Berühre mich nicht

von Andrea Camilleri 
3,7 Sterne bei3 Bewertungen
Berühre mich nicht
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EvyHearts avatar

Ein sehr angenehmes Buch.

JulesBarroiss avatar

Mit dieser Mischung aus Psyche, Kunst, Spurensuche und Literatur hat Camilleri eines seiner besten Werke geschrieben.

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Inhaltsangabe zu "Berühre mich nicht"

Laura Garaudo, die schöne junge Ehefrau des berühmten römischen Schriftstellers Mattia Todini, verschwindet kurz vor Erscheinen ihres ersten eigenen Romans in Rom. Commissario Maurizi befragt ehemalige und derzeitige Liebhaber im Dutzend, dazwischen die beste Freundin, den vulgären Kellner ihres Lieblingscafés – immer komplexer wird das Porträt dieser liebeshungrigen, merkwürdigen Laura. Schließlich entdeckt der Commissario im Bildmotiv einer biblischen Szene die entscheidende Spur. Eine Szene der Hingabe, die offenbar für Laura eine ganz eigene, neu interpretierte Bedeutung hat. Souverän hält Camilleri Spannung, Tempo und Humor in diesem Krimi der ungewöhnlichen Art.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783312010349
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Nagel & Kimche
Erscheinungsdatum:24.07.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    EvyHearts avatar
    EvyHeartvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr angenehmes Buch.
    Ein sehr angenehmes Buch.


    Das Buch hat in mir ein wohliges, entspanntes Gefühl ausgelöst, weil es unaufgeregt geschrieben ist und Charaktere hat, die nicht zu prägnant sind. Außerdem funktioniert das Buch auf vielen Ebenen. Die Auflösung fand ich jedoch enttäuschend, weil das Motiv auch in Krimis manchmal auftaucht.


    Worum geht es?


    Eine Frau, die keiner aus ihrem Umfeld wirklich greifen kann, die aber alle fasziniert, verschwindet. Es gibt Spuren, aber die Frau taucht nicht auf. Das Buch zeichnet den Weg vom Verschwinden bis zum letzten Auftauchen.

    Figuren


    Die Frau entspricht einem Typus, der in Bücher oft verwendet wird: Sie ist lebendig (und promiskuitiv), intelligent (sie hat in Kunstgeschichte promoviert), hat aber auch Phasen, in denen sie grübelnd im Bett liegt. Sie ist jemand, der sich schnell begeistert, dessen Begeisterung aber ebensoschnell verschwindet. Sie bindet sich kurz und ist schwer greifbar. Selbst ihre beste Freundin belügt sie manchmal bewusst. Spoiler: Sie deutet auf das Motiv der Maria Magdalena und der Berühre-mich-nicht-Szene in der Bibel hin, die im Buch eine wichtige Rolle spielt. Gleichzeitig kann sich der Titel darauf beziehen, dass die Frau sich nicht berühren lässt, keine emotionale Nähe zulässt.

    Die Männer, mit denen sie schläft, verehren und hassen sie. Sie verehren sie für ihre Ausstrahlung, sind aber enttäuscht, weil ihre Verliebtheit schnell abklingt und sie ihnen nie das Gefühl gibt "der Einzige" zu sein. Ihre Unabhängigkeit wird für ihre Liebhaber schwierig.

    Der Ehemann ist der Mann, der am meisten unter dem Verschwinden leidet. Er hat etwas Beschützendes, aber er fordert Zuneigung. Er ist ein anerkannter Autor und hat deswegen die Macht, die Presse zu nutzen und die Polizei auf den Fall zu lenken, obwohl keiner weiß, ob seine Frau wirklich einem Verbrechen zum Opfer fiel.

    Der Anwalt ist das Bindeglied zwischen Laura und den anderen Figuren. Während er die Frau anfangs bewunderte und sie miteinander schliefen, ist er zu einer Vertrauensperson geworden. Er hat, neben dem Kommissar, Verständnis für die Frau.

    Der Kommissar ist NICHT der trübsinnige Ermittler, sondern eine Figur, die sich entwickelt. Zu Beginn der Ermittlungen zeichnen die Zeugen ein eher negatives Bild von Laura, doch später entwickelt er seine eigene Theorie, die er sogar gegen seinen Chef durchsetzt. Durch die Augen des Kommissars erfährt der Leser die Hintergründe der Tat. Vielleicht ist er sogar das Sprachrohr?

    Ich finde das Kollektiv sehr ausgeglichen. Es gibt Für- und Widersprecher zur Ehefrau und jedes Bild ist ein bisschen anders.

    Der Schreibstil


    Das Werk besteht aus Briefen, Interviews und Dialogen. Es gibt keinen Erzähler, sodass der Text wie ein Theaterstück wirkt und als solches reizvoll ist. Dadurch lässt sich der Text schnell lesen. Ich hatte nie Verständnisprobleme und fand den "Stil" in dieser Form sehr stimmig. Nur die Pressetexte im Buch wirken gekünstelt.

    Übrigens kommt die Ehefrau selbst nie zu Wort.


    Worum geht es wirklich? (Spoiler)


    Reinigung. Die Hauptfigur hat gemerkt, dass das Begehren sie nicht erfüllt und macht eine Pilgerreise durch die Städte, in denen das Berühre-mich-nicht-Motiv ausgestellt ist. An dessen Ende steht wahrscheinlich eine ehrenamtliche Tätigkeit im Regenwald. Auch Kunst spielt eine wichtige Rolle. Neben "Noli me tangere" von Beato Angelico verweist der Text auf T.S. Eliots "Die Cocktail Party"

    Fazit


    Ich finde den Text angenehm lesbar. Auch ohne Vorkenntnisse zum "Noli me tangere"-Motiv habe ich den Text gut verstanden. Ein ruhiges, gemütliches Buch. Einzig die Tatsache, dass man die Handlung manchmal gesehen hat, macht es etwas vorhersehbar.

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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mit dieser Mischung aus Psyche, Kunst, Spurensuche und Literatur hat Camilleri eines seiner besten Werke geschrieben.
    Rätselhaft, vielschichtig und außergewöhnlich

    Berühre mich nicht – Andrea Camilleri (Autor) Annette Kopetzki (Übersetzerin), 160 Seiten, 18 €, Verlag Nagel & Kimche AG (24. Juli 2017), ISBN-13: 978-3312010349

     

    Der Titel stammt von der Interpretation einer Szene, die die Kunst des Mittelalters und der Renaissance, vor allem durch das berühmte Fresko von Beato Angelico im Kloster von San Marco in Florenz beeinflusst und angeregt hatte.

    Der Roman spielt sich in einem bürgerlichen Rahmen ab. Die Handlung dreht sich um Laura Garaudo, ein rätselhafter und vielschichtiger weiblicher Charakter. Eine Frau, die extrem frei von sozialen Konventionen ist, aber innerlich leidet unter ihrem Leben. Er folgt Lauras Leben, das anscheinend dem Untergang gewidmet ist, verbraucht und verfallen.

    Der Roman erzählt in Form eines Tagebuches vom 5. Juni 2010 bis zum 5. Juli 2010, mit einigen Rückblenden und einigen Seiten ohne Datum das geheimnisvolle Verschwinden von Laura

    Laura ist eine jener schönen weiblichen Figuren; schön, aber von vulgärer Schönheit, animalisch und primitiv und auch faszinierend, raffiniert, sehr charmant. Jung und gebildete, ist sie mit einem renommierten älteren Schriftsteller Mattia Todini verheiratet, der sie mit völliger Hingabe liebt, obwohl Laura weiterhin Beziehungen zu anderen Männern beibehält. Eines Tages verschwindet Laura plötzlich und hier nimmt die Geschichte die Form eines Kriminalromans an und Kommissar Luca Maurizi verfolgt Momente von Lauras Leben zurück. Die Untersuchung ihres Verschwindens wird so zu einer wirklichen Erforschung der Persönlichkeit Lauras, ihres Geschmacks, ihrer Träume, ihrer geheimsten Schmerzen.

    Camilleri schreibt präzise, auf das Wesentliche konzentriert. Vor allem in den von ihm bevorzugten Dialogen. Hier schafft er zwischenmenschliche Beziehungen, die den wahren Charakter der Personen bloßlegen.

    „Berühre mich nicht“ ist ein ungewöhnlicher Roman, in dem Camilleri das Porträt einer Frau zeichnet, das zunächst rein fiktiv scheint, aber sich nicht viel aus dem wirklichen Leben unterscheidet.

    Ein schöner Roman, elegant, unaufdringlich und ungewöhnlich in Stil. Für mich war das Buch zu schnell vorbei. Laura beschäftigt mich weiter als unklares Wesen, von dem ich gerne mehr wissen wollte. Aber wer weiß, vielleicht ist das genau das, was Camilleri erreichen wollte.

    Mit dieser Mischung aus Psyche, Kunst, Spurensuche und Literatur hat Camilleri eines seiner besten Werke geschrieben.

    Für jeden, vor allem natürlich für Camilleri-Liebhaber ein außergewöhnlicher Leckerbissen.

     

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Nagel & Kimche Verlages

    https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/beruehre-mich-nicht/978-3-312-01034-9/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    Elocinvor 6 Monaten

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    Pressestimmen

    Eine junge Frau ist verschwunden – will sie überhaupt gefunden werden? Andrea Camilleris neuer Roman ist ein Krimi der ungewöhnlichen Art.

    "Was beginnt wie ein Krimi entwickelt sich zur Charakterstudie einer außergewöhnlichen Frau. Ein ebenso außergewöhnliches Buch!" Fränkische Nachrichten
    "Äusserst kunstvoll und allein aus Dialogen und Briefen entsteht die Skizze einer Frau, die sich zu oft berühren liess und von nichts mehr berührt war. " Katja Fischer De Santi, St. Galler Tagblatt

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