Andrea Stoll Ingeborg Bachmann

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Inhaltsangabe zu „Ingeborg Bachmann“ von Andrea Stoll

Die große Biografie einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen Seit dem tragischen Tod Ingeborg Bachmanns am 17. Oktober 1973 in Rom überlagern Mythen und Legenden das Leben der gefeierten Schriftstellerin. Doch wer war die Frau hinter der strahlenden Ikone, die ihr Privatleben eisern zu verteidigen wusste und der nur wenige Freunde wirklich nahekamen? In ihrer Biografie zum 40. Todestag macht Andrea Stoll das Drama einer Frau und Künstlerin lebendig, die ihr Schreiben nie nur als Berufung, sondern immer auch als Zwang, Obsession, Verdammnis und Strafe empfunden hat. Weltbürgerin und Heimatsuchende in einem, über Jahre gefangen in einem Dickicht hochkomplizierter Liebesbeziehungen und Freundschaften, allen voran zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch, hat Bachmann doch immer auch um ihre persönliche Freiheit gerungen und ihre literarischen Ziele kompromisslos verteidigt. Wie sehr Bachmann ihrer Zeit voraus war und welchen Preis sie dafür bezahlen musste, führt uns diese Biografie in eindrucksvoller Weise vor Augen.

Ein ausgesprochen aufschlussreiches Buch, ein hochkomplexes Werk, ist für alle Bachmann-Interessierte unerlässlich.

— JulesBarrois

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  • Drama einer Kompromisslosen ohne verlässlichen Ort

    Ingeborg Bachmann

    JulesBarrois

    29. May 2015 um 11:06

    Ich war und bin es noch immer, ein bekennender Bachmann-Fan. Deshalb Vorsicht. Ich bin alles andere als distanzlos. Ingeborg Bachmann gehörte zu den größten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Vielleicht ist sie sogar die Größte. Andrea Stoll, die über Ingeborg Bachmann promoviert hatte, legt jetzt die erste ausführlichere Biografie über sie vor. Die Autorin hat für diese reichhaltige Biographie sehr akribisch recherchiert. Sie hat mit der Familie, vor allem den Geschwistern Heinz Bachmann und Isolde Moser und Weggefährte Bachmanns wie Henry Kissinger, Inge Feltrinelli und Luigi Bonino gesprochen und viele unbekannte Dokumente gesichtet. Vor allem erhielt sie Zugang zum Privatarchiv der Familie, für mich entscheidend für die Qualität dieser Biographie. Was herauskommt, ist mehr als eine Faktenbiographie und liegt jenseits dem „Mythos Bachmann“ und des auch von Bachmann selbst inszenierten Bildes in der Öffentlichkeit. Andrea Stoll zeigt das Bild eines widersprüchlichen Menschen, dessen Tod eine logische Konsequenz ihres Lebens war. Und sie zeigt das Bild einer durch und durch feministischen, antifaschistischen, unbeirrbaren Persönlichkeit. Es ist das differenzierte Bild einer Erfolgsautorin und ihrer Fassade. Ingeborg Bachmann erfindet sich immer wieder neu. Aufschwung und Erschöpfung sowie neuer Aufschwung wechseln sich ab. Eine Getriebene, eine scharf und überlegen Denkende, eine, die kritisch auf die Verhältnisse schaut, sucht die „wahre“ Sprache, die unverdorbenen Wörter, und von Anfang an hat ihr Schreiben eine unverkennbar politische Dimension. Andrea Stoll zeigt sich in diesem Buch zum einen als seriöse Wissenschaftlerin und als Dramaturgin spannend erzählter Geschichten. Sie erzählt mit Tempo, Szenenwechsel und literarischem Geschick fast romanhaft. Ein ausgesprochen aufschlussreiches Buch, ein hochkomplexes Werk, ist für alle Bachmann-Interessierte unerlässlich.

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  • Lebendige und die Person erfassende Biographie

    Ingeborg Bachmann

    michael_lehmann-pape

    16. October 2013 um 14:45

      Zwei (mindestens) ganz unterschiedliche, fast konträre „Seiten der Person“ sind es, welche die faszinierende Persönlichkeit von Ingeborg Bachmann ausmachten. Wobei nur „die eine“, öffentliche Facette der Persönlichkeit breit bekannt und beleuchtet worden ist.   Neben aber dem „Popstar der Literatur“, dem „Covergirl“, der Frau, die sich souverän und, wie es Stoll nennt, „strahlend“ auf dem öffentlichen Parkett bewegte, gibt es noch diese ganz andere, stille, tiefe Seite der Ingeborg Bachmann. Jene Quelle, aus der sich in starkem Maße die Kraft ihrer Lyrik speiste, die reflektierende, nachdenkliche Ebene der Person.   Jene Seite, die durchaus depressive Anteile in sich trug, Angst, Verzweiflung und  Selbstzweifel in hohem Maße kannte. Gleichzeitig also stark, offen, souverän und unsicher, scheu und voller Zweifel, eine hohe Reibung, die Andrea Stoll durchaus zu einem der zentralen Punkte ihrer Biographie Ingeborg Bachmanns setzt.   Und damit sehr spannend und emotional dem Leser das „private Gesicht“, die umfassende Person überzeugend (und zudem sehr gut lesbar) nahe bringt. Jene Diskrepanz zwischen dem freiheitsliebenden Wesen, das allen Ehrgeiz daran setzte, als „freie Schriftstellerin“ zu reüssieren, dennoch aber von der Person her stark unter dem Fehlen eines Sicherheit gebenden Rahmen litt. Bis hin zur seelischen Erschöpfung und körperlichen Erkrankung gerade an dieser „Freiheit“. Im Übrigen waren diese Zweifel und Ängste nicht immer nur eingebildete innere Dramen, durchaus kannte Ingeborg Bachmann auch als bekannte Autorin noch materielle Engpässe und Unsicherheiten, mit denen sie nur schwer bis gar nicht Umgang finden konnte.   Eine Existenz, die nicht losgelöst von den Rahmungen der Zeit der 50er und 60er Jahre betrachtet werden kann, in der, auch dies ein Begriff Stolls, eine ehrgeizige und offen auftretende Frau und Schriftstellerin ohne bürgerliche Absicherung als „Freiwild“ galt. Eine Haltung, die auch in der Rezeption des Werkes zu Erscheinungszeiten Folgen zeigte und zusätzlich persönlich belastete.   Dennoch aber hat Bachmann diesen von ihr gewählten Weg nie verlassen. Trotz aller innerer und äußerer Erschwernisse sich „durchgebissen“. Und auch für dieses „daran Festhalten“ findet Stoll überzeugende Gründe und stellt diese umfassend im Buch mit dar.   Selbstverständlich findet der Leser im Buch ebenfalls die äußeren Lebensstationen und die entsprechenden Erläuterungen der Werke Bachmanns. Auch hier, im Übrigen, arbeitet Andrea Stoll die Verzahnung von Werk und Leben eindringlich heraus. Wie „das Geschriebene“ sich aus „dem Erlebten“ ableitet und dort verarbeitet wird.   Eine rundum gelungene Biographie, die einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit der Ingeborg Bachmann, in die Zeitgeschichte und die vielfachen Reibungen in und um Bachmann herum vor Augen führt. Und dafür einen Titel findet, der dem Leben Bachmanns und der Biographie selbst hochgradig entspricht.

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