Andreas Guski

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Autor von Dostojewskij.

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Dostojewskij

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 (2)
Erschienen am 15.08.2018

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Rezension zu "Dostojewskij" von Andreas Guski

Nah heran an den Menschen
michael_lehmann-papevor 6 Monaten

Nah heran an den Menschen

„Kinder spielen eine Schlüsselrolle in Dostojewskis Werk, doch über seine eigene Kindheit schweigt er beharrlich“.

Schon was den Beginn seines Lebens angeht (und das behält der Autor ein Leben lang bei), ist das „Private“ ausdrücklich nicht sein „öffentliches Thema“. Gerade aber dieses Private in Licht und Schatten ist es, was nun Andreas Guski überzeugend, umfangreich und dabei immer in den Bezug zum Werk setzend in dieser überaus gelungenen Biographie dem Leser nahebringt.

„Im Gegensatz zu vielen seiner Helden war ihm Selbstentblößung zuwider“!

Aber im akribischen Nachgang der Erinnerungen von Andrej, des jüngeren Bruders Dostojewskis schält Guski ein Bild dieser Kinderjahre heraus, dass er umgehend mit Atmosphären, Szenen, grundlegenden Gestaltungsräumen in den Romanen in Verbindung bringt. Mitsamt der klaren, direktiven, aber auch tiefen Frömmigkeit der Eltern und der eher zerrissenen Familiengeschichte, welche die jungen Jahre Dostojewskis prägte.

Bis dahin, dass in „Der Idiot“ auch das ihm selbst wichtige, „heilige“ mit genutzt wird, das Grab seiner Mutter als Teil der Erzählung eines Possenreißers mitaufzunehmen, wie auch so manche „Wohnsituation“ im späteren Werk deutlich angelehnt sind an eigenes Erleben in „fensterlosen Kabuffs“ der Kindheit.

Daher erschließt sich aus dem biographischen Erleben des Mannes sein Stil und Thema.

„Dostojewski ist ein Autor der Krise“, der eigene Erfahrungen immer wieder in seinen Romanen nutzt und eigene, innere Fragen und Haltungen darin zum Ausdruck bringt.

So geht Guski genau den anderen Weg als den, der nicht selten verbreitet ist und darin gipfelt, das „persönliche Leben des Autors als peinliches, nur leider unentbehrliches Anhängsel an (dessen) Werk zu betrachten“.

Person, Prägung, Geschichte, Erlebtes, Sicht der Welt und die Spiegelung der aufgeheizten Atmosphäre seiner Zeit finden sich daher in den Werken wieder und werden von Guski akribisch offengelegt.

Was unter anderem dazu führt, dass die innere Nähe der Weltbetrachtung inklusive Restauration der orthodoxen Kirche zwischen Dostojewski und Wladimir Putin ebenso aktuell herausgearbeitet wird, wie das gesamte Werk Dostojewski in seiner Pointierung der „Krisen seiner Zeit“ vielfache Parallelen zur Gegenwart aufweist und daher immer noch aktuell zu lesen ist und nicht nur im historischen Kontext als Lektüre einzuordnen ist.

Grundsätzliches, auch die Gegenwart wieder mitbestimmendes in Dostojewskis Leben erlebt worden du von Dostojewski unnachahmlich in Literatur gegossen worden.

Worin sich auch eine andere Zerrissenheit der Person widerspiegelt. Der Wunsch nach literarischer „Karriere“ und die Abscheu vor dem damit verbundenen „Anpassungsdruck“, Motive, die ebenfalls, wie Guski zeigt, in den Romanen verarbeitet werden. Mitsamt des „Lebensdurstes“, der nach 11jähriger „Verbannung“ und Strafarbeit sich teils maßlos Bahn brach.

Chronologisch arbeitet sich Guski dabei durch das Leben und die Stationen des Autors, weist Verbindungen auf zur grundlegenden Prägung des Mannes und seinem Werk, wie auch zu den Entwicklungsphasen dieses Lebens, die das Werk je mitbestimmt haben.

Heraus kommt eine überzeugende Darstellung des Mannes Dostojewski und eine kluge Werkschau, in der Guski Person und Idee, Werk und Leben miteinander gut lesbar in Korrelation setzt. Mit vielfachen Differenzierungen, die aufzeigen, dass wiederum das Werk eben nicht eins zu eins das Denken und Handeln des Autors wiedergibt, sondern aus dem eigen Erlebten, zusammen mit dem literarisch erdachten, eine eigenständige, andere Welt hervorbringt. Und die auch erklärt, warum Dostojewski ab einem bestimmten, konkreten Ereignis heran ein „guter Untertan“ geworden ist und dennoch sich rieb und rieb an äußeren Situationen und anderen Personen.

Sehr gelungen.

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