Andreas Keck Schneeblind

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Inhaltsangabe zu „Schneeblind“ von Andreas Keck

„Schneeblind“ erzählt von einem jungen Menschen, der nicht in das Leben eintreten will. Matthias ist vierundzwanzig und wurde gerade in die Psychiatrie eingeliefert. Mit seinen eigenen Worten erzählt er, wie es dazu kam. Der Komik und dem Zynismus seiner Ausführungen ist dabei ein deutliches Maß an Tragik abzufühlen. Und so muss er als vollkommen untypischer Patient seine Nische und seine Rolle finden, mit der er die Zeit in der Klinik überbrücken kann. Im Laufe der Zeit jedoch findet er zusehends Gefallen an der Kuriosität seiner Mitpatienten, ihren schauerlichen oder wunderbaren Lebensgeschichten. Und er verliebt sich in Anna, die eigentlich auch nicht verrückt ist. Anstatt diesem „verrückt sein“ zu entgehen, will Matthias der Welt seinen Stempel aufdrücken. Er droht zu scheitern, aber er leugnet dies und sein Leugnen ist gewaltig. Er begeistert, polarisiert, irritiert und schafft es immer wieder, der gewohnten Realität ein Schnippchen zu schlagen.

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  • Rezension zu "Schneeblind" von Andreas Keck

    Schneeblind
    FrankDrebin

    FrankDrebin

    29. October 2012 um 14:51

    Am Anfang steht die Hoffnung auf eine endogene Ursache. Endogen, das bedeutet von innen heraus wirkend, und wie Ertrinkende klammern sich die Eltern an diesen letzten Strohhalm. Aber es nützt nichts: Ihr Sohn, Mathias Renert, muss wegen seiner Depression in die Psychiatrie. Erst beim zweiten Anlauf fügt sich der 24-jährige Zoologie-Student, mehr aus Lethargie, denn aus Überzeugung und findet sich so zwischen gutwilligen Krankenschwestern, pharmaziegläubigen Mitinsassen und hilfsbereiten Psychiatern wieder, die vor allem eins wissen wollen: Was ist dein Problem? Dass Mathias keinen Schimmer hat, bildet die Ausgangssituation von Andreas Kecks Debütroman „Schneeblind“, der nun beim Periplaneta-Verlag erschienen ist. Bereits in der ersten Therapiesitzung kommt das Gespräch auf den Vater, der Leser stellt sich daruaf ein, mit dem Protagonisten gemeinsam auf Spurensuche zu gehen … Mitnichten! Denn was Keck seiner Figur als ersten Satz in den Mund legt – Ich sehe keinen Sinn darin, zu erklären, warum ich hier bin – ist kein Lippenbekenntnis; es stellt die Weichen für einen Roman, der sich nicht damit beschäftigen will, warum jemand vom „Normalen“ zum „Irren“ wird. „Schneeblind“ setzt eher darauf, die Gefühlswelt eines jungen Menschen auszuleuchten, den das Leben unvermittelt von der Gewinnerseite katapultiert hat, mitten in eine Irrenanstalt, und der kraftlos mit seiner Diagnose ringt. Geschickt spielt der Autor mit diversen Vorurteilen im Themenbereich Psychiatrie, indem er dank Mathias‘ Bestreben, sich aus der Gemeinschaft der „Irren“ auszuklammern, dem Leser ermöglicht, in den Beobachtungen des frischgebackenen Patienten eigene Denkmuster zu finden und zu reflektieren – sofern man in der Stimmung ist. Denn die unkonventionell direkte Erzählweise, in der Mathias seine psychiatrische Abstinenz vom Leben wiedergibt, polstert das zu Schwermut neigende Sujet angenehm aus und schafft Freiräume für gedankliche Bonmots und einen humorvollen Unterton – hält den Leser gleichzeitig aber auf Distanz: Gerade zu Anfang fällt es schwer, diesem Mathias Renert sein psychisches Leiden wirklich abzunehmen. Dass Protagonist und Leser trotzdem emotional aufeinandertreffen, hat denn auch weniger mit der unverblümten Klarheit, in der Mathias seine eigenen Zusammenbrüche seziert, zu tun, als mit dem Auftritt von Anna, einer hübschen, vom Wahnsinn belagerten Patientin, die Mathias in ihren Bann zieht. Die Art und Weise, wie sich die Laufbahnen der beiden zunehmend kreuzen, bis sie schließlich in einer Spirale unbegründeter Zuneigung aufeinander trudeln, ist unheimlich menschlich, weil sie dem rituellen Gehabe der „Normalen“ beim Verlieben keinen Platz einräumt und sich stattdessen auf entrückte Dialoge sowie Annas unvorhersehbares Verhalten verlässt – zu Recht. Speziell diesen Szenen aber auch den übrigen Darstellungen der Insassen ist anzumerken, dass der seit 2002 als Sozialarbeiter tätige Autor über Erfahrung im psychiatrischen Bereich verfügt und diese ohne anzuprangern oder abzuurteilen in seine Roman mit einwebt. Dass „Schneeblind“ bei so viel Menschlichkeit nicht hundertprozentig überzeugt, ist vor allem seiner unflexiblen Tonlage anzulasten: Wenn zum Beispiel Mathias‘ Schilderungen des ersten Kusses mit den Worten „Aber das klingst schon wieder fürchterlich kitschig“ zwanghaft auf locker-distanziert getrimmt werden, möchte man den Autor schütteln für diese leichtfertig vertane Gelegenheit, wenigstens für einen Moment abzuheben, und dadurch die Fallhöhe seines Protagonisten zu vergrößern. Hier grätscht der an Tommy Jaud gemahnende Erzählton der Wirkung des Buches zwischen die Beine, weil er mit seiner Vehemenz dem nötigen Maß an pointierter Poesie zu wenig Luft lässt. Und auch das Ende hinterlässt gemischte Gefühle: Während die Seiten zunehmend schwinden, manövriert sich Keck plottechnisch scheinbar in eine Sackgasse mit ebenso voraussehbarem wie unglaubwürdigem Ende. In letzter Sekunde schert der Autor auf den Kurs des Lesers ein und sorgt so zwar für eine Aussöhnung, da man sich darin bestätigt sieht, es schon lange besser gewusst zu haben. Es bleibt aber die Frage, ob darin wirklich der Sinn eines Patientenromans liegt.

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  • Rezension zu "Schneeblind" von Andreas Keck

    Schneeblind
    Periplaneta

    Periplaneta

    06. June 2011 um 11:27

    Das Titel-Magazin über Schneeblind: "Flug über das Kuckucksnest" Ein junger, von Melancholie geplagter Mann wird in die Psychiatrie eingeliefert. Seine Erlebnisse mit selbstgefälligen Ärzten, kuriosen Patienten und unerwarteter Freundschaft sind Thema des Erstlingswerks von Andreas Keck, in dem erneut die Frage gestellt wird: Was ist normal und was ist verrückt? Von Ingeborg Jaiser Matthias Renert ist 24, sieht nicht schlecht aus, pflegt ein harmonisches Verhältnis zu seinen Eltern und hat ambitioniert ein Zoologie-Studium begonnen. Doch plötzlich, nach dem zweiten Semester, bricht er ohne Grund seine Studien ab und versucht sich antriebs- und erfolglos mit einer Reihe von Jobs und Ausbildungsberufen. Nichts macht ihm mehr richtig Spaß, nichts will ihm gelingen – zuletzt hängt er nur noch apathisch und trübsinnig zu Hause herum, immer öfter von unerklärlichen Weinkrämpfen geschüttelt. Ratlos greifen die Eltern zu Mitteln und Methoden, die ihnen für diesen außergewöhnlichen Zustand angebracht erscheinen: der agile Vater lädt generös zu einer Italien-Reise ein, die für Matthias jedoch zum Desaster wird; die verzweifelte Mutter schleppt in ihrer Not den Sohn gar zu einem exorzismusgläubigen Teufelsaustreiber. Doch Matthias’ Befinden will sich nicht bessern – schlimmer noch: er weiß nicht einmal genau, was ihm fehlt. Mit einem Trick wird er vom Vater in eine psychiatrische Klinik gelockt und prompt in die geschlossene Abteilung überführt. Wiederholt gibt Matthias zu verstehen, dass er gar nicht verrückt ist, dass er erst recht keine Medikamente braucht. Doch behaupten das hier nicht alle? Psychogramm eines Andersdenkenden In der Klinik lernt Matthias die Patientin Anna kennen, deren Souveränität und vornehme Gelassenheit er sofort bewundert. Dass er sich insgeheim in sie verliebt, kann nicht ausbleiben. Eines Tages wagen beide einen ungeplanten Schritt: als Besucherpaar getarnt, spazieren sie einfach durch die Pforte der Klinik hinaus und flanieren durch den Park. Diese überraschende Leichtfüßigkeit gehört gemeinsam mit der einen spontanen Sog entwickelnden Eingangsszene zu den absolut besten Momenten des Buches. Bis zum Schluss des Romans erfährt der Leser keine Details über die Symptome der Krankheit. Doch das gehört zum Konzept: Depression wird hier als Suche nach einer Struktur im Leben dargestellt, als gleichbleibende Frage nach dem Warum und Wieso – nicht als pathologischer Fall. Matthias kennt sein Problem nicht, also kann er auch keine Lösung finden. „Ein Problem ist nie wirklich ein Problem. Ein Problem ist nur die Ausnahme. Die Ausnahme zur Regel. Aber es wird nie Ausnahme genannt.“ Andreas Keck weiß, wovon er schreibt. Auch wenn sein Debüt den Untertitel „Ein Patientenroman“ trägt, kennt der Autor die Psychiatrie hauptsächlich aus einer anderen Warte: Nach Absolvierung der Studiengänge Soziale Arbeit und Philosophie ist er seit 2002 im ambulanten Psychiatriebereich tätig. Mehrere Romanentwürfe hat er in den vergangenen Jahren verfasst, bis er Schneeblind schließlich in einem überaus engagierten jungen Berliner Verlag unterbrachte. Wobei sich periplaneta gar als Mediengruppe mit breiter Produktpalette versteht: neben der klassischen Print-Version ist Schneeblind auch als E-Book im PDF-Format erhältlich, sogar ein Song zum Buch wurde in Auftrag gegeben und inklusive Videoclip mit der Sängerin Kerstin Schrader produziert. Eine Verlagshomepage mit Zusatzinformationen und eine regelmäßige Veranstaltungsreihe mit dem bezeichnenden Titel “Vision und Wahn“ im Berliner Duncker Club ergänzen den Medien- und Marketingmix. Für PR ist also mehr als gesorgt, zumal sich periplaneta das ehrgeizige Ziel auf die Fahnen geschrieben hat, die Welt zu retten. Aber Achtung: nicht zuletzt entsteht Schneeblindheit durch allzu große Lichteinstrahlung!

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