Mit „Mörderische Tide“ von dem Autoren-Duo Andre Wegmann & Amy Nordberg habe ich einen Kriminalroman vor mir, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Bereits das schöne Cover fängt die Küstenstimmung perfekt ein und der Klappentext verspricht einen Wettlauf gegen die Zeit. Dieses wird von den Autoren auch eingehalten: Ich wurde schon im Epilog in den Plot um eine brutal ermordete Seniorin in Norddeich gezogen, weshalb ich gleich wusste, wohin die Reise geht.
Robert Strater, ein traumatisierte Hauptkommissar, wurde frisch aus Hamburg versetzt und übernimmt gleich die Ermittlungen. Mit seinen ruppigen Art sowie seiner liebenswerten norddeutschen Direktheit ist er sofort greifbar. Ihm zur Seite steht – oder vielmehr kommt in die Quere – Antonella Lestrato, genannt „Kante“. Sie ist eine temperamentvolle Tätowiererin, die eine enge Bindung zum Opfer hatte. Und unbedingt bei der Aufklärung helfen will. Allerdings kämpft „Kante“ mit ihren eigenen Dämonen und versteckt Verletzlichkeit hinter einer schroffen Fassade. Beide Protagonisten könnten unterschiedlicher kaum sein, gehen sich herrlich auf die Nerven – und wirken dadurch umso authentischer. Auch Straters Partner Enno Brunsen, der selbsternannte „Sunny Crockett von Norddeich“, sorgt mit seiner leicht überheblichen Art für zusätzliche Würze, auch wenn er nicht bei jedem Auftritt Sympathiepunkte sammelt.
Die Handlung selbst ist mitreißend konstruiert. Die Kapitel sind kurz, klar erzählt und wechseln zwischen verschiedenen Perspektiven im personalen Stil, was das Tempo hochhält. Mir haben die eingestreuten plattdeutschen Dialoge absolut gefallen: sparsam, gut verständlich (zumindest für mich) und stimmig in den flüssigen Schreibstil eingebettet. So entsteht ein angenehmes Lokalkolorit, wodurch sich das Buch vom typischen Regionalkrimi abhebt.
Auf der Suche nach dem Motiv und dem Täter tappte ich lange im Dunkeln. Subtil platzierte Hinweise führten mich immer wieder auf falsche Fährten und ich war bis zur letzten Seite am Rätseln, wer hinter den Taten steckt – um es dann bei einem packenden „Showdown im Watt“ zu erfahren. Diese mitreißende und gut durchdachte Konstruktion hält die Spannung dauerhaft hoch.
Mich hat die Zusammenarbeit der beiden Autoren überzeugt und bin jetzt schon gespannt, wie es mit Strater und Kante weitergeht. Für diesen Band vergebe ich ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ und freue mich auf den – hoffentlich - nächsten Band!


























