Andreas Bernard

 3.5 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Vorn, Sprechen Sie Gegenwart? und weiteren Büchern.

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Das Diktat des Hashtags: Über ein Prinzip der aktuellen Debattenbildung

Neu erschienen am 24.10.2018 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.

Alle Bücher von Andreas Bernard

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Vorn

Vorn

 (10)
Erschienen am 16.11.2011
Sprechen Sie Gegenwart?

Sprechen Sie Gegenwart?

 (3)
Erschienen am 09.10.2006
Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts

Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts

 (3)
Erschienen am 14.11.2005
Die Geschichte des Fahrstuhls

Die Geschichte des Fahrstuhls

 (1)
Erschienen am 01.11.2006
Das Prinzip

Das Prinzip

 (1)
Erschienen am 14.09.2007
Denk mal! 2016

Denk mal! 2016

 (0)
Erschienen am 23.07.2015
Kinder machen

Kinder machen

 (0)
Erschienen am 22.10.2015

Neue Rezensionen zu Andreas Bernard

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Rezension zu "Vorn" von Andreas Bernard

Rezension zu "Vorn" von Andreas Bernard
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Dieser Debütroman des Münchner Journalisten Andreas Bernhard, Redakteur des SZ-Magazins und somit bestens mit der Szene bekannt, ist der wahrscheinlich stark autobiographisch geprägte Bericht des Lebens von Tobias Lehnert als Magazin -Journalist im München der 90-er Jahre.
Er erzählt von einem schier aussichtslosen Bruch zwischen den Existenzformen und zwei verschiedenen Welten, die einfach unvereinbar sind.

Tobias Lehnert hat die Universität absolviert und träumt von einer großen Karriere als Journalist. Vorbild sind ihm dabei die ihm bisher nur vom Namen bekannten ausnahmslos jungen Redakteure vom "Vorn", einer wöchentlichen Magazinbeilage einer Münchner Tageszeitung, denen es gelungen ist, innerhalb kürzester Zeit ein vornehmlich junges Publikum nicht zu mit ihren Artikeln zu begeistern, sondern regelrecht dominant zu werden und meinungsführend in allen Fragen von Mode, Musik und Geschmack und Stil.

Als Tobias, der seit Jahren mit Emily liiert ist, einer sozial engagierten, aber doch sehr zurückhaltenden jungen Frau, die er bei seiner Aushilfsarbeit im Flüchtlingsheim kennen und lieben gelernt hat, mit einem Artikel, den er geschrieben hat, die Redaktionsräume des "Vorn" zum ersten Mal betritt, da ist es schon um ihn geschehen. Die ganze Atmosphäre zieht ihn vollständig in den Bann. Als er seinen ersten Text auch kurz danach als freier Mitarbeiter veröffentlichen darf, sich dann innerhalb von wenigen Wochen sogar die Möglichkeit einer festen Tätigkeit in dem hippen und rastlosen, aber voller Fantasien und verrückten Ideen steckenden Team eröffnet, da fühlt sich Tobias sozusagen von heute auf morgen in einer neuen Welt.

Nach einigen Wochen schon hat er sich der Kultur in der Redaktion angepasst und seine Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind zur Unkenntlichkeit verschwommen. Ohne Unterbrechung, von morgens, wenn am späten Vormittag alle in den locker eingerichteten Redaktionsräumen einlaufen nach relativ kurzen Nächten, die sie nicht immer zu Hause verbringen, bis oft in die frühen Morgenstunden, spinnt Tobias mit seinen Kollegen, von denen er sich mit einigen regelrecht anfreundet, ohne Unterbrechung an neuen Geschichten, zunächst in der Redaktion, später am Abend und in der Nacht in zahlreichen angesagten Kneipen und Restaurant, vorzugsweise im "Schumanns".

Auch in seinem Äußeren hat Tobias bald sich den Maßstäben der Redaktion angepasst, die bei allen Stil- und Geschmacksfragen die Trendsetter sein wollen, dabei aber nicht merken, wie intolerant und maßlos elitär sie sind. Während sich Tobias begeistert und mehr als freiwillig anpasst, wird er seiner Freundin Emily, mit der er die Wochenenden, dann nur noch die Sonntage verbringt, immer fremder. Als er sich dann auch noch in Sarah, eine neue Praktikantin beim "Vorn" verliebt, scheint seine Beziehung mit Emily am Ende.

Mit viel Detailkenntnissen und subtiler Ironie ist es Andreas Bernhard in diesem Roman hervorragend gelungen, ein wesentliches Problem seiner Generation in den neunziger Jahren zu beschreiben. Nachdem sie sich von den großen politischen Themen der achtziger Jahre ( Frieden und Umwelt) verabschiedet haben, weil sie für sie uninteressant geworden sind, geht es für eine bestimmte stil- und meinungsprägende Schicht, für die der "Vorn" symbolisch steht, hauptsächlich darum, wie sie ihre große Begeisterung für Alltagskultur, die Musik und Kunst und ihre neue, ausschließlich im Hier und Jetzt verortete Lebensart, verbinden können mit dem tatsächlichen, dem echten Leben. Wie kann man richtig erwachsen werden, ohne diese Interessen, die für den älteren Leser eher fremd sind zu verraten ?

Andreas Bernhard gibt in diesem unterhaltsamen und lesenswerten Buch keine Antwort. An seinem nächsten Roman, den er sicher vorlegen wird, wird man, so steht zu hoffen, eine Antwort ablesen können.

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metalmels avatar

Rezension zu "Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts" von Andreas Bernard

Rezension zu "Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts" von Andreas Bernard
metalmelvor 11 Jahren

Als ich das Buch auf dem Schreibtisch meines Kollegen liegen sah, dachte ich zuerst: Och, wie langweilig, ein fades, trockenes Nachschlagewerk über irgendwelche Ereignisse im 21. Jahrhundert. Welches Jahrhundert ist denn grad überhaupt? Ach, genau, es ist ja das 21. Und da nahm ich es doch in die Hand.
Auf dem Umschlag sind allerlei Begriffe abgebildet, sehr viele, alphabetisch und der erste, der mir ins Auge stach, war „Arschgeweih“. Oha! Neugier geweckt! Schnell die Folie abgefummelt, aufgeschlagen und festgelesen. Herrlich!
Darin findet sich nun nicht nur das oben erwähnte Steiß-Tatoo, sondern auch so wunderhübsche Begriffe wie Busenwitwe oder Nobelpreis-Erträgerin.
Erstere heißt eigentlich Tatjana Gsell bzw. Gick und die letztere ist ohne Zweifel Elfriede Jelinek. Natürlich wird sie so genannt, weil sie die Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur mal grade eben so ertragen hat, denn eine ihrer ersten Reaktionen war, den Sekretär der Akademie in Stockholm anzurufen, um ihm zu sagen, dass sie nicht zur Verleihung kommen könne.
Aber man findet auch Begriffe im Lexikon, die man schon längst wieder vergessen hatte: Preluders (Wer?), Sasser (Ach ja, den gab’s auch mal) oder der lustige Ausdruck „Hallo?, ich mein’“, gerne auch nur „Hallo?“.
Der Papstgolf findet sich ebenso darin, wie die unsäglich hässlichen Ugg-Boots, beide sogar mit Abbildungen. Die sind überhaupt das wunderbarste am ganzen Buch. Mit viel Liebe zum Detail gefertigt und mit hohem Wiedererkennungswert, gerade bei den ganzen Prominenten (Paris Hilton, Rudolph Moshammer, Katie Price, Sido). Bernd Schifferdecker hat sich die Mühe gemacht. Vielen Dank dafür.
Der Reiz des gesamten Werkes liegt eindeutig darin, uns die Vergänglichkeit – nicht nur – der Worte einwandfrei darzulegen und uns allen aufzuzeigen, in was für einer Wegwerfgesellschaft wir leben. Das Jahrtausend ist gerade mal 6 Jahre alt und schon hat es eine Fülle an Begriffen und Ausdrücken hervorgebracht, die bereits wieder in Vergessenheit geraten sind. Ja, es gibt sogar welche, da klingelt nicht mal mehr was, wenn ich sie lese, da muss ich mir schon die Erläuterungen zu Gemüte führen. Sehr bedenklich.
Überhaupt – die Erklärungen: Sie sind präzise, witzig, ausführlich, ironisch, ernsthaft.
Wie schön doch das Gefühl, dieses Buch nach Hause zu tragen, es in ein Regal zu stellen und immer wieder darin schmökern zu können. In einigen Jahren wird es noch viel spannender sein, denn da werde ich schon wieder mehrere Begriffe vergessen haben und mich an ihnen erfreuen und wundern, dass sie mal zum aktiven Sprachgebrauch gehörten.
Eine wirkliche Fundgrube. Großes Kompliment an alle beim SZ-Magazin für diese geniale Zusammenstellung!

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