Andreas Maier Das Haus

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Inhaltsangabe zu „Das Haus“ von Andreas Maier

Am Beginn dieses Lebens ist Herbst, und Enten schwimmen auf dem Bad Nauheimer Teich. Der Erzähler erinnert sich an ein Paradies, ein Leben ganz ohne Menschen und Zwänge. Die ersten Jahre verlebt er hauptsächlich bei der Urgroßmutter. Aber dann kommt der Umzug in das große, neue Haus der Familie, das dort gebaut worden ist, wo früher die Apfelbäume standen. Das neue Haus ist jetzt das Lebenszentrum des Kindes, dem es sich verweigert. Mit "Das Haus" setzt Andreas Maier konsequent fort, was er mit seinem Erfolgsroman "Das Zimmer" begonnen hat. Ein Buch, ein Haus, ein Leben. Kindheitsräume, in denen ein Weltbild, eine ganze Welt entsteht. Ortsumgehung das ist eine auf elf Bände angelegte Verteidigung der Provinz, denn die ist, so Andreas Maier, "die universalste Welt, die man sich denken kann".

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  • Rezension zu "Das Haus" von Andreas Maier

    Das Haus

    capkirki

    01. February 2012 um 19:56

    Durch Zufall bin ich über „Das Haus“ von Andreas Maier gestolpert. Irgendwo habe ich einen kurzen Auszug gelesen, in dem Maier über die Bad Nauheimer Stockenten schrieb und da Bad Nauheim meine Heimatstadt ist, bin ich natürlich hellhörig geworden. Nach kurzer Recherche wanderte das Buch in meinen Einkaufskorb und dann zu mir nach Hause. Was für ein Glücksgriff! Ich hab mich sofort in den Stil des Autors verliebt, in seine langen Sätze, seine Denkweise, seine Art, die Geschichte aus der Sicht eines Kindes zu erzählen, eines Kindes, das es nicht leicht hatte im Leben. „Das Haus“ ist eine Fortsetzung seiner geplanten elfbändigen Romanserie und somit sicher nicht das letzte Buch, das ich von diesem Autor lesen werde. Es ist ein autobiografisches Werk über seine Kindheit in der Wetterau. Maier erzählt von seinen ersten drei Lebensjahren, die er vor allem mit der Urgroßmutter verbringt und an die er sich später mit grosser Sehnsucht erinnert. „Und ich mache mir meine mir nicht mehr gegenwärtige Urgroßmutter dadurch wieder lebendig, dass ich die alten Wege von damals gehe und an den Plätzen sitze, auf denen sie damals auch sass, mit mir als Säugling. Und auch wenn der gegenwärtige Bürgermeister mit grosser Energie an der Vernichtung dessen arbeitet, was meine Geburtsstadt einstmals war, so ist doch ein Teil meiner damaligen Jahre tatsächlich noch vorhanden und noch nicht ins Nichts zurückgewandelt worden: die Uhlandstrasse mit ihren Häusern, der Solgraben, der Park, die Gradierwerke, auch ein Großteil der Cafés, die meine Urgroßmutter mit mir aufsuchte, ist noch da. Wenn ich dort spazierengehe, rede ich mir immer ein, ich liefe eigentlich durch meine frühste Seelenlandschaft.“ Oh wie gut kann ich ihn verstehen… Doch dann bauen seine Eltern ein grosses, kaltes Haus in Friedberg und ziehen um. Der „Problem-Andreas“, der schon als Kleinkind kaum gesprochen hat, zieht sich hier vollkommen in seine eigene Welt zurück. Frühstücke in der grellen Küche sind ihm ein Graus, der erste Tag im Kindergarten ist auch gleichzeitig der letzte und die Schule ist ein einziger Leidensweg. Mit scharfer Beobachtungsgabe beschreibt Maier die Zwänge des Familienlebens, seinen Rückzug aus diesem Leben, nur in seinem Bett unter der Decke und unten im Bastelraum fühlt er sich geborgen. „Im Grund habe ich von den Jahren vor der Schule vor allem in Erinnerung, wie ich dort unten im kleinen Bastelraum saß, allein mit mir und aufgegangen in einer Tätigkeit, die mich völlig aufhob. Ich war aus der Familie ausgeklinkt und lebte so lautlos und zufrieden vor mich hin“ Es ist ein ehrlicher Roman über das Leben drinnen im Haus und draussen in der Welt – ein großes Werk über die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Paradies ohne Zwänge, ja sogar ohne Menschen. Ein Roman, den man lesen sollte, wenn man die leisen Töne liebt, die doch so Grosses beschreiben. „Aber dann erschuf mein Gehirn aus den eingebildeten Lichtreflexen unter meinen Augenlidern seine eigenen Figuren, lebendige Muster, von meiner Phantasie mit Leben begabte Wesen, die aber nur so etwas wie eine organische Reaktion meiner Augen auf die Dunkelheit waren. Sie waren grün, rot, gelb, blau, sie schillerten in allen Farben und hatten phantastische Formen, waren aber zugleich wie die Menschen in meiner nächsten Umgebung. Traumgebilde, aber für das Kind eine höhere Form von Realität. Schon lange hatte ich eine Art von Freundschaft mit diesen Nachtfiguren geschlossen. Sie erzählten mir Geschichten und ich ihnen, aber sie konnten auch jedes Mal durch meinen Wunsch in einen vorherigen, amorpheren Zustand zurückgleiten und wieder zu rein ornamentalen, seelenlosen aber doch lebendig bewegten Figuren werden. Mit diesen Figuren in meinen Augen konnte ich mich beschäftigen wie mit Mustern, die man in einem Teich verursacht, indem man einen Stab hineintaucht und durch kreisende Bewegungen Höfe und andere Formen erzeugt. Bis heute kommt es mir so vor, als habe damals mein Kopf begonnen, mir eine Geschichte zu erzählen, die Geschichte meiner Welt oder der Welt schlechthin. Vielleicht erzählten mir diese Geschichten auch meine Augen, meine Retina, vielleicht waren es meine überstrapazierten Nerven oder der liebe Gott, keine Ahnung. Vielleicht war es einfach die Welt, die mir die Welt erzählte. Seitdem ist mir immer dieser Gedanke geblieben, dass ich nach wie vor daliege und dass es noch immer damals ist, noch vor der Grundschulzeit und eigentlich noch zur Zeit meiner Urgroßmutter und dass dennoch alles bereits da und komplett vorhanden ist bis zum heutigen Tag, da ich im Zimmer meines Onkels sitze und dieses schreibe, das Zimmer, das Haus und alles weitere, die ganze Ortsumgehung, während sie draussen ihre Ortsumgehung bauen und meine Herkunft und alles, wovon ich schreibe, Zug um Zug ins Einstmal planieren.“

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  • Rezension zu "Das Haus" von Andreas Maier

    Das Haus

    Clari

    Einsamkeit und quälende Unlust. Wie kann man sich das Leben aus der Perspektive eines zwei- bis dreijährigen Jungen vorstellen? Andreas Maier zeigt uns in seinem vorliegenden Roman "Das Haus", wie die Welt aussieht, wenn man noch klein ist und sich weitgehend in totaler Abhängigkeit von den umgebenden Personen befindet. Alles um einen her ist riesengroß: Häuser, Gegenstände und Menschen. Beängstigend sind Geräusche, die man nicht zuordnen kann. Der Icherzähler in dem kleinen Jungen Andreas spürt den Unheimlichkeiten nach. Er hört die Stimmen der Erwachsenen, fühlt die Ängste, die man um ihn hat, der nicht spricht, läuft und insgesamt verzögert in der Entwicklung erscheint. Mit eindrucksvollen Worten beschreibt der Protagonist dieser Erzählung die Mahlzeiten, die Gottesdienste, Essensgebete und das öde Klima bei den Familienzusammenkünften am Esstisch, das er als beengend erlebt. "Dann standen die Speisen auf dem Tisch, aber es war, als liege ein Bann über ihnen, keiner rührte sie an, stattdessen kam es wieder zu einem Gebet, und als das Gebet vorüber war, lag immer noch ein Bann über den Speisen". Der Besuch des Kindergartens entpuppt sich für den Jungen als Albtraum. Er ist ein Sonderling, der lieber für sich ist, als alle die Ungelegenheiten mit ihm fremden Menschen auf sich zu nehmen. Diese Familienchronik entbehrt nicht der Komik, wenn die cholerische ältere Schwester überall ihr Zerstörungswerk verrichtet. Gekonnt wird ein Familienszenario eingefangen, das atmosphärisch kalt, frostig und starr erscheint. Vater und Mutter sind neben den Großmüttern und der Urgroßmutter ferne Gestalten, die erscheinen und verschwinden, die für alle Sorge tragen, denen jedoch die innere Beziehungsfähigkeit fehlt. Auffällig und präsent sind alleine Bruder und Schwester: der Bruder besonnen und ruhig seinen Tätigkeiten hingegeben, die Schwester in einem steten Zerstörungs- und Geltungsdrang gefangen. Das Leben verläuft ohne besondere Höhepunkte. Der Vater geht der Arbeit nach, die Mutter dem Haushalt, und die Geschwister haben mit Schule und Hausaufgaben genug zu tun. Nur bei Andreas kommt es zu häufigen Fehlzeiten in der Schule, denn er leidet am "globus hystericus", einer der Ursache nach möglichen psychosomatischen Störung. Vergleichbare Familienleben mit ihren Zwängen, den starren Regeln und einem kalten Familienklima mag es in den siebziger Jahren häufiger gegeben haben. Andreas Maier berichtet so authentisch über die Erfahrungen seines Icherzählers, dass man sich recht gut vorstellen kann, wie er eigene Erfahrungen in seinem Roman mit verarbeitet hat. Die Trauer über eine absolute und fast autistische Vereinsamung korrespondiert mit dem Sein der übrigen Familienmitglieder, die allesamt nicht richtig froh sein können. Eine gelungene und kenntnisreiche und emphatische Erzählung ist dem Autor mit diesem Roman gelungen.

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  • Rezension zu "Das Haus" von Andreas Maier

    Das Haus

    WinfriedStanzick

    11. January 2012 um 11:06

    In seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2006 , die bei Suhrkamp unter dem Titel "Ich" veröffentlicht wurden, hatte der hessische Schriftsteller Andreas Maier schon einem breiteren Publikum Rechenschaft gegeben über die Hintergründe seines Schreibens: "Ich bin nur ein Mensch auf der Suche nach Worten, die längst schon gefunden sind, die im Matthäusevangelium schon alle dastehen, in perfekten logischen Sequenzen, schärfer, als Wittgenstein es je gekonnt hätte, eine erschöpfende Analyse dessen, warum wir falsch sind und warum wir dadurch schuldig werden vor allem und vor jedem, nämlich bloß kraft unseres wahrheitsfernen Tuns. Eine literarische Form dafür zu finden ist sehr schwer, ich glaube, man kann keine Form dafür finden, dass wir falsch sind, keine ernste, denn eine Form, die sich vom Einverständnis des Lesers verabschiedet, ist keine Form, sondern für den Leser eine Zumutung, wie ja auch das Matthäusevangelium. Das größte philosophische Werk des Abendlandes. Das uns nichts sagt als bloß: Seid nicht. Das uns sagt: Wenn ihr aufhört, zu sein, dann seid ihr. Meine Damen und Herren, wenn wir uns im Matthäusevangelium wieder finden, dann immer nur auf der Seite der Hohepriester, immer auf der Seite der Kleingläubigen, der Rechthaber, der Schriftgelehrten und Sophisten. Also auf Seiten derer, die sich verteidigen, die verteidigen, was sie haben, als sei das richtig, das ist unser tägliches Brot, die Selbstverteidigung, aber dieses Brot hat uns Gott nicht gegeben, und übrigens auch die Philosophie nicht, und die Literatur auch nicht. Und Sie begreifen vielleicht gar nicht, was das ist. Da Sie alles, was Sie haben und tun und wollen und erlangen, für natürlich und gut halten, und wenn Sie kurz nachdenken würden, aber im Ernst nachdenken, kehrten Sie um, aber das werden Sie nicht tun." Die unter dem Titel "Onkel J. Heimatkunde" vorgelegten gesammelten Kolumnen von Andreas Maier waren ein treffendes Beispiel dafür. Mit Spannung habe ich deshalb den ersten Band einer von ihm angekündigten, noch nicht begrenzten Romanreihe (man spricht von 10 Bänden) über seine Heimat, die Wetterau erwartet. Im Roman "Das Zimmer", vom autobiographischen Ich-Erzähler geschrieben, begegnet uns jener Onkel J. wieder. Sein Zimmer, in das sehr viel später der zu Lebzeiten des Onkels noch kleine Andreas Maier einziehen wird, sein Leben und seine Philosophie werden erzählt. Dazu nimmt Maier einen Tag aus dem Leben des Onkel und schildert seinen Ablauf vom frühen Aufstehen noch in der halben Nacht, seiner Fahrt nach Frankfurt, wo er arbeitet, seinen Diensten für die Familie nach seiner Rückkehr am Nachmittag und vor allen Dinge den Aufenthalt in seinem geliebten Forsthaus Winterstein, wo er seinen Schoppen trinkt. Onkel J. besitzt einen nazibraunen VW Variant, den er von seinem Schwager bekommen hat. Dieses Auto ist sein Ein und Alles, ermöglicht ihm die Momente von Freiheit, für die die lebt. Maier schreibt (und deutet auch weitere Folgen seiner "Ortsumgehung" an): "Ich bin bislang nie auf den Gedanken gekommen, über meinen geburtsbehinderten Onkel J. zu schreiben. Über ihn und sein Zimmer. Über das Haus und die Straße. Und über meine Familie. Und unsere Grabsteine. Und die Wetterau, die die ganze Welt ist. Die Wetterau, die für die meisten Menschen nach einer Autobahnraststätte benannt ist, A 5, Raststätte Wetterau. Und die heute in eine Ortsumgehungsstraße verwandelt wird. Die Wetterau ist eigentlich eine Ortsumgehungsstraße mit angeschlossener Raststätte. Wenn ich das sage, lachen sie. Und es war doch einmal meine Heimat. Meine Heimat, eine Straße, Und nun schreibe ich eine Ortsumgehung, während sie draußen meine Heimat ins Einstmals planieren, und ich beginne mit meinem Onkel in seinem Zimmer. Das ist der Anfang, aus dem sich alles ableitet." Das Buch hat den Rezensenten, der unweit der Wetterau seine ersten drei Jahrzehnte verbracht und sie gut kennt, nachhaltig beeindruckt und bewegt. Jener vielversprechende Beginn einer traurig- verrückten Familiensaga, die mehr ist als das, eine Buchprojekt, das eine Reflexion sei will über Zeit und Zivilisation und, vergleiche das Eingangszitat aus Maiers Poetikvorlesung, die Würde des Menschen und wie sie erhalten werden kann. Damals schrieb ich zu dem Projekt: „Man wird abwarten müssen, ob Andreas Maier das hohe literarische Niveau über das ganze Romanprojekt über wird halten können. Das vorliegende Buch jedenfalls zeigt, dass er viel mehr ist als ein "Heimatdichter". Maier ist eine der wichtigsten Stimmen in der gegenwärtigen deutschen Literatur. Es nimmt deshalb nicht Wunder, dass "Das Zimmer" für den Deutschen Buchpreis 2010 nominiert worden ist.“ Nun, ein Jahr später folgt der nächste Teil seiner „Ortsumgehung“. In „Das Haus“ beschreibt er seine Kindheit. Er ist in einer gut situierten Familie aufgewachsen, in der er aber als Spätentwickler sich dauernd einsam fühlt: „Im Grund habe ich von den Jahren vor der Schule vor allem on Erinnerung, wie ich dort unten im kleinen Bastelraum saß, allein mit mir und aufgegangen in einer Tätigkeit, die mich völlig aufhob. Ich war aus der Familie ausgeklinkt und lebte so lautlos und zufrieden vor mich hin wie am Anfang bei meiner Urgroßmutter, als noch alles einfach und problemlos gewesen sein soll. Es war das wiedergefundene Paradies.“ Und an anderer Stelle des faszinierenden Romans knüpft er an diese Stelle an, und verbindet es mit seiner heutigen Existenz als Schriftsteller und seinem großen und doch so einfachen und schlichten Projekt: „Bis heute kommt es mir vor, als habe damals mein Kopf begonnen, mit eine Geschichte zu erzählen, die Geschichte meiner Welt oder der Welt schlechthin. Vielleicht erzählten mir diese Geschichten auch meine Augen, meine Retina, vielleicht waren es meine überstrapazierten Nerven oder der liebe Gott, keine Ahnung. Vielleicht war es einfach die Welt, die mir die Welt erzählte. Seitdem ist mir immer dieser Gedanke geblieben, dass ich nach wie vor daliege und dass es noch immer damals ist, noch vor der Grundschulzeit und eigentlich noch zur Zeit meiner Urgroßmutter, und dass dennoch alles bereits da und komplett vorhanden ist, da ich im Zimmer meines Onkels sitze und dieses schreibe, das Zimmer, das Haus und alles weitere, die ganze Ortsumgehung, während sie draußen ihre ‚Ortsumgehung’ bauen und meine Herkunft und alles, wovon ich schreibe, Zug um Zug ins Einstmals planieren. Und dass ich in die mir kaum mehr vorstellbare Einfachheit und Einheitlichkeit der damaligen Welt meiner allerersten Jahre zurückkommen muss, um von dort aus alles weitere aufzubauen, das Haus, meine Kindheit darin, die Schulzeit, meine Familie, meine Umgebung, die anderen Menschen, auch das Draußen, den Ort um mich herum, die Wetterau, meine ganze Herkunft und schließlich die ganze Welt bis zum lieben Gott. Eine Einfachheit, die mein geburtsbehinderter Onkel J. zeit seines Lebens vielleicht nie verloren hatte.“ Ein Buch, das mich gefangen genommen hat von der ersten bis zur letzten Seite. Auch deshalb, weil es nahtlos anschließt an die beiden Romane „Onkel J. Heimatkunde“ und „Das Zimmer“. Es ist die Fortsetzung einer mit diesen beiden Büchern begonnenen und noch lange nicht abgeschlossenen traurig- verrückten Familiensaga, die mehr ist: eine Reflexion über Zeit und Zivilisation. Eines steht für mich heute schon fest. Ich werde dieses Romanprojekt verfolgen bis zu seinem Ende, und hoffe, dass es von der Kritik in Zukunft mehr Anerkennung erfährt.

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  • Rezension zu "Das Haus" von Andreas Maier

    Das Haus

    Greta

    11. December 2011 um 22:25

    "Noch heute kann ich im Geist durch den kleinen alten Edeka-Laden laufen und weiß genau, wo was war." . edeka hoffmann gab es etwa bis zu meinem zwölften lebensjahr, in dem ich pickel bekam und begann mich zu schämen, in der salzburgstraße. einmal wöchentlich liefen wir kinder los, mit dem handwagen und der einkaufsliste, die die oma mit krakliger handschrift schrieb. einmal ums eck, vorbei an zwei unfassbar großen scheunen, die heute nicht mehr als scheunen genutzt werden, vorbei an zwei freundlichen hunden, aber ohne eine einzige straße überqueren zu müssen. edeka hoffmann hatte nur ein schaufenster, ein recht großes, in dem aber nie etwas dekoriert wurde, man konnte bloß in den laden hineinschauen, wenn man zwischen den angebotsplakaten hindurchlinste. vor dem laden: sackware. kohle, blumenerde, wasweißich. im laden: man musste sich sofort rechts herum drehen. zuerst vorbei an dem kühlfach für das begehrlichste: eis. vorbei an konserven. gurkengläsern. einmal linksherum, da folgten reinigungsmittel, bügelstärke marke hoffmann (immer glaubte ich, das sei die firma des edeka-ehepaares hoffmann, ihre eigenmarke sozusagen), sofort wieder links, auf die große kühltruhe zu, darin gefrorene hähnchen, pommes, fischstäbchen. einmal nach rechts, immer weiter durch etwa 30cm breite gänge, durch die man mit etwa 25cm breiten einkaufswagen schlich, dann auf die tür zum hoffmannschen lager zu, einmal nach links gedreht, gegenüber dem kühlregal mit wurst und käse die zeitschriften,- die zeitschrift, die so hieß wie ich, war leider eine strickzeitschrift, später nahm ich die bravo. noch einmal nach links. getränke über getränke. die bierdosen für die eltern wurden in zeitungspapier eingewickelt. immer geradeaus dann der drehständer mit bedeutsamen dingen, für die man seine groschen sparte: colalutscher. brausepulver. kaugummis einzeln, mit alf-stickern. unten das billige, oben das teure. dann der kassenbereich. kein elektrisches band vor der großen registrierkasse, die herr hoffmann emsig bediente, kopf dabei hoch und finger spitz, alle preise im kopf, ohne zweifel. hinter herrn hoffmann: sachen, die ich am dringendsten haben wollte: die kleine rosa plastikschatztruhe für fünf mark wurde mein. wo das obst stand, weiß ich nicht mehr, vielleicht gab es das nicht. das fleisch kauften wir dann danach, beim fleischer. und die brötchen beim bäcker, genauso das brot, von dem man auf dem heimweg ein stück vom knust abpulte und ganz verstohlen in den mund steckte.

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