Andreas Maier Der Ort

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Inhaltsangabe zu „Der Ort“ von Andreas Maier

Der Beginn der Liebe ist der Beginn der Macht. Die einen kommen in Frage, die anderen nicht. Selbst wenn sie, noch einmal wie Kinder, Gummitwist spielen, wissen sie doch bereits um ihre eigene Schönheit, denkt der Erzähler, der im Zimmer seines verstorbenen Onkels sitzt und an einer »Ortsumgehung« schreibt, während draußen die Ortsumgehung gebaut wird. Und er erinnert sich an einen Spaziergang, den er vor Jahrzehnten oft gegangen ist, als das steinerne Kreuz noch nicht mitten im Ort, sondern noch draußen auf dem Feld mitten in der Wetterau stand. Und als die Mädchen Gummitwist spielten. Er erinnert sich an die Liebe zu Katja Melchior und an die erste Nacht, die er mit dem Mädchen verbracht hat.

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    Der Ort

    WinfriedStanzick

    19. May 2015 um 11:33

    Mit seinem neuen Roman „Der Ort“ setzt der hessische, in Friedberg geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier seinen auf über 10 Bände angelegten Romanzyklus „Ortsumgehung“ fort. Man muss den das Projekt sozusagen vorbereitenden Band „Onkel J. Heimatkunde“ und die drei ersten Romane mit den Titeln „Das Zimmer“,  „Das Haus“ und „Die Straße“ nicht unbedingt gelesen haben, um sehr schnell in ein Buch hineinzukommen, das 1983 im hessischen Friedberg spielt. Andreas Maier ist älter geworden, hängt mit seinen im Konfirmationsalter befindlichen Freunden im Jugendzentrum und in Kneipen rum und er verliebt sich zum ersten Mal. Wie er die zarten und ritualisierten Annäherungen von ihm und seiner Freundin Katja Melchior akribisch beschreibt, hat mir gut gefallen, zumal es mich an eigene Erfahrungen erinnerte, auch wenn die schon über zehn Jahre früher  gemacht wurden. Mit sprachlicher Eleganz erinnert sich der Ich-Erzähler daran, wie er damals sich selbst erlebt hat, wie nicht nur sein Körper, sondern auch sein Bewusstsein sich verändert und welche Regeln das jugendliche Leben in einer Stadt auf dem hessischen Land bestimmen. Den Moment der allerersten Berührung seiner Freundin beschreibt er ganz poetisch: „Alles war gut. Hätte man mich in diesem Augenblick getötet, wäre ich in einen vollkommen geheilten Zustand zu lieben Gott gekommen…“ In seinen Frankfurter Poetikvorlesungen sagte Maier über seine Vorstellung von Literatur: „Ich wüsste nichts anderes, als dass Literatur den Zweck hat ( meine Literatur, die ich lese und die ich schreibe), die Wahrheit zu sagen, nicht explizit, sondern anders. Auch wenn die explizite Wahrheit vielleicht im Schweigen liegt und vielleicht sogar darin, dass ich immer nur erkenne, dass sie so niemand richtig sagen kann, und vor allem ich nicht. Die Wahrheit ist, dass wir falsch sind und richtig sein könnten und falsch allein kraft unseres eigenen Entschlusses, oder nennen wir es meinetwegen auch Trägheit, sind. Die Wahrheit ist, dass wir uns alle als moralische Wesen darstellen, aber faul sind, roh, verschlagen und brutal noch in den unbeachtetsten Momenten. Aber alles das lässt sich in der Literatur kaum sagen, das kann ich Ihnen sagen.“ Maiers Bücher sind dieser Wahrheit verpflichtet, die immer auch seine eigene Wahrheit ist. Man darf schon heute den nächsten Band des Romanzyklus „Ortsumgehung“ erwarten. Der Rezensent tut das mit einer ganz persönlichen Freude, lebte er doch zeitweise Anfang der achtziger Jahre in Friedberg und vorher und nachher immer in einem Radius von etwa 100 km davon entfernt.

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