Andrea Bajani Lorenzos Reise

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Inhaltsangabe zu „Lorenzos Reise“ von Andrea Bajani

»Das Buch verzaubert einen ganz still.« Christine Westermann in ›WDR 2 Bücher‹ Eigentlich will Lorenzo sich nur rasch seiner Sohnespflicht entledigen: Er ist nach Bukarest gereist, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Angesteckt von der Goldgräberstimmung der Neunzigerjahre hatte sie auf der Suche nach dem schnellen Geld ihren kleinen Sohn in Rom zurückgelassen. Als Lorenzo erfährt, dass sie beruflich wie privat gescheitert war, will er mehr über ihr Leben erfahren. Er bleibt und stellt sich endlich seiner Vergangenheit. Virtuos erzählt Andrea Bajani vom Verlassenwerden und davon, wie man trotzdem erwachsen wird. »Ich empfand beim Lesen so viel Rührung und Anteilnahme, wie sie mir die junge italienische Literatur schon sehr lange nicht mehr verschafft hat.« Antonio Tabucchi

Ich hab mehr über die Umstände Rumäniens in diesem Buch vermittelt bekommen, als über die Beziehung Lorenzos zu seiner komischen Mutter.

— Buchstabenliebhaberin
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  • Auf Mutters Spuren

    Lorenzos Reise
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    07. June 2015 um 20:37

    Ich hab mehrere Anläufe gebraucht, bis mir der Einstieg ins Buch gelang. Lorenzos Mutter ist gestorben. Er reist nach Rumänien - dorthin ging die impulsive, geschäftstüchtige Erfinderin, nachdem sie ihren ungeliebten Mann und ihr kleinen Sohn verließ. Vor vielen Jahren. Lorenzo versucht zu verstehen, wohin seine Mutter gegangen ist. Und warum. Wobei, so richtig klar wurden mir weder seine noch ihre Beweggründe bis zum Schluss nicht. Er trudelt mehr durch das triste, graue Rumänien, als dass er aktiv etwas sucht oder findet. Wobei die Geschichte einen beschäftigt. Nicht loslässt. Der Autor entwirft das Bild einer schönen jungen Frau, mit der irgendetwas nicht ganz richtig ist. Die immer einen Tick zu aufgedreht ist, von der eigenen Familie abgelehnt, nach einer arrangierten kurzen Ehe, mit einem unehelichen Sohn, einer verlässlichen, langweiligen neuen Mann. Mit einer verrückten Geschäftsidee, die funktioniert, mit der sie erfolgreich ein Unternehmen schafft und durch die Welt jettet. Die ein inniges Verhältnis zum Sohn hat, aber auch zu ihrem Geschäftspartner. Die sich über die Konventionen hinweg setzt und sich langsam aber sicher aus dem Leben ihres Mannes und ihres Sohnes hinaus schleicht. Sich ein neues Leben in Rumänien aufbaut. Dort verliert sich ihre Spur. Lorenzo fliegt zur Beerdigung nach Rumänien und wagt einen vorsichtigen Blick in das Leben seiner Mutter. Sie, die einst glorreiche Schöne, starb unglücklich, ungepflegt, stinkend. Sie hatte sich selbst aufgegeben, lebte von ihren Anteilen am immer noch erfolgreichen Unternehmen. Mir ist nicht so ganz klar, was da passiert ist und warum. Sie hatte Freunde. Sie war nicht auf ihren schmierigen Geschäftspartner und Lebensgefährten angewiesen, und so hatte sie auch gelebt. Das Buch behandelte eher die Eckdaten der unsteten Mutter, ihr kindliches Wesen, aber auch ihren Pioniergeist, ihr Karrierebestreben. Das passt nicht richtig zusammen. Auch Lorenzos Charakter erschließt sich mir nicht. Was macht er da, in Rumänien? Gelungen fand ich die Sozialstudie Rumäniens. Dieses gebeutelten Landes, das nicht in die Puschen kommt. Das "immer den falschen Leuten vertraut". Auf etwas wartet, das nicht kommt. Was kommt, sind knallharte Kapitalisten, die dort billige Arbeitskräfte und das große Geld wittern. Und hübsche Frauen, die ohne sie chancenlos wären. Goldgräberstimmung. Aber nicht für jeden. Nicht für die meisten Rumänen. Wie ungerecht ... Kein schlechtes Buch. Aber ich hatte mir mehr versprochen. Ich bleibe ein wenig ratlos zurück. Was hat Lorenzo denn nun gefunden? Konnte er seinen Frieden mit seiner Mutter machen? Ich weiß es nicht.

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  • Rezension zu "Lorenzos Reise" von Andrea Bajani

    Lorenzos Reise
    Babscha

    Babscha

    „Dieses Buch kommt von sehr weit her. Sehr viel Zeit war nötig, es zuerst zu denken und dann zu schreiben, eine Zeit voller Reisen zwischen Italien und Rumänien, voller wichtiger Begegnungen, voller Fassungslosigkeiten“. So beginnt die Danksagung des Autors in seinem Buch, und man glaubt ihm jedes Wort. Es ist die Geschichte von Lorenzo, einem jungen Italiener, der irgendwann per Telegramm die Nachricht erhält, dass seine Mutter in Bukarest verstorben ist. Und so macht er sich dann auf den Weg nach Rumänien zu ihrer Beerdigung. Erst nach und nach aus vielen Rückblenden und tagträumenden Erinnerungen erfährt der Leser Lorenzos ganze traurige Familiengeschichte. Von seiner Mutter, einer instabilen, bindungsunfähigen und charakterlosen Person, die vor Jahren Mann und Sohn einfach in Italien im Stich gelassen hat und mit ihrem Geschäftspartner und gleichzeitigem Liebhaber nach Rumänien gegangen ist, um dort in den wirren Zeiten der Nach-Ceausescu-Ära mit einem selbst entwickelten Schlankheitsmittel in kapitalistischer Manier das ganz große Geld zu machen. Von der bis ins Mark gefrorenen Akademikerfamilie der Mutter, die niemals auch nur das geringste Interesse an ihrem Enkel gezeigt und ihre Tochter als „Produktionsfehler“ früh verstoßen hat. Von dem schwachen Emilio, bei dem er lebt und den er Papa nennt, und der nie über den Verrat seiner Frau hinweg gekommen ist. Und was Lorenzo dann in Bukarest erwartet, ist nur noch der erbärmliche Scherbenhaufen einer gescheiterten menschlichen Existenz. Bajani hat ein intensives, todtrauriges und gleichzeitig mitreißendes Buch geschrieben, das einen sofort in Bann schlägt. Dies insbesondere dadurch, dass es von Lorenzo selbst tief aus seinem Innersten und in direkter Adressierung an seine Mutter erzählt wird. Eine Klarstellung, eine Anklage und Abrechnung zugleich nach den vielen sprach- und kontaktlosen Jahren seiner Kindheit und Jugend. Und der Unterbau der Geschichte gleichzeitig gesellschaftskritisches Exempel für die Ausbeutung der rumänischen Bevölkerung, die dem westlichen Kapitalismus nach den Jahren von Diktatur und Unterdrückung nichts entgegen zu setzen hat. Ein großartig geschriebenes, literarisches Kleinod.

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  • Rezension zu "Lorenzos Reise" von Andrea Bajani

    Lorenzos Reise
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. July 2011 um 17:49

    Andrea Bajanis Bücher sind von hoher literarischer Qualität. Bereits sein Buch “Mit herzlichen Grüßen” hatte mich verzaubert, nicht nur mit seiner Geschichte sondern auch mit seiner Sprache. Als ich erfuhr, dass bei dtv in Kürze sein neustes Buch erscheinen wird, war ich bereits interessiert ohne auch nur den Klappentext gelesen zu haben. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht und ich will Euch deshalb heute “Lorenzos Reise” empfehlen. Worum es darin geht, könnt Ihr direkt auf der Verlagshomepage nachlesen. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, ist die Sprache Bajanis, in die man geradezu eintauchen kann. Christine Westermann hat in ihrer Sendung WDR2 Bücher die Sprache von “Lorenzos Reise” so beschrieben: “Eher beiläufig wird sie (die Geschichte) erzählt, beinahe vorsichtig, in einer wunderschönen, klaren Sprache, eindringlich, keine Schnörkel, keine Sentimentalität. Still ist das Wort, das mir in den Sinn kommt. Das Buch verzaubert einen ganz still.” Lorenzo erzählt in einem 216-Seiten langen Monolog über seine Mutter, über seine Gefühle und über ein Leben, dessen Teil er nicht sein konnte. Ein Buch, das den Leser sehr berührt.

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  • Rezension zu "Lorenzos Reise" von Andrea Bajani

    Lorenzos Reise
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    14. June 2011 um 15:12

    Die fremde Mutter „Ich weiß eine Menge über dich ...... irgendwo muss ich auch noch ein Foto von Dir haben“. Mit diesen Worten wird Lorenzo in Bukarest begrüßt von Anselmi und voller Stolz ein wenig herumgeführt, begleitend vom zweiten Satz Anselmis (womit die beiden Wichtigkeiten des Mannes auch ausgeschöpft sind): „Wir haben nämlich den Leuten hier das Mittelalter aus den Köpfen getrieben“. In diesen beiden Sätzen aus der Eröffnung des Buches legt sich das Thema Bajanis vor die Augen des Lesers. Lorenzo ist in Bukarest, weil seine Mutter gestorben ist. Ein an sich trauriger Anlass, der Lorenzo zunächst allerdings wenig berührt. Zu fremd ist ihm die Mutter Lula geworden, zu distanziert das Verhältnis. Das übrigens lag und liegt nicht an ihm, denn seine Mutter war es, die ihn aufgrund der Suche nach Gewinn, Profit und Geld vor Jahren bereits in Italien „zurückgelassen“ hatte. Damals machte Lula sich mit ihrem Geliebten (nicht der Vater Lorenzos, der durfte weiter in Italien bleiben und sich um den gemeinsamen Sohn kümmern) im Zuge der fallenden Grenzen nach Rumänien auf, um in diesem Billiglohnland (mit eben fast „mittelalterlichen“ Zuständen) mit ihrer Geschäftsidee das große Geld zu machen. Nur spärlich konnte Lorenzo seitdem am Leben der Mutter teilnehmen, mit allen Folgen der Trauer, der Sehnsucht, des Gefühls, verstoßen zu sein. Mehr und mehr brach der Kontakt ab, so, als würde die Mutter kaum mehr in der Lage sein, eine innige Beziehung zu ihrem Sohn zu empfinden. Doch nun erfährt Lorenzo, trotz all der großspurigen Worte Anselmis, dass sich das Zeil der Mutter vom großen Glück und schnellem Geld nicht erfüllt hat. Und dennoch kehrte sie nicht in die Heimat und, vor allem, nicht zu ihm zurück. Warum? Dieser Frage geht Lorenzo nach, rollt das Leben Lulas in Rumänien auf, nähert sich den Wünschen, Zielen, dem Scheitern, der Mutter und ihrer dennoch bleibenden Verbundenheit zur neuen Heimat, die sie letztlich die Beziehung zu ihrem Kind gekostet hat. Ein leichter Preis für Lula? Man wird sehen. Stilistisch lässt Bajani seinen Protagonisten Lorenzo mehr und mehr in direktem Kontakt mit seiner Mutter treten. Ein lebendiger Dialog entfaltet sich an diesen Stellen des Buches (obwohl faktisch nur ein Monolog ja stattfindet), eine Suche und eine Annäherung, die auch die Umstände der Trennung damals mit in den Blick rücken werden. Zudem wird, gerade am Verhalten, an der Person Anselmis beispielhaft deutlich, dass die vielbeschworene „Goldgräberstimmung“ jener Jahre eher als „Raubrittertum“ zu verstehen war und, im Buch zumindest, in weiten Teilen als „gescheitertes Raubrittertum“, was bei den Rumänen (hier in Person von Christian, einem Mitarbeiter Anselmis) nichts als Zorn hervorgerufen hatte. Bajani versteht es durchaus, eine emotionale Dichte gerade im Blick auf das Mutter-Sohn Verhältnis herzustellen, erzeugt andererseits aber wenig innere Spannung, trotz mancher Andeutungen und Versuche, eine solche herzustellen. Das „Geheimnis“ des Bleibens der Mutter in Rumänien trotz der nicht Erfüllung ihrer Ziele vermag auf Dauer nicht zu fesseln. So verbleibt ein Buch mit klarer Sprache, hier und da leichter Langeweile, aber auch emotionaler Nähe vor allem zu Lorenzo und einem interessanten Einblick in den puren Kapitalismus von den 90er Jahren an, der bis heute noch lange kein Ende gefunden hat. Insgesamt ein guter und interessanter Vertreter der neuen italienischen Literatur.

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