Andreas Kollender Von allen guten Geistern

(18)

Lovelybooks Bewertung

  • 12 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 3 Leser
  • 13 Rezensionen
(15)
(2)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender

Im Sommer 1864 verkaufte ein Mann Zwangsjacken. Es war heiß auf dem Marktplatz am Heiligengeistfeld vor den Toren Hamburgs. Die Menschen bestaunten seine seltsame Ware. Der Mann kam aus der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg. Er war kein Patient. Er war der Leiter. Am Abend des Tages lachte der Mann Fanny Nielsen an und sagte, es sei keine einzige Jacke übrig geblieben. Nicht eine. Er habe den Zwang verkauft. Fanny Nielsen, einer Schauspielerin, gefiel diese Formulierung. Sie legte dem Mann eine Hand auf den Unterarm. Bald darauf kam es zu einem Unglück.

Andreas Kollender hat sich beim Schreiben von dem historischen Ludwig Meyer inspirieren lassen, einem kämpfe­rischen Psychiater, der seiner Zeit weit voraus war. Meyer, der die Wirren der 1848er-Revolution miterlebt hat, lehnte jegliche Form der Unterdrückung ab und wollte die Welt nicht nur für seine Patienten besser machen. Kollender hat einen brillanten Roman über einen humanen Reformer und dessen Leidenschaft für die freiheitsliebende Fanny geschrieben.

Es gibt keinen großen Geist ohne einen Schuss Verrücktheit - Aristoteles

— Mauela

Sehr interessanter Roman über das Thema Psychiatrie

— Vampir989

Psychiatrie im 19. Jahrhundert

— Caro_Lesemaus

Ein sehr interessantes Buch, wo man eine spannende Zeitreise erlebt.

— Ginger0303

Ein bewegendes Stück Lebensgeschichte, hervorragend erzählt, mit langem Nachwirken.

— Ro_Ke

spannend und nachdenklich, tolle Geschichte, super geschrieben

— Kaffeetasse

Eindrucksvoller Blick in die historische Psychiatrie

— Sylwester

Roman über den Psychiater Ludwig Meyer, der Behandlung seelisch kranker Menschen revolutiniert hat und Vorreiter der modernen Psychiatrie wa

— makama

Ein großartiges Buch - das den grausamen Umgang mit psychisch Kranken im 19.Jhdt thematisiert

— Stefanie_Gregg

Stöbern in Romane

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Poetische 190 Seiten

Frau-Aragorn

Hochdeutschland

Amüsante Gedankenspielerei

Lilith79

Beim Morden bitte langsam vorgehen

Makaber, unterhaltsam und wie man (Mann) die Ehe nicht gestalten sollte.......

OmaInge

Eine bessere Zeit

Wenn man mal einen besonderen Roman lesen will...

Wedma

Drei aus dem Ruder

Wunderbar

Muschel

Patria

Wohin kann es führen, wenn Patriotismus und politischer Fanatismus stärker sind als Freundschaft und Menschlichkeit?

meppe76

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Von allen guten Geistern

    Von allen guten Geistern

    Mauela

    02. September 2017 um 15:46

    Aristoteles hat einmal gesagt: „Es gibt kein großes Genie  ohne einen Schuss Verrücktheit.“  Dieses Zitat ist mir in den Sinn gekommen, als ich den ungewöhnlichen Roman „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender gelesen habe. Der Roman handelt vom Psychiater Ludwig Meyer, der als Kind miterleben musste, dass psychisch gestörte Menschen wie zum Beispiel seine Mutter nicht tragbar für die Gesellschaft sind und weg geschlossen werden anstatt dass ihnen geholfen oder sie therapiert werden. Friedrich lässt das Erlebte nicht los und er versucht als erwachsener Mann und Psychiater die Unterbringung der psychisch Kranken, ihre Versorgung und ihr bis dato menschenunwürdiges Leben in den Anstalten zu verändern und zu verbessern. Dabei stößt er in einer Zeit, in der psychisch kranke Menschen gesellschaftlich geächtet werden und lieber weg geschlossen als therapiert werden auf große Widerstände. Und auch  von einigen seiner Arztkollegen, die die Kunst der psychiatrischen Behandlung eher als Hexenwerk und unseriöse Wissenschaft beurteilen, bläst Ludwig ein kalter Gegenwind ins Gesicht. Der Roman hat mich fasziniert. Einerseits ist die Geschichte an den historischen Psychiater Ludwig Meyer und seine Reformversuche angelehnt, zum anderen bietet er tiefe Einblicke in das Psychiatriewesen und die mitunter menschenunwürdige Behandlung der psychisch kranken Menschen bis ins späte 19. Jahrhundert. Die Protagonisten, allen voran Meyer sind gut ausgearbeitet und ihre Handlungen sind nachvollziehbar und schlüssig. Besonders gut hat mir gefallen, dass der Autor tatsächlich Meyer in seiner Genialität und Weitsicht auch etwas verrückt und manchmal sogar leicht psychisch gestört erscheinen lässt. Und auch sprachlich ist der Roman wunderbar zu lesen. Klare Worte, schnörkellos, direkt, aber doch eben sehr gut ausformuliert. Das hat das Lesen für mich zum Genuss gemacht. Der Roman ist sicherlich keine einfache Kost und auch nicht geeignet um ihn zur reinen Unterhaltung einfach so nebenbei zu lesen. Trotzdem,  das Buch hat mich begeistert. Darum gibt es von mir eine Leseempfehlung für alle die Leser, die anspruchsvolle, interessante und auch durchaus informative Romane zu schätzen wissen und sich nicht scheuen sich mit einem eher unpopulären Thema, zumindest im Roman, auseinander zu setzten.

    Mehr
  • Aehr interessanter Roman über das Thema Psychiatrie

    Von allen guten Geistern

    Vampir989

    31. August 2017 um 20:26

    Klapptext:Im Sommer 1864 verkaufte ein Mann Zwangsjacken. Es war heiß auf dem Marktplatz am Heiligengeistfeld vor den Toren Hamburgs. Die Menschen bestaunten seine seltsame Ware. Der Mann kam aus der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg. Er war kein Patient. Er war der Leiter. Am Abend des Tages lachte der Mann Fanny Nielsen an und sagte, es sei keine einzige Jacke übrig geblieben. Nicht eine. Er habe den Zwang verkauft. Fanny Nielsen, einer Schauspielerin, gefiel diese Formulierung. Sie legte dem Mann eine Hand auf den Unterarm. Bald darauf kam es zu einem Unglück. *** Andreas Kollender hat sich beim Schreiben von dem historischen Ludwig Meyer inspirieren lassen, einem kämpfe­rischen Psychiater, der seiner Zeit weit voraus war. Meyer, der die Wirren der 1848er-Revolution miterlebt hat, lehnte jegliche Form der Unterdrückung ab und wollte die Welt nicht nur für seine Patienten besser machen. Kollender hat einen brillanten Roman über einen humanen Reformer und dessen Leidenschaft für die freiheitsliebende Fanny geschrieben.Der Autor verführt uns in das 19.Jahrhundert.Der Autor Andreas Kollender erzählt uns die Lebensgeschichte des Psychiators Ludwig Meyer.Das Buch hat mich sofort in den Bann gezogen.Der Schreibstil ist leicht und flüssig.Die Seiten flogen nur so dahin.Einmal angefangen mit Lesen konnte ich das Buch kaum aus den Händen legen.Die Protoganisten wurden sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir klar und deutlich vorstellen.Es gab viele unterschiedliche Charaktere die sehr gut heraus gearbeitet wurden.Besonders interessant fand ich Ludwig Meyer.Aber auch Fanny fand ich sehr bemerkenswert.Mit sehr viel Interesse habe ich den Lebensweg von Ludwig Meyer verfolgt.Es hat mich beeindruckt wie er versucht das Krankenheitswesen audf dem Gebiet der Psychiatrie zu reformieren und zu verändern.Dabei stößt er auf großen Widerstand und gerät selbst an seine Grenzen.Durch die spannende und fesselnde Erzählweise des Autors wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.Ich habe mit gelitten,mit gefühlt und mit gebangt.Das hat mir sehr gut gefallen.Durch die guten Recherchen des Autors erfährt man sehr viel über das Thema Psychatrie und ihren vielen Vorurteilen.Auch hat es mich teilweise schockiert zu erfahren wie früher die Menschen in psychiatrischen Anstalten behandelt worden sind.Der Autor schafft es die Spannung bis zum Schluss extrem hoch zu halten.So wird es nie langweilg und bleibt immer interessant.Das Buch hat mich einfach gefesselt und ich hatte sehr informative Lesemomente.Für Leseliebhaber die sich für das Thema Psychatrie interessieren,ist diese Lektüre sehr empfehlenswert.

    Mehr
  • Dem Menschen in den Kopf zu schauen...

    Von allen guten Geistern

    emma_vandertheque

    24. August 2017 um 22:45

    ~ 1830. Ludwig muss als Heranwachsender miterleben, wie seine Mutter depressive Schübe erleidet und schließlich von seinem Vater in die Irrenanstalt gebracht wird. In einer Zeit, in der man alles, was aus der Norm zu fallen scheint, kategorisch wegsperrt und sich selbst überlässt, wird auch seine Mutter in die tiefen Keller der Anstalt verbannt. Sie wird das Tageslicht nicht wieder zu Gesicht bekommen und nimmt sich nach wenigen Wochen das Leben. Ludwig, der sich von einem ihm zugeneigten Mitarbeiter in den Keller schleusen lässt, wird von dem dort Gesehenen und erlebten so traumatisiert, dass er fortan sein Leben und Schaffen ganz der Erforschung und Erprobung von Nervenkrankheiten verschreibt – einem Gebiet, das bis dato ähnlichen Ruf wie Wahrsagerei genießt. Er rennt Wände und Mauern ein, macht sich Feinde und nur selben Freunde und begründet die erste Nerven- und Heilanstalt Deutschlands.Auch wenn die Geschichte interessant ist, hatte ich so meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Die Geschichte wollte nicht recht an mich gehen, das Geschehen lies mich recht kalt. Nach einer Längeren Lesepause habe ich schließlich die letzten hundert Seiten in Angriff genommen, und muss sagen, dass sie mich tatsächlich mit der Geschichte versöhnt haben! Ludwig wird nahbarer, „menschlicher“ und wirkt nicht mehr so verbissen konstruiert, wie in der ersten Hälfte, in der er als unerbittlicher Workaholic mit einer Mission dargestellt wird und dabei so unglaublich bieder wirkt, dass man gar nicht recht glauben mag, dass dieser Mensch tatsächlich in der Lage ist, neue Wege zu beschreiten.

    Mehr
  • Ludwig Meyer und sein Wunsch, die Psychiatrie zu revolutionieren

    Von allen guten Geistern

    Caro_Lesemaus

    15. August 2017 um 20:55

    Ludwig Meyer wächst im Hamburg des 19. Jahrhunderts zusammen mit seiner Schwester Julia auf. Schon früh müssen die Kinder erfahren, welche Einschnitte psychische Erkrankungen im Alltag bedeuten. Ihre Mutter ist an einer Depression erkrankt. Ihr Mann versteckt sie, da es gesellschaftlich verpönt ist. Als die Mutter irgendwann versucht, Suizid zu begehen, bringt ihr verzweifelter Ehemann sie in eine Irrenanstalt. Die Eindrücke aus der dortigen Anstalt und das Schicksal seiner Mutter bestärken Ludwig später, Medizin zu studieren und Psychiater zu werden - eine Profession, die es so in der Medizin noch gar nicht gibt. Irgendwann wird er selbst von Geistern heimgesucht...Andreas Kollenders Buch stützt sich auf die Biografie Ludwig Meyers und ist gut recherchiert. Mit wunderbarer Sprache beschreibt er seine Figuren. Ich konnte mich sehr gut in Ludwig, aber auch in Ludwigs große Liebe Fanny und seine Schwester Julia einfühlen. Auch die Patienten/-innen und ihre Besonderheiten, vor allem natürlich Ludwigs Wahrnehmung derselben, werden gut dargestellt. Ludwig, oder besser "Lu", möchte den Zwang verkaufen. Er gewährt seinen Patienten große Freiheiten, was natürlich in der damaligen Zeit nicht auf viel Gegenliebe stößt. Seine Wünsche und Vorstellungen, aber auch seine persönliche Entwicklung sind durch die gut ausgearbeitete Biografie vollständig nachvollziehbar. Dennoch bleibt es ein Roman, keine biografischer Abriss. Mir hat das sehr gut gefallen. Es gibt Stellen, an denen man sich förmlich gruselt, Stellen, an denen man traurig wird und Stellen, an denen man herzlich lachen muss. Eine wirklich ausgewogene Mischung in diesem Roman. Fazit:Ich kann eine klare Leseempfehlung geben, wenn man sich ein bißchen für Psychiatrie interessiert. Das menschliche Gehirn ist wirklich ein wundersames Ding. Zusammen mit "Lu" und Andreas Kollender kann man versuchen, es zu ergründen. Mir hat die Reise sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mit Lu mitgefiebert, für ihn gehofft und auf ihn geschimpft. Dieser Roman betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei oder beschönigt, so wie das Leben eben auch nicht nur schwarz und weiß oder immer schön ist. Vielen Dank für dieses tolle Buch!

    Mehr
  • "Von allen guten Geistern" von Andreas Kollender

    Von allen guten Geistern

    Ginger0303

    12. August 2017 um 12:47

    Inahlt: Im Sommer 1864 verkaufte ein Mann Zwangsjacken. Es war heiß auf dem Marktplatz am Heiligengeistfeld vor den Toren Hamburgs. Die Menschen bestaunten seine seltsame Ware. Der Mann kam aus der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg. Er war kein Patient. Er war der Leiter. Am Abend des Tages lachte der Mann Fanny Nielsen an und sagte, es sei keine einzige Jacke übrig geblieben. Nicht eine. Er habe den Zwang verkauft. Fanny Nielsen, einer Schauspielerin, gefiel diese Formulierung. Sie legte dem Mann eine Hand auf den Unterarm. Bald darauf kam es zu einem Unglück. Andreas Kollender hat sich beim Schreiben von dem historischen Ludwig Meyer inspirieren lassen, einem kämpfe­rischen Psychiater, der seiner Zeit weit voraus war. Meyer, der die Wirren der 1848er-Revolution miterlebt hat, lehnte jegliche Form der Unterdrückung ab und wollte die Welt nicht nur für seine Patienten besser machen. Kollender hat einen brillanten Roman über einen humanen Reformer und dessen Leidenschaft für die freiheitsliebende Fanny geschrieben.Meine Meinung: Das Buch hat mich schon nach den ersten paar Seiten gefesselt. Man erlebt mit Ludwig direkt eine Zeitreise. Man beginnt zu verstehen wie schrecklich die Menschen früher mit Geisteskranken umgingen. Die Charaktere fand ich sehr lebendig. Jeder Einzelne war auf seine Art und Weiße besonders. Auch ein Grund warum ich dieses Buch so mochte war der tolle Schreibstil des Autors.Fazit: Ein sehr interessantes Buch, wo man eine spannende Zeitreise erlebt.

    Mehr
  • Geschichte eines Visionärs

    Von allen guten Geistern

    Queenelyza

    08. August 2017 um 18:09

    „Von allen guten Geistern“ schildert die Geschichte von Ludwig Meyer, der als Kind in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal eine psychisch kranke Frau erlebt; seine eigene Mutter. Sie wird wegen Melancholie, Schwermütigkeit nach einem Suizidversuch in eine Klinik für Irre eingewiesen, in der sie sich nach kurzer Zeit aufgrund der dort herrschenden unzumutbaren Umstände das Leben nimmt. Bereits während der Krankheit der Mutter wünscht sich der empathische Junge, „in sie hineingucken zu können“. Da er die Mutter im Krankenhaus nicht besuchen darf, schleicht er sich mit Hilfe des Apothekers Reinhardt als Frau verkleidet in die geschlossene Station – und erlebt dort die Hölle. Unwürdiger als Tiere hausen dort die Kranken, halbnackt, verdreckt, verwahrlost, vergessen… Ludwig beschließt, Medizin zu studieren, denn an solchen Zuständen muss man doch etwas ändern! Nach seinem Studium entdeckt er den englischen Arzt John Conolly, der nach der sogenannten No Restraint Methode arbeitet, kann dessen Anstalt in London besichtigen, in der die Insassen nicht eingesperrt und nicht gefesselt sind. Keine Unterdrückung mehr, das schwebt ihm als Konzept auch in Deutschland vor. Zurück in heimischen Gefilden wirft er sich mit Verve, Energie und Ehrgeiz in die Arbeit an diesem neuen Konzept. Bald ist er hin- und hergerissen zwischen seinen beruflichen Plänen und der betörenden Schauspielerin Fanny, die ihn anzieht, aber auch irritiert… Inspiriert von der wahren Persönlichkeit des Ludwig Meyer legt der Autor Andreas Kollender ein gut beobachtetes, clever durchdachtes, pointiertes Werk vor, das in seiner Wucht und Kraft eine beeindruckende Metapher zu Ludwigs Tatendrang und Ehrgeiz darstellt. Der Mensch, der seinen Patienten den Wahn so angenehm wie möglich machen möchte, zeigt in seiner Arbeit, seinem Forschen selbst oft wahnhafte, fast zwanghafte Züge, und sein Aufstieg geschieht nur langsam, für ihn viel zu langsam. Wie Ludwig langsam und allmählich den Weg bereitet für einen humaneren Umgang mit psychisch Kranken – so verkauft er, als er endlich seine eigene Klinik hat, sämtliche dort gelagerte Zwangsjacken – ist spannend, bedrückend, aber auch humorvoll zu lesen. Besonders gut gefallen haben mir die Unterhaltungen zwischen ihm und dem Anstaltsinsassen Boysen, aber auch in seinen Begegnungen mit Frau Wilke lässt sich gut erkennen, dass der Grat zwischen Wahnsinn und „Normalität“ manchmal mit bloßem Auge gar nicht so genau zu erkennen ist. Dieses Buch bietet viele kluge Zitate, die auch heute noch, auch wenn wir schon viel weiter sind in der Behandlung von psychischen Störungen, hochaktuell sind. So schrecklich die Beschreibungen der damaligen Verwahrungen sind (und leider nur allzu wahr, da ist nichts erfunden), so sehr gehen einem die Bemühungen Ludwigs, die Kranken als Menschen zu sehen, ans Herz. Hier skizziert der Autor feinfühlig und gekonnt die Begegnungen, sodass sich dem Leser so manches Mal die Frage aufdrängt, wer denn nun bitte hier eigentlich wirklich der Verrückte ist…haben wir denn nicht alle irgendwie unsere Befindlichkeiten, Macken und Meisen – oder wie Loriot es einmal ausgedrückt hat, liebenswerte Angewohnheiten? Gehört so etwas nicht in gewisser Hinsicht auch zur Individualität, sofern man niemand anderem oder sich selbst damit schadet? Die Beziehung zu seiner angebeteten Fanny ist auch keine typische Liebesgeschichte, schon gar nicht in der damaligen Zeit. Beide sind auf ihre Art Freigeister, anderen Dingen neben dem Partner ebenfalls verfallen und so recht nicht zu haben, was einen von beiden mehr, den anderen weniger stört: Auf Konventionen jedenfalls pfeifen beide, was sie wahrscheinlich auch so aneinander fesselt. Ich liebe es außerdem, wie der Autor über Fanny schreibt. Er schreibt nie viel über ihr Aussehen, aber die wenigen Worte und Beschreibungen schaffen es besser, ein Bild der Person im Leser heraufzubeschwören als der umfangreichste Steckbrief. Es ist ganz große Kunst, mit so wenigen Worten Bilder entstehen zu lassen – Andreas Kollender schafft es nicht nur bei Fanny, sondern auch bei Julia, Ludwigs Schwester, bei sehr vielen Patientinnen und auch bei der nur einmal auftauchenden Person des John  Conolly. Die Fantasie springt an, gerade weil nicht alles bis ins Detail ausformuliert und beschrieben ist. Ein gelungenes Buch über eine spannende, aber zerrissene Persönlichkeit - einen Mann, der seiner Zeit weit voraus war und dann doch wieder von ihr eingeholt wurde.

    Mehr
  • Der Vorreiter der modernen Psychiatrie

    Von allen guten Geistern

    camilla1303

    03. August 2017 um 18:32

    Das Buch „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender ist 2017 im Pendragon Verlag erschienen und beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken des Psychiaters Ludwig Meyer. Meyer war Arzt und Gründer der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg in Hamburg. Der Roman beginnt mit einer historisch belegten Gegebenheit: im Jahr 1864 werden auf einem Markt in Hamburg Zwangsjacken verkauft. Der junge Ludwig Meyer erlebt, wie seine eigene Mutter psychisch erkrankt und infolge dessen in einer Irrenanstalt untergebracht wird. In seinen Erzählungen und mit unverblümter Sprache nimmt uns der Autor Andreas Kollender, oder vielleicht auch Lu selbt, mit in die Irrenanstalt und beschreibt die Gegebenheiten im 19. Jahrhundert, als psychisch Kranke weggesperrt wurden und entmenschlicht, fast schon wie Vieh behandelt, im Keller eingesperrt. Kurz nach Lus heimlichen Besuch stirbt seine Mutter, nachdem sie sich mit den eigenen Fingernägeln die Pulsadern öffnet. Die unsagbaren Zustände haben Ludwig nicht mehr losgelassen und so beschließt er Psychologie zu studieren, um die Psychiatrie auf den Kopf zu stellen. Mit zunehmenden Erfolg wird Ludwig größenwahnsinnig, er ist besessen von seiner Idee eine eigene Anstalt mit freundlichen Räumen zu haben. Neben den Zwangsjacken und anderen Zwangsmaßnahmen verbannt er auch sein Privatleben aus der Anstalt. Eine aufkeimende Liebe scheitert und dann droht auch noch Ludwigs Idee zu scheitern. Das Buch hat mich an vielen Stellen zum Nachdenken gebracht: über den Stellenwert von psychischen Krankheiten und psychiatrischen Zustandsbildern in der heutigen Gesellschaft. Über meinen eigenen Umgang mit den Betroffenen und über die „Irrenanstalten“ unserer Zeit. Dank Pionieren, wie Ludwig Meyer, ist schon viel erreicht, aber es gibt auch weiterhin etwas zu tun. Auch heute müssen noch einige Leute ihren Umgang mit psychisch erkrankten Menschen überdenken. Auch heute müssen noch einige Ärzte und Pflegepersonen die Patienten als einzelne Menschen ansehen. Andreas Kollenders Buch zu lesen wäre definitiv ein Anfang zum Umdenken. Meine vollste Leseempfehlung, für dieses aufrüttelnde Buch.

    Mehr
  • Leserunde zu "Von allen guten Geistern" von Andreas Kollender

    Von allen guten Geistern

    Palmenstrand

    Liebe Literaturbegeisterte!   Mein neuer Roman „Von allen guten Geistern“ ist im Pendragon Verlag erschienen. Jetzt wollen wir gerne eine Leserunden starten und euch herzlich dazu einladen. „Von allen guten Geistern“ lehnt sich an das Leben des Arztes Ludwig Meyer an, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Reformer das Krankenhauswesen in Hamburg aufmischte. 1864 gründete Meyer die Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg im Hamburger Vorland. Friedrichsberg war die erste moderne Heilanstalt, in der mit geisteskranken Menschen human umgegangen wurde. Meyer „befreite“ seine Patienten. Und das war vielen seiner Zeitgenossen ein Dorn im Auge. Der Roman erzählt, wie Meyer dazu kam, als einer der Ersten Psychologie zu studieren – seine Mutter wurde wegen schwerer Depressionen eingewiesen und hatte sich in den von Irren wimmelnden, verdreckten Kellern des Krankenhauses in Hamburg St. Georg das Leben genommen. Darüber möchte ich hier aber auch nicht zu viel verraten. Meyer jedenfalls zieht los, traumatisiert und eingeschüchtert, aber er beißt sich durch das Studium – trotz aller teils gewaltsamer Anfechtungen. Er nimmt auch an der 1848er Revolution in Deutschland teil – er ist ein Mann der Freiheit. Sein Weg ist lang und steinig, nach vielen Jahren aber kehrt er nach Hamburg zurück und erkämpft sich eine Stelle im Krankenhaus St. Georg. Sofort beginnt er, Pläne für eine neue Anstalt zu schmieden: Friedrichsberg. Es gelingt – aber seinen bürgerlichen Feinden ist jedes Mittel recht, ihn zu Fall zu bringen… „Von allen guten Geister“ ist, ähnlich wie der Vorgängerroman „Kolbe“, auch eine große Liebesgeschichte, die ebenfalls viel mit der Freiheitsliebe der Beteiligten Ludwig Meyer und Fanny Nielsen zu tun hat. Und neben Fanny gibt es in Friedrichsberg einen Patienten, den tobsüchtigen Willi Boysen, der Meyer sehr zu schaffen macht, weil er in diesem schier haltlosen Mann sein Alter Ego erkennen muss. So spitzen sich die Dinge in der Anstalt immer weiter zu, bis es zur Katastrophe kommt. Meyer flieht. Über ein Jahrzehnt später kehrt er nach Hamburg zurück – an dieser Stelle beginnt der Roman. Es gibt viele offene Rechnungen… Wir verlosen 15 Exemplare. Um an der Verlosung teilzunehmen, beantwortet einfach kurz folgende Frage: Warum möchtet ihr gerne an der Leserunde teilnehmen/was interessiert euch an dem Roman besonders? Die Bewerbungsfrist endet am 02.07.2017 und danach losen wir bei mehr als 15 BewerberInnen aus.   Ich freue mich auf eine spannende Leserunde! Andreas Kollender

    Mehr
    • 281
  • spannend und nachdenklich, tolle Geschichte, super geschrieben

    Von allen guten Geistern

    Kaffeetasse

    28. July 2017 um 21:41

    Ohne Querdenker, Revolutionäre  und Pioniere hätten wir nicht all das erreicht, was unser heutiges Leben ausmacht. Angelehnt an den Psychiater Ludwid Meyer hat Andreas Kollender hier einen Roman erschaffen, der bei mir noch lange nachwirkt und mich überzeugt hat, wie kaum ein anderes Buch. Ludwig Meyer erlebt leider, wie seine Mutter psychisch erkrankt und in eine "Irrenanstalt" gebracht wird. Heimlich schleicht er sich in die Anstalt, um sie zu sehen und die dortigen Zustände lassen den kleinen Jungen nicht mehr los. Er entschließt sich Psychologie zu studieren und die herrschenden Zustände zu verändern. Keine versifften Keller, sondern freundliche Räume, mehr Freiheiten, keine Zwangsjacken, Gespräche und Freizeitgestaltung. Doch leider ist die Psychologie in seiner Zeit nicht sonderlich angesehen, die "Irren" werden einfach weggesperrt und gut. Und so hat es auch Ludwig nicht leicht seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dabei verliert er sein Leben und sich selbst manches Mal aus den Augen, er lebt für seinen Plan, eine eigene Anstalt. Ob er das alles schafft, welchen Widrigkeiten er ausgesetzt ist und wie es Ludwig ergeht, das musst du aber selber lesen ;-)Ludwig ist phasenweise größenwahnsinnig, er ist besessen von seiner Idee, er lebt für die Arbeit. Dabei bleibt sein Privatleben etwas auf der Strecke und so hat er auch so seine Schwierigkeiten mit Fanny, einer freiheitsliebenden Schauspielerin, für die sein Herz schlägt. Das klingt vielleicht komisch und wenig sympathisch, aber Ludwig wächst einem im Verlaufe des Buches fast schon ans Herz. Diese Revoulitonäre müssen vielleicht selbst auch ein bisschen verrückt sein. Von anfang an verfolgt man Ludwigs Leben und seine Entwicklung, ich habe immer mitgefiebert und wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Es war einfach so spannend, manchmal auch etwas gruselig und bedrückend, wenn man bedenkt, dass die beschriebenen Zustände in den Anstalten der Realität entsprachen. Der Schreibstil von Andreas Kollender ist flüssig und geradeheraus. Es gibt keine blumigen Umschreibungen, sondern er bringt die Fakten auf den Tisch, das passt sehr gut zum Thema. Das Lesen ging flüssig und ohne Verständnisprobleme. So manche Dinge kommen einem aus der heutigen Zeit bekannt vor, daran wurde der Wandel der Psychiatrien auch gut deutlich. Und die eine oder andere Weisheit steckt auch in dem Buch (Stichwort Entschleunigung) und natürlich auch versteckt im Lebensstil von Ludwig Meyer. Lediglich am Anfang des Buches fiel es mir manchmal etwas schwer zu folgen, da Andreas Kollender verschiedene Zeiten und Handlungen aufgreift und zwischen diesen springt. Das hat sich dann aber noch vor dem Mittelteil wieder gegeben. Das Buch bringt mich zum Nachdenken, vor allem über psychische Krankheiten und den Umgang mit diesen in der heutigen Zeit. Und auch wenn ich sehe anhand des Buches, dass schon viel passiert ist, wir haben noch viel zu tun und der Psychologie und der Psychiatrie. Ein spannendes, aufrüttelndes und authentisches Buch über das Leben eines Revolutionärs und Pioniers. Toll!

    Mehr
  • Ein besessener Kampf

    Von allen guten Geistern

    Maddinliest

    28. July 2017 um 19:26

    Ludwig Meyer lebt in einer gutbürgerlichen Familie mit seinen Eltern und seiner Schwester wohlbehütet in Hamburg. Die Mutter kapselt sich zunehmend ab, meidet den Kontakt mit der Familie und entkommt nur knapp einem Suizidversuch. In der damaligen Zeit wurde sie als gemütskrank eingestuft und ins Krankenhaus eingewiesen. Die nicht wirklich anerkannte Krankheit führte in der Klinik zur Unterbringung unter widrigsten Umständen im Keller. Ludwig verschafft sich mit einer List Zugang zum Keller der Klinik und ist entsetzt über den Umgang mit den Patienten. Kurz darauf stirbt seine Mutter Infolge eines Selbstmordversuchs, indem sie sich mit den Fingernägeln die Pulsader aufschneidet. Seit diesem traumatischen Ereignis steht für Ludwig fest, dass er die unwürdige Situation ändern wird und setzt alles daran als "Irrenarzt" die Leitung dieser Abteilung zu bekommen.Andreas Kollender berichtet in "Von allen guten Geistern" über das spannende und bewegende Leben des Psychiaters und Hochschul-lehrers Ludwig Meyer. Er erzählt die Geschichte in einem sehr lebendigen und angenehm zu lesenden Schreibstil, der mich von Beginn an fesseln konnte. Der Hauptprotagonist wird ausführlich charakterisiert und als nicht sehr selbstbewusster aber besessener Revolutionär beschrieben. Sein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen die gesellschaftlichen Normen der damaligen Zeit erzeugt eine besondere Spannung, die über die gesamte Länge des Buches aufrechtgehalten werden kann. Fast ungläubig nimmt der Leser wahr, wie damals mit Gemütskranken bzw. "Irren" umgegangen wurde. Die menschenunwürdige Behandlung erzeugte bei mir Fassungslosigkeit und Wut und ließ den bewundernswerten Kampf von Ludwig Meyer in einem anderen Licht erscheinen. Ich fieberte mit ihm, dass seine Vision in Erfüllung gehen möge und trauerte mit ihm, da er seine große Liebe aufgrund seines Enthusiasmus niemals ausleben konnte. Die Geschichte wirkt auf mich historisch sehr gut recherchiert und hat mir einen guten Einblick in die Geburtsstunden der psychiatrischen Behandlung gegeben."Von allen guten Geistern" ist aus meiner Sicht ein rundum gelungener Roman, welcher mich voll und ganz in seinen Bann ziehen konnte und bei dem es mir ausgesprochen schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen. Für mich eine absolute Bereicherung, die ich sehr gerne weiterempfehle und natürlich mit fünf von fünf Sternen bewerte.

    Mehr
  • Eindrucksvoller Blick in die historische Psychiatrie

    Von allen guten Geistern

    Sylwester

    25. July 2017 um 14:53

    Der Roman von Andreas Kollender „Von allen guten Geistern“ baut auf einer historisch belegten Gegebenheit in Hamburg auf, wonach dort im Jahr 1864 auf einem Markt Zwangsjacken verkauft wurden. Veranlasst wurde die Aktion von der Hauptperson des Romans, Ludwig Meyer. Er war Arzt und Gründer der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg in Hamburg. Das Thema Befreiung, das mit der Anfangsszene, des Zwangsjackenverkaufs, beeindruckend dargestellt wird, zieht sich durch den ganzen Roman. So versucht Lu, wie der Protagonist später genannt wird, sich von äußerst leidvollen und verstörenden Erlebnissen in der Kindheit zu befreien. Darauf aufbauend beginnt er nach dem Studium der Psychologie im damaligen Krankheitswesen die Behandlung von „Irren“, die bislang weitgehend im Wegsperren bestand, zu reformieren. So gab es in seiner neuen Anstalt keine Zwangsjacken mehr, keine dunklen Keller mehr. Auch die weiblichen Hauptpersonen im Roman, wie Ludwigs Schwester Julia und die Schauspielerin Fanny Nielsen, sind freiheitsliebende moderne Frauen. Sprachlich ist das Buch ein Genuss, mit detaillierten, bildhaften Formulierungen kann man sich beim Lesen wunderbar in das 19. Jahrhundert versetzen lassen und die verschiedenen Charaktere werden durch die eindrucksvollen Beschreibungen zum Leben erweckt. Äußerst interessant fand ich die historischen Informationen zum Thema Psychiatrie, die mir so nicht bekannt waren. Mit diesem Wissen kann man nur froh sein, dass es Menschen wie Ludwig Meyer gab, die zumindest kleine Verbesserungsschritte für die Menschen mit psychischen Krankheiten erzielen konnten und dazu führten, dass diese nicht nur als verrückt abgetan werden, sondern als krank erkannt werden. Dieses Buch war der erste Roman, den ich von diesem Autor gelesen habe, aber ich werde mich gerne mit den anderen Büchern von ihm in weitere neue Geschichten entführen lassen.

    Mehr
  • Trutzburgen des Wahns

    Von allen guten Geistern

    sapperlot

    25. July 2017 um 14:13

    Bei einem tadellosen Werk an dem es meiner Meinung nach nicht das Geringste zu mäkeln gibt, darf man sich als Rezensent auch mal kurz halten. Dieser Historischer Roman mit biografischen Elementen vom Leben von Ludwig Meyer ist eine literarische Würdigung eines prinzipientreuen Mannes, der sich entschlossen gegen den herrschenden Zeitgeist Mitte des 19. Jahrhunderts stellt und die allgemein gültigen Meinungen über psychiatrische Behandlungsmethoden aufbricht und auf den Kopf stellt. Geprägt durch eine familiäre Tragödie will Meyer weg vom entwürdigenden und brutalen Wegschliessen von psychischen kranken Menschen hin zu humanen Therapieformen und er muss sich gegen viele Vorurteile und Widerstände behaupten.Der Schriftsteller Andreas Kollender schreibt wie Eingangs erwähnt einen in jeder Hinsicht überzeugenden Roman. Der Autor fädelt die Geschichte gut ein und schafft es einen Spannungsbogen zu kreieren, der den Leser über die ganzen 440 Seiten an die Handlung fesselt. Er hält eine gesunde Balance zwischen Historischen Fakten, dem belegbaren Lebenslauf Meyers und den fiktionalen Ereignissen und Figuren. Die eingängige Schreibweise und die feine Personenzeichnung, wobei nicht nur die Protagonisten überzeugen sondern auch die Nebenfiguren, runden das famose Buch ab. Für mich eine klare fünf Sterne Wertung und somit eine dicke Leseempfehlung.

    Mehr
  • Der Vorreiter

    Von allen guten Geistern

    makama

    20. July 2017 um 17:29

    Das ist ein Roman über den Psychiater Dr. Ludwig Meyer. Er war quasi der erste Arzt, der sich dieser kranken Menschen angenommen hat, die man damals nur weggesperrt hat - und  die unter unmenschlichen Bedingungen in den Krankenhäusern leben mussten.Ausschlaggebend dafür war, die Krankheit seiner Mutter und deren Selbstmord.Ludwig war damals sehr jung und erschüttert über die Lebensbedingungen dieser Menschen, weggesperrt und bei Anfällen grausam beahndelt....Ludwig studiert Medizin, um Irrenarzt zu werden und gerät in den Strudel der 1848er Revolution und verbringt auch eine Zeit im Gefängnis.Doch das hält ihn nicht ab. Er geht seinen Weg und arbeitet in Berlin, Paris und London. Wieder in Hamburg gründet er die Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg.Er geht völlig neue Wege und lehnt jede Form von Zwang und Gewalt ab - das führt dazu das er 1868 alle seine noch vorhandenen Zwangsjacken verkauft ......Er ist unnachgiebig und stur ----  und geradezu besessen von seiner Idee --- das führt zu einem Unglück und er muss Friedrichsberg aufgeben......Unerfüllt bleibt seine große Liebe zu der ebenfalls freiheitsliebenden  Schauspielerin Fanny Nielsen.Fazit und Meinung.Andreas Kollender hat einen interessanten und aufwühlenden Roman über den humanen Reformer Ludwig Meyer und dessen Liebe zu der Schauspielerin Fanny geschrieben.Kein einfaches Buch, aber sehr lesenswert über diesen Arzt, der mir  oft auch etwas seltsam vorkam, aber das muss ein Psychiater wohl. Ich hatte vorher noch nie etwas von Ludwig Meyer gehört, der Vorreiter der modernen Psychiatrie war. Danke dass ich dieses Buch in einer LR lesen durfte.  Mir hat das Buch gefallen und ich vergebe gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle.

    Mehr
  • Ein großartiges Buch!

    Von allen guten Geistern

    Stefanie_Gregg

    24. February 2017 um 18:01

    Es geschieht mir selten, dass ich bereits auf der ersten Seite gefangen bin von einem Buch - hier war es so! Habe gelitten mit dem jungen Ludwig und seiner Mutter unter dem eiskalten Vater, habe mitgefühlt mit seinen Patienten, habe mit trauernder Faszination am schleichenden Wahnsinn teilgenommen. War entsetzt, wie man mit der labilen Mutter umging und sie in den Tod trieb. Habe mit Ludwig gebangt, wenn die alten ‚Geister‘ ihn nicht mehr losließen. Vor allem aber habe ich mit ihm und Fanny um jede verpasste Gelegenheit getrauert, um zueinander zu kommen. Die Liebesszene in der Isolationszelle finde ich einer der erotischsten und feinsten Liebensszenen, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Historisch habe ich gelernt, wie man im 19.Jahrhundert mit Wahnsinn, mit psychischen Krankheiten, umgegangen ist und entsetzt die Schilderungen gelesen. Wie grausam! Insofern ist das Ende des Romans ein schrecklicher Rückschritt - auch wenn der Fortschritt der Psychologie wohl nicht aufzuhalten war. Ein großartiges Buch mit wundervoller Sprache.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks