Andrés Barba

 4,4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor*in von Die leuchtende Republik, Der letzte Tag des vorigen Lebens und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Andrés Barba, 1975 in Madrid geboren, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Spaniens. Sein Werk ist mehrfach preisgekrönt: Für den Roman »Die leuchtende Republik« erhielt er den renommierten Premio Herralde de Novela. »Der letzte Tag des vorigen Lebens« wurde mit dem Premio Finestres de Narrativa ausgezeichnet. Andrés Barba hat Autoren wie Herman Melville, Henry James, Joseph Conrad und Thomas De Quincey übersetzt. Er lebt in Argentinien.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Andrés Barba

Cover des Buches Die leuchtende Republik (ISBN: 9783630875996)

Die leuchtende Republik

(11)
Erschienen am 14.09.2022
Cover des Buches Der letzte Tag des vorigen Lebens (ISBN: 9783442775521)

Der letzte Tag des vorigen Lebens

(2)
Erschienen am 13.08.2025
Cover des Buches Katias Schwester (ISBN: 9783888973390)

Katias Schwester

(2)
Erschienen am 06.09.2003
Cover des Buches Such Small Hands (ISBN: 9781846276439)

Such Small Hands

(0)
Erschienen am 03.08.2017

Neue Rezensionen zu Andrés Barba

Cover des Buches Der letzte Tag des vorigen Lebens (ISBN: 9783442775521)
Booklove91s avatar

Rezension zu "Der letzte Tag des vorigen Lebens" von Andrés Barba

Booklove91
Toller Schreibstil, leise intensive Story!

Meine Meinung

Ich habe "Der letzte Tag des vorigen Lebens" mit großer Aufmerksamkeit gelesen und gebe dem Buch klar fünf von fünf Sternen. Es ist ein stiller, konzentrierter Roman, der ohne laute Effekte auskommt und gerade dadurch eine enorme Spannung entfaltet. Die Erzählerin, eine Maklerin, betrachtet Häuser nicht bloß als Objekte, sondern als Speicher vergangener Leben. Als sie auf eine Geschichte stößt, die sie nicht mehr loslässt, kippt ihre professionelle Distanz langsam in eine gefährliche Nähe.

Was mich beeindruckt hat, ist die Sprache. Die Sätze sind präzise, unaufdringlich und doch voller Nachhall. Vieles geschieht zwischen den Zeilen, und gerade das macht den Text so dicht. Es ist keine klassische Geistergeschichte, und doch liegt eine unterschwellige Unruhe über allem. Die Figuren sind komplex und fehlerhaft, ohne jemals konstruiert zu wirken. Der Roman stellt Fragen nach Verantwortung, Erinnerung und Selbsttäuschung, ohne sie je platt zu beantworten.

Ein leises, kluges Werk, das seinen vollen Sinn erst entfaltet, wenn man ihm Zeit zum Nachklingen gibt.


Klappentext

Sie ist eine Immobilienmaklerin mittleren Alters, Tochter eines Friseurs, seit zwei Jahren verheiratet mit einem älteren Mann, zu dem sie sich nicht mehr hingezogen fühlt. Sie übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus. Mit einer solchen Hingabe, dass es für sie eine Kunst, eine Art Poesie ist, für jedes Haus den perfekten Besitzer zu finden. Sie ist stolz darauf, Häuser zu ertasten und ihre Vergangenheit zu erspüren. Eines Tages, als sie eine leer stehende Villa für die Besichtigung vorbereitet, stößt sie auf einen achtjährigen Jungen in einer braunen Schuluniform, der nicht blinzelt. Er scheint aus einer anderen Zeit zu kommen, gefangen an diesem Ort wie ein Insekt in einem Glas. Das Kind erwartet etwas von ihr, das spürt sie. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine verstörende Abhängigkeit, die das Leben der Frau für immer verändern wird. 


Über den Autor

Andrés Barba, 1975 in Madrid geboren, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Spaniens. Sein Werk ist mehrfach preisgekrönt: Für den Roman »Die leuchtende Republik« erhielt er den renommierten Premio Herralde de Novela. »Der letzte Tag des vorigen Lebens« wurde mit dem Premio Finestres de Narrativa ausgezeichnet. Andrés Barba hat Autoren wie Herman Melville, Henry James, Joseph Conrad und Thomas De Quincey übersetzt. Er lebt in Argentinien.

Cover des Buches Der letzte Tag des vorigen Lebens (ISBN: 9783442775521)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Der letzte Tag des vorigen Lebens" von Andrés Barba

Hyperikum
Faszinierend befremdlich

Sie hat das Haus streichen lassen und selbst dekoriert. Darin ist sie gut, hat ein feines Gespür für Architekturen und die passenden Details. Dennoch glaubt sie nicht daran, dass sie es verkaufen wird. Es ist zu protzig, die Vorbesitzer haben zu viel gewollt. Nachdem sie noch kurz durch die Küche gewischt hat, dreht sie sich zum Esszimmer und sieht ihn am Tisch sitzen. Einen etwa siebenjährigen Jungen mit kurzer brauner Hose und schwarzen Boots ohne Socken. Er ist ihr auf Anhieb unsympathisch, vermutlich, weil sie ihm all die Attribute andichtet, die dieses neureiche Haus verkörpert. Er blickt sie direkt an, ohne zu blinzeln. Er könnte aus der Zeit gerutscht sein und doch hat er etwas Körperliches, Reales. Nachdem sie sich eine Weile wortlos gemustert haben, fragt sie ihn:


„Was willst du?“ „Hör mal, hier darfst du nicht sein, verstehst du? Gleich kommen Leute.“ S. 44


Sie liebt den Mann, mit dem sie zusammenlebt, nicht. Vor zwei Jahren, als sie sich bei einer Wohnungsbesichtigung kennenlernten, wirkte er anziehend auf sie, jetzt findet sie ihn nur noch wuchtig. Sie erzählt ihm nicht von ihrem Erlebnis mit dem Jungen, warum auch. Auch ihrem Vorgesetzten sagt sie nicht, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Sie lässt sich ein Duplikat vom Schlüssel anfertigen. Bisher war sie stets rechtschaffen, sie versteht selbst nicht, was sie jetzt antreibt. Nach zwei Besichtigungsterminen treibt es sie zum Haus. Sie will den Jungen wiedersehen, aber im Esszimmer ist er nicht. Stattdessen sieht sie sich selbst in der Küche stehen, die Armaturen polierend, in den Kleidern von gestern.

Fazit: Andrés Barba hat eine verstörende Geschichte geschaffen. Seine kühl kalkulierte, sich selbst stark kontrollierende Protagonistin verkauft Häuser. Ein kleiner Junge weckt ihre Neugier und Faszination und wird zu ihrer Obsession, die ihr ganzes Dasein umkrempelt. Sie findet heraus, in welcher Notlage sich das Kind befindet, weil es glaubt, sich einiger Vergehen schuldig gemacht zu haben, und schafft es intuitiv, ihn zu befreien. Das Verblüffendste an der Geschichte, die aus Sicht der Erzählerin gezeigt wird, sind nicht die mystischen Elemente, sondern die ruhige Schreibweise. Der Autor erzeugt die Spannung nicht durch ein erhöhtes Tempo, im Gegenteil er tastet sich langsam an die Ereignisse heran, schafft Interaktionen, die verboten scheinen und am Ende lichten sich die bedrohlichen Schatten und alles wird hell und verständlich. Letztenendes wurde mir gezeigt, wie Schuldgefühle uns bremsen und von anderen entfremden können, wie sie die Einsamkeit anfachen. Andrés Barba erklärt in seiner Danksagung, dass die Geschichte während einer Krise in einer Zeit großer Unsicherheit entstand. Inspiriert fühlte er sich durch Clarice Lispektor (Die Passion), die ihre eigene Sprache gefunden hatte, sich einer Sache anzunähern. Ich habe diese seltsame, anspruchsvolle Herangehensweise und Umsetzung sehr gerne gelesen.

Cover des Buches Die leuchtende Republik (ISBN: 9783630875996)
Christian1977s avatar

Rezension zu "Die leuchtende Republik" von Andrés Barba

Christian1977
Die Angt vor dem Fremden

"Die leuchtende Republik" des in Argentinien lebenden Spaniers Andrés Barba, in der deutschen Übersetzung von Susanne Lange bei Luchterhand erschienen, ist ein zutiefst seltsamer und ungewöhnlicher Roman. 

Das Buch spielt in der fiktiven südamerikanischen Kleinstadt San Cristóbal, wo sich im Oktober 1994 plötzlich eine ganze Reihe von offenbar obdachlosen fremden Kindern einfindet. Die Kinder kommunizieren in einer rätselhaften Sprache miteinander und fallen zunächst durch Betteleien auf, was von den Bewohner:innen San Cristóbals mehr oder weniger akzeptiert wird. Ein Wendepunkt ist ein Überfall der Kinder auf einen örtlichen Supermarkt, in dessen Folge sogar zwei Menschen ums Leben kommen. Als nach und nach einige der einheimischen Kinder verschwinden, um sich den Fremden anzuschließen, eskaliert die Situation und führt schließlich - so viel verrät der Roman gleich zu Beginn - zu 32 toten Kindern.

Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive des damaligen Leiters der Sozialbehörde und mit einem Abstand von 22 Jahren. Womit wir neben dem merkwürdigen Inhalt bei einer weiteren Sonderbarkeit wären. Denn dieser namenlose Ich-Erzähler berichtet über die damaligen Vorfälle einerseits fast protokollarisch und bezieht haarklein Datumsangaben über Krisensitzungen, TV-Dokus, später veröffentlichte Tagebücher etc. in höchst sachlicher Form mit ein - nur um andererseits immer wieder emotional aus dieser Form auszubrechen und zutiefst philosophische Fragen zu stellen. Einen emotionalen Zugang findet man zu ihm jedoch nicht, soll man wahrscheinlich auch gar nicht. Und dennoch wird man wie er immer wieder überwältigt - von der Gewalt der Kinder, aber auch von deren Kreativität, die auch bei der Namensfindung des Romans eine immense Rolle spielt, ohne darüber zu viel verraten zu wollen.

Wahrscheinlich gibt es zahlreiche Interpretationansätze für die Geschichte. Ich persönlich habe es einerseits als eine Art Parabel in Romanform begriffen, die sich mit der Angst vor dem Fremden an sich beschäftigt. Die fremden Kinder gleichen denen der Einheimischen in keinster Weise. Sie werden als auffallend schmutzig beschrieben, andererseits strahlen sie etwas ungemein Würdehaftes aus. Hinzu kommt die seltsame Sprache, die übrigens von einem einheimischen Mädchen entschlüsselt wird. Auf der anderen Seite stellt der Roman wichtige philosophische Fragen wie beispielsweise "Wie definieren wir eigentlich Zivilisation?" oder "Wie verhält sich eine zivilisierte Gesellschaft?" Denn die Erwachsenen in San Cristóbal verhalten sich alles andere als zivilisiert und verursachen mit ihrem schlimmen Verhalten letztlich den tragischen Ausgang dieser Geschichte.

Ich habe "Die leuchtende Republik" im eigentlichen Sinne zwar nicht gern, sondern mit einem gewissem Unbehagen gelesen, aber auch mit einer seltsamen Faszination - für die Kinder, aber auch für die Erzählweise. Insgesamt ist Andrés Barbas Roman keine leichte Kost, die trotz der knappen 220 Seiten eine Fülle an wichtigen Fragen behandelt.

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