Andrea Blanqué Die Passantin

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Inhaltsangabe zu „Die Passantin“ von Andrea Blanqué

Die Ich-Erzählerin ist eine Frau von 37 Jahren, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, der Expartner lebt in Israel. Sie unterrichtet Geografie in einer Abendschule für Erwachsene. An den freien Tagen schreibt sie ihre Beobachtungen in eine Art intimes Tagebuch. Sie schreibt so, wie sie Jahre zuvor um die Welt gereist ist, als 'klassische' Tramperin, unabhängig und allein, geleitet von dem, was ihr begegnet und widerfährt. Diese Weltreise war eine Schlüsselerfahrung, und sie nimmt darauf immer wieder Bezug: das Zufällig-an-einem-Ort-Sein, das Unterwegssein, das flüchtige Abenteuer, das Vorübergehen. Die Tagebuchschreiberin ist bemüht um Genauigkeit, Ehrlichkeit, Illusionslosigkeit – das Leben: 'eine lange Reise, auf der man Station für Station registriert'. Trotz einer bemerkenswert distanzierten Erzählhaltung ist alles andere als ein kalter Text entstanden. Er berichtet von den Erlebnissen einer Mutter, einer Lehrerin, einer Tochter und Schwiegertochter. Keine Sensationen, der Alltag einer modernen berufstätigen Frau. Und doch: ein Text voller Spannungsbögen, der im Laufe der Lektüre einen enormen Zug entwickelt und die Lesenden nicht mehr loslässt.

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  • Rezension zu "Die Passantin" von Andrea Blanque

    Die Passantin

    Kablutrin

    09. February 2007 um 17:28

    »Was schreiben uruguayische Frauen heute?« »Die Literatur ist meiner Meinung nach geschlechtslos, aber diejenigen, die sie schreiben, nicht.« Sylvia Lago, Schriftstellerin, Kritikerin und Professorin für Literatur an der Universität von Montevideo, sagte im Jahr 2002 in einem Interview, dass die uruguayische Gesellschaft immer noch stark geprägt sei von machistischen Grundsätzen. Die Frau halte an ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter fest und dringe nur langsam in alle übrigen gesellschaftlichen Bereiche vor. Das spiegele sich in der Literatur der Uruguayerinnen. Was schreiben uruguayische Frauen heute? Es fällt der Name Andrea Blanqué. Von Andrea Blanqué, geboren 1959 in Montevideo/Uruguay, sind Lyrikbände, Erzählungen, Theaterstücke und Romane veröffentlicht. Regelmäßig schreibt sie für die spanische Tageszeitung »El País« Portraits von schreibenden Frauen, zum Beispiel von Anne Brontë, der jüngeren und weit weniger beachteten Schwester Emily Brontës, oder über die Literatur von Japanerinnen während der Vorherrschaft der einflussreichen Familie Fujiwara. Andrea Blanqué studierte Literaturwissenschaft in Montevideo, ging 1981 mit einem Stipendium nach Spanien, wo sie Seminare an den Universitäten von Barcelona, Málaga und der Autonomen Universität von Madrid belegte. 1987 kehrte sie nach Montevideo zurück. Dort, durch die Straßen dieser uruguayischen Großstadt bewegen sich ihre literarischen Figuren. In dem Lyrikband »El cielo sobre Montevideo« (1997, Der Himmel über Montevideo) ist das lyrische Ich ein weiblicher Engel, der durch typische Orte der Stadt wie Rambla, Botanischer Garten oder Zoo flaniert. Ein sehr menschlicher Engel ist das, einer der Bus fährt und dabei die Stadt und ihre Einwohner beobachtet, ganz so wie sein Vorbild Damiel in Wenders Film »Der Himmel über Berlin«. In Andrea Blanqués neuesten Roman »Die Passantin« ist die Beobachterin nun eine Mittdreißigerin, die ihre Gedanken in ein Notizbuch im Engel-Design schreibt. Als Frauenliteratur kann man diesem Roman bezeichnen, nicht abwertend gemeint, nicht im Sinne von Herz-Schmerz, aber doch für einen weiblichen Adressatenkreis von Interesse. Señora Mann, so der Name der Protagonistin, ist alleinerziehende Mutter, unterrichtet Geographie an einer Abendschule und trifft sich ab und an mal mit Freundinnen am Samstag Abend. Zwischendrin zieht sie sich zurück und schreibt in ihr Notizbuch, fühlt sich ertappt, wenn andere ihr dabei zusehen und lebt in der ständigen Angst jemand könnte ihre Aufzeichnungen lesen. Als Señora Mann dann ihren Rucksack mit dem Engel-Büchlein im Auto ihres 25-jährigen querschnittsgelähmten Schülers vergisst, lebt sie ein ganzes Wochenende wie in Trance, stellt sich vor, wie der Schüler mit seinen Fingern den Rucksack öffnet, die Lexika betrachtet und dann das Notizbuch findet. Übertrieben wirken diese Visionen, fast schon krankhaft, aber um so überraschender, als er, der Schüler, dann zugibt: »Ja, ich habe es gelesen.« Und beide, Schüler und Lehrerin ein Liebespaar werden. Als hätte sie insgeheim erhofft, dass er das Geschrieben liest, denn nur so, auf diese Weise, konnte jemand mehr über sie, die Verschlossene, erfahren. Señora Mann erzählt von ihrer Familie. Das sind überwiegend Geschichten von alleinerziehenden Müttern und abwesenden Vätern. Ihre Großmutter Margarithe Mann floh allein aus Deutschland und buk bis zur Geburt des Sohnes Ingwerkuchen in der Bäckerei »Oro del Rhin«. Bei der Entbindung starb sie, ließ den Sohn ohne Angehörige in Montevideo zurück. Dem Starrsinn ihres Vaters, der auf die deutsche Nationalität beharrte, hat Señora Mann die Reisefreiheit und die gute Ausbildung in der Deutschen Schule zu verdanken. Als sie bei der Bäckerei Erkundigungen über ihre Großmutter einholen will, zeigt ihr der Inhaber ein Foto: »Sie steht zusammen mit allen anderen Porträtierten unter dem Hakenkreuzbanner, das über dem Schaufenster des Oro del Rhin flattert.« Señora Mann berührt auch die Lebensgeschichte ihrer walförmig gewordenen Mutter, die jeden Abend viele Gläser Rotwein trinkt und jahrelang an mehreren Schulen gleichzeitig unterrichtete, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter aufzubringen. Zu einer Zeit, als die geschiedene, alleinerziehende Frau die Ausnahme in Uruguay war. Um Frausein in verschiedenen Abschnitten der uruguayischen Gesellschaft geht es hier also. Um Rollen-Erwartungen, die an die Frau gestellt werden und darum, wie sie diese Erwartungen aushält. Das alles aber läuft immer auf das Eine hinaus: Señora Mann hinterfragt die Entscheidung, sich von ihrem Ehemann David zu trennen. »Ich will nicht mehr deine Frau sein« hat sie ihm entgegen geschmettert, als er sie bat, mit ihm nach Israel zurück zu gehen, wo sie sich an einem Straßenstand kennen gelernt hatten. Das war noch zu der Zeit als Señora Mann, ausgerüstet mit einem riesigen Rucksack und dem deutschen Pass, quer durch die Welt reiste. Nach dem Zusammentreffen mit David war es dann vorbei mit dem Abenteuer, dem Schlafen auf Parkbänken, dem Durchqueren fremder Städte: »Es gab kein Peking, es gab kein Bombay: Es gab eine Zukunft in Form eines gewaltigen Bauches.« Trotz aller Emanzipation hat sie sich »für die Höhle und die Jungen entschieden.«

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