Andrea Levy Das lange Lied eines Lebens

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Inhaltsangabe zu „Das lange Lied eines Lebens“ von Andrea Levy

Vom Kampf einer Frau um Freiheit Jamaika, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die betagte Miss July war einst Haussklavin auf einer Zuckerplantage und hat bewegte Zeiten hinter sich. Nun, viele Jahre nachdem sich ihre Brüder und Schwestern die Freiheit mit Blut erkauften, offenbart sie ihrem Sohn die Geschichte ihres Lebens – und erklärt ihm, warum sie gezwungen war, ihn als Säugling wegzugeben. Mit großer Lust am Fabulieren beginnt sie von jener Zeit zu erzählen, als sie die rechte Hand der Missus auf der Plantage war. Bis sich mit einem neuen Aufseher ihr Leben dramatisch änderte …

...fasziniert von diesem Buch, hat es einen Platz in meinem Herzen! Für immer!

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    libri

    28. December 2012 um 15:02

    Tolles Buch zur Geschichte der Sklaverei in Jamacai, bzw. zum Ende der Sklaverei.
    Die Sprache war schon sehr gewöhnungsbedürftig, der letzte Teil war auch ein bisschen überflüssig, aber ansonsten : ganz grosses Kino !

  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    Ati

    14. October 2012 um 16:00

    Die 1956 in London als Tochter jamaikanischer Einwanderer geborene britische Autorin Andrea Levy saß kulturell betrachtet schon immer zwischen zwei Stühlen. Sie weiß aus ihrer Tätigkeit in einer sozialen Einrichtung, was rassistische Übergriffe sind und wie man sie abwehrt, obwohl sie in ihrer Kindheit selbst wenig damit zu tun hatte. Sie arbeitete bei der BBC, gründete mit ihrem Mann eine Firma für Grafik-Design, studierte kreatives Schreiben und begann – weil es noch Ende der 1980er, Anfang der 1990er in England wenig bis keine schwarze Autoren gab, die sich mit der (nach-)kolonialen Vergangenheit des Vereinigten Königreiches beschäftigten – selbst darüber zu schreiben. In ihrem ersten Roman (Every light in the house burnin‘) verarbeitete sie teilweise eigene Erfahrungen und auch ihre Folgeromane thematisierten schwarze Einwanderer in London, ihre Träume und Probleme, ihre Suche nach Wurzeln und Geschichte. Obwohl es anfangs eher unwahrscheinlich erschien, bekam sie bereits für ihren Debütroman mehrere Auszeichnungen und half mit, multiethnischen Autoren der britischen Gegenwartsliteratur den Weg zu ebnen. Bisher sind ihrer zwei Bücher in deutscher Sprache erschienen. Nach dem 2007 beim Eichborn Verlag veröffentlichten Roman „Die englische Art von Glück“ (der von der BBC verfilmt wurde), brachte im März letzten Jahres die Deutsche Verlags-Anstalt Das lange Lied eines Lebens auf den hiesigen Buchmarkt. Mit ihrem fünften Roman lädt die Autorin ihre Leserschaft nach Jamaika ein. Nicht in das der Gegenwart, sondern in das Ende des 19. Jahrhunderts. In die Zeit ihrer Großeltern also. In eine Zeit, in der Levy sich neben historischer Recherche auch der Fiktion bedienen musste. Das DVA-Cover zeigt einen Frauenkopf im Scherenschnittstil vor einem türkisblauen Hintergrund, einige exotisch anmutende Blüten und einen kleinen Kolibri. Ein einfach gestaltetes Cover also, dass sich mit dem gar nicht einfachen Leben einer einfach gehaltenen Frau beschäftigt. Drei Jahrzehnte nach Abschaffung der Sklaverei durch die englische Königin drängt der Sohn der Hauptfigur July seine Mutter dazu, ihre Geschichte aufzuschreiben. Eigentlich wollte sie sie ihm nur erzählen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist nicht das beste. Sie hat ihn als Baby ausgesetzt und möchte sich nun rechtfertigen. Er möchte, dass auch seine Kinder an dieser Geschichte teilhaben können. Offen und vollständig will er alle Geheimnisse und Geschehnisse niedergeschrieben sehen, ohne irgendwelche Ausflüchte zuzulassen. Er regt sich über seine Mutter auf, die sich dagegen sperrt, alles zu offenbaren. Das Buch beginnt mit einem Vorwort des Sohnes, sodann lässt Levy July in erster Person direkt an den Leser gerichtet zu Wort kommen, bedient sich jedoch auch der Erzählung in dritter Person und Vergangenheitsform. In einfacher, eigentlich kindlicher Sprache webt sie ein Bild eines Systems, in dem sie als Tochter einer von ihrem Besitzer geschändeten Sklavin zur Welt kommt. July gibt vieles preis. Stück für Stück auch ein gut gehütetes Geheimnis im Bezug auf ihren Sohn. Allerdings auf eine Art und Weise, bei der sich nicht nur der Sohn am Ende des Romans in seinem Nachwort fragt, was Fiktion und was Wahrheit ist. Auch der Leser ist sich darüber stellenweise nicht ganz schlüssig. Der gewählte Erzählstil, der leicht und gleichsam gefühllos distanziert wirkt, verstärkt das Erzählte. Er wirkt echt und wie so viele Geschichten, die sich mit Rassismus beschäftigen, erschüttert Julys Rückblick auf ihr Leben auf der Zuckerrohrplantage Amity. Es war umständlich und hart – allein im Hinblick auf den technischen Entwicklungsstand. Doch wirklich erschütternd ist der Blick auf die menschenverachtende Sklaverei. Familien wurden willkürlich, teils lediglich um des Profit willens, auseinander gerissen. Ein Leben zählte so gut wie nichts, denn es ganz ja immer Nachschub. Sklaven hatten in den Augen ihrer Besitzer keine Gefühle, von Rechten natürlich ganz zu schweigen. Die in ihrem Hochmut teils stupide wirkenden Besitzer unterstellten ihnen per se Dummheit, ja sprachen ihnen sogar das Menschsein ab. Das Leben wurde durch die offizielle Abschaffung der Sklaverei in den britischen Hoheitsgebieten nicht leichter. Der blutige Aufstand der Sklaven führte zu ihrer Vertreibung in weniger fruchtbare Gebiete Jamaikas. Die ehemaligen Sklavenhalter bedienten sich nicht aufständischer indischer Tagelöhner und unabhängig davon war da noch die Angst vor einer erneuten Versklavung bei einem Verkauf Jamaikas an das seit 1776 vom Vereinigten Königreich unabhängig erklärte Amerika. Nebenbei bemerkt war da die Sklaverei zwar offiziell schon seit 1865 abgeschafft, durch das Convict-lease-System blieben unzählige ehemalige Sklaven trotzdem mancherorts noch bis ins 20. Jahrhundert hinein in einem Zwangsarbeitssystem verstrickt. Trotz all dieser Erfahrungen lässt July in ihrer Geschichte keinesfalls nur Trostlosigkeit und Wut, sondern gleichfalls Freude, Hoffnung und spitzbübisch auch eine gewisse Keckheit erkennen. Sie mag in den Augen ihrer Besitzer keine Intelligenz und Bildung besessen haben, die man aus Büchern lernen kann. Doch sie ist aufmerksam und besitzt die Bildung, die einem das Leben beschert. Manches erscheint so übertrieben, dass sofort klar ist, dass July sich diese Wendung ausgedacht hat; dass der Wunsch auf ein besseres Leben der Vater des Gedanken war. July, die die Sklaverei mit allen Höhen und Tiefen noch erleben musste, bedient sich dabei eines in dieser Zeit antrainierten Verhaltens. Mit ihren Übertreibungen und Verschleierungstaktiken, ihren Lügen und Ausweichmanövern schützt sie sich auch im Nachhinein noch vor Demütigungen, will imponieren oder beschämen. Wie bereits erwähnt, sind all diese an sich aufwühlenden Dinge in gefühlskalten, distanzierten Worten vorgetragen. Anfangs hat mich das etwas gestört. Allerdings ging mir bald darauf auf, dass dies die einzig logische Art ist, so etwas zu erzählen. July und die anderen Sklaven wurden von klein auf mit der Nase darauf gestoßen, nichts wert zu sein. Keine Gefühle und Rechte zu haben. Sie wurden mit unabänderlichen Tatsachen konfrontiert ohne eine Wahl zu haben. Wer gewöhnt ist, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, sich einfach umdrehen und gehen zu können, würde vieles sicher anders erzählen. July musste jedoch ihre Gefühle tief in sich verschließen. So tief, dass vielleicht nicht einmal sie selbst sie wiederfand. Nicht nur um sich vor Schmerz und Enttäuschungen zu bewahren, sondern einfach, um in einem solchen unmenschlichen System zu überleben. Bereits als kleines Kind wird July ihrer Mutter weggenommen und im Haus des Plantagenbesitzers als Mädchen für alles angelernt. Sie hat insoweit Glück, dass sie etwas später als persönlichen Dienerin der Schwester des Plantagenbesitzers eingesetzt wird. Durch diese Position erlangt sie eine gewisse Machtstellung, in gewisser Weise sogar über ihre Herrin. Doch Glück ist relativ. Denn auch in einer solchen Situation wurden die Sklaven erniedrigt und drangsaliert, ausgenutzt und missbraucht. Da hilft es auch nicht, dass man sich selbst (July sieht als Mulattin und nicht als Negerin) als etwas besseres (Haussklaven sind mehr wert als Feldsklaven) sieht. Ihre Herrin ist Ich-bezogen und verwöhnt. Melodramatisch meistert sie die Zeit nach dem Tod ihres Bruders (während des Sklavenaufstandes) mit Hilfe von Aufsehern, die kommen und gehen – bis Robert Goodwin erscheint. Der neue Aufseher und July freunden sich an. Doch eine offizielle Beziehung zu einer Farbigen war damals verpönt und so lässt er July, die sich in ihn verliebt hat, fallen sobald sich die Gelegenheit ergibt. July wird selbst Mutter – jenes Sohnes, der sie später dazu überredet, ihr Leben aufzuschreiben. Fazit Das lange Lied eines Lebens ist kein Buch, das man einfach so nebenbei liest. Es ist bedauerlicherweise vermutlich auch keines, das Massen begeistern wird. Zum einen wegen des gewöhnungsbedürftigen distanzierten Schreibstils. Zum anderen, weil es eines der unrühmlichen, unmenschlichen Kapitel der Menschheit beschreibt. Ein Kapitel, das bedauerlicherweise noch nicht in allen Teilen der Welt abgeschlossen ist. Levy hat sich eingehend mit der Thematik beschäftigt und das merkt man. Sie hebt den Finger ohne belehrend zu wirken. Ihr Buch rührt an, ohne pathetisch zu wirken. Es erschüttert und stößt ab,. Es stimmt nachdenklich und wühlt auf. Und es lohnt sich, wenn man es zu Ende liest. Das lange Lied eines Lebens bekommt fünf von fünf Punkten von mir. Copyright © 2012 Antje Jürgens (AJ)

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    schokoloko29

    07. January 2012 um 19:55

    Zuerst wollte ich erst mal ein großes Lob geben bezüglich des tollen Covers. Ich habe dieses Buch in einer Buchhandlung gesehen und wollte es sofort lesen. Inhalt des Buches: Hier geht es um die Sklavin Julie, die in Jamaika aufwächst. Sie lebt bei ihrer Mutter in einer Zuckerrohrplantage. Als Julie mit ihrer Mutter auf dem Weg zum Markt ist, ist die Herrin der Plantage so entzückt von Julie und nimmt sie mit ins Herrenhaus. Julie soll sich im Herrenhaus um die Belange der Herrin kümmern, da die englische Zofe verstarb. Im Buch geht es hauptsächlich um Julies Leben und ihr Weg in die "Freiheit". Auch die Sklavenaufstände, die Ungerechtigkeiten, die Willkür und die Bigotterie der Weißen spielen eine wichtige Rolle in diesem Roman. Eigene Meinung: Die Geschichte und das damit verbundene Leid der Schwarzen wird in einem lakonischem Ton erzählt. Als Leser bleibt manchmal das Lachen im Halse stecken. Die Sprache gibt gut die Insel wieder, so dass man die Hitze der Insel spürt, das Summen der Fliegen hört etc. Die letzten 10 Seiten fand ich zu langatmig. Aus diesem Grund gebe ich dem Buch 4 Punkte.

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    -Favola-

    03. November 2011 um 16:32

    Ich beginne mit dem Punkt, der ausschlaggebend für den Kauf dieses Buches war: das Cover. In der Mitte das Profil einer farbigen Frau, unter dem Hals drei Reihen Ketten. Rundherum bunte Blüten und Vögel. Ich finde, das Cover passt ausgesprochen gut zum Thema dieses Buches: Sklaverei auf Jamaika. Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Thomas Kinsmann. Er ist Verleger und Herausgeber und eine fiktive Figur. Er erklärt, dass dieses Buch entstanden ist, weil seine Mutter ihm unbedingt ihre Geschichte erzählen wollte. Da er nicht genügend Zeit hatte, ihr wirklich zuzuhören, riet er ihr, alles aufzuschreiben und es so für die Nachwelt festzuhalten. Und dies tat sie dann auch, erst zögerlich, dann mit immer mehr Elan. "Es war vorbei, kaum dass es begonnen hatte. Kitty spürte auf nur unerhebliche Weise, wie das Ding des Aufsehers Tam Dewar in sie eindrang, sodass sie beschloss, daran zu glauben, dass er sie einfach nur von hinten angeschubst hatte, so wie jeder grantige, grummelnde, grollende Weisse es getan hätte, wenn sie in einer Menschenmenge zusammengedrängt worden wären . . . ." Geneiger Leser, mein Sohn erläuterte mir, dass die für den Beginn einer Geschichte zu taktlos sei. Bitte sieh`s mir nach, aber dein Erzähler ist eine Frau, die geradeheraus spricht und über wenig Tinte verfügt. July schreibt also als alte Frau ihre Geschichte auf. Wir erfahren, wie July auf der Zuckerplantage geboren wurde, lesen, welch harten Alltag ihre Mutter als Sklavin hatte. Mit Schrecken müssen wir zuschauen, wie die Schwester des Plantagenbesitzers July sah, für süss befand und einfach mitnahm. Von nun an lebt July also getrennt von ihrer Mutter als Haussklavin im Herrenaus und wird nun “Marguerite” genannt, weil der Name der Herrin besser gefällt. Es widerfahren July schreckliche Dinge, doch sie erzählt sie sehr emotionslos, oft sogar mit trockenem Humor. Das hat mich zum Teil recht gestört, da es für mich unverständlich ist. Aber vielleicht muss man ein solch hartes Schicksal auch so distanziert anschauen, damit man damit leben kann, denn trotz ihrer Lebensumstände ist July eine starke Frau, die sich durchs Leben kämpft. Julys persönliches Schicksal ist in die gesellschaftliche Veränderung der Zeit, dem Ende der Sklaverei, eingebettet. Das fand ich sehr interessant, denn es reicht ja nicht, dass die Sklaven ihre Grundbesitzer verjagen, um auch die Einstellungen der Menschen im Kopf zu ändern. Einmal gefasste Vorurteile können nur schwer widerlegt werden und so wird die Welt weiterhin in Schwarz und Weiss geteilt. Unterbrochen werden die Erzählungen immer wieder mit Gedanken der alten July, der Erzählerin. Dabei spricht sie den Leser sehr oft direkt an. Für mich persönlich war dies etwas befremdlich, da es zum Teil in einem enormen Ausmass gehandhabt wird. Ich hatte auch das Gefühl, dass es mich daran gehindert hat, wirklich in die Geschichte einzutauchen. "Geneigter Leser, ich muss dir eine Wahrheit zuflüstern. Komm, leg dein Ohr ganz dicht auf diese Seite. Beug dich noch ein bisschen näher herab. Denn es drängt mich, aufrichtig über das letzte Kapitel zu sprechen, das du gerade gelesen hast. Geneigter Leser, hörst du mich auch?" Dem Schreibstil des Buches stehe ich ein bisschen zwiespältig gegenüber. Auf der einen Seite wird sehr blumig erzählt, dass man Ort gleich vor sich sieht, auf der andern Seite empfand ich die Sprache zum Teil als sehr grob. Klar wollte damit die einfache Welt der Sklaven aufgezeigt werden, aber trotzdem waren mir Sachen wie “furzen” zu oft ein Thema. Spannend fand ich, warum Andrea Levy dieses Buch geschrieben hat. In einem Video erfuhr ich, dass sie an einer Londoner Tagung über das Ende der Sklavereiteilnahmm als eine junge Frau fragte, wie man denn stolz auf seine Vorfahren sein könne, die alles Sklaven waren. Andrea Levy hat selbst jamaikanische Wurzeln und hat dann überlegt, wie man sich denn dafür schämen könne . . . Da kam ihr die Idee, ob sie nicht die Ansichten dieser Frau ändern könnte, indem sie ihr eine Geschichte erzählte . . . Trotz vieler interessanter Aspekte und einem sehr gut recherchierten Thema konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Ich braucht lange bis ich es zu Ende gelesen hatte, da ich es oft aus der Hand gelegt habe, da es mich nicht wirklich fesseln konnte. Fazit: “Das lange Lied eines Lebens” ist eine interessante Geschichte. Mir zeigte die Protagonistin aber zu wenig Emotionen und die direkte Ansprache des Leser empfand ich als störend.

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    Claudia-Marina

    12. July 2011 um 15:26

    Geneigter Leser, vor kurzem ist mir diese Geschichte in die Hände gefallen. Auf welchem Weg sie zu mir fand, das muss dich nicht interessieren. Viel wichtiger ist der Inhalt. Es ist die Lebensgeschichte von July, einer Haussklavin auf Jamaika, von ihr selbst aufgeschrieben und von ihrem Sohn Thomas veröffentlicht. July kommt Mitte des 19. Jahrhunderts auf Jamaika zur Welt. Sie ist die Tochter von Kitty, einer Feldsklavin und dem Aufseher Tam Dewar. Kein Kind der Liebe. Tam Dewar hatte sich einfach genommen, wovon er dachte, dass es ihm eh zusteht. Und so ist es auch ganz selbstverständlich, dass Caroline Mortimer, die Schwester des Plantagenbesitzers, July wie einen Besitz zu sich nimmt, als sie sie eines Tages zusammen mit ihrer Mutter auf den Feldern sieht. Kitty und July werden brutal voneinander getrennt und July wird zu Carolines Zofe und von jetzt an nur noch Marguerite genannt. Selbst ihren Namen nimmt man ihr. Eigentlich bleibt ihr nur ihr eigenes Leben – und was ist das schon wert, wenn man doch nur der Besitz eines anderen Menschen ist, wenn einem die Freiheit fehlt? In Julys Fall – sehr viel, denn sie macht das Beste aus ihrem Schicksal, findet immer wieder kleine Fluchten um der Beobachtung ihrer Herrin zu entgehen – und mit der Zeit rückt auch der Traum von Freiheit immer näher. Es sind die letzten Tage der Sklaverei, in denen wir uns hier befinden. Zunehmend werden die Sklaven mutiger, fordern mehr, verweigern sich – ein letztes Aufbäumen der Plantagenbesitzer, die nicht von ihrem liebgewonnen Lebensstandard lassen wollen. Es sind schwierige Tage, gefährliche Tage, blutige Tage. Mittendrin July, die mit einem so lockeren Ton aus ihrem Leben berichtet, dass man denken mag, sie berühre das gar nicht. Dabei ist das nur ihre Taktik, mit ihrem Schicksal umzugehen. Besser drüber lachen als zu weinen. Und so habe ich sie auch vor mir, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Schwierig wird es jedoch mit ihrer Glaubhaftigkeit, denn schon von ihrer Geburt existieren mehrere Versionen. Führt sie mich als Leser also genau so hinters Licht wie ihre Herren, wenn sie nicht das machen will, was von ihr erwartet wird? Oder ist das ihr Weg damit umzugehen, dass sie selbst die Wahrheit nicht kennt? Mehr als nur packende Zeitgeschichte. Ein Lied – lang und schön, fröhlich mit einem leichten Unterton in Moll, aber sehr tanzbar. Texte dazu gibt es verschiedene, entweder sucht man sich einen aus oder man erfindet einen neuen dazu. Aber dieses Lied muss gesungen werden! Singt es!

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    Ivy

    18. May 2011 um 16:03

    Der erste Satz: - "Es war vorbei, kaum dass es begonnen hatte." - Klappentext: Jamaika, Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie war einst Haussklavin auf der Zuckerplantage Amity und hat bewegte Zeiten hinter sich. Nun, viele Jahre nachdem sich ihre Brüder und Schwestern die Freiheit mit Blut erkauften, drängt es die inzwischen betagte Miss July ihrem Sohn, einem angesehenen Verleger, die Geschichte ihres Lebens zu offenbaren – und ihm zu erklären, warum sie gezwungen war, ihn als Säugling auf den Stufen einer Pfarrei auszusetzen. So beginnt sie mit großer Lust am Fabulieren von jener Zeit zu erzählen, als sie die rechte Hand der Missus auf der Plantage war. Bis der junge Goodwin seine Arbeit als Aufseher aufnahm und für July ein Leben unter anderen Vorzeichen anfing. Die unvergessliche Geschichte einer Emanzipation und zugleich ein erschütternder Bericht über die letzten Tage der Sklaverei, dargeboten von einer Ich-Erzählerin, die uns aufschreien lässt gegen die Unmenschlichkeit, die uns aber immer auch mit ihrem Lachen versöhnt. Denn sie führt uns vor Augen, welche Kräfte der Glaube an Veränderung wecken kann, welche Kraft die Freiheit birgt. - Meine Meinung: Eine alte Frau schreibt ein Buch über das Leben der jamaikanischen Sklavin July. Ihr Sohn, selbst Verleger, zeigt sich höchst interessiert an der Geschichte und treibt die Mutter stets an, sie niederzuschreiben. Ergebnis ist das Zeugnis und Vermächtnis über die letzte Zeit der jamaikanischen Sklaverei, in deren Zentrum Julie versucht ihr Leben zu bestreiten. July wächst als Sklavin in Jamaika auf. Ihrer Mutter schon in jungen Jahren entrissen, kennt sie zum großen Teil nur die anderen Haussklaven und ihre egozentrische Herrin, die die junge Frau von einem Ort zum anderen scheucht. Trotz ihrer harten Lebensumstände ist July eine starke Frau, die stets darum bemüht ist, sich auf ihre Weise durchzukämpfen. Im Verlauf des Buches vermischen sich die Geschichte um Julie und die Welt der Autorin. July ist nicht etwa eine fiktive Figur, sondern erlebt all das, was auch die Autorin als junge Frau erdulden musste. - Aufmerksam bin ich auf dieses Buch aufgrund des wunderschönen Covers geworden. Die türkise Farbe und das Blütenmotiv passen sehr schon zum Setting des Buches, Jamaika. Auch der Inhalt hörte sich sehr spannend an. Es geht um Sklaverei und das Schicksal einer jungen Frau, die diese durchleben muss. Andrea Levy hat für ihr Buch „Das lange Lied eines Lebens" viel recherchiert. Das wird nicht nur in einem kurzen Portrait zu ihr deutlich, in dem sie sehr sympathisch von der Entstehung des Buches berichtet, sondern auch beim Lesen. Die Kulisse vor der sich Julys Geschichte abspielt, ist authentisch; die Figuren wirken glaubwürdig und haben oftmals kein Blatt vor dem Mund oder im Allgemeinen die gehobenste Sprache. Doch gerade das zeigt ihren Stand auf, sie sind und bleiben nun einmal Sklaven. Was July während der Geschichte erlebt, ist darüberhinaus aufwühlend. Als Kind wird sie der eigenen Mutter entrissen und muss fortan ohne sie ein Sklavendasein fristen. Was soll es auch, denkt sich ihre neue Herrin, da Sklaven sowieso keine Gefühle haben und somit ihre Kinder nicht vermissen. Solche Szenarien sind nicht selten im Buch zu finden und bilden die traurigsten, aber meiner Meinung nach auch nachdenklich stimmendsten Stellen. Es ist schockierend mitzuerleben, wie sehr July sich manchmal für ihre eigene Hautfarbe schämt. Zu erfahren, was sie nicht tun würde, um zumindest ihren Kindern zu gewährleisten, nicht mehr als Mensch angesehen zu werden, der kaum mehr Wert ist als ein Tier. Die eigene Identität ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, was durch Julies Leben und auch der Beziehung zu ihrem Sohn untermauert wird. - Am bewegendsten war jedoch die Trennung von Familien, gestützt auf Annahmen und Behauptungen, die mich oft zum Kopfschütteln gebracht haben.Umso intensiver wird dieses Gefühl, wenn man sich vor Augen führt, dass die Menschen früher tatsächlich so gedacht haben und wirklich glaubten, dass die ethnische Gruppe und Hautfarbe darüber entscheiden, wie und was man fühlt, geschweigedenn, was aus einem Menschen werden kann. Manchmal habe ich mich richtig darüber aufgeregt, wenn Julies Herrin wieder die größten Albernheiten von sich gab und gleichzeitig betonte, wie dumm ihre Sklaven doch seien. Diese haben ihre eigene „Bauernschläue“ entwickelt, da Bildung für sie nicht infrage kommt. Auch July selbst ist nicht hochgebildet, doch auf ihre eigene Art aufmerksam und clever, was die Geschichte angenehm lesbar macht. Trotz dieser vielen guten Aspekte, konnte mich das Buch nicht so recht überzeugen. Ich habe sehr lange gebraucht, um es zu lesen, da ich es oft aus der Hand gelegt habe, weil es mich nicht fesseln konnte. Ja, es gibt Stellen, die anrühren, die zum Nachdenken führen, leider aber zu wenige. Das liegt daran, dass July zwar viele schreckliche Dinge widerfahren, sie jedoch meist sehr kalt und nüchtern darüber berichtet. Dann setzt sie eben ihr Kind aus. Na und? Warum sollte sie danach noch einen Gedanken an das Baby verschwenden? Dann stirbt ihre Mutter auf unmenschliche Weise, dann ist das so - das Leben geht trotzdem weiter. Genau das war der Grund, warum July mir seltsam fremd blieb. Die alte July konnte mich auch nicht stärker ansprechen, obwohl das gerade durch ihre direkte Leseransprache, die sich durch das ganze Buch zieht, stark gewollt ist. Stellenweise war die Leseransprache für mich derart anstrengend, dass sie mich aus der Geschichte geworfen hat, hatte ich mich erst eingefunden. Das mag allerdings Geschmackssache sein, denn ich gebe gerne zu, nicht der größte Fan der direkten Leseransprache zu sein - erst recht nicht in solchem Ausmaß. Neben diesem Manko empfand ich die Beziehung von Julie und ihrem Sohn auch als relativ gefühlsarm, was gerade aufgrund ihrer Geschichte unpassend wirkte. - "Das lange Lied eines Lebens" greift ein wichtiges und berührendes Thema auf, das die Autorin stellenweise sehr souverän darstellt. Leider konnte ihre Detailgenauheit und gute Recherche für mich nicht darüber hinwegtrösten, dass die Geschichte um July distanziert und oftmals recht gefühlsarm geschildert wird. Wer sich für das Thema Sklaverei interessiert, kann dennoch zu dem Buch greifen, da es fachlich einwandfrei geschrieben ist und ich mir vorstellen kann, dass es anderen Lesern durchaus gefallen kann. Für mich selber muss ich jedoch sagen, dass es nicht über eine Frage des Geschmacks hinausgekommen ist und mich nicht recht mitreißen konnte. Da ich mich jedoch zwischen drei und vier Sternen entscheiden musste, habe ich mich zu der höheren Bewertung entschieden, denn gut schreiben kann Andrea Levy allemal. --- Meine Rezensionen könnt ihr auch auf meinen Buchblog finden: http://our-storytime.blogspot.com

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    savanna

    15. April 2011 um 00:14

    Die Insel Jamaika in der Karibik unterlag der berüchtigten Triangel der Sklaverei – von Westafrika aus wurden Tausende von Menschen auf die karibischen Plantagen verkauft. Die Schiffe des atlantischen Sklavenhandels fuhren daraufhin beladen mit Zucker und Baumwolle zurück nach Europa, um wiederum den Dreieckshandel mit Waffen und Textilien in Westafrika zu schließen. Um vor allem das Ende der dreihundertjährigen Sklaverei auf Jamaika dem Leser möglichst facettenreich nahe zu bringen, hat Andrea Levy die ältliche July auserkoren. July, die als Sklavin auf einer Zuckerrohrplantage namens Amity geboren wurde, möchte ihrem Sohn die Geschichte ihres Lebens anvertrauen. Ihr Sohn Thomas hingegen, der von July unter dramatischen Umständen als Säugling bei einer Kirche ausgesetzt wurde, hat nur bedingt Interesse an der Lebensgeschichte seiner leiblichen Mutter. Als erfolgreicher Verleger bittet er sie, ihre Erinnerungen schriftlich zu verfassen, damit er diese zu einem Druckauftrag verarbeiten und sich zu einem späteren Zeitpunkt zu Gemüte führen kann. Als unerwünschte Tochter eine Feldsklavin, die von einem Aufseher vergewaltigt wurde, steht das Leben von July von Anbeginn unter einem düsteren Stern. Dass sie nicht ebenfalls als hart arbeitende Feldsklavin endet, verdankt sie der Schwester des Plantagenbesitzers, die sie als Haussklavin ins Herrenhaus befiehlt. Über viele Jahre hinweg, die July der anstrengenden und anspruchsvollen Missus zu Diensten ist, haben die Sklaven unter der rassistischen Machtausübung durch die englischen Kolonisatoren zu leiden. July erlebt mit, wie sich Ende des 19. Jahrhunderts die Unterdrückung der Sklaven in blutige Aufstände entläd. Die Phase der Sklavenemanzipation zeigt auch ihre Auswirkungen auf der Plantage Amity, die nach erstem Widerstand dann doch von den bedrohten Engländern Hals über Kopf verlassen wird. Von einem Tag auf den anderen sind die wütenden Sklaven Jamaikas freie Menschen. „Das lange Lied eines Lebens“ schaffte es als fünfter Roman aus der Feder der Autorin Andrea Levy auf die Shortlist des wichtigsten angelsächsischen Literaturpreises, dem Man Booker Prize. Die zündende Idee für diesen Roman kam der englischen Autorin jamaikanischer Abstammung während einer Konferenz zum Vermächtnis der Sklaverei. Da ihre eigenen Vorfahren aller Wahrscheinlichkeit nach als Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen Jamaikas lebten, ist es ihr ein Anliegen, über die entwürdigenden Lebensbedingungen, aber auch die bewundernswerte Stärke dieser letzten Sklaven-Generationen zu schreiben. Die detaillierten Erinnerungen an ein Leben, dass durch tiefen Rassismus und massive Unterdrückung geprägt wurde, gehen unter die Haut. Gerade, weil der Leser weiß, dass hinter der fiktiven July Tausende von Individuen stehen, die dieses Schicksal teilen mussten. Durch die charmante Hauptperson, die in „Das lange Lied eines Lebens“ von der Kindheit bis ins Alter vom Leser begleitet wird, werden unterschiedliche Blickwinkel auf das raue Leben der Sklaven möglich. Während die junge July schlichtweg Erfahrungen sammelt und Orte wie Menschen erlebt, reflektiert die alternde July mehr und mehr über private Ereignisse und gesellschaftliche Veränderungen. Ein Buch, dass zum Gedenken an Generationen von Sklaven in aller Welt geschrieben wurde. Ein Roman, der Geschichtsschreibung und Familiengeschichte gefühlvoll vereint. Eine Neuerscheinung, die mit einem bildgewaltigen Cover hoffentlich noch vielen Lesern ins Auge springen wird.

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    lokoschade

    15. March 2011 um 07:09

    Gebundene Ausgabe: 368 Seiten Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (8. März 2011) ISBN: 978-3421044839 Preis: € 19,99 Pressestimmen „Andrea Levy ist eine ernstzunehmende Vertreterin jener neuen Weltliteratur, die Europa aus den Lebenswelten der ehemaligen Kolonien und der Migration zugewachsen sind.“ (Deutschland Radio ) "Andrea Levy ist so etwas wie der Daniel Kehlmann der britischen Literatur." (Die Welt, Elmar Krekeler ) "Das lange Lied eines Lebens ist zugleich die lebensbejahende Geschichte einer Frau, die in einer schrecklichen Zeit ums Überleben kämpft, und eine Verneigung vor den Heerscharen von Sklaven, denen es gelungen ist, aus düstersten Umstände das Beste zu machen. Ein überaus lesenswerter Pageturner mit viel Humor." (The Independent ) Kurzbeschreibung Vom Kampf einer Frau um Freiheit – mit Leichtigkeit und Leidenschaft erzählt. Jamaika, Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie war einst Haussklavin auf der Zuckerplantage Amity und hat bewegte Zeiten hinter sich. Nun, viele Jahre nachdem sich ihre Brüder und Schwestern die Freiheit mit Blut erkauften, drängt es die inzwischen betagte Miss July ihrem Sohn, einem angesehenen Verleger, die Geschichte ihres Lebens zu offenbaren – und ihm zu erklären, warum sie gezwungen war, ihn als Säugling auf den Stufen einer Pfarrei auszusetzen. So beginnt sie mit großer Lust am Fabulieren von jener Zeit zu erzählen, als sie die rechte Hand der Missus auf der Plantage war. Bis der junge Goodwin seine Arbeit als Aufseher aufnahm und für July ein Leben unter anderen Vorzeichen anfing. Die unvergessliche Geschichte einer Emanzipation und zugleich ein erschütternder Bericht über die letzten Tage der Sklaverei, dargeboten von einer Ich-Erzählerin, die uns aufschreien lässt gegen die Unmenschlichkeit, die uns aber immer auch mit ihrem Lachen versöhnt. Denn sie führt uns vor Augen, welche Kräfte der Glaube an Veränderung wecken kann, welche Kraft die Freiheit birgt. Meine Meinung: Gleich zu Anfang des Buches bittet uns July, die Ich-Erzählerin, die Geschichte erst garnicht weiter zulesen, wenn wir eine Beschreibung davon wollen was für eine wunderschöne Insel Jamaika ist, mit welch üppiger Vegetation sie ausgestattet ist und wieviele lärmende Vögel sich hier verweilen. Sie richtet ihren ungeschönten Blick auf Jamaika Mitte des 19. Jahrhunderts als die Insel die letzten Tage der Skalverei zu erdulden hatte. Ihr Schicksal wird schon recht früh besiegelt als der Besitzer der Zuckerrohrplantage mit seiner Schwester über das Anwesen reitet um ihr seinen Besitz zu zeigen. Als Caroline die kleine July an der Hand ihrer Mutter sieht und ihr Entzücken (Ach ist die niedlich) kaum verbergen kann, darf sie sie einfach mitnehmen. So einfach ging das. Ab diesem Tag war sie ihre Haussklavin und wächst nun im Schatten des Herrenhauses auf. Ihre Mutter wird sie erst viele Jahre später wieder sehen. Erniedrungen, Bestrafungen, Unmenschlichkeit sind an der Tagesordnung und nach einem versuchten Aufstand der Skalven am Weihnachtsabend ist Carolines einzige Sorge dass das Leinen auf ihrem Tisch nichts anderes war als ein ordinäres Bettlaken. Die Lage für July ändert sich als der junge Robert Goodwin, Sohn eines Pfarrers aus England, zum Aufseher der Plantage ernannt wird. Den Negern Freundlichkeit entgegen zu bringen, sich um ihr Seelenheil zu kümmern, kurz Mitleid mit ihnen zu haben, das hat sich Robert auf seine Fahne geschrieben.... Fazit: Ein erschütterndes Buch, völlig ohne Pathos erzählt. Das macht es zu etwas ganz besonderem und absolut lesenswertem. Andrea Levy legt ihren Finger ganz direkt auf offene Wunden ohne darin herumzurühren; es tut auch so schon weh. Die Autorin hat ihrer Protagonistin eine unverwechselbare, humorvolle Stimme gegeben und es ist trotz der schweren Kost, eine Freude ihr zuzuhören.(dk)

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    Annora

    08. March 2011 um 08:41

    Es gibt Bücher, die einen in eine andere Welt entführen, in die man während des Lebens fast vollständig eintaucht und die einen auch noch lange, nachdem man das buch zugeklappt hat, nicht loslässt. "Das lange Lied eines Lebens" ist so ein Buch. Von einer alten Dame werden wir mitgenommen in das Jamaika zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in die Zeit der Sklaverei. Sie erzählt uns die Geschichte von July, der Tochter einer Sklavin und eines Aufsehers - IHRE Geschichte. Sie wächst in einem Sklavendorf auf und wird eines Tages von der Schwester des Plantagenbesitzers mit in das Herrenhaus genommen, wo sie als Haussklavin arbeitet. July, die von ihrer Missus nur "Marguerite" genannt wird, erlebt den Alltag in Sklaverei, aber auch die Sklavenbefreiung und die daraus resultierenden Probleme für die Plantagenbesitzer aber auch für die Sklaven selbst. (Zum Inhalt selbst möchte in an dieser Stelle gar nicht viel mehr sagen, um der Geschichte selbst nicht all zu viel vorwegzunehmen.) July ist ein liebenswertes Mädchen, wenn auch zuweilen etwas naiv. Ganz im Gegensatz zu der älteren July, der Erzählerin - obwohl es die gleiche Person ist - denn sie reflektiert die Geschehnisse sehr weitsichtig, einfühlsam und klug. Genau das macht auch den Lebenswandel der Person deutlich. Der Kontrast, der dadurch entsteht, wie sich die Art zu Leben auf Sprache, Intelligenz und Selbstvertrauen auswirkt, zeichnet dieser Roman sehr gut ab. Unterbrochen werden die Erzählungen immer wieder von der alten July, die in dem Roman als Erzählerin auftritt, und ihrem Sohn, einem Verleger, der die Geschichte publizieren möchte. Sie greifen in die Geschichte erklärend ein, stellen Dinge "richtig", die der jeweils andere "falsch" dargestellt hat - beide, so scheint es, verbünden sich mit dem Leser. Diese direkte Ansprache vermittelt dem Leser den Eindruck, als säße man bei der alten Dame und ihrem Sohn am Küchentisch und lausche ihren Ausführungen. Das Buch bekommt dadurch eine sehr persönliche und intime Note, zudem wirkt die Geschichte dadurch unheimlich lebendig und authentisch. "Das lange Lied eines Lebens" ist kein Frauenroman, auch keine Liebesgeschichte, es ist ein gesellschaftskritischer Roman, der anhand einer Lebensgeschichte die Umstände aufzeigt, zu denen die Sklaven in der Zeit vor und nach der Sklavenbefreiung auf Jamaika gelebt haben. Der Roman gibt aber auch Einblick in das Leben der Plantagenbesitzer, der europäischen Einwanderer und ihrer Lebensart. Er zeichnet ein sehr umfassendes und realistisches Gesellschaftsbild jener Zeit. Die Autorin selbst sagt in einem Video auf Amazon, dieser Roman sei ein Tribute an all die Menschen, die in Sklaverei gelebt haben. Und ich finde, mit diesem Roman hat Frau Levy diesen Menschen wirklich ein sehr schönes und einfühlsames Andenken hinterlassen. Die Geschichte hat mir sehr berührt und auch nicht losgelassen, nachdem ich das Buch schon beendet hatte.

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  • Rezension zu "Das lange Lied eines Lebens" von Andrea Levy

    Das lange Lied eines Lebens

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. March 2011 um 06:42

    - Geneigter Leser, ich muss dir eine Wahrheit zuflüstern. Komm, leg dein Ohr ganz dicht auf diese Seite. Beug dich noch ein bisschen näher herab. Denn es drängt mich, aufrichtig über das letzte Kapitel zu sprechen, das du gerade gelesen hast. Geneigter Leser, hörst du mich auch? - Mehrere Jahrhunderte wurde die Geschichte Jamaikas durch die Britische Regierung beeinflusst. Seit dem 17. Jahrhundert gehörte die Karibikinsel als Kolonie zur Britischen Krone. Sie wurde mit ihren Nebeninseln erst 1962 als unabhängiger Staat anerkannt. Nicht nur der Anbau von Zuckerrohr und der Sklavenhandel prägten im 19. Jahrhundert die Geschichte der Insel, sondern auch eine Vielzahl von Konflikten. Besonders nach der Abschaffung des Sklavenhandels, der nicht das System der Sklaverei in Frage stellen sollte, kam es auf Jamaika zu konfliktreichen Auseinandersetzungen und größeren Unruhen. Die wirkliche Befreiung der Arbeiter aus dem unwürdigen System der Sklaverei erfolgte allerdings erst gegen Ende der 1830er Jahre. "Das lange Lied eines Lebens" ist ein Roman über eine Sklavin, die mehr als die Hälfte ihres Lebens auf einer Zuckerrohrplantage verbracht hat. Gezeugt wurde sie von einem weißen Aufseher, der seine Position auch dazu nutzte seine sexuellen Begierden zu stillen. Da ihre Mutter von dem Wohlwollen des Mannes abhängig war und auf den Feldern der Plantage arbeitete, gab sie sich ihrem Schicksal hin. Trotz dieser Umstände liebte sie ihre Tochter über alles. Mehr möchte ich allerdings über die Geschichte nicht preisgeben. Nur so viel: Im Zusammenspiel mit der Lebensgeschichte des kleinen Mädchens werden die Vorgänge auf der Insel bis zur Beendigung der Sklaverei beschrieben. Zudem geht die Autorin auch auf die Beziehungen zwischen den verschiedenen dort lebenden Personengruppen ein und schildert in einigen Fällen ihre Beweggründe. Andrea Levy lässt die Hauptperson als Erzählerin auftreten, die von ihrem Sohn gebeten wurde all ihre jamaikanischen Geschichten aufzuschreiben, um der Welt mitteilen zu können, was in den ersten vier Jahrzehnten auf der Insel passierte. Dabei geht es nicht um große politische Zusammenhänge. Es wird eher eine Familiengeschichte erzählt, die durch die äußerlichen Umstände verschiedene Wendungen erfährt. Die Protagonistin versucht zunächst einfach die Geschichte von July erzählen. Doch relativ schnell wird klar, dass es sich um ihre eigene Geschichte handelt. Die Autorin lässt sie schonungslos und in teilweise sehr grober Sprache berichten. Gleichzeitig wirkt die Erzählung aber auch sehr poetisch und in gewisser Weise blumig. Die Härte der Sklaverei wird schönen und alltäglichen Momenten gegenübergestellt. Dadurch entsteht ein Gegensatz, der das Leben der schwarzen Bevölkerung noch schrecklicher wirken lässt. Man fragt sich als Leser teilweise, ob man jetzt wirklich schmunzeln darf. Die Vermischung dieser zwei Sprachvarianten führt aber leider auch an manchen Stellen zu trägen Abschnitten. Man fühlt sich wie auf einer holprigen Straße, deren Ende schon in Sicht ist und sich doch scheinbar immer wieder entfernt. Es lohnt sich jedoch den Text nicht zu schnell aufzugeben. Denn im Endeffekt handelt es sich um einen tiefgründigen und interessanten Roman, der nicht durch eine schnelle Handlungsfolge, sondern durch die nachvollziehbaren biographischen Wendungen besticht. Zudem schafft es Andrea Levy wunderbar Bilder infrage zu stellen, die durch die ältere Geschichtsschreibung, aber auch durch künstlerische Werke entstanden sind. Fazit: Ein empfehlenswerter Roman, für den der Leser jedoch ausreichend Zeit und Ruhe mitbringen sollte.

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