Andrea Karimé Zum Sterben nach Kairo

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Inhaltsangabe zu „Zum Sterben nach Kairo“ von Andrea Karimé

Hala Habidi, deutsch-libanesische Privatdetektivin, soll in einem möglichen Mordfall ermitteln: Ihr ägyptischer Bekannter glaubt nicht, dass seine Tante Anastasia in Kairo eines natürlichen Todes gestorben ist. Trotz ihres Widerwillens, ein Gewaltverbrechen aufzuklären, und obwohl sie seit ihrer Kindheit kein arabisches Land mehr besucht hat, nimmt sie, einer plötzlichen Eingebung folgend, den Auftrag an. In der lauten, niemals schlafenden Megastadt trifft die Detektivin auf irritierende Gegensätze; dicht erlebt sie die Lebendigkeit und Herzenswärme der Menschen neben den gesellschaftlichen Einschränkungen durch totalitäre Strukturen und traditionelle Werte. Während Hala Habidi den mysteriösen Umständen um den Tod der Journalistin Anastasia nachgeht, stößt sie auf ein anderes Verbrechen: Ein Mädchen verblutet nach einem unfreiwilligen medizinischen Eingriff auf offener Straße, ein anderes ist vor der bevorstehenden Genitalverstümmelung auf der Flucht. Hala versucht die Drahtzieher dieser grausamen Praktik zu entlarven und gerät dabei immer tiefer in den Strudel eigener Gefühle und Erinnerungen.

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    Zum Sterben nach Kairo
    Stefan83

    Stefan83

    24. October 2011 um 12:43

    Mit Andrea Karimés erstem Kriminalroman, „Zum Sterben nach Kairo“, habe ich als Leser und Rezensent, wenngleich auch zuerst unbewusst, vollkommenes Neuland betreten. Verlegt wird das Buch nämlich beim Querverlag, der seit 1995 in erster Linie Belletristik und Sachbücher zu aktuellen Fragen der schwulen und lesbischen Szene sowie erotische Romane publiziert. Laut eigener Aussage des Verlags ist das Ziel dabei „anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer Literatur mit schwulen und/oder lesbischen Inhalten eine Heimat und einen Platz im breiten Buchmarkt zu geben“. Da meine Recherche bei der Auswahl des Buches nachlässigerweise nicht über die Lektüre des Klappentexts hinausging, war mir dieser Hintergrund leider entgangen. Letztendlich vielleicht sogar ein Vorteil, konnte ich doch so Karimés Werk anfangs „vorurteilsfrei“ genießen und es unter völlig objektiven Gesichtspunkten betrachten. Genützt hat auch das nichts: „Zum Sterben nach Kairo“ ist der mit Abstand enttäuschendste Kriminalroman, der mir bis hierhin in die Finger geraten ist. Kurz zum Inhalt: Philemon, ein schwuler Ägypter, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung Deutschland als Exil gewählt hat, beauftragt die junge Kölner Amateurprivatdetektivin Hala Habidi damit, die mysteriösen Umstände des Todes seiner Tante Anastasia aufzuklären. Er hat den Verdacht, dass diese ermordet worden ist, wagt es allerdings nicht, selbst nach Ägypten zurückzukehren und Nachforschungen anzustellen. Hala, die sich bis dato eher um entschwundene Katzen und fremdgehende Ehemänner gekümmert hat, nimmt den Auftrag nur zögerlich an und reist gemeinsam mit ihrem sprechenden Papagei Fatima in die nie schlafende Hauptstadt Kairo, um dort nach Spuren zu suchen. Relativ schnell findet sie heraus, dass Anastasias Ableben mit dem Tod eines jungen Mädchens zusammenhängt. Dieses ist auf den Straßen Kairos nach einer fehlgeschlagenen Beschneidung verblutet. Gemeinsam mit der Sprachlehrerin Mina, zu der sich die lesbische Hala stark hingezogen fühlt, nimmt man die Fährte eines Mannes auf, der anscheinend bereits sein nächstes Opfer auserwählt hat … Mit der anfänglichen Erwartungshaltung etwas im Stile Yasmina Khadras oder Jenny Silers zu lesen (Der Klappentext macht in dieser Richtung tatsächlich Hoffnung), nahm ich dieses Buch zur Hand, nur um relativ schnell festzustellen, dass da wohl der Wunsch Vater des Gedanken war. Karimés Geschichte wirkt von Beginn an sehr konzeptlos und konstruiert. Und obwohl sich sonst die homosexuelle Gemeinschaft gegen Verallgemeinerungen wehrt, so wird hier das Klischee mit einer Sorgfalt gepflegt, dass einem das Wasser in die Augen steigt. Verfolgte Homosexuelle, missverstandene Lesben, latent rassistische Deutsche und illegale Beschneidungspraktiken. Karimé beackert in ihrem kurzen Büchlein eine Vielzahl an Konfliktthemen, die Potenzial für eine ganze Reihe von Krimis geboten hätten. Einen ordentlichen Spannungsaufbau, und darauf sollte in einem Vertreter dieses Genres doch Wert gelegt werden, bekommt sie allerdings nicht zustande. Die Geschichte um den mysteriösen Arzt der dazu erpresst wird junge Mädchen zu beschneiden (Anmerk. In Ägypten ist dies mitterweile verboten), wirkt schlichtweg unglaubhaft. Sein Verhalten im kompletten Buch entbehrt jeder logischen Grundlage. Hinzu kommt, dass seine Identität von Anfang an bekannt ist, was es dem geneigten Leser nicht allzu schwer machen dürfte, das letztendliche „Rätsel“ zu lösen, sofern man hier überhaupt von so etwas reden kann. Um diese klaffenden inhaltlichen Abgründe zu überbrücken, flüchtet sich Karimé in eine Reihe von ausschweifenden, pseudomystischen Traumsequenzen, welche dem Roman wohl eine geheimnsivolle Aura verleihen sollen. Das ist ein Experiment, das, wie so vieles an diesem Buch auch, am Ende ebenfalls scheitert. Was bleibt ist letztlich lediglich eine Aneinanderreihung von homosexuellen Tête-à-têtes, die über vage Andeutungen nie hinausgehen, dafür aber deutlich die Zielgruppe des Buches anvisieren. Das ich zu dieser nicht gehöre, mag eventuell dem Lesevergnügen vielerorts im Weg gestanden haben. Es bleibt aber die Hoffnung, dass auch das homosexuelle Leserpublikum das ihnen Gebotene richtig einzuschätzen weiß. Das Karimé sprachlich ihr Können andeutet und auch Kairo lebendig zu beschreiben vermag, rettet das Buch leider nicht vor meiner bisher persönlichen Tiefstwertung. Insgesamt ist „Zum Sterben nach Kairo“ ein oberflächlicher und müder Möchtegern-Krimi, der dank seines handlichen Taschenbuchformats für das homoerotische Petting nebenher vielleicht taugt, unter der Betrachtung der Anforderungen des Genres aber auf ganzer Linie scheitert. Ein Buch, das mit aller Wahrscheinlichkeit im großen Becken der Krimis schnell untergehen wird. Und das, so sagte einst ein Bürgermeister, ist auch gut so.

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