiden nicht fristgerecht auszahlen kann. Als letzten Ausweg tut er das, was er niemals tun wollte - er wird Drogenkurier.

    Mein Eindruck:
    Schon der erste Satz ('Ich war fett im Minus damals') hat mich abgeschreckt und mich schon ein wenig darauf vorbereitet, was ich sprachlich von dem Buch zu erwarten habe. Im weiteren Verlauf bleibt der Tonfall flapsig, die Schilderungen umgangssprachlich, und die Fäkalsprache dominiert das Buch. Ich lehne Bücher mit derber Sprache nicht per se ab - so bin ich beispielsweise sehr begeistert von Jonas T. Bengtsson und von Roger Smith. Doch André Pilz' Sprache wirkt auf mich nicht authentisch, sondern eher hölzern und möchtegern-hart. Obwohl die Geschichte an sich bewegend ist, empfand ich die Protagonisten als so unecht und vorhersehbar, dass ich emotional nicht mitfühlen konnte. Eigentlich weiß man, wo die Geschichte endet, und es gibt wenig Überraschendes - das weiß man bei Bengtsson zwar auch, aber dort leidet man dennoch mit den Protagonisten.

    Mein Resümee:
    Ich habe prinzipiell kein Problem mit Fäkalsprache in Büchern, wenn sie zum Inhalt passt und das Gesagte authentischer macht. Zu 'Man down' muss ich jedoch sagen, dass der Einsatz von Fäkalsprache noch lange keine glaubwürdige Geschichte macht und dass die Schilderung eines sozialen Abstiegs, großer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit noch lange keinen authentischen Roman einer Existenz am Abgrund macht.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Ein schlimmes Buch. Der Autor hört Böhse Onkelz, und so schreibt er auch. Er möchte uns gerne vom "echten Leben" erzählen, doch zwischen den Zeilen liest man, das alles nur Pose und er selber eigentlich ein Gutmensch ist. Unerträgliches Boulevard-Niveau, keine Ahnung, warum jeder das Buch lobt. Vielleicht auch Geschmackssache. Mich hat es nicht erreicht. Stilistisch sind Clemens Meyer und andere ihm um Längen überlegen.

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    sternthaler75vor 8 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Wie weit unten kann Mann landen? Das frage ich mich, nachdem ich dieses Buch beiseite gelegt habe. Kai Samweber, ein junger Mann, er steht mitten im Leben, ist Dachdecker. Nach einem Unfall auf einer Baustelle ändert sich alles. Kein Geld, keinen Job, keine Perspektive. Die Wohnung verschimmelt, das Klo kaputt, die Klamotten seit Wochen am Leib, ewige Rückenschmerzen. Und Schulden bei der Bank... jede Menge. Sein ehemaliger Chef läßt ihn sitzen, kein Gehalt, keine Abfindung... nichts.
    Sein Freund Shane hätte da ja was für ihn. Denn das Geld, dass seine Brüder Kai geliehen haben, kann er nicht zurück bezahlen... niemals. Drogenkurier aus der Schweiz, dann wäre er seine Schulden bald los. Aber Kai will das nicht. Er hat doch gerade seine große Liebe kennen gelernt- Marion, Studentin. Aber da ist etwas, ein Geheimnis, Kai weiß nur nicht, was. Und Marion schweigt. Haben die zwei eine Chance?
    Andrè Pilz hat es mit diesem Buch geschafft, dass ich es innerhalb von 3 Tagen gelesen habe. Es ist knallhart geschrieben, nichts, aber auch garnichts ist da geschönt. Sex, Drogen, Alkohol, die ganze Bandbreite. Mit unverblümter Wortwahl nimmt Kai uns mit auf seinen Weg nach unten. Der Leser fiebert mit, sitzt neben Kai im Zug, die Tasche mit dem Gras unterm Sitz. Der Leser säuft mit, um sich die Welt schön zu saufen. Der Leser sitzt neben ihm auf dem Bett, während Kai mit Marion Sex hat. Der Leser bekommt auf die "Fresse", als Kai überfallen und verprügelt wird. Der Leser raucht eine Tüte mit ihm und schaut durch die rosarote Brille. Der Leser schaut Kai über die Schulter, wenn er Briefe schreibt an seinen kleinen toten Bruder.

    Voller Anspannung liest sich dieses Buch, ständig ist man in "Hab-Acht"-Stellung, wartet auf die nächste Überraschung, den nächsten Schlag. Und der kommt... garantiert. Schmerzvoll, direkt... .
    Vielleicht schreckt es manche Leser ab, ständig mit den Worten "Fuck, Wichser, Ficken" usw. bombadiert zu werden. Gewalttätige Szenen werden sehr bildhaft beschrieben, das Kopfkino leistet ganze Arbeit. Aber das Buch ist lesenswert, ohne jede Frage. Denn so ist das Leben oft: Hart, grausam, ungerecht.
    Es freut mich, dass ich meinem 19-jährigen Sohn dieses Buch weiterempfehlen konnte, denn eigentlich liest er nicht gern.

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    sarahsbuecherwelts avatar
    sarahsbuecherweltvor 8 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Ein Arbeitsunfall reißt den 25jährigen Kai Samweber aus seinem bisherigen Leben. Ohne Aussicht auf einen neuen Job, von seinem früheren Chef betrogen, muss Kai, der immer nur arbeiten will, Hartz IV beantragen. In einer heruntergekommenen Wohnung fristet er ein trauriges Dasein. Drogen, Schmerzmittel, Alkohol und sein einziger Freund Shane bestimmen sein Leben. Als er Marion, eine attraktive Studentin, kennenlernt, entdeckt er die wahre Liebe. Doch da sind noch seine Schulden, die er bei Shanes Brüdern hat. Sie verlangen ihr Geld zurück und zwingen ihn als Drogenkurier seine Schulden abzuarbeiten. Für ein glückliches Leben mit Marion wagt er diesen Schritt, um dann festzustellen, dass sie nicht die Frau ist, die glaubt zu kennen.

    Schon ein Blick auf den Klappentext und das Cover mit dem harten und traurigen Gesichtern sprechen für sich. „Man Down“ ist kein Buch für schwache Nerven. André Pilz schreibt ehrlich, brutal, kompromisslos und komplett schonungslos über eine völlig verzweifelte Generation und Schicht in vielen Städten weltweit. Ich durfte als Leser in eine Welt eintauchen, die authentischer nicht hätte sein können. Drogen, Alkohol, Sex, Kriminalität und das wahre Leben am Rande der unteren Schicht. Aus der Ich-Perspektive wurde mir von Kai seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die von Freundschaft, Liebe, Wünschen und einem harten Abstieg handelt. Ich wurde mitten in seinen Alltag aus Drogen, Alkohol und Selbstbefriedigung geworfen. Nach und nach erfährt man die Gründe für sein verkorkstes Leben. Es ist erschütternd,bewegend und traurig zu gleich. Beim Lesen stellt man schnell fest, das Kais Geschichte kein Einzelfall ist. Er hat hart gearbeitet, durch einen Arbeitsunfall alles verloren und steht nun vor einem riesigen Scherbenhaufen.Zugleich zeigt André Pilz, dass auf der anderen Seite sein reicher Chef ist, der trotz Konkurs eine neue Firma gründet, anstatt ihm seinen offenen Lohn zu zahlen. Ein Schicksal, wie es tausende auf der Welt gibt.

    Dabei erzählt André Pilz nicht nur den Alltag, sondern auch die komplette Gefühlswelt. Dazu benutzt André Pilz ein Briefformat. Kai schreibt regelmäßig an seinen verstorbenen Bruder Briefe geschrieben. Dort konnte ich als Leser einen Blick hinter seine coole Fassade werfen. Lediglich einige Schlüsselereignisse, wie Marion, helfen ihn den ganzen Scheiß zu vergessen. Ansonsten hat er keinen Grund mehr zu leben und wünscht sich mehr als nur einmal den Tod.

    Wer jetzt an einen völlig abgestumpften Junkie denkt, liest dieses Buch nur oberflächlich. André Pilz hat Kais Drogenkarriere nur als Aufhänger benutzt. Beim Lesen wird jeder merken, dass er vorher noch ein ganz normaler Arbeiter war, der von der Gesellschaft betrogen wurde und sein Leben so keinen Sinn mehr hat, dass er keinen Ausweg mehr sieht, als sich zu zudröhnen. Realistisch und ohne jegliche Beschönigung setzt sich der Autor mit dieser Thematik auseinander. Dabei passt er sich sprachlich der Gesamtsituation an. Brutal, stellenweise vulgär und nicht immer jugendfrei lässt er Kai sein Leben erzählen. Genau diese Sprache vermittelt ein authentisches Bild der deutschen, jungen Unterschicht.

    Ich habe das Buch angefangen und konnte es trotz seiner harten Sprache nicht aus der Hand legen. An keiner Stelle wirkt diese Geschichte künstlich oder erfunden.

    Besonders am Ende wird dies deutlich. Statt einem Happy End gibt es auch hier einen harten Schluss. Eben das reale Leben.

    Dieses Buch wirkt nachhaltig auf den Leser. Während der Handlung kommt man wenig zum Nachdenken. Vieles bleibt jedoch hängen und am Ende dieser Geschichte muss man dies erstmal sacken lassen und verarbeiten. Auch wenn die Sprache deutlich unter Gürtellinie ist, ist es die Sprache vieler Menschen. Jeder Lehrer würde bei den vielen Fäkal-Wörtern den Kopf schütteln. Trotzdem finde ich dieses Buch sehr wertvoll und für Schulklassen ein Muss. Schließlich zeigt es die großen Unterschiede der verschiedenen Schichten. Hier wird genau der Unterschied zwischen Oberschicht und Unterschicht aufgezeigt, aber auch wie schnell der Abstieg gehen kann.

    Aus diesem Grund kann ich das Buch empfehlen. Es ist hart und sicherlich nicht der Geschmack der Mehrheit. Wer es aber gelesen hat, wird begeistert sein. Grausam, aber das ist die Wahrheit immer.

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    AennAs avatar
    AennAvor 8 Jahren
    Rezension zu "Man Down" von André Pilz

    Es geht mir gut.
    Wie gut, wird mir klar, als ich die Geschichte von Kai lese, die uns André Pilz in seinem Roman "Man Down" erzählt...

    Kai wird durch einen Betriebsunfall arbeitsunfähig. Sein Arbeitgeber lässt ihn fallen und bleibt ihm auch seine letzten Gehälter schuldig. So wird Kai schuldlos zum Hartz IV-Empfänger. Er rutscht immer mehr ab, verliert sich im Alkohol-und Drogenkonsum. Letztendlich lässt er sich auf kriminelle Machenschaften ein, um seine Schulden begleichen zu können.
    Dann verliebt er sich in Marion, doch auch die Beziehung zu ihr verläuft nicht ohne Probleme...

    Wer "Man Down" liest, sollte nicht allzu zart besaitet sein! André Pilz führt uns in eine andere Welt, allerdings nicht im positiven Sinne...Er zeigt uns menschliches Elend, und das ausgesprochen offen und schonungslos!
    Der Autor bedient sich, hauptsächlich in den Dialogen, einer sehr lockeren, umgangssprachlichen Ausdrucksweise, das Wort fi..en taucht unzählige Male in allen Variationen auf. Ein bisschen weniger Fäkalsprache hätte dem Buch sicher nicht geschadet, zumal André Pilz es auch so versteht, Kais Situation des sozialen Abstiegs, mit allen damit verbundenen Emotionen wie Angst und Hoffnungslosigkeit, deutlich zu machen.
    Außerdem droht die Gefahr, den Hartz IV- Empfänger automatisch auf ein niedriges Niveau herabzusetzen, statt mit Vorurteilen aufzuräumen. Es kann jeden treffen...
    Glücklicherweise bekommen wir Gelegenheit, hinter Kais betrunkener und zugedröhnter Fassade den wahren Menschen kennenzulernen, nämlich einen intelligenten und liebenswerten, zudem sensiblen jungen Mann.
    In Briefen, die er an seinen Bruder verfasst, kehrt er sein Inneres nach Außen.
    Er beschreibt seine Hoffnungen, Sehnsüchte und seine Gefühle wie Angst und Scham.

    "Man Down" hat mich sehr berührt, hat mich schockiert, hat mir Angst gemacht...
    Das Buch zeigt, wie nah der Abgrund ist und wie schnell man fallen kann!
    Ich kann jedem nur empfehlen, den Mut dazu aufzubringen, sich auf diese Lektüre einzulassen.

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