Andrea Stoll

 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
Autorin von Der kalte Himmel, Ingeborg Bachmann und weiteren Büchern.
Andrea Stoll

Lebenslauf von Andrea Stoll

Die deutsche Dramaturgin und Autorin Dr. phil. Andrea Stoll studierte nach ihrem Schulabschluss Germanistik, Philosophie und Publizistik in Mainz und Wien. Im Anschluss daran nahm sie 1992 die Tätigkeit als freie Autorin und Herausgeberin für Verlage, Filmproduktionen und Fernsehsender auf. Sie ist die Verfasserin zahlreicher Aufsätze und Bücher zu Literatur und Film. In den Jahren von 1992 bis 2007 hatte sie zudem eine Lehrtätigkeit als Dozentin für Literatur und Drehbuchentwicklung an der Universität Salzburg inne. Andrea Stolls Filme setzen sich kritisch mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander und begeistern sowohl die Kritiker als auch ein Millionenpublikum. Zudem ist sie die Verfasserin mehrerer biographischer Bücher und Romane, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

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Rezension zu "Ingeborg Bachmann" von Andrea Stoll

Drama einer Kompromisslosen ohne verlässlichen Ort
JulesBarroisvor 4 Jahren

Ich war und bin es noch immer, ein bekennender Bachmann-Fan. Deshalb Vorsicht. Ich bin alles andere als distanzlos.

Ingeborg Bachmann gehörte zu den größten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Vielleicht ist sie sogar die Größte.

Andrea Stoll, die über Ingeborg Bachmann promoviert hatte, legt jetzt die erste ausführlichere Biografie über sie vor. Die Autorin hat für diese reichhaltige Biographie sehr akribisch recherchiert. Sie hat mit der Familie, vor allem den Geschwistern Heinz Bachmann und Isolde Moser und Weggefährte Bachmanns wie Henry Kissinger, Inge Feltrinelli und Luigi Bonino gesprochen und viele unbekannte Dokumente gesichtet. Vor allem erhielt sie Zugang zum Privatarchiv der Familie, für mich entscheidend für die Qualität dieser Biographie. Was herauskommt, ist mehr als eine Faktenbiographie und liegt jenseits dem „Mythos Bachmann“ und des auch von Bachmann selbst inszenierten Bildes in der Öffentlichkeit.

Andrea Stoll zeigt das Bild eines widersprüchlichen Menschen, dessen Tod eine logische Konsequenz ihres Lebens war. Und sie zeigt das Bild einer durch und durch feministischen, antifaschistischen, unbeirrbaren Persönlichkeit. Es ist das differenzierte Bild einer Erfolgsautorin und ihrer Fassade. Ingeborg Bachmann erfindet sich immer wieder neu. Aufschwung und Erschöpfung sowie neuer Aufschwung wechseln sich ab. Eine Getriebene, eine scharf und überlegen Denkende, eine, die kritisch auf die Verhältnisse schaut, sucht die „wahre“ Sprache, die unverdorbenen Wörter, und von Anfang an hat ihr Schreiben eine unverkennbar politische Dimension.

Andrea Stoll zeigt sich in diesem Buch zum einen als seriöse Wissenschaftlerin und als Dramaturgin spannend erzählter Geschichten. Sie erzählt mit Tempo, Szenenwechsel und literarischem Geschick fast romanhaft.

Ein ausgesprochen aufschlussreiches Buch, ein hochkomplexes Werk, ist für alle Bachmann-Interessierte unerlässlich.

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Rezension zu "Der kalte Himmel" von Andrea Stoll

Der kalte Himmel - Andrea Stoll
milasunvor 5 Jahren

"Vogelartig, ja, das war es, durchzuckte es sie, ein seltsamer Vogel, ja, das war er, ihr Sohn, und noch während sie über diesen Ausdruck nachdachte, strömte ein warmes Gefühl aus der Mitte ihres Körpers in ihr auf, ein Gefühl, das sie schon in den ersten Wochen nach seiner Geburt verspürt hatte, wenn sie dieses Kind betrachtete, das so anders schien, ohne dass sie genau hätte sagen können, was denn anders an ihm war."

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M

Rezension zu "Ingeborg Bachmann" von Andrea Stoll

Lebendige und die Person erfassende Biographie
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Zwei (mindestens) ganz unterschiedliche, fast konträre „Seiten der Person“ sind es, welche die faszinierende Persönlichkeit von Ingeborg Bachmann ausmachten. Wobei nur „die eine“, öffentliche Facette der Persönlichkeit breit bekannt und beleuchtet worden ist.

 

Neben aber dem „Popstar der Literatur“, dem „Covergirl“, der Frau, die sich souverän und, wie es Stoll nennt, „strahlend“ auf dem öffentlichen Parkett bewegte, gibt es noch diese ganz andere, stille, tiefe Seite der Ingeborg Bachmann. Jene Quelle, aus der sich in starkem Maße die Kraft ihrer Lyrik speiste, die reflektierende, nachdenkliche Ebene der Person.

 

Jene Seite, die durchaus depressive Anteile in sich trug, Angst, Verzweiflung und  Selbstzweifel in hohem Maße kannte. Gleichzeitig also stark, offen, souverän und unsicher, scheu und voller Zweifel, eine hohe Reibung, die Andrea Stoll durchaus zu einem der zentralen Punkte ihrer Biographie Ingeborg Bachmanns setzt.

 

Und damit sehr spannend und emotional dem Leser das „private Gesicht“, die umfassende Person überzeugend (und zudem sehr gut lesbar) nahe bringt. Jene Diskrepanz zwischen dem freiheitsliebenden Wesen, das allen Ehrgeiz daran setzte, als „freie Schriftstellerin“ zu reüssieren, dennoch aber von der Person her stark unter dem Fehlen eines Sicherheit gebenden Rahmen litt. Bis hin zur seelischen Erschöpfung und körperlichen Erkrankung gerade an dieser „Freiheit“. Im Übrigen waren diese Zweifel und Ängste nicht immer nur eingebildete innere Dramen, durchaus kannte Ingeborg Bachmann auch als bekannte Autorin noch materielle Engpässe und Unsicherheiten, mit denen sie nur schwer bis gar nicht Umgang finden konnte.

 

Eine Existenz, die nicht losgelöst von den Rahmungen der Zeit der 50er und 60er Jahre betrachtet werden kann, in der, auch dies ein Begriff Stolls, eine ehrgeizige und offen auftretende Frau und Schriftstellerin ohne bürgerliche Absicherung als „Freiwild“ galt. Eine Haltung, die auch in der Rezeption des Werkes zu Erscheinungszeiten Folgen zeigte und zusätzlich persönlich belastete.

 

Dennoch aber hat Bachmann diesen von ihr gewählten Weg nie verlassen. Trotz aller innerer und äußerer Erschwernisse sich „durchgebissen“. Und auch für dieses „daran Festhalten“ findet Stoll überzeugende Gründe und stellt diese umfassend im Buch mit dar.

 

Selbstverständlich findet der Leser im Buch ebenfalls die äußeren Lebensstationen und die entsprechenden Erläuterungen der Werke Bachmanns. Auch hier, im Übrigen, arbeitet Andrea Stoll die Verzahnung von Werk und Leben eindringlich heraus. Wie „das Geschriebene“ sich aus „dem Erlebten“ ableitet und dort verarbeitet wird.

 

Eine rundum gelungene Biographie, die einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit der Ingeborg Bachmann, in die Zeitgeschichte und die vielfachen Reibungen in und um Bachmann herum vor Augen führt. Und dafür einen Titel findet, der dem Leben Bachmanns und der Biographie selbst hochgradig entspricht.

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Andrea Stoll wurde am 31. August 1960 in Rüsselsheim (Deutschland) geboren.

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