Andreas Marquart

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Andreas MarquartWir schaffen das - alleine!
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Wir schaffen das - alleine!
Wir schaffen das - alleine!
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Erschienen am 20.03.2017

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Rezension zu "Wir schaffen das - alleine!" von Andreas Marquart

Ist der Gegenentwurf zur EU die Kleinstaaterei?
R_Mantheyvor einem Jahr

Die Autoren dieses Buches, beide Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, versuchen in ihrem Text den Nachweis zu erbringen, dass kleine Staaten gegenüber großen enorme Vorteile besitzen. Dies zielt insbesondere gegen die EU in der jetzigen Form, bei der man durchaus den Eindruck gewinnen kann, dass sie mehr Probleme schafft als löst. Doch die EU ist neben ihrem Streben nach Größe und Bedeutung vor allem ein sozialistisches Projekt, was man schon alleine an der häufigen Benutzung des Begriffs "Solidarität" erkennt, der in der Sprache des Sozialismus stets ein Synonym für Umverteilung, also partielle Enteignung, darstellt. Darum geht es aber in diesem Text nicht. Hier spielt nur die Größe von Ländern oder Systemen eine Rolle. 
Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Roland Tichy, das eine erhebliche Trump-Fixierung besitzt und nicht unbedingt zum Inhalt des Buches passt, schließlich ist Trump auch nicht unbedingt ein Verfechter freier Märkte. Im ersten Kapitel befassen sich die Autoren mit dem Brexit und hoffen dabei, dass der Ausstieg der Briten das Ende der EU einläuten könnte. 
Danach folgen Kapitel, in denen gezeigt wird, dass kleine Staaten gegenüber großen Systemen  Vorteile in der Stabilität, bei der Kontrolle der Bürokratie und beim Friedenswillen besitzen. Sie würden außerdem den politischen Wettbewerb und den Wettbewerb im Geldsystem befördern. Das liest sich alles sehr gut und klingt zunächst einleuchtend. Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass die Autoren natürlich auch ein wenig die Vorteile kleiner Staaten in zu schönen Farben malen und Nachteile weglassen. So entsteht ein Bild einer schönen friedlichen Welt vieler kleiner Staaten, die alle ganz harmonisch miteinander auskommen und im Wohlstand leben. Irgendwie ist das zu schön, um wahr zu sein. 
Das erste Mal wurde ich stutzig als ich las, dass man beispielsweise die Oberlausitz aus Sachsen ausgliedern könnte. Da schon konnte man dann auch erwarten, dass die Autoren ein Loblied auf die deutsche Kleinstaaterei bis 1871 singen würden. Und tatsächlich: "Von der Zersplitterung in die deutschen Kleinstaaten profitierte die deutsche Kultur noch lange."  Das mag richtig sein. Doch dann kommt: "Die so gewinnbringende Zersplitterung war jedoch schon zuvor mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 zu Ende gegangen, als sich die verhängnisvolle Zentralisierung Deutschlands verfestigte und der schleichende Niedergang begann." 
Nun, irgendwie scheinen die Geschichtskenntnisse der Autoren nicht besonders weit zu reichen oder tief zu gehen. Nach der Reichsgründung kamen die Gründerjahre, denn endlich konnten sich die Märkte in Deutschland entfalten. Für Anhänger freier Märkte, für die sich die Autoren halten, ist ihr Verständnis der Reichsgründung mehr als merkwürdig. Leider ist das typisch für das gesamte Buch, auch wenn es möglicherweise nicht sofort auffällt. Das Bild der Autoren lässt alle Faktoren und Probleme einfach weg, die ihre Ansichten stören. 
Am Ende des Buches wird es dann lustig. Dort findet man zwei Zukunftsvisionen. Die den Autoren zugeneigte beschreiben sie so: "Langsam, aber sicher glich die Landkarte Europas einem Flickenteppich; wie Deutschland zu Goethes Zeiten. Jede neue kleine Nation, Region oder unabhängige Stadt verfolgte konsequent eine Politik des freien Handels mit anderen Nationen. Mehr und mehr Länder konzentrierten sich auf das, was sie am besten konnten, schauten beim Nachbarn ab, ahmten nach und vermieden die Fehler, die andere irrtümlicherweise begangen hatten." 
Man könnte noch weitere lustige Zitate aus dieser Vision hier anbringen, um ihren irrationalen Märchencharakter vorzuführen. Oder um den kompletten Unsinn dieser Vorstellung zu entlarven. In Deutschland existiert eine gewisse Form solcher Regionalität. Jedes Bundesland ist beispielsweise immer noch mehr oder weniger für die Bildungspolitik bei sich zuständig. Es wird in der Bildungspolitik aber nicht etwa nachgeahmt, was die Besten machen. Ganz im Gegenteil: In Baden-Württemberg hat es die  gegenwärtige Landesregierung inzwischen geschafft, ein einstmals gutes System ins Gegenteil umzukehren. Und Bremen macht keineswegs die Erfolge Bayerns oder Sachsens nach. 
Wer hat ein Interesse daran, Deutschland in kleine Teile zu zerstückeln? Niemand wird ernsthaft auf eine solche Idee kommen. Und sie ist auch nicht zielführend. Unbegreiflich ist in diesem Zusammenhang die Logik der Autoren. Auf der einen Seite betonen sie, dass Märkte immer die klügste Antwort finden. Deshalb sollte man sie besser nicht unterdrücken oder beschneiden. Auf der anderen Seite sehen sie aber nicht, dass es die Märkte waren, die die deutsche Reichsgründung letztlich erzwungen haben. Und es sind auch die Märkte, die eine gewisse Einheitlichkeit Europas wollen. Nicht die Rückkehr zur Kleinstaaterei ist die Antwort darauf, sondern eine Ausgestaltung dieser Notwendigkeit in einer Form, die die regionale Selbstbestimmung und Vielfalt erhält. 
Unbegreiflicherweise schießen die beiden Autoren in ihrem Buch völlig übers Ziel hinaus. Grundsätzlich jedoch ist ihr Ansatz richtig, seine Ausgestaltung jedoch mehr als nur fragwürdig. 

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