Andrea Stoll Der kalte Himmel

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Inhaltsangabe zu „Der kalte Himmel“ von Andrea Stoll

Ein kleiner Junge, der anders ist als alle anderen. Und eine Mutter die kämpft – für sein Leben, seine Würde, seine Zukunft

Ein kleines Dorf in der bayerischen Hallertau 1967. Noch ist die Familie der Hopfenbäuerin Marie Moosbacher stark in den bäuerlichen Traditionen verhaftet. Dieses Lebensfundament bekommt Risse, als Maries jüngster Sohn Felix eingeschult werden soll. Denn Felix ist anders als andere Kinder. Stundenlang läuft er allein durch die Felder oder vertieft sich in ausgetüftelte Rechenspiele, die außer ihm keiner versteht. In der dörflichen Gemeinschaft steht ihm bald eine Mauer der Ablehnung gegenüber, die sogar die Familie entzweit. Denn Marie ist nicht bereit aufzugeben. Sie glaubt fest an eine außergewöhnliche Begabung ihres Jungen. Eine Odyssee zu verschiedenen Ärzten und Kliniken beginnt, die sie bis nach Berlin führt. Ihre ganze Hoffnung ruht auf einem jungen Arzt, der seiner Zeit weit voraus ist. Wird er Felix helfen können?

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  • Der kalte Himmel - Andrea Stoll

    Der kalte Himmel

    milasun

    29. May 2014 um 14:42

    "Vogelartig, ja, das war es, durchzuckte es sie, ein seltsamer Vogel, ja, das war er, ihr Sohn, und noch während sie über diesen Ausdruck nachdachte, strömte ein warmes Gefühl aus der Mitte ihres Körpers in ihr auf, ein Gefühl, das sie schon in den ersten Wochen nach seiner Geburt verspürt hatte, wenn sie dieses Kind betrachtete, das so anders schien, ohne dass sie genau hätte sagen können, was denn anders an ihm war."

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  • Rezension zu "Der kalte Himmel" von Andrea Stoll

    Der kalte Himmel

    michael_lehmann-pape

    01. November 2011 um 14:12

    Anders sein „Seine beiden Geschwister hatten bald das Interesse an ihm verloren. Felix war einfach kein Kind, das man an sich drücken und herumwirbeln konnte.“ Denn Felix ist Autist, leidet unter dem Asperger Syndrom. Eine Krankheit, die zu jener Zeit, in der das Buch angesiedelt ist, kaum bekannt war. Einer, der in seiner ganz eigenen Welt lebt. Zahlenreihen, oh ja, damit kommt er wunderbar klar, aber das „wahre Leben“ da draußen im Dorf? Die Schule? Da gibt es keine Fäden, die ihn mit dieser Welt verbinden würden. Und das alles in einer kleinen, strikten, überschaubaren dörflichen Gemeinschaft. Im tiefsten Bayern. Das Leid für Felix ist vorprogrammiert, ein Leiden, das natürlich ebenso seine Mutter Marie betrifft und belastet. Während die Geschwister und selbst der Vater den Jungen achselzuckend abtun, quasi in der äußersten Ecke der eigenen Gedanken „abstellen“, nimmt die Mutter Marie den Kampf für ihren Sohn auf und geht dabei weite Wege. Bis klar wird, dass in Felix durchaus Fähigkeiten und Talente überreich vorliegen. In ganz besonderer Weise eben, die ihn ob seiner „Eigendrehung“ immer zu einem Außenseiter machen werden. Einerseits in der festgefügten und strikt zwischen „Normal“ und „Deppert“ unterscheidenden Welt der heimatlichen Umgebung (aber auch in weiteren Kreisen der damaligen Medizin der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts) nur mehr für die Rolle des „Dorftrottels“ geeignet und andererseits hochbegabt in seiner eigenen Welt ist es ein schwerere Weg für Marie und Felix, einen Platz für Felix in dieser Welt zu finden. Ein Weg, den Andrea Stoll achtsam und einfühlsam in klarer und flüssiger Sprache nachzeichnet und auf dem sie, neben der dargestellten Enge der inneren Welt des Dorfes zu jener Zeit, vor allem die Emotionen der Beteiligten bestens ins Bild zu rücken versteht. Auch jene Momente in Buch (und Zeitgeschehen), die einen langsamen Auf- und Umbruch andeuten. Eine, der dafür steht, ist die Organistin Alex, die ein anderes Verständnis für Felix andeutet und damit Marie ermutigt. Und nicht umsonst aus dem fernen Berlin ins Dorf angerollt kommt. Berlin, damals der Ort der beginnenden Auflehnung gegen alte Strukturen und für eine Frische des Denkens „Du hast gesagt, wenn der Felix eigen ist, kann das mehrere Gründe haben“, wendet sich Marie hoffnungsvoll an Alex, während der Pfarrer brüsk abwinkend bereits an Marie vorbeigeeilt ist. „Ich meine, dass manche Verhaltensweisen bestimmte Gründe haben“. Ein Denken, dass sich in der Umbruchzeit Ende der 60er Jahre erst langsam breite Bahn erobert. „Schon vom ersten Tag an war Felix ihr anders erschienen. Aber ist nicht jedes Kind anders als die anderen?“, Gedanken, mit denen Marie in sich selbst die starren Haltungen auch in der eigenen Familie hinter sich lässt und sich mit Felix nach Berlin aufmacht um dort, auch unter persönlichem Einsatz ihrer körperlichen Reize, um Heilung, um einen Lebensort für Felix zu finden. Der anders aussehen wird, als sie es sich wünscht. Empfindsam und emotional treffend, dabei die Zeitgeschichte präzise schildernd und den „Geist des Umbruches“ mit aufnehmend schreibt Andrea Stoll in unaufgeregter Weise ihre lesenwerte Geschichte vom „Andersein“ in einer festgefügten Welt und dass sich diese Welt selbst ändern muss, damit „das Andere“ seinen Platz darin finden kann.

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