Andreas Kleineberg Germania und die Insel Thule

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Inhaltsangabe zu „Germania und die Insel Thule“ von Andreas Kleineberg

"It is one of the most puzzling riddles of antiquity" galt seit 1952 für die Germanienkarte in der "Geographie" des Klaudios Ptolemaios aus dem zweiten Jh. n. Chr. Unzählige Versuche wurden unternommen, um seinen "Atlas der Oikumene" zu entschlüsseln. Doch was ist daran so rätselhaft? Die Schrift des großen Mathematikers und Geographen enthielt mutmaßlich keine Landkarten, wohl aber mehrere Tausend Städtenamen mit Angabe ihrer geographischen Koordinaten, deren heutige Lage bislang weitgehend nicht enträtselt werden konnte. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Geodäten und Wissenschaftshistorikern ist es einem Forscherteam der TU Berlin gelungen, die Angaben für "Germania Magna" und der sagenhaften Insel Thule zu decodieren. Das Ergebnis ist nichts weniger als revolutionär, weil sich praktisch Hunderte Verortungen erstmals schlüssig klären lassen. Das Weltbild der Antike muss hierdurch mit völlig neuen Augen betrachtet werden!

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  • Rezension zu "Germania und die Insel Thule" von Andreas Kleineberg

    Germania und die Insel Thule

    cicero

    27. January 2011 um 20:21

    Ein Lehrstück für die Interpretation antiker Texte . Mit "Germania und die Insel Thule" hat das Berliner Team von Wissenschaftlern eine grundlegende wissenschaftliche Arbeit vorgelegt, die die von Ptolemaios überlieferten Koordinaten auf moderne Koordinaten umlegt. . Dabei mussten sie berücksichtigen: Die systematische Verschiebung von ganzen Ortsgruppen, weil der Ort, an dem sich die Koordinaten der anderen Orte orientieren, falsch bestimmt wurde. - Abschreibefehler über die Jahrhunderte. - Übertragungsfehler von germanischen Ortsnamen ins Lateinische, und von dort ins Griechische. - Art und Qualität der Quellen, aus denen Ptolemaios seine Kenntnisse schöpfte. - Antikes Messwesen und typische Messfehler. - Typische Irrtümer, denen Ptolemaios bei Schlussfolgerungen unterlegen sein könnte. - Entlarvung fälschlicher Benennungen von Orten in der Neuzeit nach verfehlten Lokalisierungen der Orte nach Ptolemaios. - Archäologische Kenntnisse über Orte und Wege in Germanien. - usw. usf. . Kurz: Für überlieferte Ortsangaben, die hinten und vorne nicht zur Wirklichkeit zu passen scheinen, die oft nach purer Phantasie aussehen, mussten die Autoren eine komplexe Abbildung auf die wirkliche Welt entwickeln, die jeden Ort im hier und jetzt lokalisierte und gut begründete, warum dieser Ort gemeint war. Wer nach Atlantis suchen wollte stünde vor keinen anderen Problemen und hätte keine andere Aufgabe zu lösen als eben diese. . Das Buch skizziert den angewendeten Algorithmus, führt ihn jedoch nicht bis ins letzte Detail aus, was schade ist. Es wird deutlich, dass am Ende doch keine rein algorithmische Mechanik angewandt wurde, sondern auch sehr viel gesunder Menschenverstand eingeflossen sein muss, um die einzelnen Orte zu lokalisieren. Dieses Vorgehen hätte präziser dargestellt sein können. Bei der Identifizierung der Insel Thule hätte man deutlicher machen sollen, dass kaum eine einzelne kleine Insel gemeint sein konnte, sondern nur Skandinavien als Ganzes. Die Aufschlüsselung und Interpretation der Quellen zu Thule ist aber ebenfalls überzeugend gelungen. . Fazit: . Das Buch ist bedeutend unter zwei Gesichtspunkten: Zum einen ist es ein Lehrstück über die Interpretation antiker Texte; in diesem Fall besonders reizvoll, da auch die Mathematik mit hineinspielt. Zum anderen lässt sich vermuten, dass die sichere Lokalisierung so vieler Orte im germanischem Raum die römisch-germanische Archäologie revolutionieren wird.

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  • Rezension zu "Germania und die Insel Thule" von Andreas Kleineberg

    Germania und die Insel Thule

    wolfschwerdt

    19. October 2010 um 20:21

    Mit der Entschlüsselung von Ptolemaios „Atlas der Oikumene“ hat ein Berliner Forscherteam unter anderem zahlreiche Orte des rechtsrheinischen Germanien der beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderte zuverlässig lokalisieren können. Noch 1892 war die Darstellung von Germania Magna des Ptolemaios für die Wissenschaftler „ein verzaubertes Schloss der Forschung“, wie der klassische Philologe Karl Zangemeister (1837 – 1902) formulierte. Die drei von Zangemeister in diesem Zusammenhang angesprochenen Fragestellungen – Textüberlieferung, die Quellen des Ptolemaios und seine Verfahrensweise zur Ermittlung der geographischen Koordinaten - galten zu recht seit diesem Zeitpunkt als Schlüssel zum Verständnis des „Atlas der Oikumene“. Und obwohl an diesen Fragen seit mehr als 100 Jahren intensiv geforscht wurde, gelang es erst dem Forscherteam der Technischen Universität Berlin (TUB), die vermeintlichen Rätsel der Weltkarte des Ptolemaios zu entschlüsseln. Mit viel Mathematik aber auch mit Quellenstudium und Literaturkritik haben sich der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TUB, Andreas Kleineberg, Christian Marx, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, Prof. Eberhard Knobloch, seit 2006 Präsident der European Society for the History of Sciences und Dieter Lelgemann, emeritierter Professor für astronomische und physikalische Geodäsie an der TUB, über das Problem hergemacht. Und die nun im Buch „Germania und die Insel Thule“ präsentierten Ergebnisse der interdisziplinären Forschungsbemühungen bieten der archäologischen und historischen Forschung ganz neue Perspektiven. Denn tatsächlich können nun auch viele römisch-kaiserzeitliche Orte in den scheinbar wilden und unbekannten Gefilden Germaniens lokalisiert werden, die bislang teilweise als Phantasieprodukte antiker Kartografen gelten konnten. . . . http://history.mediaquell.com/2010/10/19/germania-und-die-insel-thule-rezension-3422/

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