Andreas G Schmitt Warum wohnst du in so einer Gegend?

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Inhaltsangabe zu „Warum wohnst du in so einer Gegend?“ von Andreas G Schmitt

Dieser Band vereint mehrere seiner neuen Gedichte und Kurzprosen. In den beiden Genres sticht die Begabung des Autors hervor, der trostlosen Umgebung und dem banalen täglichen Trott, aussagekräftige lyrische und schonungslose erzählerische Sentenzen zu entreißen. Es entstehen Typologien unserer Zeit, wie der Stadtteilpenner, der Literat oder die „Richtigen Männer“. Schmitt erzeugt das Bild einer Welt, die von scheinbar grotesken (weil immer noch menschlichen), verwegenen oder verkrachten Männer- und Frauenfiguren bevölkert ist (Plastikpuppe, Künstlerkneipe in Berlin u.s.w.) und im „Kabelsalat“ zu ersticken droht. Um einigermaßen geistig gesund zu überleben, hat der Autor aber auch eigene Rezepte: seine angeborene Menschenliebe, gute Musik und, wo es nicht mehr zu gehen scheint, seinen gesunden Humor: „... Kamst zu mir, hast dich aufs Bett gesetzt - / und dieses Lächeln, / kein Wort gesprochen / und doch alles gesagt. // Gingst zur Tür, fiel leise ins Schloss / und weg warst du. / Es war einer der schönsten Momente / und ich hatte nicht viele... “ (R.-F. Barth, Verleger) Schmitts 2002 erschienener Gedichtband „Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie und Clyde“ hat ihm schon so einige gute Besprechungen in diversen Undergroundpostillen eingebracht, und ich denke, das wird mit diesem neuen Buch nicht viel anders werden. Keiner wird eine literarische Revolution erwarten, und die bekommt er auch nicht geboten, dafür aber eine Sammlung von Prosagedichten, die mit wenigen Worten Momente beschreiben, die die ganze Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz bloß legen. Texte, die all die Enttäuschungen, den trostlosen Trott, das Ablaufen der Zeit mit einem Schulterzucken quittieren und entgegnen: Ich habs doch von Anfang an gewusst - und dabei doch nicht diesen letzten Funken Hoffnung außen vor lassen, der wahrscheinlich nicht nur den Autor überleben lässt. „Ja, Babe, den richtigen Moment zu finden, /darum und nur darum geht es. // Den richtigen Moment und dir bleibt noch etwas / Zeit.“ Schmitt ist sich der Ambivalenz der Dinge und seines eigenen Lebens bewusst und scheut sich nicht, das dem Leser auch vorzuhalten. Literatur kann eben so einfach und doch so wahr und lesenswert sein, indem sie wie eine Reportage über einen frustrierenden Alltag berichtet. Wie eine Lupe, nichts schönredend. (Alex Strucken, Neuss, Hrsg. d. Literaturzeitschrift "Vorsicht Schreie") Menschenliebe, Musik und Humor sind die drei Rezepte des Andreas Schmitt, um in meiner mehr und mehr von Ökonomisierungszwängen dominierten Welt aufrecht zu gehen und seine Persönlichkeit nicht nur nicht zu verleugnen, sondern geradezu als Gegenakzent zu sezten. Er iat unbestechlich und hat es nicht nötig, in seiner Analyse den Dingen und der Welt gegenüber etwas zu beschönigen oder gar zu verdrängen. Seine Therapie findet sich dann in hochorigineller Form und voller entwaffnender Pointen. So wird selbst Else Kling "zunehmend attraktiver", wenn man erst mal "in drei und halb Stunde eine halbe Flasche Jack Daniels und neun Dosen Bier in sich hineinkippt und glaubt, Schokolade rauchen zu können." Oder "ein Tastendruck" auf dem Amt genügte und er war wieder "geschieden" - das Formular folgt der Realität in deutschen Amtsstuben. Und wir lernen, dass die Rückseite eines tadellos glänzenden Apfels mitunter ganz schön faul sein kann - im wörtlichen wie im metaphorischen Sinn. Literarische Leuchtfeuer zeigen uns den Weg einer unverstellten und doch von uns handzuhabenden Realität. Zwar ist die Grenze zwischen Sarkasmus und Zynismus mithin fließend, doch surft Schmitt grazil elegant darauf - gelegentliche Grenzüberschreitungen sind erwünscht. Entwaffnend! Ach ja: Für Süchtige: Das ist schon das zweite Andreas Schmitt-Buch... (Jochen König, Hrsg. der Literaturzeitschrift "Das Dosierte Leben", Mannheim)
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  • Rezension zu "Warum wohnst du in so einer Gegend?" von Andreas G Schmitt

    Warum wohnst du in so einer Gegend?
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. March 2011 um 13:45

    Gedichte und Prosa steht vorne drauf, doch Andreas bleibt zumeist in der Prosa, auch seine Gedichte liebäugeln mit Prosa. Sind Prosa. Letztendlich ist es egal. Andreas haut nicht groß auf die Kacke, bleibt immer nah dran an dem, was allgemein als Leben gilt und zieht einem in manchem Text den Boden unter den Füßen weg (z.B. Stadtteilpenner). Nun mögen manche meinen, dass Undergroundlyrik immer den Hauch eines Buk hat und von Nichts anderem erzählt als dem, was um uns herum passiert. Aber genau das ist es, was uns am Leben hält. Hier wabert der Geruch der Straße durch die Zeilen, aber auch die Trostlosigkeit des Seins, welches sich jedoch nicht unterkriegen lässt: „Die Materie hat sich längst verabschiedet,/aber ich, verdammt, ich bin noch da/und die Zeit ist vergänglich,/manchmal,/während ich ein neues Schicksal aufbreche/und warte/auf etwas,/das vielleicht nie kommen wird.“ Danke, Mann, Du hast es verstanden.

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