Andrea Wulf

 4,5 Sterne bei 96 Bewertungen

Lebenslauf von Andrea Wulf

Andrea Wulf, geboren in Indien und aufgewachsen in Deutschland, lebt seit anderthalb Jahrzehnten in London. Seit ihrem Studium der Designgeschichte am Royal College of Art arbeitet sie als Sachbuchautorin und Journalistin. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, ihr Buch "The Brother Gardeners" wurde u.a. für die Longlist zum Samuel Johnson Prize nominiert. Sie schreibt u.a. für "Wall Street Journal", "Sunday Times", "New York Times", "Guardian" und "Times Literary Supplement" und arbeitet zudem regelmäßig für die BBC. 2012 erschien ihr Buch "Die Jagd auf die Venus".

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Andrea Wulf

Cover des Buches Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur (ISBN: 9783570102060)Elisabeth_Rettelbachs avatar

Rezension zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" von Andrea Wulf

Sehr lebendiges Porträt eines großen Wissenschaftlers und seiner Zeit
Elisabeth_Rettelbachvor 9 Monaten

Ich liebe historische Reise- und Wissenschaftsbeschreibungen ohnehin sehr, und hier hat mich auch der lebendige Schreibstil mitgerissen. Das Werk befasst sich mit interdisziplinärem und universalem Weltwissen, das die Jahrhunderte überdauert: Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaft, Kunst, Soziologie … Auch machte Humboldt damals schon auf beginnende Umweltzerstörung aufmerksam und kritisierte den Kolonialismus und seine Auswirkungen auf Mensch und Natur durch Ausbeutung. Natürlich lässt sich nicht verhehlen, dass auch er selbst zwangsläufig ein europäischer Eindringling auf dem südamerikanischen Kontinent war und aus heutiger Sicht mit Sicherheit Ausbeutung betrieben hat – allein schon das Sammeln von Pflanzen und Tieren etc. Dennoch schien er für die damalige Zeit umsichtig vorzugehen und wirklich vor allem Wissensdurst stillen wollen, nicht sich selbst bereichern. Ein herrliches Buch, das ich Nächte durchgelesen habe. Sehr zu empfehlen.

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Cover des Buches Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur (ISBN: 9783570102060)Rodrik-Andersens avatar

Rezension zu "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" von Andrea Wulf

Klare Leseempfehlung: Humboldts Vermächtnis ist aktueller denn je
Rodrik-Andersenvor 10 Monaten

„Alles hängt mit allem zusammen. Alles ist Wechselwirkung.“ So ließe sich wohl vereinfacht die weitreichende Erkenntnis von Alexander von Humboldt zusammenfassen, der Zeit seines Lebens damit zugebracht hatte, sich die Geheimnisse und Zusammenhänge der Natur zu erschließen und sich darüber mit Gelehrten, Wissenschaftlern, Unternehmern, Künstlern und Herrschern auf der ganzen Welt austauschte. Und wie bei fast allem, was Alexander von Humboldt in Angriff genommen hatte, sprechen wir von schier unvorstellbaren Dimensionen. So soll er mindestens 30.000 Briefe verfasst haben. Hinzu kamen unzählige Werke, die sein Gedankengut und seinen Blick auf die Wunder der Natur einer breiten Leserschaft zugänglich machten. Dadurch gelang es ihm, dass sich seine Ideen in den Köpfen der nachfolgenden Generationen festsetzten und weiterentwickelten. Leider geriet sein Erbe trotzdem im Laufe der Zeit immer mehr in Vergessenheit. Da kam Andrea Wulfs Sachbuch gerade zur rechten Zeit, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Ich will ehrlich sein: Abgesehen vom Namen wusste ich mit der Person Alexander von Humboldt kaum etwas anzufangen. Klar, sein Nachname findet sich vielerorts wieder, wie z.B. im Humboldtstrom oder im Humboldt-Pinguin. Doch ahnte ich nicht, was mir bislang entgangen war. Ich hatte keine Vorstellung davon, was ein Mensch in seinem Leben schaffen und bewirken kann, selbst wenn er ein stattliches Alter von fast 90 Jahre erreicht.

Auf diesen Missstand bin ich aufmerksam geworden, als auf Zeit Online der Artikel „Humboldts Welt“ erschien. Erstaunt erfuhr ich, was dieser Mann alles erlebt, gelernt, erfahren, erfunden und mit seinen Mitmenschen geteilt hat. Auf diesem Weg wurde ich auch auf die Autorin Andrea Wulf aufmerksam, die in ihrem Sachbuch auf über 400 dichtgepackten Seiten das bewegte Leben des Universalgelehrten und Genies ausleuchtet. Außerdem fasst sie in ihrem Werk weitere Persönlichkeiten ins Auge, die von und durch Humboldt maßgeblich geprägt worden sind und ebenfalls Bahnbrechendes auf ihrem Gebiet geleistet haben. Als Beispiel seien hier Charles Darwin oder Johann Wolfgang von Goethe genannt. Überhaupt scheint es, als hätten Alexander von Humboldt sämtliche Türen offen gestanden – nicht nur wegen seines Renommees, sondern auch wegen seines diplomatischen Geschicks. Stets gelang es ihm, sich Gehör zu verschaffen und seine ambitionierten Ziele voranzutreiben. Am Ende ist ihm nur ein Herzenswunsch versagt geblieben: Eine Expedition nach Indien und zum Himalaya, weil sich die Britische Ostindien-Kompanie gegen ihn sperrte aus Angst, er könnte die Zustände anprangern, die vor Ort herrschten.

Als besonders spannend empfand ich das erste Drittel des Sachbuches, indem es um Alexander von Humboldts Kindheit, seine Ausbildung und seinen Werdegang als Beamter geht. All das bereitet ihn letztendlich auf seine prägende Südamerika-Expedition vor, in der er sein erworbenes Wissen und seine Kenntnisse abrufen konnte, um zu bahnbrechenden Entdeckungen und völlig neuen Ideen zu gelangen. Dabei tritt er nicht nur als Naturforscher, Abenteurer, Botaniker, Geologe oder Bergsteiger auf, sondern setzte sich auch mit indigenen Völkern auseinander, deren Kultur und Lebensweise er überaus schätze. Zwar nahm er überall Messungen vor, doch dienten ihm diese Untersuchungen insbesondere dazu, seine Hypothesen zu untermauern. Stets suchte er nach jenen Zusammenhängen, jenem Wechselspiel, welches die Natur im Gleichgewicht hält. Dabei stellte Alexander von Humboldt aber auch wiederholt fest, welch zerstörerische Auswüchse die menschliche Gier annehmen kann, wenn das Augenmerk nur noch auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen liegt. So gelangte er zu Schlussfolgerungen, die rund zweihundert Jahre später nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.

Als nicht ganz so fesselnd habe ich den mittleren Abschnitt des Sachbuches empfunden, in dem es vor allem darum ging, wie Alexander von Humboldt seine Ideen während seiner Aufenthalte in Paris und Berlin gesichtet, ausgearbeitet und verbreitet hat. Nichtsdestotrotz ist dieser Lebensabschnitt genauso wichtig, weil andernfalls sein Ruhm wohl nie solche Ausmaße angenommen hätte. Und dies wiederum versetzte ihn in die Lage, seine Pläne weiterzuverfolgen und seine sehnlichsten Träume wahr werden zu lassen. Seine unerschöpfliche Energie und sein nicht nachlassender Tatendrang beeindruckten mich dabei über alle Maßen.

Fazit: Bei „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ handelt es sich um ein herausragendes Sachbuch. Das liegt einerseits an Humboldts schillernden, ungemein vielseitigen Persönlichkeit, andererseits an seinem Gedankengut, mit dem der Naturbegriff einen ganz neuen Stellenwert erlangte, der nachfolgende Generationen nachhaltig prägte. Natürlich ist dies auch der Autorin zu verdanken, die den Stoff gleichermaßen unterhaltsam und faktenbasiert an den Leser bringt. Die ausgiebigen Recherchen, deren Nachweis knapp 100 Seiten im Anhang für sich beanspruchen, sprechen eine deutliche Sprache. Daher kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, sich mit diesem Werk zu befassen. Wir reden von Umweltschutz, Artensterben, Klimaerwärmung, Ausbeutung der Natur – alles Themen, mit denen sich Alexander von Humboldt bereits vor zweihundert Jahren auseinandergesetzt hat. Er wusste um die Probleme, die mit der exzessiven Nutzung natürlicher Ressourcen einhergehen. Aber er wusste eben auch, dass der Mensch nur zu einer Einsicht gelangen würde, wenn er den Zauber der Natur für sich entdeckte. Dieses Sachbuch hilft dabei, diesen Zauber in uns wachzurufen.

Diese Rezension ist auch auf meiner Webseite erschienen:
https://www.rodrikandersen.de/zum-buch-alexander-von-humboldt-und-die-erfindung-der-natur/

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Cover des Buches Die Abenteuer des Alexander von Humboldt (ISBN: 9783570103500)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die Abenteuer des Alexander von Humboldt" von Andrea Wulf

Die Weltreise des Alexander von Humboldt
Gwhynwhyfarvor 10 Monaten

Zum 250. Geburtstag des deutschen Naturforschers präsentierte 2019 die Humboldtexpertin Andrea Wulf eine farbenprächtige, opulent illustrierte Grafic Novel über Humboldts berühmte Südamerikaexpedition (1799 bis 1804), begleitet durch den Botaniker Aimé Bonpland. Angeregt von seinen Tagebüchern, Kupferstichen, Skizzen, Landkarten und präparierten Pflanzen erzählt die New Yorker Illustratorin Lillian Melcher bildnerisch durch die Expedition; wie z.B. über waghalsige Fahrt durch die Stromschnellen des Orinoco, bei dem die beiden Wissenschaftler fast ertranken, oder die spektakuläre Besteigung des Chimborazo (hierzu gibt es eine aufklappbare Vierfachseite). Bei diesem Aufstieg begreift Humboldt den Zusammenhang der Natur, den Vegetationsschichten im Zusammenspiel, der Wichtigkeit der Pflanzen und Tiere. Andrea Wulf nimmt die Perspektive von Humboldt an, anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen, – die erst vor kurzem zugänglich gemacht wurden – berichtet er uns mit Begeisterung von seinen Entdeckungen, den Gefahren, von Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung Südamerikas. Und er warnte bereits damals vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel. 


Das Buch ist in seiner künstlerischen Aufmachung eine Mischung aus Sachbuch, Autobiografie und Abenteuer eines Entdeckers. Die beiden Wissenschaftler besuchen Venezuela, Kuba, Peru, Ecuador, Mexiko und die Vereinigten Staaten, sammeln unbekannte Pflanzen und Tiere, Mineralien, fertigen Zeichnungen an, präparieren, notieren, sortieren. Humboldt berichtet vom Erdbeben in Cumaná, von einem astronomischen Ereignis, dem Merkurtransit von 1802, bei dem Merkur als winziger schwarzer Punkt innerhalb mehrerer Stunden über die Sonnenscheibe wandert. Humboldt ist ein kritischer Beobachter, dem die weit verbreitete Sklaverei ein Dorn im Auge ist. Auch der Raubbau an der Natur durch die Abholzung der Regenwälder bekümmert ihn zutiefst, denn er begreift bereits die Bedeutung des Regenwaldes für das Klima. 


Fotografien, handschriftliche Manuskriptseiten, Zeichnungen von Humboldt, dazu die Zeichnungen von Lillian Melchier sind meist in Collagen zusammengestellt, mit Sprechblasen der Agierenden belegt. Durch den Stilmix, bereichert mit Tintenklecksen, Stock- und Wasserflecken bekommt die Grafic Novel viel Authentizität. Manchmal verlaufen, fast ertrunken, ein Erdbeben erlebt; Abenteuer der Wissenschaftler in der Neuen Welt machen die Geschichte zum Erlebnis. Das Entdecken von Unmengen neuer Pflanzen und Tiere bringt Humboldt auf neue Ideen, wie die Welt sich zusammensetzt. Andrea Wulf erzählt mit biografischen Details, historisch korrekt von den Entdeckungen Humboldts. 


Humboldt erlebte die amerikanische Unabhängigkeit, die Französische Revolution, die Eroberung Europas durch Napoleon, eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderungen, ein Zeitalter der Weltentdecker. Schon damals wies Humboldt auf die Umweltzerstörung durch Abholzung hin, die Wichtigkeit des Regenwalds für das Weltklimas. Er prangerte die Sklaverei an. Am Ende seiner Reise legt er in den USA an und trifft auf Präsidenten Jefferson. Geschichte, Naturwissenschaft und Abenteuer verknüpft in eine Grafic Novel – Allage, interessant für Jugendliche und Erwachsene. Ein gelungenes Werk, um sich über Alexander von Humboldt ein Bild zu machen.


Lillian Melcher ist Illustratorin und lebt und arbeitet in Hudson, NY. Dies ist das erste von ihr illustriete Buch. Lillian absolvierte 2016 die Parsons School of Design mit einem Abschluss in Illustration. Sie wurde mit dem SCBWI Student Illustrator Stipendium und der jurierten Ausstellung und dem Buch der Society of Illustrators Illustrator 62 ausgezeichnet. Leider wird beim Bertelsmann Verlag die Künstlelin weggelassen. Ihr Name steht imerhin noch auf dem Cover.


Andrea Wulf, geboren in Indien und aufgewachsen in Deutschland, lebt seit anderthalb Jahrzehnten in London. Seit ihrem Studium der Designgeschichte am Royal College of Art arbeitet sie als Sachbuchautorin und Journalistin. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, ihr Buch «The Brother Gardeners» wurde u.a. für die Longlist zum Samuel Johnson Prize nominiert. Sie schreibt u.a. für «Wall Street Journal», «Sunday Times», «New York Times», «Guardian» und «Times Literary Supplement» und arbeitet zudem regelmäßig für die BBC.


https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-abenteuer-des-alexander-von.html

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