Andreas Mayer Wissenschaft vom Gehen

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Wissenschaft vom Gehen“ von Andreas Mayer

Erstaunliche Geschichten aus der Erforschung eines der scheinbar vertrautesten Tätigkeiten des Menschen, dem Gehen – von Physiologie und Medizin über die Kriminologie bis hin zur Literatur und bildender Kunst. Das Gehen ist ein vertrauter und alltäglicher Vorgang, der sich der exakten Erfassung hartnäckig zu entziehen scheint. Die Ungreifbarkeit des Gegenstandes stieß im 19. Jahrhundert eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen an, die die menschliche und tierische Bewegung messen, analysieren und auch verbessern sollten. Von der Physiologie und Medizin über die Kriminologie bis hin zur Literatur und bildenden Kunst reichen die Ansätze zur Sicherung und Verwertung von Gangspuren. Ein bisher kaum beleuchtetes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte, in dem sich zentrale soziale, politische und ästhetische Probleme des neunzehnten Jahrhunderts bündeln.

Stöbern in Sachbuch

Wir hätten gewarnt sein können

Zusammenstellung bisheriger Aussagen Trumps.

kvel

Der Egochrist

ein zeitgemäßes Werk voller Authentizität, Introspektion und Kritik

slm

Nur wenn du allein kommst

Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt.

Igelmanu66

It's Market Day

Ein gelungenes Kochbuch mit tollen Rezepten und eine Reise zu den angesagtesten Märkten Europas

isabellepf

Was das Herz begehrt

In einer lockeren, einfachen Art das wichtige Organ Herz näher gebracht!

KleineLulu

Die Stadt des Affengottes

Spannende Reise ins Herz Südamerikas

Sabine_Hartmann

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Die Greifbarkeit des Ungreifbaren

    Wissenschaft vom Gehen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    29. July 2013 um 11:14

      Zeitgleich mit dem praktischen, lebensnahen „Gehen“ von Elisabeth Bör-Hogacz erscheint dieses Buch zur wissenschaftlichen Betrachtung des „Gehens“. Jener ganz alltäglichen, eigentlich ganz einfachen Grundbewegungsart des Menschen, die doch, wie gerade dieses Buch zeigen wird, sich der Greifbarkeit, der exakten wissenschaftlichen Beschreibung immer wieder entzieht. Ein Versuch des „Fassens“ dieser Bewegung, der, wie Mayer fundiert recherchiert aufführt, vor allem im 19. Jahrhundert von gewissen Interesse für die Wissenschaft verschiedener Fachrichtungen war.   Denn gar so einfach und automatisch zu verstehen ist das Gehen nicht, wie sich zeigt. Seit Beginn der intensiven Betrachtungen Ende des 18. Jahrhunderts schon schwingen vielschichtige und abstrahierende Interpretationen in Bezug auf das Gehen mit.   „Der aufrechte Gang“ z.B. in einer damals sich verändernden Welt der Anpassung, der zunehmenden Egozentrik und  auch des zunehmenden Betruges aneinander. So ist der „Gang“ auch von „moralischen und politischen Werten durchdrungen“, die u.a. in einer propagierten „bürgerlichen Gehkultur“ mündet. Oder als eine Form der „Disziplinarmacht“, ein Prozess der inneren Disziplinierung von Körperbewegungen.   So stellt sich von Beginn an (und Mayer setzt dies as Ausgangspunkt seiner Betrachtungen) die Frage nach der Möglichkeit der „Objektivierung“ eines einfachen, mechanischen Aktes in seiner kulturell hohen und teils überhöhten Bewertung.   Hierbei unterteilt Mayer in vier Hauptbereiche seiner Darstellung. Nachdem er dem Leser das empirische Wissen über den menschlichen Gang (und das „Kultivieren einer natürlichen Gangweise“ als betont langsam und ungeregelt im bewussten Gegenpol zur mechanischen Erhöhung der Geschwindigkeit der Welt) vor Augen geführt hat, führt er die konzentrierten Versuche der Wissenschaft (zunächst von Frankreich ausgehend) aus, die „Bewegungen“ zu einem Feld der Wissenschaft zu machen („Iatromechanik“ als Vorläufer der Biomechanik). Hierbei zeigt Mayer ebenfalls die Grenzen dieses wissenschaftlichen Versuches auf (die Bewegung als „notwendiger“, aber auch „unmöglicher Gegenstand einer neuen Wissenschaft“).   Im dritten Hauptteil legt Mayer die Betrachtung des „Experimentalismus“ in Bezug auf das Gehen zum Schwerpunkt. Eine Richtung , die sich versucht, ganz auf „den natürlichen Gang“ zu konzentrieren und kulturelle Interpretationen und moralische Bewertungen zur Seite rückt, um eher in industriell-mechanischer Weise das Gehen zu erfassen.   Im letzten Hauptteil stellt Mayer die Untersuchungen zu „Lokomotionssystemen“ dar (Etienne Jules) und geht ihren sehr unterschiedlichen Rezeptionen nach. Auch dieser Versuch, eine „vollständig durchmechanisierte Moderne“ exakt zu definieren, stößt an seine Grenzen.   So verbleibt zu guter letzt eine Aufsplitterung in verschiedene, wissenschaftlichen Techniken der Annäherung an „das Gehen“, die im besten Falle koexistieren, allerdings kein wirklich gemeinsames Bild des „Gehens“ aus wissenschaftlicher Sicht am Ende des 19. Jahrhunderts ergeben.   Sehr sachkundig legt Mayer seine Darstellung vor Augen in wissenschaftlich geprägter Sprache. Diese erfordert eine sehr konzentrierte Lesehaltung, zudem das Thema an sich seit dieser „Hochzeit“ der wissenschaftlichen Betrachtung kein sonderlich gängiges Thema mehr ist.   Der Leser muss schon ein eigenes, ausgeprägtes Grundinteresse an der Forschung des „Gehens“ mitbringen, um in diesem Buch auf sein Kosten zu kommen, erhält dann aber eine durchaus fundierte und umfassende Darstellung der wissenschaftlichen Versuche zur „Objektivierung des Gehens“ und der letztendlichen Unmöglichkeit einer klaren und übereinstimmenden Definition.

    Mehr