Andreas Elter Die Kriegsverkäufer

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 4 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(1)
(2)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Kriegsverkäufer“ von Andreas Elter

Kriegszeiten sind für Regierungen harte Zeiten. Auf der einen Seite will die Bevölkerung berechtigterweise wissen, was vorgeht. Auf der anderen Seite muß sie aber bei Laune gehalten werden, damit die Unterstützung nicht abnimmt. Zu viel Information nützt dem Feind, zu wenig den Kriegsgegnern. Und kippt die öffentliche Meinung, dann können Rückzug und Niederlage zu kollektiven Traumata werden. Das hat spätestens der Vietnamkrieg gezeigt.

In seinem spannenden Buch zeichnet Andreas Elter erstmals die vielfältigen Bemühungen der Einflußnahme der US-amerikanischen Regierungen auf die öffentliche Meinung vom 1. Weltkrieg bis zum jüngsten Irakkrieg nach. Er zeigt, inwiefern die jeweils neu aufkommenden Medien wie Radio, Fernsehen und Internet und die verschiedenen Maßnahmen der Regierungen einer wechselseitigen Beeinflussung unterliegen – von Zensur über Drohungen bis hin zu regelrechter 'Werbung'.

Die Metamorphose von Zwangszensur zur umso alarmierenderen Schere im Kopf der Journalisten

— bibliophilist1985

Stöbern in Sachbuch

Das Sizilien-Kochbuch

Ein leidenschaftliches und sehnsuchtsvolles Buch an die Küche und die Kultur Siziliens

Hexchen123

Gemüseliebe

Großartiges, frisches und neues vegetarisches Kochbuch! Großartig! Ich liebe es!

Gluehsternchen

Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

Ein kleines und unscheinbares Buch, dessen Thema in unserer heutigen Zeit so gewichtig ist.

Reisenomadin

Das verborgene Leben der Meisen

Die Bibel für ausgemachte Meisenliebhaber. Ausführlicher geht fast nicht.

thursdaynext

Kann weg!

Herrliche Lachflashs garantiert!

Lieblingsleseplatz

Zwei Schwestern

Ein wichtiges Buch.

jamal_tuschick

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu " Die Kriegsverkäufer" von Andreas Elter

    Die Kriegsverkäufer

    bibliophilist1985

    10. November 2014 um 22:31

    Der Grundkonflikt zwischen freier Meinungsäußerung und dem Argument für eine Zensur im Sinn der nationalen Sicherheit im Kriegsfall liefert beiden Standpunkten triftige Argumente. Strittig und bedenklich wird es jedoch, wenn mit Beendigung der Kampfhandlungen die Zensur und Beeinflussung der Presse sukzessive weiter ausgebaut werden, wie es momentan der Fall ist. In den Kinderschuhen der Propaganda zu Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs gab es zum Frohlocken der Zensoren weder schnelle Datenübertragung noch Fernsehen. Somit war der Beschneidung der Informationsverbreitung im Wesentlichen, mit strengen Auflagen für Reporter an der Front und dem Verbot der Verbreitung von subversiven Meinungen, Genüge getan. Auch wenn das Deaktivieren der Sonderregelungen und Einschränkungen der freien Meinungsäußerung nach Kriegsende immer erst mit Verzögerung und mitunter leichter Unlust von Seiten der Regierung und des Militärs vonstatten gingen, so wurde Redefreiheit und freier Presse doch wieder der wichtige Platz in der Gesellschaft eingeräumt. Interessant ist, dass bis zum heutigen Tag kein Gericht die Einschränkungen und Repressalien von Seiten des Staates gegen die Medien in Friedenzeiten verurteilt oder auch nur einem Prozess zugestimmt hat. Häufig wurde die sich, durch Beendigung des Konflikts von selbst einstellende, Hinfälligkeit einer genaueren Betrachtung als Argument ins Feld geführt. Eine grundlegende Änderung der Verhältnisse kam mit Fernsehen und dem Vietnamkrieg. Wo bisher nur Radio und Zeitungen als verhältnismäßig leicht zu kontrollierende Medien im Spiel waren, taten sich mit dem Siegeszug der Television gänzlich neue Perspektiven der Beeinflussung auf. Der Vietnamkrieg ist auch das bisher einzige Beispiel eines Kriegs in dessen Verlauf die Meinung der Bevölkerung gänzlich zugunsten der Kriegsgegner kippte, was den Zensoren noch als Lehrbuchbeispiel für wesentlich ausgefeiltere Techniken dienen sollte. Durch Videoaufnahmen des wahren Gesichts des Krieges konnte sich die beschönigende Berichterstattung der Nixonadministration nicht mehr rechtfertigen lassen und die unverhohlenen Lügen wurden in den Fokus der Aufmerksamkeit gezerrt. Allein das Nixon eine Einteilung in gute und böse Presse, quasi Freunde und Feinde vornahm, spricht Bände über die Mentalität dieser historischen Persönlichkeit. Nichtsdestotrotz wurden die investigativen Journalisten zum Vorwand der Schaffung einer modernen Dolchstoßlegende herangezogen. Nicht die Soldaten in Vietnam hätten den Krieg verloren, sondern die durch kommunistische Propaganda vaterlandsverratender Schreiber angestachelten Kampagnen haben den Rückhalt der amerikanischen Bevölkerung unterwandert und damit ein früheres Kriegsende erzwungen. Militär und Politik zogen Lehren aus den Konsequenzen der einseitigen Zensur des Vietnamkriegs und etablierten das neue Konzept der Poolregelung. Ab der Grenadainvasion wurden ausgewählte Journalisten exklusiv informiert und als Berichterstatter an die Front geschickt, um den Anschein einer freien und unabhängigen Presse vorzutäuschen. Die Nähe zur Perfektion jedoch stellte sich mit dem Golfkrieg und den beiden Irakkriegen ein. Da auch an der Poolregelung noch genug Kritikpunkte bestanden, wurden „embedded reporter“ zum neuen Mittel zum Zweck. Mit den Soldaten im Feld gemeinsam berichteten diese von ausgewählten Kriegsschauplätzen und stellten damit nicht nur den Schein von Objektivität her, sondern ermunterten, da geschickt auf verschiedenste Truppenkontingente aus verschiedenen Teilen der USA verteilt, auch allerorts Hurrapatriotismus. Präsentiert wird Krieg als große Fernsehunterhaltung, pathetische Bilder abhebender Kampfflugzeuge untermalt von Populärmusik wechseln sich mit Computergrafiken und Animationen ab während regelmäßig Sondermeldungen ins Programm geworfen werden. Schon lange werden PR- und Marketingspezialisten für die Konzipierung von Kriegsberichterstattung herangezogen und die Videos von Mord und Elend werden von den besten Köpfen der Filmbranche imposant in Szene gesetzt. Am befremdlichsten mutet der Wandel der Reaktion der Presse im Laufe eines knappen Jahrhunderts an. Die ursprünglich empörte Reaktion auf eigentlich in Diktaturen zu findende Arten der Öffentlichkeitsarbeit begann sich mit dem Vietnamkrieg von Grund auf zu wandeln. Die Medien fanden sich in der gefährlichen Lage, im Falle unpatriotischer oder auch nur allzu kritischer Berichterstattung, sich plötzlich inmitten einer erbosten Protest- und Boykottkampagne der Bevölkerung wiederzufinden und überlegten daher gründlich, allzu objektive Berichte zu veröffentlichen. Hinzu kam, ab Beginn der Poolregelung, die Monopolisierung der Wissensweitergabe an ausgewählte, durch regierungsfreundliche Berichterstattung hervorstechende Journalisten, was progressiven Richtungen einen beträchtlichen Nachteil verschaffte. Wer die neuesten und wertvollsten Informationen haben wollte, musste gewisse Zugeständnisse machen. Das war einer der letzten staatlich notwendigen Schritte vor einem Paradigmenwechsel von der Zensur zur freiwilligen Selbstzensur. Der bisher finale Höhepunkt der Entwicklung ist der Wegfall eines größten Teils der eigentlichen Propaganda und Beeinflussung durch den Staat und der Etablierung der „Schere im Kopf“ und dem „mental embedding“. Darunter versteht man eine Kombination aus Selbstzensur, blindem Vertrauen auf offizielle Quellen und das Ignorieren alternativer Meinungen samt Berichterstattung. Die Evolution der Zensur hat sich somit auf eine neue Stufe erhoben, die Medien sind reif und erwachsen genug geworden, ohne künstliche Eingriffe von Militär und Regierung, sich selbst freiwillig zu willfährigen Helfern der zu etablierenden Meinung zu machen. Handeln die großen Fernsehsender und Verlage allzu potentiell konspirativ, drohen nicht nur Einschaltquoten, sondern auch Werbeeinnahmen in den Keller zu rasseln. Denn die konservative Lobby besteht zu guten Teilen aus Industrie und Hochfinanz, die als Werbeträger unverzichtbar sind. So wird zwischen den beiden Blöcken der wichtigen Werbeeinschaltungen und der Gefahr, als Nestbeschmutzer und Kommunist gebrandmarkt und gemieden zu werden, das letzte Quäntchen unabhängiger, demokratischer Journalismus zerrieben. Und mit ihm eine freie, unabhängige Presse als Bestandteil eines funktionierenden Staatswesens. Keinerlei direkte Gewalt, Geheimpolizei oder Razzien waren dafür notwendig, der Markt hat es selbst geregelt und das Volk als Publikum hat sich entschieden, lieber Fox als CNN zu wählen. Ganz frei und demokratisch.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Kriegsverkäufer" von Andreas Elter

    Die Kriegsverkäufer

    amyjo

    05. February 2008 um 11:59

    Sehr guter Überblick über die Pressepolitik und die Entwicklung der Kriegskommunikation der US-Regierung und des US-Militärs; gelesen für Examensvorbereitung und für alle zu empfehlen, die sich für Militär-PR und Propagandastrategien interessieren. Nachteil: Es werden kaum Studien und konkrete Zahlen angeführt, eher explorativer Charakter.

  • Rezension zu "Die Kriegsverkäufer" von Andreas Elter

    Die Kriegsverkäufer

    Buecherfrosch

    22. January 2008 um 18:14

    Spannender historischer Abriss der amerikanischen Propagandamaschinerie. Von den 'Four-Minute Men' über Frank Capra's "Why We Fight" bis zu den 'Embedded Journalists' im 3. Golfkrieg ist alles enthalten was die US Regierungen unternommen haben, um der eigenen Bevölkerung ihre Kriege zu verkaufen. Getrübt wir der Gesamteindruck einzig durch kleine Fehler, die aber vermutlich nich in jedem Fall dem Autor anzulasten sind.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks