Die Stadt

von Andreas Brandhorst 
3,6 Sterne bei44 Bewertungen
Die Stadt
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WHOW!

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Nach einem gemächlichen Einstieg sehr spannende Story

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Inhaltsangabe zu "Die Stadt"

Zwischen Himmel und Hölle – der neue Andreas Brandhorst

Nach einem Unfall ist es für Benjamin Harthman, eines der Opfer, schon zu spät: Er ist tot. Doch dann wacht Harthman wieder auf, mitten in einer seltsamen Stadt, einer Stadt voller verstorbener Menschen. Ist es das Paradies oder gar die Hölle? Benjamin Harthman macht sich auf die gefahrvolle Suche nach dem Geheimnis dieses seltsamen Ortes …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453527645
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:592 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:08.03.2011

Rezensionen und Bewertungen

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    MiGus avatar
    MiGuvor 6 Monaten
    Ein fantasievolles, dunkles und ungewöhnliches Abenteuer

    Kurzbeschreibung
    Benjamin Harthman erwacht nach seinem Tod in einer völlig fremden Stadt. Eine Stadt voller Verstorbenen. Er weiß nicht ob er sich im Paradies oder in der Hölle befindet und macht sich auf die gefährliche Suche nach dem Geheimnis dieser mysteriösen Stadt.

    Eindruck

    Habt Ihr Euch nicht auch schon mal gefragt, ob es ein Leben nach dem Tod gibt?
    Wie mag dieses Leben wohl aussehen?
    Andreas Brandhorst befasst sich in diesem Roman mit dieser Thematik, jedoch ist seine Vorstellung von dem Leben danach sehr fantasievoll und so ganz anders als die üblichen Gedanken, die ich dazu kenne.
    In seinem Roman belohnt er den Leser direkt mit einem fesselnden und fantastischen Einstieg, denn gleich auf den ersten Seiten macht sich bemerkbar, dass mit dieser Stadt, die einfach nur „die Stadt“ genannt wird, etwas nicht stimmt.
    Es geht etwas Geheimnisvolles, Gefährliches und Mysteriöses von ihr aus.
    Gebäude entstehen und verschwinden, Banden führen Machtkämpfe und versuchen die Stadt an sich zu reissen.
    Und dann sind da noch die durchaus gefährlichen und kalten Schatten, vor denen man besser wegläuft, denn sie versprechen einen weiteren noch grauenvolleren Tod.
    Ihr merkt, es ist ein fantastisches Abenteuer, dass eine düstere, teils etwas horrorhafte Atmosphäre besitzt, sogar ein wenig Action bietet, aber gleichzeitig auch zum Nachdenken anregen kann.

    Im Laufe der Handlung erlebt der Leser also eine Reise.
    Eine Reise voller Erinnerungen der Hauptfigur, die bruchstückhaft zurückkehren und die weitere Fragen aufwerfen, voller fantastischer Elemente, spannenden Machtkämpfen und mysteriösen und teils philosophischen Erkenntnissen.
    So schaffte es der Autor, mich trotz einiger Längen bis zum Schluss in den Bann dieser Geschichte zu ziehen, dessen Auflösung ich auch ganz plausibel fand.

    So interessant wie die Handlung als solche, sind auch die Charaktere.
    Dabei gehen diese gar nicht so sehr ins Detail sondern bleiben überwiegend undurchschaubar und sehr geheimnisvoll.
    Einige Klischees werden bedient, doch das störte mich nicht.
    Ständig habe ich versucht, hinter ihre Fassaden zu blicken, Verbindungen zu erahnen und Vermutungen anzustellen.
    Während ich ein wenig Schwierigkeiten mit Benjamin hatte, konnte mich vor allem Louise überzeugen.
    Mit ihr sympathisierte ich sofort und ihre lockere Art sorgte für viele heitere Momente, die die Handlung immens auflockern konnte.

    Wie bereits oben erwähnt, ist der Schreibstil sehr fantasievoll und detailliert, fesselnd und atmosphärisch.
    Andreas Brandhorst beschreibt die Handlungsorte sehr bildhaft und scheut auch nicht vor einer detaillierten Kampfszenenbeschreibung.
    Somit gibt es auch einige gewaltsamere Passagen in dieser Geschichte.

    Fazit
    „Die Stadt“, deren Geheimnisse es zu ergründen gilt, ist ein fantasievolles, dunkles und ungewöhnliches Abenteuer.
    Aufgrund der außergewöhnlichen Handlung gefiel mir die Geschichte gut und wird mir noch länger in Erinnerung bleiben.
    Ich würde so gerne noch viel mehr darüber erzählen aber das würde einfach zu viel verraten.
    Zum Schluss hätte ich die Geschichte am liebsten noch einmal gelesen, um einige der Zusammenhänge früher zu erkennen und noch besser zu verstehen können.

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    Serkalows avatar
    Serkalowvor einem Jahr
    Kurzmeinung: WHOW!
    WHOW!

    Ein Science-Fiction-Autor macht einen Ausflug in eine Art Psycho-Mystery-Fantastik und ... WHOW!

    Murakami »Hard Boiled Wonderland« trifft auf Kafka, den Film »Dark City«, »Shutter Island« und die Serie »Lost«, um am Ende etwas Eigenes zu kreieren, dass mich beinahe sprachlos zurücklässt.

    Was für ein Buch.

    Andreas Brandhorst ist in erster Linie Science-Fiction-Autor und die meisten negativen Rezensionen, die »Die Stadt« erhalten hat, stammen wohl von den SF-Fans unter seinen Lesern.

    Ich kannte Brandhorst nicht, dazu lese ich viel zu selten Science-Fiction, aber irgendwann entdeckte ich »Die Stadt« und der Klappentext, sowie einige Inhaltsangaben machten mich neugierig.

    »Die Stadt« ist ein lupenreiner Mystery-Thriller, mit einer ordentlichen Portion Psycho-Horror a la »Silent Hill«. Angereichert mit philosophischen Gedanken über den Tod, das Jenseits und damit über den Sinn des Lebens und ... einem ganz großen Wort, das eigentlich immer mit dem Tod in Verbindung gebracht wird: Erlösung.

    Geschickt hält Brandhorst die Spannung dadurch aufrecht, dass er nicht nur seinen Protagonisten, sondern auch den Leser, lange mit der Frage quält, was ist die Stadt. Ab der Hälfte des Buches glaubt man die Lösung gefunden zu haben, aber so naheliegend die Parallelen zu »Shutter Island« auch scheinen ... In diesem Fall gelingt dem Autor am Ende ein großartiger Twist, der zumindest alle meine Vermutungen aufs Glatteis laufen ließ.

    Bis dahin hat man eine spannend erzählte Story, mit einigen ordentlichen Action-Sequenzen, immer wieder philosophischen Gedankenspielen (meist in Form von Dialogen) die einen großartig düsteren Grundton aufweist.

    Sprachlich ist »Die Stadt« perfekte Handwerkskunst. Vor meinem inneren Auge sah ich ständig die Kulisse des Films »Dark City« vor mir. Es gibt keine Längen in der Handlung. Viele Motive (Labyrinth, Metro?), Schattenkreaturen, Nebel, verfeindete Lager aus streunenden Unabhängigen und einer sektenähnlichen Gemeinschaft ... ja man kennt sie, wenn man schon viele Bücher gelesen und Filme gesehen hat.
    Aber Andreas Brandhorst vermischt sie gekonnt, zu einem Cocktail, der viele Genres streift und sich ihnen doch auf angenehme Art entzieht. Somit ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich.

    Es geht auch bei »Die Stadt« nicht darum, eine neue Geschichte zu erzählen.

    Sondern einfach nur, eine spannende Geschichte zu erzählen, die uns (fast schon märchenhaft) am Ende noch die Chance gibt, über ihre Moral nachzudenken. Muss man aber nicht.

    Freunde von als (hinkende) Vergleiche oben herbeizitierten Büchern, Filmen und Videospielen sei »Die Stadt« aufs Wärmste empfohlen. Ich werde mir jetzt mal die anderen beiden Nicht-Science-Fiction-Bücher von Brandhorst anschauen. Seine SF interessiert mich immer noch nicht. (Ebenso geht es mir bei Ian Banks mit »Wespenfabrik«. Auch ein Science-Fiction Autor, der mal was anderes schrieb.)

    Verdiente 5 Sterne

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    evileins avatar
    evileinvor 2 Jahren
    geht so

    Die Story erinnert mich entfernt an die Soul-Beach Triologie, war aber für mich, gerade gegen Ende sehr verworren. 
    Benjamin hat einen Verkehrsunfall, bei dem seine Lebensgefährtin ums Leben kommt. Er ebenfalls, denkt er, erwacht aber in einer seltsamen Stadt , die quasi eine Zwischenwelt auf dem Weg ins Jenseits sein soll. Dort ist es im Prinzip genau so wie im Leben , nur das man, einmal getötet, immer wieder aufwacht .
    Die Rückblenden in sein Leben waren mir im Zusammenhang mit der Geschichte zu verworren - nicht wirklich das was ich erwartet hatte

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    FabAustens avatar
    FabAustenvor 2 Jahren
    Die Stadt

    Benjamin Hartmann ist tot. Die letzten Sekunden seines Lebens
    verstrichen auf einer Straße. Das jedenfalls glaubte er bis er sich
    plötzlich auf einer anderen Straße wiederfindet. In einer fremden Stadt.
    Was ist mit ihm geschehen? Ist er gar nicht gestorben? Oder sieht so
    etwa das Jenseits aus?


    Die Grundidee besticht gleichermaßen durch Einfachheit und Einfallsreichtum. Was wäre, wenn nach dem Tod keines der durch die Religionen versprochene Jenseits-Modell in Kraft tritt, sondern eine Nachwelt, die der unseren ähnelt? Und was genau unterscheidet beide Welten? Oder stellt die Stadt eine ganz eigene Art von Himmel oder Hölle dar? Eine vielversprechende Prämisse, die wirklich neugierig macht.

    Leider hapert es an der Umsetzung der Möglichkeiten.
    Zum einen ist die Geschichte keineswegs so ereignisreich wie die hohe Seitenzahl suggeriert. Manche Ideen wirken außerdem allzu prosaisch (Apfelkerne als bewusstseinserweiternde Droge), sind surreal (Personen aus Glas) oder ihr Sinn nicht dargelegt (Personen aus Glas). Zum andern erinnert sie über weite Strecken an ein Computerspiel. Die Spielfigur muss durch ein wechselndes Setting geführt werden. Sie muss sich vor feindlichen Kreaturen in Acht nehmen, Rätsel lösen und Herausforderungen meistern. All das wirkt wie am Reißbrett entworfen: schematisch und aseptisch. Benjamin Hartmanns Gefühl in einer konzipierten Realität zu stecken, erfasst auch den Leser. Niemals entsteht der Eindruck, als würde die Geschichte einen natürlichen, sich bedingenden Verlauf nehmen. Selbstverständlich sind alle literarischen Werke Konstrukte ihrer Autoren. Allerdings besteht doch die Kunst darin, dem Leser vorzugaukeln, eine Geschichte entwickele sich aus sich selbst heraus. Als ergebe sich mühelos eins aus dem anderen. Andreas Brandhorst schafft dies allerdings nicht.

    Statt dem Protagonisten und damit dem Leser Hinweise zu liefern, die er verfolgen kann, werden nur wenige und dazu noch unverständliche Andeutungen gemacht. Der Leser wird nicht angeregt, dies oder jenes zu hinterfragen und kann sich keinen eigenen Reim machen. Und statt Hintergründe sukzessive darzulegen, entscheidet sich der Autor für die einfachste aller Methoden. Er lässt am Ende einfach eine Figur lang und breit die Zusammenhänge darlegen. Dieses Vorgehen ist schlichtweg einfallslos und belegt die Schwächen des Plots.

    Auch inhaltlich überzeugt das Ende bzw. die Erklärung nicht. Die große Frage, was es mit der Stadt auf sich hat, schwebt über allem. Also schlägt der Leser sich trotz aller Stolpersteine und der hohen Seitenzahl bis zum Ende durch. Es soll ja keine verlorene Liebesmüh gewesen sein.  Doch statt sein Durchhaltevermögen zu belohnen d.h. ihn zu verblüffen, wird er schließlich mit der denkbar einfachsten Erklärung abgefertigt. Der Versuch, diese Tatsache mit pseudo-physikalischen, -philosophischen und -spirituellen Begrifflichkeiten zu verdecken, ist mehr als offensichtlich. Für den Autor ist es vielleicht ein zufriedenstellender Abschluss seiner Geschichte. Für den Leser ist es alles andere als das. Hat er nicht gerade einen ausgeprägten Hang zur wissenschaftlichen Schwafelei, dann fühlt er sich wahrscheinlich nicht nur leicht auf den Arm genommen, sondern gehörig verschaukelt.

    Erschwerend wirkt sich außerdem aus, dass keine Bindung zwischen Leser und irgendeiner der gezeigten Personen entstehen will. Nicht einmal der Protagonist vermag Interesse zu wecken, geschweige denn so etwas wie Empathie. Am Ende könnte das im Fall von Benjamin sogar Absicht gewesen sein, bremst aber nichtsdestotrotz das Interesse an ihm und seinem Schicksal.

    Die Sprache entwickelt keine eigene Melodie, wirkt teilweise hölzern und überzeugt nur selten mit treffenden, nachklingenden Formulierungen. 

    Insgesamt überzeugt Die Stadt nicht. Weder die Geschehnisse noch die Figuren oder die finale Erklärung wissen zu überzeugen oder gar zu fesseln. Das anfängliche Wohlwollen des Lesers wird zunehmend bestraft und seine Bereitschaft, weiterzulesen, strapaziert. Je mehr die Geschichte fortschreitet, desto mehr sinkt das Lesevergnügen und der Wille zur positiven Bewertung. Außerdem hätten immense Kürzungen dem Plot gutgetan.  Die Stadt ist wohl nur geeignet für Leser, die sich an ihrem eigenen Intellekt berauschen möchten und sich wenig um den tatsächlichen Gehalt der Geschichte kümmern. 

    Kommentare: 4
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    simonfuns avatar
    simonfunvor 2 Jahren
    Dead or alive?


    Der Grundgedanke dieser Geschichte hat mich fasziniert und neugierig gemacht. Den Tod als auf einer Stadtinsel gestrandeten Seele darzustellen ist anders. Die philosophischen Fragen der Toten sind genauso vielfältig wie einfältig. Wie so oft bei religiös angehauchten Themen. Was mich dennoch gestört hat, war, dass die Höheren Wesen oder gar Aliens nie genauer be-, oder besser, umschrieben wurden. Das Totenreich zu umschreiben ist eh schon schwer und fantasylastig und genau deshalb verstehe ich nicht, warum der Autor nicht den letzten Schritt seiner Einstellung geschrieben hat. Warum nicht eine eigene Idee über das Jenseits dem Leser samt Schluss präsentieren?
    Die Symbolik in diesen Roman ist mir durchaus klar, aber mehr Klarheit des Autors hätte hier gutgetan.
    Wie auch immer - seltsamerweise gut und unbefriedigend gleichzeitig!

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    Aleshanees avatar
    Aleshaneevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr überraschende, bizarre Idee, die etwas an der Umsetzung scheitert - war mir stellenweise zu langatmig
    Mal was völlig anderes

    3,5 Sterne

    Zum Inhalt

    Ausgerechnet an seinem 40. Geburtstag hat Benjamin Hartman einen schweren Autounfall. Gerade als er beschließt, sich mehr um die Beziehung zu seiner Frau Kattrin als um die Arbeit zu kümmern ... doch jede Hilfe kommt zu spät: er stirbt noch am Unfallort.

    Doch ist er wirklich tot? Als Benjamin wieder aufwacht, befindet er sich am Rande einer Stadt. Einer Stadt in der die Toten wieder zum Leben erweckt werden und deren Grenzen scheinbar niemand überschreiten kann. Er hat Glück, dass ihn Louise findet, denn das Paradies nach dem Tod sieht wahrlich anders aus. Die Gebäude scheinen uralt und zerfallen, nachts kommt ein Nebel, der grauenhafte Kreaturen in sich birgt und mitten in der Stadt wabert dunkle Schwärze, das "Loch", aus dem die gefährlichen Schatten kommen.

    Was hat es mit dieser Stadt auf sich? Warum ist Benjamin hier gelandet - und ist es wirklich nur eine Bewährungsstation zwischen dem Paradies und der Hölle? Das sind Fragen, die Benjamin einfach nicht loslassen und ihn damit zwischen die Fronten der "Gemeinschaft" und den "Streunern" treiben ...

    Meine Meinung

    Als ich gesehen hab, das Andreas Brandhorst selber schreibt, musste ich natürlich auf jeden Fall ein Buch von ihm ausprobieren. Bisher war mir sein Name nur aus den Übersetzungen der Scheibenweltromane von Terry Pratchett geläufig und ich wollte natürlich wissen, was und worüber er selber so schreibt :)

    Diese Geschichte hat auf jeden Fall was. Die große Frage, was kommt nach dem Tod, wird hier sehr ungewöhnlich und überraschend thematisiert. Am Anfang hab ich noch nicht recht den roten Faden gefunden und es wirkte etwas konfus, aber aus Sicht des gerade frisch verstorbenen Benjamin Harthman auch nicht verwunderlich. Was macht und wie reagiert man, wenn man inmitten einer Stadt voller "toter" Menschen aufwacht, keine Möglichkeit hat, dieser Situation zu entkommen und einem der Sinn des ganzen verborgen bleibt?

    Der Autor hat hier kurze Kapitel aus einer auktorialen Perspektive gewählt, was mein Gefühl beim Lesen, wie Benjamin die Situation erlebt, noch verstärkt hat. Eine teilweise sehr schöne, bildhaft beschreibende Sprache, bei der ich mir vieles sehr genau vorstellen konnte. Eine triste, hoffnungslose Atmosphäre hat die Irrealität des ganzen sehr gut zum Ausdruck gebracht. Dadurch, dass am Anfang alles etwas verwirrend war, bin ich beim Lesen immer wieder über Fragen gestolpert, die sich aus der Situation ergeben. Ich hab ja wie jeder andere auch meine ganz eigene Sicht, was nach dem Tod mit den Menschen passieren könnte und Andreas Brandhorst hat hier ein sehr bizarres, aber am Ende durchaus schlüssiges Szenario geschaffen, was mich zum Nachdenken gebracht hat.

    Wie im "richtigen Leben" auch, haben sich in der Stadt Gruppen gebildet: Die Gemeinschaft, die sich in der Stadtmitte ein den Verhältnissen angepasstes, relativ angenehmes Leben geschaffen hat. Ihr Anführer ist Hannibal, eine Art Prediger, der an die Gerechtigkeit glaubt und daran, dass sie einer Art Prüfung unterzogen werden, die entweder in den Himmel oder in die Hölle führt.
    Der Gegenpol sind die Streuner, die am Stadtrand mit Hunger und tödlichen Gefahren leben müssen - denn auch die Toten können sterben. Ja, auch im Tod kann man sterben und auch wenn man danach wieder "aufersteht" geht mit jedem Tod Schmerz und Verlust einher. "Der Tod ist ein Dieb" heißt es, der Erinnerungen an das Leben stiehlt - aber was genau verliert man? Warum treffen genau diese Menschen in der Stadt aufeinander und welche Rolle spielt Benjamin in dem ganzen? Seine Reaktionen sind sehr gut nachvollziehbar und vor allem der Drang, hinter diese Kulisse zu blicken.

    Die Stadt selbst ist sehr differenziert beschrieben. Sie scheint ein Eigenleben zu haben, verändert ihr Aussehen, die Zeit läuft asynchron und selbst die Tages- und Jahreszeiten variieren je nach Stadtviertel. Sie greift in die Handlungen der Menschen ein, schafft und zerstört Gebäude und reagiert selbständig auf Ereignisse ohne erkennbaren Sinn.

    Der Anfang war richtig spannend und hat mich sehr gut in die Handlung eintauchen lassen. Zwischendurch zieht es sich immer wieder ein bisschen und ab der Hälfte hat es mich nicht mehr so packen können. Die Frage nach dem Warum steht zwar immer im Raum, aber die Entwicklung hat einige Umwege genommen. Das hätte ich mir etwas komprimierter gewünscht und dafür eingehender auf die Frage, was hinter all dem steckt. Hinweise gibt es viele und erst am Ende, das wieder an Spannung und Tempo zunimmt, gibt es eine überzeugende und überraschende Lösung mit einem runden Abschluss.

    Fazit

    Eine sehr bizarre, beeindruckende Sicht auf ein "Leben nach dem Tod" dass mich in seiner Idee, aber nicht ganz in seiner Umsetzung überzeugen konnte. Anfangs etwas verwirrend, mit einem gut durchdachten Motiv und einigen Längen hat es mir trotzdem imponiert!

    © Aleshanee
    Weltenwanderer

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    Jeamis avatar
    Jeamivor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Völlig neue Idee über das Jenseits - beeindruckend!
    Jenseits mal ganz anderst

    Auch wenn die Geschichte in vielen Teilen völlig wirr und krude rüberkommt der Grundgedanke des Jenseits, so wie ihn der Autor darstellt hat mir sehr gefallen. Das ist mal was ganz anderes :-)

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    J
    Joernvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Stadt" von Andreas Brandhorst

    Viel gibt es da eigentlich nicht zu sagen, nachdem mir "Die Kinder der Ewigkeit" ziemlich gut gefallen hat, habe ich mich gleich an "Die Stadt" gewagt. Leider geht es auch hier wieder im großen und ganzen um Themen wie das ewig Leben oder das Leben nach dem Tot etc. Das scheint wohl ein wichtiger Punkt für den Autor zu sein. Leider reicht "Die Stadt" in keinsterweise an "Die Kinder der Ewigkeit" ran. Sowohl die Charaktere alls auch die Story sind schwach, das Ende ist schwach. Ich war froh als ich es durch hatte.

    Mehr als 2/5 Sterne kann ich da nicht vergeben.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Stadt" von Andreas Brandhorst

    Als Benjamin Harthmann an seinem 40. Geburtstag gemeinsam mit seiner Frau Kattrin bei einem Autounfall ums Leben kommt, findet er sich zu seiner großen Verwirrung in einer rätselhaften Stadt wieder. Deren allesamt eher eigenwillige Bewohner teilen sich auf in die “Gemeinschaft”, die zwar uneingeschränkten Zugriff auf einen sich immer wieder selbst auffüllenden Supermarkt hat, aber gleichzeitig strengen Regeln Folge zu leisten hat, und die “Streuner”, die vom skrupellosen Dago angeführt werden.
    Aufgrund seiner Freundschaft zur ausgestoßenen Louise ist Benjamin in der Gemeinschaft schnell nicht mehr willkommen. Erst, als die beiden gemeinsam versuchen, was noch niemandem gelungen ist, nämlich aus der Stadt zu fliehen, beginnt er, sich immer mehr an sein vergangenes Leben zu erinnern - und zu erkennen, dass es ein schreckliches Geheimnis gibt, das ihn mit all ihren Bewohnern verbindet…
    Brandhorst entwickelt einen sehr interessanten Plot, löst ihn aber nicht konsequent auf, so dass am Ende einige aufgeworfene Fragen unbeantwortet bleiben. Die Figuren orientieren sich stark an gängigen Stereotypen, eine Entwicklung der Charaktere findet leider nicht statt. Auch sprachlich hat “Die Stadt” nichts Außergewöhnliches zu bieten, sondern wartet mit sich wiederholenden Floskeln auf.
    Wegen der spannenden Geschichte, die ehrlicherweise aber auch auf 200 Seiten weniger funktioniert hätte, gibt’s trotzdem 3 Sterne.

    Für Mystery-Fans, die Geschichten im Stil von Shutter Island mögen.

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    Mandels avatar
    Mandelvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Stadt" von Andreas Brandhorst

    Groß und gefüllt, aber dennoch leer, ist die Blase mit den Antworten auf die Frage: Was geschieht mit mir, wenn ich sterbe? Benjamin Harthman erfährt dies am eigenen Leib und wacht auf in einer Stadt voller Toter.

    Das Buch

    Benjamin Harthman stirbt an seinem 40. Geburtstag bei einem Autounfall. Dabei sollte dieser Tag in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang werden. Vor allem im Bezug auf Kattrin, seiner Frau.
    Wiedererwartend ist er nicht tot – oder etwas doch? Zumindest scheint er zu leben. Er atmet, er kann sich bewegen und er spürt sein Herz an der richtigen Stelle. Aber die Umgebung sieht so anders aus. Kurz nachdem er erwacht läuft ihm Louise über den Weg und klärt Benjamin darüber auf, dass in dieser Stadt jeder mindestens einmal gestorben ist. Es ist eine Stadt voller toter Menschen. Doch dies ist noch lange nicht das größte Geheimnis, das diese geheimnisvolle Stille zu verbergen hat und Benjamin spielt darin eine größere Rolle, als ihm lieb ist.

    Fazit

    Für Benjamin und die restlichen Bewohner der Stadt scheint es ein ewiges Leben zu geben. Denn sie sterben nie. Zumindest nicht vollends. Irgendwann wird jeder wieder lebendig. Und mit jedem Mal geht etwas von ihnen selbst verloren. Eine utopische Vorstellung, nicht war? Und hinzukommend ein neuer Anstoß wie das Leben danach sein könnte, wobei die von Andreas Brandhorst konzipierte Geschichte eher unwahrscheinlich ist.
    Ein Science Fiction Roman, der nicht nur in diesem Punkt für Aufsehen sorgt, sondern auch im Hinblick auf die politischen Gegebenheiten interessant ist. Korruption, Diktatur, der Kampf um Gerechtigkeit und der Streit um die wahre Macht, sind nur wenige Punkte, die der Autor mit starken Charakteren umsetzt.
    Verschiedenste Persönlichkeiten treffen aufeinander und lassen den Leser ist eine Stadt voller mysteriöser Kreaturen und einem merkwürdigen Nebel eintreten. Der Leser geht mit Benjamin mit und versucht gemeinsam mit ihm zu verstehen, was in dieser und mit dieser Stadt vorgeht.
    Trotz dieser wirklich gelungenen Elemente sind einige Passagen zu lang geraten und nehmen dieser 592 Seiten langen Lektüre die Brisanz. Für ein Buch mit diesem starken Thema, ist es schade, dass teilweise Textstellen auftauchen, die im Gesamtkontext lächerlich wirken, wie zum Beispiel der Bezug auf das Paradies durch einen Apfelbaum, welcher zudem der einzige Baum in der gesamten Stadt ist. Natürlich ist es Science Fiction, weshalb es der Realität nicht entsprechen muss, allerdings sollte es sich so anfühlen, als ob man in eine andere Realität abtaucht.
    Kurzum sind die Charaktere sehr gut gewählt, allerdings in die falsche Umgebung eingebettet worden.

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