Andreas Maier Klausen

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Inhaltsangabe zu „Klausen“ von Andreas Maier

Eines ist klar: »Klausen ist ein Tatort.« Was aber wirklich in diesem Südtiroler Ferienidyll für vor allem deutsche Touristen passiert ist, darüber gehen die Meinungen leidenschaftlich auseinander. Man erzählt von einem Überfall, gar einem gezielten Schuß aus dem Hinterhalt. Wer ist das Opfer, wer der Täter? Darüber gibt es zunächst nur abenteuerliche Spekulationen.Erste Verdächtigungen gehen naturgemäß in Richtung der Pakistani und der Albaner auf der Ploderburg, aber bald geraten Hintermänner in den Blick, deren Grundstücksspekulationen die Vorgänge halbwegs plausibel zu machen scheinen. Jedoch werden nicht der einschlägig vorbestrafte Laner und sein Kontrahent Zurner verhaftet, sondern Gasser und seine Saufkumpane. Was beginnt wie eine Provinzposse, wächst sich aus: Ist Klausen gar Umschlagplatz eines internationalen Drogenkartells?Wie sich Öffentlichkeit bildet, wie eine Verwirrung die nächste stiftet, bis alle Gewißheiten (oder was wir dafür halten) immer wahnhaftere Züge annehmen und schrill auf unser Handeln zurückwirken, das komponiert Andreas Maier zu einer bitterbösen Komödie über dieses vielleicht doch nicht so weltabgelegene Klausen.

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  • Rezension zu "Klausen" von Andreas Maier

    Klausen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. September 2010 um 18:31

    „Worüber schreibt eigentlich dieser Maier?“, wurde ich letztens gefragt, was zwar nicht stimmt, aber ich wüsste nicht, wie ich anders loslegen könnte. In meinem fiktiven Gespräch halte ich gerade mein sechstes Glas Pils in der Hand, es ist Freitagabend und der Kollege Greis macht sich gerade daran, den dritten Havanna-Club des Abends zu bestellen, man hat nicht viel Zeit, also hoch die Tassen, in spätestens zwei Stunden soll es schließlich in die Waagerechte gehen, dann sollen Menschen wieder auf Toiletten einschlafen und alles weitere, was so passiert und worüber dann alle sprechen. Das ist natürlich alles noch viel absurder, weil der Kollege Greis niemals auf die Idee käme, mich irgendetwas über Andreas Maier zu fragen, spätestens ab dann wäre ja auch alles dahin, also im Sinne von kaputt und zerstört und so weiter. Meine Freundschaft zum Kollegen Greis beruht ja gerade darauf, dass wir uns nicht über Literatur unterhalten: „Badowsky: Und was ist das für eine Sitzung? Klein: Das werden sie kaum verstehen. Oder kennen sie sich aus im Universitätsbetrieb? Ich? Fragte Badowsky. Freilich kenne ich mich aus im Universitätsbetrieb. Ich kenne mich überall aus, und vor allem natürlich kenne ich mich mit solchen wie ihnen aus. Eine Sitzung! Mann, das ist eine Kneipe hier!“ „Man muss sich finden in der Kunst. Man muss hart arbeiten und sich finden, und wenn man sich gefunden hat, muss man bei sich bleiben… allerdings, natürlich muss man sich auch ständig erneuern“, sagt ein beschwipster Maler im Klausener Keller. Irgendein Feuilletonist redet von Provinzposse und Entlarvung. Ein anderer von Aufdeckung und Gesellschaftssatire. Ein anderer von Ironie. Ironie beinhaltet ihre Alternative. Ironie ist der Unterschied zwischen dem Gesagten und dem tatsächlich Gemeinten. Ironie ist, wenn jemand sagt: „Oh, das ist aber ein schönes Kleid!“, damit aber andeuten will, dass der Putzlappen nichts hergibt. Übersetzt: Ironie ist was für Doofe. So doof ist Andreas Maier wohl nicht, glaub ich zumindest. Als ich das Buch vor zwanzig Minuten weglege, entspanne ich mich auf meiner Couch, auf der ich mich nicht entspannen kann, weil sie viel zu tief ist. Mein Rücken leidet darunter. Dann denke ich darüber nach, dass kein einziger mal auf die Idee kommt, zu fragen, warum der Ironiker Maier immer noch in der Wetterau lebt. Ob es sich ein Ironiker leisten kann, morgens auf die Straße zu treten, den ganzen Tag ironisch zu sein und dann wieder nachhause zu gehen, frage ich mich. Das hält doch keiner aus, denke ich mir, und der Maier schon gar nicht. Das ist doch kein Lebensinhalt! Dann fällt mir auf, dass alle Charaktere nur Unsinn palavern. Oder vielmehr Doppel-, und Dreifachsinn, Unsinn ist ja komplett gelogen. Alle reden kryptisches Zeug, konkret wird’s eigentlich nirgends oder viel besser: Konkret wird’s immer. Das ist ja das tolle. Dass alle immerzu labern und alles zukleistern mit Sprache und am Ende keiner mehr sagen kann, worum es hier eigentlich geht, alle sich aber immer sicher sind, dass der Laden schon irgendwie läuft und wenn es nur nach den eigenen Vorstellungen ist. Weil alle immerzu alle Möglichkeiten offen gehalten haben. Die Pakistanis werden genauso verdächtigt wie alle anderen. Ein Heidegger-Vortrag wird zum Politikum mit anschließendem Terroranschlag, die Weltpresse reist an. Ein paar Demonstranten wollen ein Banner enthüllen, auch das gelingt nicht. Alle kommunizieren, alle reden aneinander vorbei, alle wissen eindeutig Bescheid. Wenn Klausen ein Kriminalroman wäre, dann würde der Detektiv darunter leiden, dass er mit Informationen und Vermutungen zugeballert wird. Der moderne Detektiv kann nicht mehr aufdecken, würde Andreas Maier vielleicht sagen, aber so schwaffelig ist der ja nicht, der Kluge, der wäre so einer. Als ich mich von der Couch erhebe, muss ich an Christoph Schlingensief denken. Den haben vielleicht auch viele missverstanden, weil sie dachten, dass der seinen Gegenstand nicht mehr liebt. Dem man dann das Provokationssiegel draufgeknallt hat. Der Maier mag die Wetterau höchstwahrscheinlich sehr gerne, denke ich mir. Und deswegen sollte man das mit der Ironie mal ganz schnell vergessen. Gelacht hab ich trotzdem.

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