Neues vom kleinen Muck

Cover des Buches Neues vom kleinen Muck (ISBN: 9783943923094)
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Inhaltsangabe zu "Neues vom kleinen Muck"

Prinzessin Shakira stand, wie fast an jedem Morgen, im östlichen Vorhof des Palastes, dicht an seinen mächtigen Einfassungen aus sorgsam verfugten riesigen Sandsteinquadern und wartete auf den Sonnenaufgang. Sie hatte ihre beiden Hände leicht auf die nach hinten fallende Balustrade gestützt, verharrte regungslos und öffnete leicht, wie für einen Kuss, ihre vollen Lippen. „Gleich muss es soweit sein. Gleich wird mich die Sonne küssen!“, dachte sie voller Vorfreude, als ihre anmutigen Mandelaugen auf den Horizont blickten, der bereits in ein feuriges Rot getaucht war. Und wirklich begannen nun die roten Sonnenvorboten ihr samtenes Licht, immer stärker und heller über die gesamte Wüste, bis hin zum Sultanspalast und darüber hinaus auszugießen. Die Prinzessin hob ihre beiden Arme und ein leichter Windstoß durchfuhr ihr pechschwarz gelocktes Haar, das ihr bis zu den Hüften reichte und das sie ganz schlicht und offen trug. Der Windstoß erfasste ihr Haar und trug es, wie ein Banner nach oben. Das war der Augenblick, den sie so liebte! Der Augenblick, der sie aus ihren muffigen Gemächern an die frische Luft trieb! Der Augenblick, den sie jeden Morgen in vollen Zügen genoss! Sie vergaß dabei sogar, dass sie die Prinzessin war. Und dass diese Ausflüge in den östlichen Vorhof auch noch kleine Abenteuer in sich bargen, machten sie nicht gerade langweilig! Im Gegenteil: Es stachelte sie umso mehr an. Sie rebellierte damit (ohne böse Absicht) gegen den Willen ihres Vaters, weil in ihrem Blut der Abenteuer- und Unternehmungsgeist ihrer Mutter mit ihrer eigenen Leidenschaftlichkeit um die Wette rauschte. Sie konnte nur nachsichtig und fast müde lächeln, wenn ihr Vater, der Sultan, mit aufgesetzter Strenge und erhobenen Zeigefinger, immer sagte: „Liebes Töchterchen, es geziemt sich für eine Prinzessin einfach nicht, wie eine Gemeine aus unserer niedersten Kaste, wie eine gemeine Katze durch den gesamten Palast in den Vorhof zu schleichen, dort möglicherweise noch mit Sklaven Kontakt zu bekommen, nur, um dem ewiglich langweiligen Spiel der Sonne beizuwohnen!“, dabei seufzte er immer tief, senkte sein weißhaariges Haupt und schüttelte es betont lange. Die Prinzessin dachte nicht daran auf die Worte ihres Vaters zu hören. Stattdessen ließ sich täglich etwas einfallen, um seinem Wille, der Aufsichtspflicht ihrer Amme Aischa und den Wachen zu entfliehen. Sie nahm es als lustigen Frühsport und als Wettstreit. Ein Wettstreit den sie fast immer gewann. Sie brauchte diese morgendliche Stunde. Sie verschaffte ihr einen guten Start in den Tag, gab ihr einen inneren Ausgleich zu dem öden Alltagsgeschäft einer Prinzessin und hielt das junge, ungestüme Mädchen in ihr wach, das ... Mukhtar, ein buckliger Junge von 18 Jahren ging in dem kleinen Raum der Hütte auf und ab. Er wäre ohne seinen sichtbaren Buckelwuchs, mit seinem beherzten Auftreten, seiner schnellen Auffassungsgabe und seinen klaren, schwarzen Augen ein ansehnlicher junger Mann gewesen. Wie oft hatte er diesen Buckel verflucht und ihn einfach zum Scheitan gewünscht, aber er besaß ihn nun einmal und musste mit ihm leben. Die Mutter des zwar sanftmütigen, aber manchmal auch rebellischen Jungen starb bei seiner Geburt. So wuchs er allein mit seinem Vater auf. Ständig war Mukhtar mit dem Geruch von Leim, Leder und Schuhwichse umgeben. Dabei musste er Vaters Demut vor der Obrigkeit genauso ertragen, wie sich seine einfachen Lebensweisheiten anhören, die ihn aber auch auf sonderbarer Weise berührten. In diesen eigentümlichen Gefühlen-Wirr-Warr, schwang noch ein anderes Gefühl mit, nämlich das Gefühl der Freiheit, die untrennbar mit seinem Hang zur Harmonie und seiner Abscheu zur Ungerechtigkeit verbunden war. Es war jene Ungerechtigkeit, die er oft selbst erleben musste, denn seine Altersgenossen trieben fortwährend böse Scherze mit ihm. Verspottet, verballhornt und verlacht verkroch er sich dann tief gekränkt im finstersten Winkel der Hütte, bebte vor Schmerz und Scham am ganzen Körper und wünschte sich oft ein großes, tiefes Loch im Boden, um darin versinken zu können. Jedoch, die Anfeindungen hatten ihn im Laufe der Jahre nicht gebrochen, sondern gestählt! Er hatte sich nicht klein und dumm machen lassen, sondern sich stattdessen auf seinen angeborenen Verstand besonnen, von dem der weise Ibrahim sagte, dass der erst wachsen muss! Wachsen, wie das Wörtchen vermag, das erst bei dem Wortlaut Vermögen so richtig interessant werde. Mukhtar pfiff also auf seine äußere Erscheinung und widmete sich mit Eifer seinen Studien, die er mit hellen Sinnen und wachen Augen betrieb. Er folgte seiner inneren Stimme, lernte von den Lebenserfahrungen der Alten und zahlreichen Betrachtungen und Beobachtungen der Menschen. Mukhtar lauschte gern der großen Natur, erfreute sich ihrer Schauspiele und sein Verstand wuchs gemeinsam mit seinem Selbstvertrauen. Und weil er sich dieser Geistesgabe immer weiter bewusst wurde, beflügelte sie ihn soweit, dass auch sein Mut wuchs, den Verstand zur rechten Zeit einzusetzen. Und seine stetige Bemühung begann die ersten Früchte zu tragen, denn plötzlich gab es immer weniger Anfeindungen, bis sie schließlich irgendwann gänzlich erstarben…

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783943923094
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:372 Seiten
Verlag:Lesereich-Verlag
Erscheinungsdatum:12.07.2012

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    Umfang:372 Seiten
    Verlag:Lesereich-Verlag
    Erscheinungsdatum:12.07.2012

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