Durch Zufall ist mir der Roman in einem Bücherschrank in die Hände gefallen. Gekauft hätte ich ihn vermutlich nicht, da mich der Klappentext eigentlich gar nicht anspricht. Dass der Pfarrer in üble Machenschaften verstrickt ist, wird zwar angedeutet, aber welches Ausmaß den Leser erwartet, gibt der Klappentext nicht annähernd wieder.
Bereits den ersten Absatz musste ich zweimal Lesen, um mich zu vergewissern, ob ich auch das richtige Buch in den Händen halte. "Der gute Mensch von Düsteroda" erzählt die Geschichte eines Pfarrers, wohlgemerkt aus der Feder eines Pfarrers, welcher in einem kleinen Dorf im Thüringer Wald seine Schäfchen hütet und auf unkonventionelle Art und Weise den Dorffrieden bewahrt. Was einem allerdings bereits im ersten Absatz an derber Sprache und verworfener Moral entgegenschlägt, entspricht so gar nicht den Erwartungen, die der Klappentext aufgeworfen hat. Und trotz dessen, oder gerade deswegen hat er mich als Leserin direkt in seinen Bann gezogen, weil alles anfänglich so gar nicht zum Setting des Romans zu passen scheint.
Der Kriminalfall um den Dorfbewohner Günter Blech, die ungeahnt tiefen Abgründe des Pfarrers und die Dinge, die sich im Dorf hinter verschlossenen Türen abspielen, halten den Spannungsbogen hoch. Die Figuren sind gut charakterisiert. Sei es nun die blinde Nachbarin Betty, oder der Kommissar Brückner, der im Rahmen der Ermittlungen als Geistlicher eingeschleust wird.
Ein wunderbar erfrischendes Buch. Der Autor spielt mit der Ausdrucksweise des Pfarrers und schafft es immer wieder, den Leser zu überraschen. Die Institution Kirche wird dann und wann kräftig auf die Schippe genommen und doch wird klar, dass dieses kleine Dorf im Thüringer Wald viel mehr ist, als eine Gemeinde gläubiger Menschen.
Die nicht vorauszuahnende Handlung erlaubt ein spannendes Lesevergnügen bis zum Schluss. Sehr empfehlenswert!






