Andreas Barthelmess

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Cover des Buches Die große Zerstörung (ISBN: 9783411747337)

Die große Zerstörung

 (1)
Erschienen am 18.05.2020

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Cover des Buches Die große Zerstörung (ISBN: 9783411747337)M

Rezension zu "Die große Zerstörung" von Andreas Barthelmess

Aufmerksamkeit und Handlungen sind erforderlich
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Aufmerksamkeit und Handlungen sind erforderlich

 

Da ist schon viel geschrieben und geredet worden, seit Jahren, über die „Industrie 4.0“. Über die Veränderung des Arbeitslebens durch die rasante und exponentiell voranschreitende Digitalisierung der Welt in allen Lebensbereichen.

 

Aber während die Folgen für den sozialen Bereich bereits überdeutlich sichtbar vor Augen stehen mitsamt aller Chancen und Risiken, während sich durchaus ja bereits Automatisierungen in der Industrie bereits vollzogen haben, legt Andrea Berthelmess in seinem Werk dennoch unmissverständlich offen, dass die tatsächlichen Bewährungsproben, die zu erwartenden radikalen Veränderungen der Arbeitswelt und damit des allgemeinen Lebens erst noch bevorstehen. Und das in nicht allzu ferner Zukunft.

 

„Heute hat sich die ökonomische Wertschöpfung bereits weitgehend von der physischen Arbeitskraft der allermeisten Menschen entkoppelt. In der Datenökonomie der nahen Zukunft profitieren immer weniger Menschen vom Fortschritt. War es bisher so, dass die Mehrheit die Minderheit sozial abgesichert und alimentiert hat, wird bald schon eine Minderheit die Mehrheit alimentieren“.

 

In diesem Satz bringt Barthelmess den Kern seiner Überlegungen und Ausführungen, den Dreh- und Angelpunkt zum Ausdruck. Und verweist damit das Grundproblem dahin, wo es letztlich hingehört. Nicht in die Frage der Technik oder der wirtschaftlichen Wertschöpfung, sondern auf die Frage der sozialen Verteilung hin.

 

Denn wer jetzt schon sieht, wie die Bedürfnisse und die soziale Absicherung der „Masse“ in starke Reibung mit dem Gewinnstreben der Ökonomie gerät, der Auseinandersetzung der „wenigen“ Gewinner mit den „vielen“ „normalen“ Menschen, der Bedürfnisse nach Effizienz und Rendite im Gegensatz zur Versorgung mit Wohnung, Essen, Gesundheit und auch Sinn für die Menschen in den Gesellschaften der Welt, der ahnt, dass das alles nicht harmonisch und reibungslos vonstattengehen wird, dass die Frage nach dem „Teilen“ nicht einfach so beantwortet werden wird.

 

Ein Grundeinkommen, eine materielle Lebenssicherung wird auf der einen Seite vielfach gefordert und, am Ende, auch nötig sein, wenn man nicht vielfach Menschen „auf der Strecke“ zu lassen gedenkt. Ein Problem, dass durch ständig neue „Umverteilung“ einerseits je nur kurzfristig denkt und andererseits in nicht allzu ferner Zukunft an materielle Grenzen stoßen wird. Psychologische Probleme können nicht wirtschaftlich gelöst werden und wirtschaftliche Probleme nicht psychologisch. Zu einem Moment, in dem gerade die gutverdienenden Menschen sich von Nationalstaaten und deren Besteuerung durchaus ja wegwenden können und kehren zurück dann eher als Akteure in Bereichen, die zuvor staatliche Aufgaben darstellten. Bei dem dann die erstrebten Gewinne die Preise auch für Objekte der Grundversorgung in die Höhe treiben (wie die Immobilienwirtschaft seit Jahren nachweist).

 

Wie aber lässt sich das „heißer und heißer Laufen“ dieses Systems und der absehbare Zusammenbruch von Einnahmeverringerung und Erhöhung von Transferleistungen der Staaten verändern, gar durchbrechen? In einer drohenden Zweiteilung der Welt in jene in „Gated Communities“ und eben dem Rest, wie es in Amerika an vielen Orten bereits Realität geworden ist?

 

Das konzentriert Barthelmess im letzten Kapitel des Buches mit wichtigen Ideen und Hinweisen. Die nicht unbedingt gänzlich neu sind, aber eine überzeugende Zusammenfassung einer nun dringend anzugehenden Richtung darstellen. In einer Welt, die „aus den Fugen“ ist und die keinen Rückweg in das „Nutella-Deutschland“ des letzten Jahrhunderts mehr eröffnet. Ob und wieweit aber eine „schöpferische Zerstörung“ wirklich angenommen werden kann in einem vielfältigen Bemühen, die alten Strukturen immer wieder neu zu stützen, das wird die Kernfrage der nächsten Jahre sein.

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