Andreas Keck Ruhm!

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Inhaltsangabe zu „Ruhm!“ von Andreas Keck

Franz Kappa ist Mitte zwanzig, ungestühm und unersättlich. Der Bohemien studiert an der Münchner Kunstakademie Fotografie und läßt mit seiner schönen Freundin Iana keine Party aus. Bald wird das Duo durch das russische Model Olga ergänzt, das beiden zusehends den Kopf verdreht. Im Gegensatz zu seinem Nachtleben ist Franz Kappas künstlerische Existenz nicht gerade vom Erfolg gekrönt. Seit Jahren versucht er durch auffällige, provokative und irrwitzige Kunstaktionen Aufmerksamkeit zu erlangen. Franz ist durchdrungen von der Idee, berühmt zu werden. Nachdem eine weitere, aufwändige Kunstaktion scheitert und ein erfolgreicher Abschluss seines Studiums immer unwahrscheinlicher wird, trifft er eine folgenschwere Entscheidung. Diese verhilft ihm zu RUHM und Ansehen. Franz Kappa befindet sich auf dem Zenit seines Erfolges. Die Menage à trois zwischen ihm, seiner Freundin Iana und Olga nimmt groteske Formen an. Es ist abzusehen, dass diese Konstellation, kombiniert mit dem glamourösen, exzessiven Leben nicht von Dauer sein kann.

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  • Aufstieg und Fall eines Künstlers

    Ruhm!
    errich

    errich

    13. May 2014 um 13:20

    Aufstieg und Fall eines Künstlers: „Ruhm!“ ist der zweite Roman von Andreas Keck, welcher 2008 bei Periplaneta erschienen ist. Keck erzählt die Geschichte des jungen Künstlers Franz Kappa, eine Art moderner Dandy. Der exzentrisch gekleidete Student ist an der Kunsthochschule München eingeschrieben. Seine provokanten Kunstaktionen stoßen dort allerdings auf Unverständnis und er bleibt zunächst erfolglos, von den Professoren wird er für seine Ideen nur belächelt. Privat umgibt er sich mit den schönen Models Iana und Olga, zusammen feiern sie nächtelang wilde Partys. Die blonde Iana ist konsumorientiert und oberflächlich, die dunkelhaarige Russin Olga hingegen scheint sich ernsthaft für Kappas Kunst zu interessieren. Zwischen den Dreien entwickelt sich schon bald eine ungesunde Dreiecksbeziehung mit immer neuen Kons- tellationen. Als eine weitere Kunstaktion misslingt und Kappa zusehends über seinen Misserfolg frustriert, plant er „etwas Brutales“, eine Aktion, die schockiert und ihn auf einen Schlag berühmt machen soll. Dafür schreckt er auch nicht vor Gewalt zurück. An diesem Punkt gibt es eine Wendung und es vergeht ein unbestimmter Zeitraum, nach welchem man erfährt, dass Kappa plötzlich weltbekannt ist und sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet. Der Leser wird darüber im Unklaren gelassen, wie er das bewerkstelligt hat. „Wer berühmt war, war es. Und wie man berühmt wurde, war nicht bekannt. Berühmtsein war einfach, war klar umrissen und definiert. Aber der Weg dorthin schien nicht mal zu existieren.“ Die Medien reißen sich nun um Kappa und er wird als Star gefeiert. Mit den beiden Models reist er in die verschiedensten Städte. Doch auch der glamouröse Lebensstil, verbunden mit viel Alkoholkonsum, kann ihre absurde Dreiecksbeziehung nicht retten und der Leser beendet den Roman mit der Erkenntnis, dass Ruhm immer nur ein temporärer Zustand sein kann. Keck ist eine authentische Geschichte über einen jungen Künstler gelungen. Seine Hauptfigur ist ein vielschichtiger Charakter, der oft an sich zweifelt und aus diesen Zweifeln neue Erkenntnisse schafft. Er ist nicht geradlinig sondern überrascht mit seinen neuen Aktionen und Ideen. Die von Keck beschriebenen Kunstaktionen sind provokant und oft sehr ironisch dar- gestellt. Interessant ist hier vor allem das Kunstverständnis des Protagonisten, der „eine brutale Schönheit zeigen [will], die niemand sonst sah.“ Dies kann nur gelingen wenn er für sich als Mensch wertlos ist. Da die große Kunstaktion, aus der sich Kappas Ruhm begündet, nicht definiert wird, werden so Leerstellen erschaffen, die Raum für eigene Interpretationen lassen. Obwohl der Roman viele Anspielungen auf andere Künstler, Schönheit, Ästhetik und das Kunstverständnis überhaupt, aufweist, ist er auch für Nicht-Kunstinteressierte lesenswert, da er sprachlich auf den Punkt und temporeich geschrieben ist. Durch den Einschub einiger Rückblenden und die Unberechenbarkeit des Protagonisten wird konstant eine gewisse Span- nung aufrechterhalten. Den Charakteren der Models, allen voran Olga, fehlt es allerdings an Tiefe. Auch der inflatio- näre Gebrauch von Frage- und Ausrufezeichen in den Dialogen und Monologen kann den Figuren nicht mehr Tiefe einhauchen, sodass sie leere, aber wunderschöne Hüllen bleiben, deren Kleidungsstil stets eingehend beschrieben wird. Dass es sich hier um einen Künstlerroman handeln soll, wird auch typografisch durch eingefügte Bilder und der Verwendung anderer Schriftarten sichtbar. Allerdings kann dies nicht mit der inhaltlichen Tiefe mithalten, sodass es beim Lesen stört. Insgesamt ist Keck aber ein Roman gelungen, der den aktuellen Zeitgeist und die Oberflächlichkeit des aufzeigt und die Frage aufwirft, wie es mit der Kunst weitergehen kann, wenn alles schon mal dagewesen ist.

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  • Rezension zu "Ruhm!" von Andreas Keck

    Ruhm!
    FrankDrebin

    FrankDrebin

    29. October 2012 um 14:54

    Wenn du das wüsstest, würdest du nicht mehr hier sitzen. Du würdest mich nicht mehr sehen wollen oder hören wollen oder irgendetwas mit mir zu tun haben wollen. Ich werde nicht darüber sprechen, das garantiere ich dir. Und spätestens damit ist klar, dass es nicht um die Ursache geht, den Grund für all den Ruhm, sondern um seine Folgen und um seine Bedeutung. Für den Künstler, für alle, die ihm nahe stehen; und für uns. Die Betrachter. Andreas Kecks neuer Roman „RUHM!“ kümmert sich nicht darum, was genau Franz Kappa berühmt gemacht hat. In der Mitte des Romans, nachdem man den ambitionierten Kunststudenten über hundert Seiten auf seiner Suche nach Erfolg begleitet hat, klafft eine zeitliche Lücke; dann die Erkenntnis: Franz Kappa ist berühmt, Fernsehsender streiten sich um ihn, seine Kunstaktionen finden internationale Aufmerksamkeit, selbst jene Arbeiten, die während seines Studiums im Atelier verstaubten, werden mit astronomischen Preisen gehandelt. Der „RUHM!“ hat Einzug gehalten in Kappas Leben - und doch liest sich der als Künstler anerkannte Protagonist genau wie sein Pendant aus Studienzeiten. Genau darin liegt Kecks Meisterstreich: Er setzt den gleichen Menschen zwei verschiedenen Testbedingungen aus und dokumentiert das Ergebnis. Dass dieses Experiment gelingt, liegt vor allem an seinem ungewöhnlich plastischen Versuchskaninchen: Beeindruckend leicht ist es, sich in Franz Kappa einzufühlen, wenn er über seinem Mangel an Erfolg schier verzweifelt, nur um sich im nächsten Moment wieder aufzuraffen; wenn er sich abmüht, künstlerischen Antimaterialismus mit seinem Lebensstil zu vereinen oder sich selbst dafür verachtet, nur an schönen Frauen Interesse finden zu können. In diesen Momenten ist Franz Kappa einem am nächsten, weil Keck in ihm erkennen lässt, was wir alle im Grunde sind: Selbst ernannte Individuen im Spannungsfeld zwischen Sorglosigkeit und Profilierungsdrang. Auch in der Liebe ist Kappa zweierlei Kräften ausgesetzt: Auf der einen Seite seine Freundin Iana, Model und scheinbar kulturimmun, auf der anderen ihre beste Freundin und Arbeitskollegin Olga, deren sanfte, poetische Art Franz‘ Bindung an Iana zunehmend zermürbt, bis der Erfolg seine zerstörerischen Kräfte walten lässt. Aber es ist auch die Sprache, die „RUHM!“ zu einem so fließenden Leseereignis macht: Keck folgt seinem Protagonisten mit klaren Worten, überlässt in einsamen Situationen dessen stimmungsgetragenen Gedanken das Wort, um beim ersten Anzeichen eines Dialogs auf neutrale Berichterstattung zurückzufahren. Das lässt Raum für Reflexionen und schafft, zusammen mit seltenen, aber erkenntnisreichen Einblicken in die Köpfe von Iana und Olga, eine gewisse Unabhängigkeit von Kappas wohlwollendem Selbstbild. Denn ist es Kunst, was dieser Franz Kappa macht? Geschickt spielt Keck hier mit der Außenwahrnehmung des Protagonisten, um unser eigenes Bild zu beeinflussen: Wenn etwa Iana beiläufig bemerkt, dass Franz das Konzept des Flash-Mobs quasi erfunden hätte, oder ein renommierter Modefotograf sein Shooting Kappas Ideen unterwirft, dann schafft der Autor über Umwege Respekt für seinen Künstler. Fakt ist jedoch: Die Ideen von Kappa sind unterhalsam, aber wenig innovativ; schon gar nicht bewusstseinserweiternd, wie es der Protagonist von seiner eigenen Kunst erwartet. Diese Erkenntnis verstärkt die ohnehin schon latente Kritik von „RUHM!“ an der als hypegetragen dargestellten Kunstszene. Denn was unterscheidet bei aller Kontinuität den jungen und den etablierten Kappa voneinander? Bereitwillig öffnet man ersterem sein Herz und verstößt ihn mit Anbruch der zweiten Hälfte so instinktiv wieder, dass es gut hundert Seiten braucht, bis das Zünglein an der Waage gefunden ist: die Selbstverständlichkeit, mit der Kappa nun jeden Auswurf seiner Kreativität – mit ausdrücklicher Zustimmung des Publikums – als Kunst deklariert, ohne jemals zu hinterfragen. Ob es das letztlich nicht doch ist, darüber lässt sich mit Sicherheit ergiebig streiten und diskutieren. Was aber außer Frage steht, ist die enorme Weiterentwicklung, die Keck mit seinem zweiten Roman unter Beweis stellt. Im Vergleich zum Debütroman „Schneeblind“ ist „RUHM!“ sprachlich diffiziler, thematisch universeller – und vor allem weniger greifbar: Keck ist auf einem Niveau angekommen, das es verbietet, seinen Roman lediglich zu paraphrasieren. Man muss ihn lesen!

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  • Rezension zu "Ruhm!" von Andreas Keck

    Ruhm!
    Periplaneta

    Periplaneta

    06. June 2011 um 11:24

    Der Münchner Autor Andreas Keck spielt gerne mit den Untiefen der menschlichen Psyche. Sein erstes Werk „Schneeblind“ war ein „Patientenroman“, sein zweites Buch „Ruhm!“ untertitelte er mit „Künstlerroman“. Die ruhmbegierige Hauptfigur Franz Kappa ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Kunststudent. Er hat ein ganz eigenes Weltverständnis und sucht nach passenden Möglichkeiten, dieses der Öffentlichkeit kund zu tun. Darauf richtet er seinen gesamten Lebensstil aus und blendet die allgemeinen gesellschaftlichen und moralischen Normen schlichtweg aus. Die provokanten und abstrakten Kunstaktionen des Franz Kappa stoßen jedoch auf Unverständnis, bis hin zu Ablehnung. Dann soll eine große Aktion alles verändern. „Brutal. Das würde sie sein. Schockierend und gemein. Nicht bloß skandalös. Nein. Sehr viel mehr.“ Danach verläuft sein Leben trotzdem nicht wie erhofft. Ein Künstler lebt von seinen Beobachtungen. Er weiß, dass in der Natur nichts einfarbig ist und niemand frei von finsteren Energien lebt. Entsprechend vielschichtig beschreibt Andreas Keck seine Romanfiguren. Die markantesten sind neben dem exzentrischen Künstler Franz Kappa seine schöne Freundin Iana und deren ebenso betörende beste Freundin Olga. Die Beziehung zwischen den Dreien definiert sich ständig neu zwischen Liebe, Lust, Abhängigkeit und Überdruss. Gleich einem Mobile sind die Konstellationen ständig in Bewegung sowohl zueinander als auch im jeweiligen Verhältnis zu Berühmtheit und Öffentlichkeit. Auch formell wird „Ruhm!“ dem Anspruch an einen Künstlerroman gerecht. Der gesamte Text ist von einzelnen fett gedruckten Begriffen durchzogen. Diverse schwarz-weiß Fotocollagen und handgeschriebene Notizen illustrieren das Wirken der Hauptfigur. Es gibt vier Phasen des Ruhmes und dementsprechend vier Kapitel. Das erste Kapitel, also den langen, beschwerlichen Weg auf das Podest des ersehnten Ruhmes, nimmt über die Hälfte der Seitenanzahl in Anspruch. Es folgen drei weitere kurze Phasen, in denen der Autor Andreas Keck einen unerwarteten Pfad eingeschlägt. Es wird viel gezeigt, aber längst nicht alles erklärt. Aber so soll es ja auch sein in der Kunst. Im Zeitalter von Castingshows und immer jüngeren Superstars mit Depressionen und Drogenproblemen sollte das Publikum dieses massenhafte Streben nach Ruhm ernsthaft hinterfragen. „Ruhm!“ macht eben süchtig.

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