Andrea De Carlo Villa Metaphora

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Inhaltsangabe zu „Villa Metaphora“ von Andrea De Carlo

Auf einer entlegenen Insel im Mittelmeer liegt das Luxusresort Villa Metaphora: ein Mikrokosmos, in dem wilde Natur auf raffinierte Zivilisation trifft, internationale Gäste auf lokales Personal. Doch das Idyll entpuppt sich schon bald als eine luxuriöse Falle.

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  • Luxusresort im Ausnahmezustand

    Villa Metaphora

    YukBook

    01. September 2017 um 09:32

    Ein Ort, wo ich ganz sicher keinen Urlaub verbringen möchte, ist die „Villa Metaphora“, Schauplatz des gleichnamigen Romans von Andrea de Carlo. Und das, obwohl es sich um ein Luxusresort auf der sizilianischen Insel Tari handelt. Protagonist und Stararchitekt Gianluca Perusato kann nach einer siebenjährigen nervenaufreibenden Bauphase endlich die Pforten öffnen. Klar, dass sich nicht Hinz und Kunz, sondern nur eine höchst elitäre Gesellschaft dort einfindet, zum Beispiel Hollywood-Diva Lynn Shaw mit Ehemann oder der schwerreiche Münchner Banker Dr. Reitt. Einen krassen Gegensatz dazu bildet das Hotelpersonal wie Perusatos taresische Assistentin Lucia, der eingebildete spanische Koch Ramirez oder der Möbelschreiner und Asket Paolo. In jedem Kapitel steht eine andere Figur im Fokus. Dabei gelingt dem Autor der Perspektivwechsel sowohl fachlich als auch sprachlich meisterhaft. Die Journalistin Simone Poulanc, die blitzschnell die Schwachpunkte hinter der perfekten Fassade erkennt und Klischees und Haltungen entlarvt, könnte fast de Carlos Sprachrohr sein. Perusato hatte mit der Villa Metaphora die Vision, eine wilde Insel zu bändigen und dort eine Stätte für hochkultivierte, menschliche Begegnungen zu schaffen. Er hat die Rechnung jedoch ohne die Gäste und ihre Neurosen gemacht. Ein Paparazzi, der heimlich Aufnahmen von der Schauspielerin macht und auf der Flucht tödlich verunglückt, löst eine Kettenreaktion in unbeschreiblichem Maße aus. Andrea de Carlo lässt die exzentrischen Figuren in diesem Mikrokosmos aufeinander los, treibt ihre Befindlichkeiten ins Extreme, lässt sie zur Höchstform auflaufen, bis sie sich gegenseitig in den Abgrund reißen. Umso erstaunter war ich über die Resilienz der Hauptfigur. Hegte Perusato angesichts der Katastrophen kurz zuvor noch Selbstmordgedanken, genügt ein kleiner Hoffnungsschimmer, um mit einem Mal wieder Vertrauen und Zuversicht zu gewinnen. Ich bin ein großer Fan des italienischen Schriftstellers und seinen gesellschaftskritischen Romanen. „Villa Metaphora“ übertrifft allerdings in seinem Zynismus und Sarkasmus alles, was ich bisher von ihm gelesen habe. Es ist ein Rundumschlag gegen menschliche Schwächen wie Dummheit, Eitelkeit und Habgier, gegen die italienische Politik, den Sensationsjournalismus, den Starkult, die Umweltverschmutzung, das italienische Fernsehen, den auf Nervenkitzel ausgelegten Tourismus, die sozialen Netzwerke… Auch wie de Carlo die Naturgewalt als weiteren unberechenbaren Faktor auftrumpfen lässt, verleiht der ganzen Geschichte etwas tief Existenzielles, fast Elegisches. Er will die Menschheit wachrütteln, einen Gesinnungswandel, eine Läuterung, ein Reset herbeiführen. Für die einen mag das alles zu viel und zu stereotyp sein, was er auf über 1.000 Seiten ausbreitet – ich habe mich auf jeder Eskalationsstufe sehr amüsiert und jeden Satz wie Ramirez’ Gourmethäppchen ausgekostet.

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  • Ein Vulkan von einem Buch

    Villa Metaphora

    Duffy

    08. February 2017 um 17:21

    Der Architekt Gianluca Perusato hat sich seinen Traum erfüllt und mit hohem finanziellen Risiko auf einer kleinen, süditalienischen Mittelmeerinsel ein Luxusressort errichtet, das einem ausgewählten Klientel der Spitzenklasse einen eigenen kleinen Mikrokosmos aus Natur, Zivilisation und absoluter Diskretion bieten soll. Doch nicht nur die Schwierigkeiten vor der Eröffnung werfen ihre Schatten. Als die erste Gruppe der Gäste eintrifft, stellt sich heraus, dass die buntgemischte Truppe zwar alle Eigenschaften der Elite, die der Architekt sich gewünscht hat, spielend vereint, ihre Interessen jedoch total unterschiedlich sind. Die Villa Metaphora muss ihren ersten Test bestehen, der umso komplizierter verläuft, da auch die Natur ihre eigenwillige und nicht kalkulierbare Seite zeigt. Dies alles lässt die Villa zum Ort von Wahrheiten werden. Wenn ein Autor einen Roman von fast 1100 Seiten vorlegt, ist Skepsis angebracht. Von de Carlo weiß man, dass er ein geschmeidiger Schreiber und aufmerksamer Erzähler ist. So nimmt er den Leser gleich mit auf die kleine Vulkaninsel, baut ihm eine Landschaft, die ihn konstant durch das Buch begleitet. Doch das Aufsehenerregende sind die Protagonisten, die beim Lesen nicht nur visuell eindrücklich Gestalt annehmen, sondern auch noch ihre Persönlichkeit bis auf wenige Punkte brutal entblößen. Davon leben nicht nur die zwischenmenschlichen Konflikte, sondern auch die Verhaltens- und Vorgehensweisen der Einzelnen. Die Spannung wird durch die unberechenbare Natur in dieser explosiven Lage verstärkt. Letztendlich ihren Launen und Bestimmungen ausgeliefert, heben sich alle Standesunterschiede auf. Doch bis es soweit ist, passieren unheimlich viele Dinge. De Carlo geht jeder Länge aus dem Weg, indem er einen stilistischen Kunstgriff verwendet und kapitelweise die agierende Hauptperson in ihrer eigenen Umgangssprache erzählen lässt. Auf den letzten 80 Seiten, in denen die Aktionen nochmals zunehmen, lässt de Carlo viel Platz für grundlegende Betrachtungen über das Leben. Das alles lässt er ebenfalls durch verschiedene Protagonisten beschreiben und in der Summe finden wir eine Menge der Fragen, die uns alle in diesen Zeiten beschäftigen. Es gibt weder Antworten noch Rezepte, es gibt aber jede Menge sinnvoller Gegenfragen und Gedanken, die unser Leben auf das Wesentliche reduzieren. Für alle Machtinhaber und Wachstumsbesessene wäre dieses Buch eigentlich eine Pflichtlektüre. De Carlo hat uns einen Berg von Buch geschenkt, das nicht nur alle Ansprüche an guter Unterhaltung erfüllt, stilistisch großartig geschrieben ist, sondern auch ganz tief ins Herz geht, wenn man es zulassen will. Kategorie: Meisterwerk

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  • Abrechnung mit der High Society

    Villa Metaphora

    serendipity3012

    28. October 2015 um 17:39

    Abrechnung mit der High Society Auf der süditalienischen Insel Tari liegt die Villa Metaphora, ein Luxusressort, das der Architekt Gianluca Perusato aufgebaut und gerade erst eröffnet hat. Geschaffen für eine anspruchsvolle Klientel, Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur, aus Film und Fernsehen – und vor allem für Leute mit Geld, sehr viel Geld. Es fehlt noch an vielem, doch Perusato hat schon deutlich mehr Geld in den Aufbau des Ressorts gesteckt, als ihm zur Verfügung stand und so hat er keine andere Wahl, als die ersten Reservierungen anzunehmen, schließlich handelt es sich hier nicht um irgendwen. Und so kommen sie an. Die junge weltberühmte Schauspielerin Lynn Lou Shaw mit ihrem überheblichen Mann Brian Neckhart, der eine Agentur betreibt, die verspricht, für viel Geld alle überhaupt nur denkbaren Probleme seiner Kunden zu lösen. Filmstar Shaw, im Prinzip nichts weiter als ein verwöhntes Gör, soll sich ein paar Tage von einem Zusammenbruch erholen, den sie am letzten Filmset hatte. Eingeladen hat sie außerdem ihre erfreulich normale Freundin Lara. Der deutsche Banker Werner Reitt muss ein paar Tage untertauchen, da er einen Skandal ausgelöst hat, seine Frau Brigitte begleitet ihn. Eine französische Journalistin, Madame Poulanc, ist inkognito auf Tari und hat die Fehler und Sünden der anderen genau im Blick. Ein älteres italienisches Ehepaar will sich ein paar Tage erholen, oder steckt mehr dahinter? Daneben wird das Hotel noch von der jungen Tareserin Lucia bevölkert, rechte Hand und Geliebte Perusatos, ihrem Cousin, dem Bootsmann Carmine, der großer Verehrer von Filmstar Shaw ist, dem sensiblen Starkoch Ramiro und dem Schreiner und Einzelgänger Paolo Zacomel. Andrea De Carlos neuer Roman „Villa Metaphora“ erzählt von den ersten sieben Tagen im Luxushotel nach seiner Eröffnung. Hightech trifft hier auf unberührte Natur – ein Versprechen, dass die anspruchsvolle Klientel anlocken soll. Jedoch hat man seine (zum Teil nicht unerheblichen) Probleme mit auf die Insel genommen und so kommt es natürlich zu Konflikten. Niemand kann oder will hier einfach nur ausspannen, es ist gar nicht möglich, sich nicht um Macht, Geld und seinen gesellschaftlichen Stand zu kümmern. De Carlo, der mit Romanen wie Creamtrain, Zwei von Zwei und Wir drei in den 80er und 90er Jahren zum Kultautor in Italien wurde, legt mit „Villa Metaphora“ einen Roman mit über 1000 Seiten Umfang vor – unmöglich, hier auch nur annähernd wiederzugeben, welche Konflikte ausgestanden werden, wie die Figuren miteinander interagieren. Man sollte sich einfach einlassen, wenn man Lust auf diesen Brocken von einem Buch hat und genießen, wie de Carlo es schafft, diese Menschen zunächst einfach nur darzustellen, später bloßzustellen und vorzuführen und dabei höchst amüsant Kritik zu üben an der High Society, die vom Leben der „normalen“ Menschen so weit entfernt zu sein scheint, wie nur möglich. Andrea De Carlos Roman ist vor allem eins: Unterhaltsam. Dies zum Einen, weil er es bravourös schafft, seine Figuren genau zu charakterisieren, in ihre Köpfe zu schlüpfen, ihre Gedanken zu denken, in all ihrer Abstrusität und Abgehobenheit, über die man als Leser nur immer wieder staunend den Kopf schütteln kann. Zum anderen ist der Roman (in der hervorragenden Übersetzung von Maja Pflug) sprachlich ein Genuss. De Carlos Sätze sind oft lang und verschachtelt, kommen aber immer auf den Punkt, niemals verzettelt er sich, er liest sich leicht, locker und trotzdem nicht ohne Anspruch. Auch durch diese Sprache, durch die treffende Wortwahl, führt er seine Protagonisten vor. Jeder von ihnen hat einen eigenen Ton: Die Kapitel sind jeweils aus der Sicht einer Person geschildert und als Leser erkennt man schließlich schon nach wenigen Sätzen, wem das entsprechende Kapitel gewidmet ist, wenn etwa Lynn Lou Shaw keine zwei Sätze ohne Schimpfwörter „denkt“. 1000 Seiten für einen – und das ist auf keinen Fall abwertend gemeint – Unterhaltungsroman? Funktioniert das? Tatsächlich empfand ich erst weit über der Hälfte des Romans überhaupt Längen, als sich einige Gedanken, auch Situationen etwa zwischen Architekt Perusato und Lucia ein paar Mal zu oft ähnlich wiederholten. Auch nimmt die Geschichte im letzten Drittel einen Verlauf, der mir zuweilen zu chaotisch war, wobei De Carlo hier natürlich etwas zeigen und ad absurdum führen will, was ihm auch gelingt. Villa Metaphora: Dieser Name kann nur Programm sein, das Ressort und somit auch der Roman als Metapher verstanden werden. So treibt es De Carlo denn auch mehr und mehr auf die Spitze, übertreibt mehr und mehr, sie enden im Chaos, seine Protagonisten, ihr Geld, ihre gesellschaftliche Stellung, all das wird zu einer leeren Hülle, bedeutet nichts mehr. Letztendlich habe ich mich selten so gut unterhalten gefühlt wie bei der Lektüre von „Villa Metaphora“, habe mich an der Kritik an den Reichen und Schönen erfreut, an den Seitenhieben auf die italienische Politik (immer wieder ist von Ex-Präsident Buscaretti die Rede) und an dem Witz und Sarkasmus, mit dem mir das alles präsentiert wurde. Sicher hätte der Roman einige Seiten weniger vertragen, gut und gerne hätte man um 300 Seiten kürzen können. Andrea De Carlos neuestes Buch ist eine glänzende Satire und eine Abrechnung mit der High Society und macht viel Spaß.

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