Andrea Voß

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Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß

Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß
MIRAvor 7 Jahren

Ein paar Stunden sind vergangen, seit ich Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens beendet habe und immer noch habe ich diese eine Melodie im Ohr, die ich zukünftig unweigerlich mit dem Buch verbinden werde: "Da waren sie, die ersten schlichten, langsamen Gitarrenakkorde von Johnny Cashs' Hurt ... dann die Stimme: I hurt myself today - to see if I still feel - a focus on the pain - the only thing that's real... Und jetzt, das Ansteigen zum traurig-hoffnungsvollen Schlussakkord: And you could have it all..." Danach bin ich jedes Mal bewegt, aber auch erschöpft, genauso wie Perdita Kellermann. Aber ich bin auch glücklich. Denn ich habe einen neuen Schwarm. Er heißt "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens":

Lieber Leser, glauben Sie mir, Sie wollen nicht, dass ich nun ansetze und in aller Einzelheit den Inhalt wiedergebe. Seien Sie versichert, lieber wollen Sie verführt werden, wollen sich einfach nur entspannen und zuhören, nachspüren und schwärmen ... Wir probieren ein kleines Experiment. Ich versuche Ihnen eine kleine Kostprobe der Atmosphäre aufzuzeigen, die Sie bei der Lektüre dieses unglaublich originellen Romans erwartet:

Schließen sie die Augen, hören Sie schon die Akkorde der Gitarre? Riechen den Rauch von Perdita Kellermanns selbstgedrehten Gauloises? Schmecken Sie bereits den erfrischenden Kräutertee, liebevoll vorbereitet? Oder lassen Sie sich gerade ein Stück der unvergesslichen Zartbitter-Schokolade Perditas für 35 Cent auf den Lippen zergehen? Geben Sie acht, vielleicht fühlen sie auch einen Wimpernschlag auf Ihrer Haut, sehen das Fräulein Kellermann beim Putzen, beim Lachen, sehen es vor sich, mit Blumen in der Hand, eine Frau die vom Markt kommt, dunkles langes Haar, "einen großen geblümten, bis oben hin vollen Henkelbeutel tragend, aus dem ein Ciabatta oder die roten Köpfe von Radieschen herauslugten". Das alles hat Pathos, Energie, und Sie möchten ein wenig mehr wissen von der fabelhaften Welt des Fräulein Kellermann, die nach mehreren Liebesleiden durch bewusste Herstellung äußerer und innerer Ereignislosigkeit genesen will. Sie macht es schneewittchengleich. Gibt ihren Alltag als Talkshowredakteurin auf und träumt sich in eine Welt hinter den Bergen, geschützt von ihren sieben Zwergen, die sie in Form von feinsäuberlich ausgewählten Putzjobs findet. Vielleicht hören Sie aber auch schon die dunkle Stimme von Alf am Telefon bei seinen unzähligen Stummfilmanrufen, denen Perdita nur schwer widerstehen kann, fühlen den glühenden Blick Osmans auf Ihrem Gesicht. Fühlen Sich ergriffen, sind neugierig, wollen mehr sehen, mehr lesen, wollen schwärmen ... Und ahnen, dass es bei dieser ersehnten Ereignislosigkeit im Leben von Fräulein Kellermann nicht bleiben kann.

Das ist die Welt von Fräulein Kellermann. Ich weiß, womöglich finden Sie diese Informationen spärlich und auch verwirrend. Aber glauben Sie mir, wenn Sie zum Schwärmen geboren sind, dann fangen Sie nun an zu lesen und ich verspreche Ihnen eins: Garantierte Heiterkeit!

Gesagt sei nur noch folgendes: Sie Frau Voß, hören Sie bitte nicht auf zu schreiben. Machen Sie weiter. Verführen sie Ihre Leser mit dieser rauchigen dunklen Stimme, dieser Sprachmelodie, diesem Pathos, dieser Eleganz. Denn Ihre Leser werden auch zukünftig von Ihnen schwärmen!

Ich klicke mitunter erneut auf den Youtube Link von "Hurt". Und alles beginnt von Neuem: "If I could start again - a million miles away - I would keep myself - I would find a way ..."

Probieren Sie es aus!

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Queenelyzas avatar

Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß

Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß
Queenelyzavor 8 Jahren

Liebe geneigte Leserin (und natürlich sind ausdrücklich auch die Leser angesprochen) des literarischen Genres „chick-lit“, der sogenannten Frauenliteratur, ja, Euch möchte ich ansprechen! Ich denke, wir kennen das alle, dass dieses Genre sich in zwei Teile teilt: der erste Teil ist lockere, spritzige Literatur. Ein wenig wie Zuckerwatte, eine Heldin, die von einer Katastrophe in die nächste stolpert, eine beste Freundin hat, der sie ihr Leid klagen kann, und letztendlich zum Happy End ihren Traummann findet. Kurzweilig, aber man fühlt sich danach, als ob man sich an einer Süßigkeit ein wenig zu satt gegessen hat. Und dann, ja, dann gibt es da noch die kleinen Bonbons dieses Genres, die Bücher, die ein wenig länger im Gedächtnis hängen bleiben, die man gleich noch mal lesen möchte - mit Heldinnen, die man selbst gerne als beste Freundin haben möchte.

Eine solches Bonbon ist meiner Meinung nach dieses Buch. Ein Buch über Perdita Kellermann, die dank Literatur und Film die vollendete Schwärmerei kennt und selbst auch beherrscht. Nur leider funktionieren weder Film noch Buch wie die Wirklichkeit.

Auch Perdita kennt Situationen, in denen Frau glaubt, den Traummann getroffen zu haben. Nur fällt sie ihm eben nicht in einer Kneipe vor die Füße, sondern trifft ihn auf einem Spielplatz. Alf, der sie wiedererkennt, weil sie beide im selben Supermarkt einkaufen. Ja, so fängt diese Bekanntschaft an – mit dem Satz: „Ich bin übrigens Alf. Du und ich – wir gehen in denselben Supermarkt.“

Der Beginn einer romantischen Beziehung der Extraklasse? Weit gefehlt. Bis die beiden zum ersten Date zusammenfinden, vergehen über hundert weitere Seiten des Buches. Und dieses Date beendet Perdita trotz großer Sympathie abrupt, als ihr Alf gesteht, trockener Alkoholiker zu sein. Damit kann Perdita nicht umgehen, kennt sie dies doch von ihrem Vater und ihrer Tante Doris, bei der sie aufwuchs, da ihrer Eltern aus humanitären Gründen nach Afrika auswanderten.

Wieder eine Weile Funkstille, bis die beiden sich erneut im Supermarkt begegnen. Dieses Mal pfuscht dem Liebesglück ein kleiner Junge namens Carli dazwischen, der zufälligerweise auch noch Alfs Sohn ist. Auch das noch, der Traummann hat Familie? Perdita rennt erneut davon, vor Alf, vor der Liebe, vor den großen Gefühlen. Vor der Schwärmerei, die – wie aus Büchern und Filmen bekannt – nur tragisch enden kann.

Ob die beiden am Ende des Buches ein Paar werden und einer gemeinsamen Zukunft entgegenstreben? Nun, das bleibt lange offen, schließlich gibt es da auch noch den Türken Osman und seinen Hund Schnitzel. Wie die beiden ins Bild passen? Das mag ich Euch an dieser Stelle nicht verraten, das müsst ihr bei Interesse schon selbst herausfinden.

Dieses Buch hat etwas geschafft, was kaum ein Buch aus diesem Genre „Frauenliteratur“ je geschafft hat – es hat mich berührt. Perdita ist keine überspannte Heldin, die das Chaos magisch anzieht, sie ist eine Frau, mit der man sich identifizieren kann. Sie sucht nach Liebe und Geborgenheit, aber nicht um jeden Preis. Sie lebt ein selbstbestimmtes Leben – und sie hat es geschafft, mich für Stummfilme und deren Helden zu begeistern. Dieses Buch ist poetisch und doch real, ein Frauenroman, der ohne Kitsch direkt ins Herz trifft und zeigt, dass die wahre Liebe zwar existiert, aber doch einiges an Arbeit benötigt.

Für mich ist dieses Buch eine wahre Perle des Genres, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Perdita sich am Schluss des Buches für den anderen Mann entscheidet. Aber – das wäre dann eben mein Märchen gewesen, und genau das will dieses Buch eben nicht sein. Dieses Buch will uns zeigen, dass Menschen eine zweite Chance verdienen – und dass es mehr im Leben gibt als gutes Aussehen und einen tollen Job. Greift zu und lasst Euch von Perdita verzaubern - es lohnt sich!

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Izzylies avatar

Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß

Rezension zu "Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens" von Andrea Voß
Izzylievor 9 Jahren

Das Buch hat mir eine Freundin geschenkt und ich muss sagen: ich bin sehr sehr gllücklich darüber!
Es geht um eine junge Frau, für die jede Art von Liebesgeschichten tragisch und dramatisch enden. Eines Tages hat sie einfach genug davon und gerät nach einem Nervenzusammenbruch in die Hände eines imaginären Therapeuten. Innerhalb dieser Therapie verzichtet sie komplett auf Bücher und Filme, um keine Aufregung erleben zu müssen und ihr Leben somit ereignislos bleibt - doch manche Ereignisse passieren einfach auch ungewollt.
Andrea Voß ist es gelungen, ein wunderbares Buch über die Liebe und die Schwärmerei zu schreiben. Ein wahrer Schmöker, der einem - so verwirrt es vorerst klingen mag - unter die Haut geht und sie ein Lobeslied auf hunderte alter und wunderbarer Stummfilme und Autoren, die immer mal wieder erwähnt werden!
Unbedingt lesen - dieses Buch ist jedes Geschwärme wert!!

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