Andreas Kraft Generationen: Erfahrung – Erzählung – Identität

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Inhaltsangabe zu „Generationen: Erfahrung – Erzählung – Identität“ von Andreas Kraft

Mit der Bedeutungsvielfalt des Begriffs der Generation beschäftigen sich die Beiträge von Autoren der Disziplinen Soziologie, Geschichts- und Literaturwissenschaft. Die Autoren entwicklen eine kulturwissenschaftliche Perspektive, die die Grenzen zwischen den Generationen als Verstehensgrenzen zwischen ungleichen Erfahrungs- und Erzählräumen analysiert und verstehbar macht. Als Fallbeispiele werden so unterschiedliche Medien wie der Generationenroman, mündliche autobiographische Erzählungen oder öffentliche Erziehungsdiskurse untersucht.

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  • Rezension zu "Generationen: Erfahrung – Erzählung – Identität" von Andreas Kraft

    Generationen: Erfahrung – Erzählung – Identität
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    02. February 2011 um 14:01

    Andreas Kraft, Mark Weißhaupt (Hg.) – Generationen: Erfahrung-Erzählung-Identität Fundierter und differenzierter Beitrag zum Diskurs des Themas Nicht nur, aber auch die demographische Entwicklung führen zu einer vielfältigen Diskussion um die Zukunft einer älter werdenden Gesellschaft einerseits, aber auch um das Zusammenspiel von alt und jung unter Einbeziehung der besonderen Wandlungen, die das Alter seit Jahren bereits erfährt. Stärker als in früheren Zeiten liegt damit das Feld der Generationenfrage im Fokus des Interesses. Der vorliegende Sammelband, entstanden aus einem interdisziplinären Forschungsprojekt, setzt in seinen vielfältigen Beiträgen die Generationenfrage und damit die Frage nach dem Verhältnis der Generationen mit all ihren Vor- und Nachteilen in den Mittelpunkt des (wissenschaftlichen) Interesses. Als kulturwissenschaftliches Fachbuch konzipiert ist nicht nur das ursprüngliche Feld der Kulturwissenschaften somit Nutznießer dieser breiten Zusammenstellung, auch in Bereiche der Sozialwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften (altergemischte Teams, Nutzung von Erfahrungen) reichen die Ergebnisse mancher Beiträge durchaus hinein. In drei Hauptteile geordnet legen die Herausgeber die thematischen Beiträge vor. Im ersten Teil findet sich letztlich als Ergebnis, dass der Begriff „Generation“ prozessual zu verstehen ist als eine Verbindung von erzählter Erfahrung, die im gesamten zu einer verbindenden Identität einer „Generation“ geführt haben und sich in dieser Generation durch weitere Erfahrung als Prozess weiter fortsetzen. Den weitaus größten Raum der knapp 300 Seiten an Beiträgen nehmen dann die beiden Hauptteile des Diskurses ein, thematisch unterteilt in eine literaturwissenschaftliche Annäherung da das Thema „Generation“ und eine sozial- und geschichtswissenschaftliche Annäherung. In beiden Teile kommt eine breite Sicht des Themas in verschiedensten Beiträgen zur Geltung, im ersten Teil ist ein leichter Schwerpunkt zum Thema der Heimat (und damit eines der wesentlichsten Faktoren der Identität älterer Generationen) zu verspüren, die literaturwissenschaftliche Untersuchung richtet sich auf Themen wie den Familienroman (Generationsübergreifend zumeist angelegt) als Genre, aber auch auf einzelne literarische Impulse wie „Das unsichtbare Land“ von Wackwitz oder weitergegebene „Erinnerungsräume“, wie sie in Buhls „Das Billardzimmer“ eine tragende Rolle spielen. Im sozial- und geschichtswissenschaftlichen Teil des Buches wird fundiert und zu Recht herausgearbeitet, dass Generationen über „geteilte Erinnerungen“ zunächst verfügen und es der erzählten (oder medial vermittelten) Erfahrung (neben gemeinsamer Erfahrungen) bedarf, um das „Erbe der Generation“ und damit die Identität einer Generation gesellschaftlich weiter zu tragen und zu verankern. Ein wichtiger Beitrag, der späterhin noch einmal konzentrierter aufgegriffen wird gerade angesichts einer ständig mobilen, identitätsstiftende Elemente wie Heimat und Kontinuität preisgebende, mehr und mehr erinnerungslose und nur nach vorne gerichteten Gesellschaft. Nicht nur vorhergehende Generationen werden so eins tückweit preisgegeben und überrollt, auch die kollektive Identität, über Jahrzehnte und, in Teilen, Jahrhunderten gewachsen ist so der Erosion ausgesetzt. Ein Prozess, der das Thema der Generation mit dem Thema des inneren, kontinuierlichen Zusammenhaltes einer Gesellschaft verknüpft. Sowohl die aktuellen Positionen zum Thema werden im Überblick dargelegt, wie auch das Thema aus verschiedener Perspektive in jeweils fundierten und gewichtigen Beiträgen bearbeitet wird. In der Vielfalt der Beiträge und der prozessualen Sicht des Begriffes „Generation“ bietet das Buch einen hervorragenden Einsteig und Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion zum Thema. In klarer Benennung drohender Erinnerungslosigkeit und Barbarisierung des Alters vereisen einzelne Beiträge dynamisch auf eine zukünftige Bearbeitung in noch breiterem Umfang hin. Insgesamt ist das Buch für jeden am Thema kulturwissenschaftlich Interessierten ein Gewinn, in Teilen sollte es Grundlage auch weitergehender politischer Diskussionen werden.

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