Die Frau mit dem Arm ist ein großer Spaß. Und ein Buch über Popkultur. Aber nicht über ihre großen Mythen. Keine Charts, keine Bühnenlegenden. Stattdessen geht es um das Leben daneben: Arztpraxen, Warteschleifen, absurde Gespräche, Selbstzweifel und das fortwährende Staunen darüber, dass man irgendwie Teil dieser Popwelt ist, ohne je ganz in ihr aufzugehen.
Dorau, der seit den frühen Achtzigern zur deutschen Popgeschichte gehört, blickt hier nicht nostalgisch zurück, sondern eigentümlich nüchtern. Pop erscheint nicht als Rausch, sondern als Dauerzustand – als etwas, das sich in den Alltag einschreibt. Regener formt diese Erinnerungen zu kurzen, präzisen Szenen, die oft so beiläufig erzählt sind, dass ihr Witz erst im Nachhall wirkt. Das erinnert weniger an klassische Musikerbiografien als an Pop-Prosa im besten Sinne: unspektakulär, genau beobachtet, leicht schräg.
Gerade darin liegt der Reiz. Das Buch erzählt von Popkultur als Lebensform, nicht als Erfolgsgeschichte. Von Menschen, die kreativ sind, ohne permanent "abzuliefern“. Von Karrieren, die nicht linear verlaufen. Und von der leisen Komik, die entsteht, wenn große kulturelle Bedeutungen auf sehr banale Lebensrealitäten treffen.
Man kann Die Frau mit dem Arm als Künstlerbuch lesen, als Anti-Memoir oder als Sammlung sehr deutscher Pop-Miniaturen. Vor allem aber ist es ein Buch über das Älterwerden in einer Szene, die traditionell so tut, als kenne sie das nicht. Lakonisch, selbstironisch und erstaunlich tröstlich.
Kein großes Statement, kein Pathos – aber ein sehr genauer Blick auf das, was Popkultur jenseits der Bühne eigentlich ist.




