Andrea Zech

 5 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf

Andrea Zech wurde 1980 geboren. Sie lebt mit ihrer Familie in Tübingen und arbeitet seit 2011 als Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, aktuell in Rommelsbach-Reutlingen. Sie ist promoviert, ihr Wissensdurst scheint jedoch unstillbar zu sein, so dass sie immer noch weiter studiert, zur Zeit lateinische Philologie in Tübingen, zuvor in Freiburg, Lyon, Berlin, Basel und während mehrjähriger Forschungsaufenthalte in Paris, Antwerpen und Leiden. Seit 2015 schreibt Andrea Zech an einer Romantrilogie. Einige ihrer Geschichten sind in Anthologien erschienen, und sie fanden Beachtung. Dies hier ist ihr erstes völlig eigenes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Andrea Zech

Cover des Buches Die Herrin der Minne (ISBN: 9783862828500)

Die Herrin der Minne

(2)
Erschienen am 04.10.2023
Cover des Buches Die Schleichkatze. (ISBN: 9783982354323)

Die Schleichkatze.

(1)
Erschienen am 01.11.2022

Neue Rezensionen zu Andrea Zech

Cover des Buches Die Herrin der Minne (ISBN: 9783862828500)
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Rezension zu "Die Herrin der Minne" von Andrea Zech

kupfis_buecherkiste
Ein toller Roman über eine Minnesängerin

Hadjewich von Antwerpen hat zu ihren Lebzeiten am Hofe Frankreichs sehr hohen Eindruck gemacht. Doch der Weg dahin ist lang. 

Geboren als Mädchen hat sie es in ihrer Familie nicht leicht. Wie viele Eltern hatten sich Hadjewichs Familie erstmal einen Jungen gewünscht, der das Familienerbe antreten kann. Dennoch erkennt die Familie das Talent der Tochter, und sie darf – wenn auch unter strenger Aufsicht – bei ihrem Lehrer Maître Guiscard Unterricht nehmen. Die beiden verlieben sich ineinander, sehr zum Missfallen der Familie. So werden beide getrennt. Doch Hadjewichs Reise beginnt hier: statt sich verheiraten zu lassen, zieht sie an den französischen Hof, um dort die Adeligen mit ihrem Minnegesang zu verzücken. Dort lernt sie viele neue Menschen kennen, nicht jeder ist ihr positiv zugetan. Obwohl sie sich den Ränkespielen entziehen will, bleibt es nicht aus, dass sich viele Ränkespiele genau um sie drehen. Schnell ist der Königin klar: sie und Hadjewich lieben den selben Mann. Und die Königin lässt das nicht dulden. Hadjewich wird zwangsverheiratet. Durch diese Heirat und die Freundschaft zu Marguerite Porete wird der Minnesängerin klar: für die Rechte der Frauen muss noch sehr viel getan werden. 

Über Hadjewich von Antwerpen ist faktisch wenig belegt. Und doch: sie hat den Ruf als erfolgreiche Minnesängerin gefestigt. Die Autorin Andrea Zech hat mit ihrem Buch eine Möglichkeit aufgezeigt, wie das Leben der Hadjewich verlaufen sein könnte. Die Fakten um das Leben im 13. Jahrhundert sind gut überliefert, so dass Zech aus dem vollen schöpfen konnte. Der Roman ist spannend geschrieben und lässt sich gut lesen und nachverfolgen. Die Protagonisten sind mal mehr mal weniger sympathisch und glaubhaft gestaltet. Der Klatsch und Tratsch am Hofe lässt einen durchaus schmunzeln. Und gerade der letzte Teil um Hadjewichs Leben hat mir sehr gut gefallen. Er zeigt, dass schon damals Frauen um ihre Rechte zu kämpfen wussten, was heute wichtiger ist denn je. 

Was mir besonders gut an diesem Buch gefallen hat ist zum einen die Gestaltung des Buches: es lässt sich wie gesagt gut lesen. Zum anderen merkt man deutlich, dass sich die Autorin im Zuge ihrer Doktorarbeit bereits mit den Protagonistinnen beschäftigt hat und fleißig recherchiert hat. So hat der Roman zwar auch eine Liebesgeschichte inne, die für mich aber im Rahmen ist, aber der Fokus liegt hier primär auf dem historischen Teil. Für meinen Teil war ich gut unterhalten. Wer historische Romane mag, sollte hier beherzt zugreifen.

Cover des Buches Die Herrin der Minne (ISBN: 9783862828500)
D

Rezension zu "Die Herrin der Minne" von Andrea Zech

DerLesende
Wenn Fiktion und historisches Erzählen zu einer neuen Realität verschmelzen

In den letzten Tagen hat es mich durch den Roman hindurchgetragen, ja hindurchgetrieben. Ich hatte zwar eigentlich etwas anderes zu tun – aber dann musste es doch Hadewijch sein…

In ganz besonderer Weise ist mir an diesem Roman aufgefallen, wie gekonnt und wohl gesetzt mit dem Tempo und der Dynamik des Erzählens umgegangen wird: Situationen werden immer wieder kurz umrissen, ohne ausufernd bebildert zu werden, Figuren und Settings werden kurz charakterisiert, ohne dass Längen oder ornamentale Ausschmückung den Lesefluss verlangsamen. Und auch die Handlung selbst ist immer dynamisch gehalten, wird von Plot-Point zu Plot-Point weitergetrieben und immer dort, wo grössere Zeiträume überbrückt werden müssen, elegant gerafft. Eine wirklich souveräne und ausgewogene Geste des Erzählens.

Auch inhaltlich eine schöne, in sich schlüssige Emanzipationsgeschichte, welche am historischen Beispiel weibliche Selbstermächtigung lebendig werden lässt. Zech geht durchaus ein Wagnis ein, wenn sie die unbekannten Leerstellen im Leben der historische verbürgten Mystikerin Hadewijch so provozierend-konkret mit fiktiver Realität zu füllt. Das hat sich bei «Die Herrin der Minne» aber auf ganzer Linie gelohnt, so dass wir hier von einem wirklich gelungenen historischen Roman sprechen können. Ein sehr lesenswertes Stück klassischen «Erzähl-Kinos».

Cover des Buches Die Schleichkatze. (ISBN: 9783982354323)
D

Rezension zu "Die Schleichkatze." von Andrea Zech

DerLesende
Wenn sich zwei neu Lebende umschleichen

Mit der «Schleichkatze» ist ein wundervoller kleiner Text erschienen, den zu lesen sich lohnt. Soviel sei vorweggenommen. Schon die Grundkonstellation der beiden Figuren setzt von Anfang an einen Sog in Gang, der uns Lesende hineinzieht. Der zugespitzte Start mit dem drohenden Doppelselbstmord erzeugt eine fast absurde Ausgangslage, die aber gerade dadurch das ermöglicht, was dann folgt: Die feine Annäherung, das Umspielen zweier Menschen, die sich in gewisser Weise in einem gemeinsam erzeugten Raum des Noch-nicht-Definierten bewegen, in dem es keine konventionellen Regeln mehr gibt. Denn wie begegnen sich zwei Menschen, die sich ganz ohne Pathos und ohne echte Entscheidung gegenseitig ins Leben zurückgeholt haben?

Sehr spannend auch, wie sich nach und nach ein Dominanzgefälle herauszukristallisieren beginnt, welches in latente Sehnsüchte zunehmend manipulative Energie fliessen lässt. Und genau diese Mischung aus Suchen, Hoffen, Andeuten und Manipulieren gibt dem Text eine sehr eindrückliche Dynamik. Grosse Leseempfehlung!

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