Andreas Keck

 4.3 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Schneeblind, Ruhm! und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Andreas Keck

Schneeblind

Schneeblind

 (4)
Erschienen am 06.02.2008
Ruhm!

Ruhm!

 (3)
Erschienen am 28.11.2008
Untreu - Ein Beziehungsroman

Untreu - Ein Beziehungsroman

 (0)
Erschienen am 13.05.2012

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Rezension zu "Ruhm!" von Andreas Keck

Aufstieg und Fall eines Künstlers
errichvor 5 Jahren

Aufstieg und Fall eines Künstlers: „Ruhm!“ ist der zweite Roman von Andreas Keck, welcher 2008 bei Periplaneta erschienen ist. Keck erzählt die Geschichte des jungen Künstlers Franz Kappa, eine Art moderner Dandy. Der exzentrisch gekleidete Student ist an der Kunsthochschule München eingeschrieben. Seine provokanten Kunstaktionen stoßen dort allerdings auf Unverständnis und er bleibt zunächst erfolglos, von den Professoren wird er für seine Ideen nur belächelt.
Privat umgibt er sich mit den schönen Models Iana und Olga, zusammen feiern sie nächtelang wilde Partys. Die blonde Iana ist konsumorientiert und oberflächlich, die dunkelhaarige Russin Olga hingegen scheint sich ernsthaft für Kappas Kunst zu interessieren. Zwischen den Dreien entwickelt sich schon bald eine ungesunde Dreiecksbeziehung mit immer neuen Kons- tellationen.
Als eine weitere Kunstaktion misslingt und Kappa zusehends über seinen Misserfolg frustriert, plant er „etwas Brutales“, eine Aktion, die schockiert und ihn auf einen Schlag berühmt machen soll. Dafür schreckt er auch nicht vor Gewalt zurück. An diesem Punkt gibt es eine Wendung und es vergeht ein unbestimmter Zeitraum, nach welchem man erfährt, dass Kappa plötzlich weltbekannt ist und sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet. Der Leser wird darüber im Unklaren gelassen, wie er das bewerkstelligt hat. „Wer berühmt war, war es. Und wie man berühmt wurde, war nicht bekannt. Berühmtsein war einfach, war klar umrissen und definiert. Aber der Weg dorthin schien nicht mal zu existieren.“ Die Medien reißen sich nun um Kappa und er wird als Star gefeiert. Mit den beiden Models reist er in die verschiedensten Städte. Doch auch der glamouröse Lebensstil, verbunden mit viel Alkoholkonsum, kann ihre absurde Dreiecksbeziehung nicht retten und der Leser beendet den Roman mit der Erkenntnis, dass Ruhm immer nur ein temporärer Zustand sein kann.
Keck ist eine authentische Geschichte über einen jungen Künstler gelungen. Seine Hauptfigur ist ein vielschichtiger Charakter, der oft an sich zweifelt und aus diesen Zweifeln neue Erkenntnisse schafft. Er ist nicht geradlinig sondern überrascht mit seinen neuen Aktionen und Ideen. Die von Keck beschriebenen Kunstaktionen sind provokant und oft sehr ironisch dar- gestellt. Interessant ist hier vor allem das Kunstverständnis des Protagonisten, der „eine brutale Schönheit zeigen [will], die niemand sonst sah.“ Dies kann nur gelingen wenn er für sich als Mensch wertlos ist. Da die große Kunstaktion, aus der sich Kappas Ruhm begündet, nicht definiert wird, werden so Leerstellen erschaffen, die Raum für eigene Interpretationen lassen. Obwohl der Roman viele Anspielungen auf andere Künstler, Schönheit, Ästhetik und das Kunstverständnis überhaupt, aufweist, ist er auch für Nicht-Kunstinteressierte lesenswert, da er sprachlich auf den Punkt und temporeich geschrieben ist. Durch den Einschub einiger Rückblenden und die Unberechenbarkeit des Protagonisten wird konstant eine gewisse Span- nung aufrechterhalten.
Den Charakteren der Models, allen voran Olga, fehlt es allerdings an Tiefe. Auch der inflatio- näre Gebrauch von Frage- und Ausrufezeichen in den Dialogen und Monologen kann den Figuren nicht mehr Tiefe einhauchen, sodass sie leere, aber wunderschöne Hüllen bleiben, deren Kleidungsstil stets eingehend beschrieben wird.
Dass es sich hier um einen Künstlerroman handeln soll, wird auch typografisch durch eingefügte Bilder und der Verwendung anderer Schriftarten sichtbar. Allerdings kann dies nicht mit der inhaltlichen Tiefe mithalten, sodass es beim Lesen stört. Insgesamt ist Keck aber ein Roman gelungen, der den aktuellen Zeitgeist und die Oberflächlichkeit des aufzeigt und die Frage aufwirft, wie es mit der Kunst weitergehen kann, wenn alles schon mal dagewesen ist.

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Rezension zu "Ruhm!" von Andreas Keck

Rezension zu "Ruhm!" von Andreas Keck
FrankDrebinvor 6 Jahren

Wenn du das wüsstest, würdest du nicht mehr hier sitzen. Du würdest mich nicht mehr sehen wollen oder hören wollen oder irgendetwas mit mir zu tun haben wollen. Ich werde nicht darüber sprechen, das garantiere ich dir. Und spätestens damit ist klar, dass es nicht um die Ursache geht, den Grund für all den Ruhm, sondern um seine Folgen und um seine Bedeutung. Für den Künstler, für alle, die ihm nahe stehen; und für uns. Die Betrachter.
Andreas Kecks neuer Roman „RUHM!“ kümmert sich nicht darum, was genau Franz Kappa berühmt gemacht hat. In der Mitte des Romans, nachdem man den ambitionierten Kunststudenten über hundert Seiten auf seiner Suche nach Erfolg begleitet hat, klafft eine zeitliche Lücke; dann die Erkenntnis: Franz Kappa ist berühmt, Fernsehsender streiten sich um ihn, seine Kunstaktionen finden internationale Aufmerksamkeit, selbst jene Arbeiten, die während seines Studiums im Atelier verstaubten, werden mit astronomischen Preisen gehandelt. Der „RUHM!“ hat Einzug gehalten in Kappas Leben - und doch liest sich der als Künstler anerkannte Protagonist genau wie sein Pendant aus Studienzeiten. Genau darin liegt Kecks Meisterstreich: Er setzt den gleichen Menschen zwei verschiedenen Testbedingungen aus und dokumentiert das Ergebnis.
Dass dieses Experiment gelingt, liegt vor allem an seinem ungewöhnlich plastischen Versuchskaninchen: Beeindruckend leicht ist es, sich in Franz Kappa einzufühlen, wenn er über seinem Mangel an Erfolg schier verzweifelt, nur um sich im nächsten Moment wieder aufzuraffen; wenn er sich abmüht, künstlerischen Antimaterialismus mit seinem Lebensstil zu vereinen oder sich selbst dafür verachtet, nur an schönen Frauen Interesse finden zu können. In diesen Momenten ist Franz Kappa einem am nächsten, weil Keck in ihm erkennen lässt, was wir alle im Grunde sind: Selbst ernannte Individuen im Spannungsfeld zwischen Sorglosigkeit und Profilierungsdrang. Auch in der Liebe ist Kappa zweierlei Kräften ausgesetzt: Auf der einen Seite seine Freundin Iana, Model und scheinbar kulturimmun, auf der anderen ihre beste Freundin und Arbeitskollegin Olga, deren sanfte, poetische Art Franz‘ Bindung an Iana zunehmend zermürbt, bis der Erfolg seine zerstörerischen Kräfte walten lässt.

Aber es ist auch die Sprache, die „RUHM!“ zu einem so fließenden Leseereignis macht: Keck folgt seinem Protagonisten mit klaren Worten, überlässt in einsamen Situationen dessen stimmungsgetragenen Gedanken das Wort, um beim ersten Anzeichen eines Dialogs auf neutrale Berichterstattung zurückzufahren. Das lässt Raum für Reflexionen und schafft, zusammen mit seltenen, aber erkenntnisreichen Einblicken in die Köpfe von Iana und Olga, eine gewisse Unabhängigkeit von Kappas wohlwollendem Selbstbild.
Denn ist es Kunst, was dieser Franz Kappa macht? Geschickt spielt Keck hier mit der Außenwahrnehmung des Protagonisten, um unser eigenes Bild zu beeinflussen: Wenn etwa Iana beiläufig bemerkt, dass Franz das Konzept des Flash-Mobs quasi erfunden hätte, oder ein renommierter Modefotograf sein Shooting Kappas Ideen unterwirft, dann schafft der Autor über Umwege Respekt für seinen Künstler. Fakt ist jedoch: Die Ideen von Kappa sind unterhalsam, aber wenig innovativ; schon gar nicht bewusstseinserweiternd, wie es der Protagonist von seiner eigenen Kunst erwartet.
Diese Erkenntnis verstärkt die ohnehin schon latente Kritik von „RUHM!“ an der als hypegetragen dargestellten Kunstszene. Denn was unterscheidet bei aller Kontinuität den jungen und den etablierten Kappa voneinander? Bereitwillig öffnet man ersterem sein Herz und verstößt ihn mit Anbruch der zweiten Hälfte so instinktiv wieder, dass es gut hundert Seiten braucht, bis das Zünglein an der Waage gefunden ist: die Selbstverständlichkeit, mit der Kappa nun jeden Auswurf seiner Kreativität – mit ausdrücklicher Zustimmung des Publikums – als Kunst deklariert, ohne jemals zu hinterfragen.
Ob es das letztlich nicht doch ist, darüber lässt sich mit Sicherheit ergiebig streiten und diskutieren. Was aber außer Frage steht, ist die enorme Weiterentwicklung, die Keck mit seinem zweiten Roman unter Beweis stellt. Im Vergleich zum Debütroman „Schneeblind“ ist „RUHM!“ sprachlich diffiziler, thematisch universeller – und vor allem weniger greifbar: Keck ist auf einem Niveau angekommen, das es verbietet, seinen Roman lediglich zu paraphrasieren. Man muss ihn lesen!

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FrankDrebins avatar

Rezension zu "Schneeblind" von Andreas Keck

Rezension zu "Schneeblind" von Andreas Keck
FrankDrebinvor 6 Jahren

Am Anfang steht die Hoffnung auf eine endogene Ursache. Endogen, das bedeutet von innen heraus wirkend, und wie Ertrinkende klammern sich die Eltern an diesen letzten Strohhalm. Aber es nützt nichts: Ihr Sohn, Mathias Renert, muss wegen seiner Depression in die Psychiatrie. Erst beim zweiten Anlauf fügt sich der 24-jährige Zoologie-Student, mehr aus Lethargie, denn aus Überzeugung und findet sich so zwischen gutwilligen Krankenschwestern, pharmaziegläubigen Mitinsassen und hilfsbereiten Psychiatern wieder, die vor allem eins wissen wollen: Was ist dein Problem?
Dass Mathias keinen Schimmer hat, bildet die Ausgangssituation von Andreas Kecks Debütroman „Schneeblind“, der nun beim Periplaneta-Verlag erschienen ist. Bereits in der ersten Therapiesitzung kommt das Gespräch auf den Vater, der Leser stellt sich daruaf ein, mit dem Protagonisten gemeinsam auf Spurensuche zu gehen … Mitnichten!
Denn was Keck seiner Figur als ersten Satz in den Mund legt – Ich sehe keinen Sinn darin, zu erklären, warum ich hier bin – ist kein Lippenbekenntnis; es stellt die Weichen für einen Roman, der sich nicht damit beschäftigen will, warum jemand vom „Normalen“ zum „Irren“ wird. „Schneeblind“ setzt eher darauf, die Gefühlswelt eines jungen Menschen auszuleuchten, den das Leben unvermittelt von der Gewinnerseite katapultiert hat, mitten in eine Irrenanstalt, und der kraftlos mit seiner Diagnose ringt. Geschickt spielt der Autor mit diversen Vorurteilen im Themenbereich Psychiatrie, indem er dank Mathias‘ Bestreben, sich aus der Gemeinschaft der „Irren“ auszuklammern, dem Leser ermöglicht, in den Beobachtungen des frischgebackenen Patienten eigene Denkmuster zu finden und zu reflektieren – sofern man in der Stimmung ist. Denn die unkonventionell direkte Erzählweise, in der Mathias seine psychiatrische Abstinenz vom Leben wiedergibt, polstert das zu Schwermut neigende Sujet angenehm aus und schafft Freiräume für gedankliche Bonmots und einen humorvollen Unterton – hält den Leser gleichzeitig aber auf Distanz: Gerade zu Anfang fällt es schwer, diesem Mathias Renert sein psychisches Leiden wirklich abzunehmen.

Dass Protagonist und Leser trotzdem emotional aufeinandertreffen, hat denn auch weniger mit der unverblümten Klarheit, in der Mathias seine eigenen Zusammenbrüche seziert, zu tun, als mit dem Auftritt von Anna, einer hübschen, vom Wahnsinn belagerten Patientin, die Mathias in ihren Bann zieht. Die Art und Weise, wie sich die Laufbahnen der beiden zunehmend kreuzen, bis sie schließlich in einer Spirale unbegründeter Zuneigung aufeinander trudeln, ist unheimlich menschlich, weil sie dem rituellen Gehabe der „Normalen“ beim Verlieben keinen Platz einräumt und sich stattdessen auf entrückte Dialoge sowie Annas unvorhersehbares Verhalten verlässt – zu Recht. Speziell diesen Szenen aber auch den übrigen Darstellungen der Insassen ist anzumerken, dass der seit 2002 als Sozialarbeiter tätige Autor über Erfahrung im psychiatrischen Bereich verfügt und diese ohne anzuprangern oder abzuurteilen in seine Roman mit einwebt.
Dass „Schneeblind“ bei so viel Menschlichkeit nicht hundertprozentig überzeugt, ist vor allem seiner unflexiblen Tonlage anzulasten: Wenn zum Beispiel Mathias‘ Schilderungen des ersten Kusses mit den Worten „Aber das klingst schon wieder fürchterlich kitschig“ zwanghaft auf locker-distanziert getrimmt werden, möchte man den Autor schütteln für diese leichtfertig vertane Gelegenheit, wenigstens für einen Moment abzuheben, und dadurch die Fallhöhe seines Protagonisten zu vergrößern. Hier grätscht der an Tommy Jaud gemahnende Erzählton der Wirkung des Buches zwischen die Beine, weil er mit seiner Vehemenz dem nötigen Maß an pointierter Poesie zu wenig Luft lässt.
Und auch das Ende hinterlässt gemischte Gefühle: Während die Seiten zunehmend schwinden, manövriert sich Keck plottechnisch scheinbar in eine Sackgasse mit ebenso voraussehbarem wie unglaubwürdigem Ende. In letzter Sekunde schert der Autor auf den Kurs des Lesers ein und sorgt so zwar für eine Aussöhnung, da man sich darin bestätigt sieht, es schon lange besser gewusst zu haben. Es bleibt aber die Frage, ob darin wirklich der Sinn eines Patientenromans liegt.

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