Andrea Engen Nur nicht fühlen jetzt

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Inhaltsangabe zu „Nur nicht fühlen jetzt“ von Andrea Engen

»Seit ich 19 bin, schreibe ich. Für mich. Tagebücher. Ganze Zettelsammlungen kamen zustande. Ich sammelte alles. Gedanken-Gefühle, Worte, kleine Texte, Formulierungen, die mir einfielen, kleine Geschichten, Selbstgespräche, Stimmungen, Beobachtungen, Fragen, einfach alles ... Irgendwann, mittlerweile 52 Jahre alt, hatte ich Liebeskummer und schrieb extrem viel und intensiv. Fast zeitgleich (!) ging mein TV kaputt. Das war eine Herausforderung. Also, was tun? Ich nahm mir alles, was ich je geschrieben hatte, und schaute es durch. Eine Begegnung mit mir, meinem Leben und den Menschen, die ich traf. Ich legte los. Manches musste nur überarbeitet werden. Vieles entstand. Ich schrieb zirka vier Monate jeden Abend. Irgendwann habe ich alles gelesen, und es gefiel mir. Dann kaufte ich mir ein neues TV-Gerät ... Ach, und das mit dem Liebeskummer – das hatte sich erledigt.« Andrea Engen erzählt in ihrer Kurzprosa mal drastisch, mal lakonisch, mal verzweifelt, mal augenzwinkernd-amüsiert, aber immer authentisch und präzise Momente, Begegnungen und Erinnerungen aus dem Leben einer starken Frau. Die Fotografien von Silke Goes verleihen den Texten eine sehr persönliche Note und atmosphärische Dichte.

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  • Rezension zu "Nur nicht fühlen jetzt" von Andrea Engen

    Nur nicht fühlen jetzt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    11. February 2012 um 11:57

    „FRAGE …wenn du immer nur suchst, was du nicht hast – kannst du dann haben, was du findest?“ Irgendwo hat sie diese Frage auf einen ihrer vielen kleinen Zettel notiert, auf denen sie Eindrücke, Gefühle und Gedichte aufgeschrieben und gesammelt hat seit sie 19 Jahre alt war. Irgendwann, sie sagt, als ihr Fernseher kaputtging, hat sie all diese Zettel durchgesehen, sortiert, neue geschrieben. Irgendwie sind diese Texte durch die diskrete- indiskrete Vermittlung von Freundinnen und Kolleginnen in den Verlag gelangt, in dem sie seit Jahren als Pressechefin mit Büchern arbeitet. Und nun liegen sie vor in einem Buch, das mich angezogen und verstört hat wie kaum ein Text in den letzten Jahren. Andrea Engen schreibt über Liebe, über Nähe und Distanz mit einer Offenheit und Ehrlichkeit, die man auch in der Literatur selten findet. Sie macht sich verletzlich in ihren Texten, so wie sie sich wahrscheinlich auch in den Beziehungen und Begegnungen, die sie beschreibt, verletzlich gemacht hat. Wer sich nicht verletzlich macht, wird nie in die Tiefe gelangen. Manche Männer konnten damit umgehen, viele nicht. Sekundenaugenblicke „.. für einen Moment war das Berührung, Lachen, Liebe, Hingabe“ großen Glücks und Zeiten bitterer Entfremdung „Ja, ich habe es bemerkt. Die Lippen, die ich so gerne küsste, die mich singen machten, sie waren oft streng in letzter Zeit. Ja, wir haben uns verlebt. Zerlebt. Überlebt.“ wechseln sich ab. Da gibt es einen schlechten Mann – sie ist fasziniert von seiner Männlichkeit und dann erschüttert und im Innern verletzt von seinen Schlägen. Und einen jungen, zarten und weichen – 26 Jahre alt ist er und seine Schönheit tut ihr weh. Er stirbt, bevor sie ihm näher kommt. Es sind Texte von enormer Intensität, Texte, die mich traurig machten. Traurig, weil eine große menschliche Tiefe nie dauerhaft erwidert wird, weil eine Frau voller Leidenschaft und Liebe nie dauerhaft die Erfahrung machen darf, dass ein Mann das aushält. Und weil sie kompromisslos immer wieder mit der Ausgangsfrage kämpft: „…wenn du immer nur suchst, was du nicht hast – kannst du dann haben, was du findest?“

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