Andrea Hemminger

 3,9 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf

Andrea Hemminger ist promovierte Philosophin. Sie übersetzt seit vielen Jahren philosophische und sozialwissenschaftliche Literatur aus dem Französischen, darunter Werke von Michel Foucault, Esther Duflo, Manon Garcia und Pierre Charbonnier. Sie lebt in Frankreich.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Andrea Hemminger

Cover des Buches Mit Männern leben (ISBN: 9783518001301)
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Rezension zu "Mit Männern leben" von Manon Garcia

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Mit Männern leben

In diesem Buch kannst du die Überlegungen von Manon Garcia zum Pelicot-Prozess lesen. Ich gehe davon aus, dass du, wenn auch vielleicht nicht im Detail, so aber doch in Grundzügen von dem Fall Gisèle Pelicot und den Vergewaltigungsprozessen in der Presse gelesen oder gehört hast.


Manon Garcia ist Professorin für Praktische Philosophie an der Freien Universität Berlin und zählt in Frankreich zu den einflussreichsten und meistgelesenen Philosophinnen ihrer Generation.

Auch ihre hier vorliegenden Überlegungen würde ich grundsätzlich als philosophisch bezeichnen. Aber das Buch ist weitaus mehr als eine rein philosophische Betrachtung. Garcia verfolgte selbst den monatelangen Prozess im Gerichtssaal von Avignon und dokumentierte ihre Beobachtungen, die die Ausgangsbasis ihrer Überlegungen sind.

Sie mischt ihre Prozessbeobachtungen außerdem mit ihren eigenen persönlichen Erfahrungen mit Männern. Mit den Schrecken des Prozesses direkt vor Augen, mit dem, was Männern (ihren) Frauen antun, und mit Blick auf die Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft, stellt sie die Frage, die mich auch schon sehr lange beschäftigt: Können wir mit Männern leben?


“Es gibt ein Kontinuum der Gewalt, insbesondere der sexuellen Gewalt, und es gibt in der überwiegenden Mehrheit der Fälle ein Geschlecht der sexuellen Gewalt: Sexuelle Gewalt ist eine Gewalt von Männern, um ihre Herrschaft auszuüben.”


Garcia geht in ihren Überlegungen nicht nur auf Dominique Pelicot als Täter und seine    gewaltvolle Familiengeschichte ein, sondern auch auf die anderen Männer, die mit ihm angeklagt wurden.


Besonders betroffen macht mich das fehlende Verständnis aller Angeklagten für das Prinzip der Zustimmung, das Garcia bei ihrer Prozessbeobachtung beschreibt und analysiert.


“Und das ist im Großen und Ganzen das, was in den meisten Vernehmungen zum Vorschein kommt: Einige glauben, dass der Ehemann für seine Frau zustimmen kann, andere, dass eine schlafende Person als zustimmend angesehen werden kann, und vor allem scheinen die meisten das Vokabular der Zustimmung erst mit ihrer Verhaftung und ihrem Prozess entdeckt zu haben.”


Manon Garcia gilt laut Autorinnenbeschreibung als eine der wichtigesten Feministinnnen der neuen Generation und genau deswegen wollte ich ihre Gedanken zu diesem Fall lesen. 

Ich lebe mit Männern, ich arbeite mit Männern und ich liebe Männer. Gleichzeitig fürchte ich Männer und hasse Männer. In diesem Buch habe ich nicht die Lösung gefunden, diese Widersprüche aufzulösen, sondern vielmehr das Gefühl, dass es gesellschaftliche Probleme und Strukturen gibt, die nicht durch einen Prozess aus der Welt geschafft werden können.


“Kein Strafwesen wird umfassend, mächtig und effizient genug sein, damit Männer aufhören zu vergewaltigen.”


Ich finde in „Mit Männern leben“ schreibt Garcia sehr relevante Überlegungen für unser Zusammenleben nieder. Die Frage ist, ob sie gelesen und wahrgenommen werden und ob sie eventuell Veränderungen bewirken können. Ich fürchte, ich bin angesichts des Backlash der letzten Jahre einfach nur traurig und pessimistisch.


Natürlich möchte ich dir die Überlegungen von Manon Garcia weiterempfehlen. Alleine die Tatsache, dass sie niedergeschrieben und veröffentlich wurden, stimmt mich doch auch ein klein wenig optimistisch.

Sehr lohnenswert

Oft birgt die Lektüre von Sachbüchern, die nicht für ein Fachpublikum gedacht sind, Enttäuschungen. Sie vereinfachen, behaupten, verkürzen und begründen manchmal zu wenig oder zu unscharf für meinen Geschmack. Ganz anders die Philosophin und Psychoanalytikerin Fleury. Endlich eine Sachbuchautorin, die sich traut, in die komplexen Tiefen eines Phänomens einzutauchen und den Laien-Lesenden damit einiges abzuverlangen. Sie bleibt einladend dabei, den komplexen Theorien und Gedanken zu folgen.

Fleury wendet sich mit »Hier liegt Bitterkeit begraben« dem Phänomen der Ressentiments und den Möglichkeiten ihrer Überwindung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu. Dabei geht sie wichtige Figuren der Philosophie und Psychologie ab und nähert sich dem Phänomen der Verbitterung zunächst auf sehr konkreter und -wenn wir es so nennen wollen- individualtherapeutischer Weise. Wie schwer es ist, Bitterkeit loszulassen, schildert sie mit Max Scheler, Montaigne, Nietzsche, Winnicott, Rilke, Adorno, Horkheimer, Deleuze und Anderen, sie untersucht ihre Theorien und Haltungen, befragt sie zu ihrem Beitrag zur Überwindung und Heilung von Ressentiments. Je weiter der Text voranschreitet, desto mehr nähert er sich dem Überindividuellen. Mit der emanzipativ-zugewandten gemeindetherapeutischen Haltung und Arbeitsweise Frantz Fanons, der in Algerien so wichtige interkulturelle, postkoloniale und machtperspektiven integrierende therapeutsche Konzepte entwickelte, zeigt Fleury wie es gehen kann.
Fast nebenbei führt die Lektüre von Fleury zu einer inspirierenden Auseinandersetzung mit sich selbst und motiviert ihrer Fassung von Universalismus als offene humanistische Haltung zu folgen. Für Fleury entgeht Universalismus Vereinfachungen und negiert keinesfalls Ungleichheiten, Diskriminierungen und Machtunterschiede.

»Hier liegt Bitterkeit begraben« braucht Anstrengung, schlägt eine Brücke für Menschen mit weniger Vorwissen und lohnt sich viel mehr, als vermeintlich einfacher geschriebene Sachbücher. Ich empfehle Zeit und Mühe in diese Lektüre zu stecken, um danach die lebensbejahenden Früchte zu ernten.

Cover des Buches Selbstverteidigung: Eine Philosophie der Gewalt (ISBN: 9783518587560)
Lotta_Liests avatar

Rezension zu "Selbstverteidigung: Eine Philosophie der Gewalt" von Elsa Dorlin

Lotta_Liest
Beeindruckende Abhandlung über Selbstverteidigung

Ein sehr umfangreiches Buch über die historischen Entwicklungen rund um Selbstverteidigung, Eigentum, soziale Entwicklungen und vieles mehr. Eine echt beeindruckende Recherche steckt hinter diesem Buch von Elsa Dorlin, die sich fast nur auf primäre Quellen stützt und hier eine gut argumentierte Abhandlung geschrieben hat.

Das Buch ist keine leichte Kost, aber sehr unterhaltsam geschrieben. Ich habe es in einem Lesekreis mit Freund*innen gelesen und kann das nur empfehlen, da man so tiefer in die Thesen der Autorin einsteigt.

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