Wien im November 1948, die Stadt liegt noch in Schutt und Asche, die Menschen suchen nach Ünterkünften und müssen hungern. Trotzdem gibt es schon wieder politische Grabenkämpfe. Die Konservativen gegen die Sozialisten und gegen die Kommunisten. In der Hoffnung das die wieder aufgetauchten Rechten den linken Parteien die Stimmen abjagen werden sie nicht mehr verfolgt und bekommen für ihre vergangenen Verbrechen nur milde Strafen. Ein schreckliches Gefühl für diejenigen die zurück gekommen sind um ihre geliebte Stadt wieder zu altem Glanz zu verhelfen und den braunen Sumpf austrocknen wBollen. Ein Rückkeher ist Herschel Apfelbaum er klagt einen Nazi an seine Familie getötet zu haben. Daraufhin verschwindet er. Bronstein ein ehemals verfolgter Kriminalist ermittelt gegen jeden Widerstand in diesem Fall, in den letzten Tagen vor seiner Pensionierung gibt er noch einmal alles für die Gerechtigkeit und für eine bessere Zukunft.
Der Krimi ist atmosphäirsch dicht geschrieben. Die Sprache, die Ausdrücke alles passt in diese Zeit . Groüe Namen rufen Erinnerungen hervor. Denn zu der Zeit wird der Film "Der dritte Mann" in Wien gedreht mit Orson Wells und Paul Hörbiger. Allein die Beschreibung wie dieses Geschehen auf dem desissolinisierten Bronstein wirkt, ist wie eine Filmszene.
Das Wiedererstarken der Rechten noch während der Kontrolle der Siegermächte ist erschreckend. Es macht Angst dieses geschichtliche Detail denn wenn es damals schon keine Erinnerungskultur gab wie soll es sie denn heute geben.
Am Ende siegt Bronstein, über das Verbrechen, über die Gesellschaft und auch über seine Melancholie.
Andreas Pittler
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Andreas Pittler
Historiker und Autor Andreas Pittler lässt seinen Oberst David Bronstein ein letztes Mal in seiner aktiven Dienstzeit ermitteln bevor er im November 1948 in den Ruhestand übertritt.
Es sind nur mehr wenige Tage bis Bronsteins Ruhestandsversetzung, als der Mord an der Prostituierten Josefine Dangl die Wiener Polizei in Atem hält. Bronstein erhält den Auftrag im Milieu zu ermitteln, wohin er doch so gute Kontakte hätte, wie sein Chef Berner im Kommissariat Leopoldstadt süffisant bemerkt. Nahezu gleichzeitig meldet ein betagter Mann die Entführung eines offensichtlich jüdischen Mannes durch vier Personen auf der Praterstraße. Wenig später wird die Leiche jenes Mannes aus der Donau geborgen, den Bronstein und eine alte Frau als Herschel Apfelbaum identifizieren, der 1938 gerade noch emigrieren konnte. Was hat ihn veranlasst im Herbst 1948 in das zerstörte Wien zurückzukommen?
Bei seinen von Chef Berner nicht goutierten Recherchen deckt Bronstein ein abgrundtief hässliches Verbrechen aus dem Jahr 1938 auf. Die damaligen Täter sonnen sich in ihrem Bewusstsein, dass alle ihre Taten, die sie während des NS-Regimes begangen haben, nun amnestiert sind. Die aktuelle politische Lage, niemand will mit den Nazis etwas zu tun gehabt haben und man möge doch bitte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, macht es ihnen leicht.
Doch sie haben die Rechnung ohne Oberst Bronstein gemacht, dessen Gerechtigkeitssinn schon fast fanatisch zu nennen ist und der noch mit den Nazis noch eine sehr persönliche Rechnung offen hat. Wie häufig ermittelt er auf eigene Faust und kümmert sich wenig um die Anordnungen seines Vorgesetzten. Kann er die Sache Apfelbaum zu einem Abschluss bringen und anschließend in den Ruhestand gehen?
Meine Meinung:
Dieser 9. Fall für Oberst David Bronstein spielt im Jahr 1948 und ist daher zeitlich vor dem 8. Fall „Goodbye“ angesiedelt, der im Jahr 1955, dem Jahr in dem Österreich den lang ersehnten Staatsvertrag erhält und die die vier Besatzungsmächte endlich das Land verlassen, spielt.
Wie wir es von Historiker und Autor Andreas Pittler kennen, erklärt die Zusammenhänge der Politik ohne den Eindruck zu erwecken, Geschichtsunterricht zu erteilen. Diese unterschwellige Art historische Zahlen, Daten und Fakten zu vermitteln, ist die große Kunst des Andreas Pittler. Er vermittelt Geschichtsunterricht, ohne dass die Leser dies merken. Seine „Unterrichtseinheiten“ sind in den fesselnden Krimi eingebettet. Er bringt uns die Stimmung in Wien näher, ohne zu werten. Wir erleben die antisemitischen Ansichten zahlreicher historischer Persönlichkeiten wie von SPÖ-Innenminister Oskar Helmer und abwärts bis hin zur kleinsten und fiktiven Hausmeisterin. Geschickt verknüpft der Autor Fakten mit Fiktion.
Die Versorgungslage drei Jahre nach Kriegsende ist in Wien nach wie vor trist. Es mangelt an allem und jenem. Selbst wenn man über die entsprechenden Lebensmittelkarten verfügt, heißt das noch lange nicht, die aufgerufenen Güter des täglichen Lebens zu erhalten. Auch Zigaretten sind nur auf Karte (oder im Schleichhandel) erhältlich. Hier muss ich mich (obwohl ich Nichtraucherin bin) ein wenig empören, hat man doch den Frauen anfangs nur 20 Zigaretten pro Monat zugestanden, während Männer 40 Stück erhalten haben. Erst als eine Frau zu Gericht gegangen ist, um die gleiche Menge zu erhalten, hat man dem nachgegeben. Nun, immerhin soll mit Beginn des Jahres 1949 die Rationierung für Zigaretten aufgehoben werden. Ein kleiner Lichtblick für den starken Raucher Oberst Bronstein.
Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 26. Oktober und dem 5. November 1948. Bronstein ist getrieben, diesen letzten Fall aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen.
Die Charaktere sind wie gewohnt, authentisch beschrieben. So kann ich David Bronsteins Gedanken nach einem über 41 Jahre dauernden Berufsleben nachvollziehen, wenn er nicht weiß, was er mit seiner Freizeit anfangen soll. Frühere Weggefährten sind entweder ermordet worden oder einfach so gestorben oder wie sein ehemaliger Kollege und Freund Andreas Cerny in die Tschechoslowakei ausgewandert und hat dort Karriere gemacht. Die Jahrzehnte im Polizeidienst und die Politik haben Oberst David Bronstein zu einem einsamen Mann gemacht. Immerhin trifft er sich mit Heinrich, einem ehemaligen Polizisten zum Schach spielen - auch wenn Bronstein immer verliert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Fall für Oberst David Bronstein wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.
Als Sonja Hinterschartner wenige Wochen nach ihre Hochzeit mit deutlich jüngeren Vito Pedruzzo an einer Pilzvergiftung stirbt, glauben ihre Freundinnen nicht an ein Unglück. Die fünf Frauen stehen beim Villacher Polizisten Gerry Lassnig an der Budel und verlangen eine polizeiliche Untersuchung. Dabei hat der mit zahlreichen Einbrüchen in Villach genug zu tun. Daher holt er sich die beiden Ferlacher Polizisten Sigi Obiltschnig und Ferdinand Popatnig, die jeweils mit einer halben Planstelle dem LKA Kärnten zugeteilt sind, zu Hilfe.
Gerade eben haben Sigi und Ferdl die Ergebnisse der Fußballspiele des letzten Wochenendes diskutiert. Nun stürzen sie sich in die Ermittlungen, die allerlei Interessantes zu Tage fördert, nur kein Mordmotiv. Die Eltern von Sonja waren heilfroh, dass ihre Tochter endlich unter die Haube gekommen ist. Sie war ja, ein spätes Mädchen oder, wie man etwas despektierlich meint, eine „Überstandige“.
Als die beiden Ermittler herausfinden, dass Sonjas Tod nicht als bedenklicher Todesfall eingestuft und ihre Leiche daher obduziert worden ist, klingeln natürlich nicht nur bei Sigi und Ferdl alle Alarmglocken, sondern auch bei den gewieften KrimileserInnen. Das schreit förmlich nach einem Erbschleicher, der sich seiner Angetrauten entledigt hat, um an ihr Vermögen zu kommen. Doch blöderweise gibt es ein solches gar nicht. Denn, obwohl Sonjas Eltern einen großen Bauernhof bewirtschaften, ist der wegen allerlei Vorschriften kaum zu verkaufen. Und die Sonja wollt‘ eh nie Bäuerin werden, so die Eltern.
Also macht man sich, nicht immer ganz dienstlich autorisiert, auf Spurensuche, die zunächst bis nach Venzone im Kanaltal und als man den Fall schon zu den Akten gelegt hat, zu einer späten „Fact-Finding-Mission“ bis nach Sizilien führt.
Und beinahe fast ganz nebenbei entdecken die beiden noch etwas ganz anderes.
Meine Meinung:
Ich war ja ohnehin wild entschlossen, diese Fortsetzung der Kärnten-Krimi-Reihe vom Wiener Autor und Historiker Andreas Pittler zu lesen, weil ich erstens den Autor sehr mag und zweitens das Ermittler-Duo lieb gewonnen habe. Als ich dann das Cover, das den Villacher Hauptplatz mit Blick auf die Stadtpfarrkirche zeigt, gesehen habe, war es um mich geschehen: Haben will, lesen muss! Als halbe Villacherin freue ich mich immer, wenn Bücher in der väterlichen Heimatstadt spielen. Da kann ich gedanklich nach Herzenslust durch die Straßen und Gassen, wie hier durch die Lederergasse, über den Udo-Jürgens-Platz oder den Hauptplatz flanieren sowie am Nikolaiplatz, im Café Bernold mit Blick auf die Drau, eine Torte essen.
Andreas Pittlers Schreibstil ist wie immer genial. Schon lange habe ich den Kärntner Ausdruck des Erstaunens „Leck Fettn“ (S. 13), mit dem ich quasi aufgewachsen bin, nicht mehr gehört. Der scheint in Österreichs südlichstem Bundesland durch allzu häufigen Konsum von deutschem TV-Programmen und allgemeiner Sprachlosigkeit (Gibt es dafür ein Emoji?) nicht mehr allzu häufig verwendet werden.
Die humorvollen Dialoge, in denen sich Obiltschnig und Popatnig die Bälle (oder wie man in Wien sagt: die Wuchteln) zuspielen, haben mich mehrmals schmunzeln lassen. Damit sind wir wieder beim eingangs erwähnten wichtigen Thema Fußball:
„Die Austria hat gestern die Rapid paniert. Vier zu Null.
Welche? Die aus Wien oder die unsere?“
(Zur Information an Unkundige: Es gibt den Fußballverein Austria Wien und jenen namens Austria Klagenfurt.)
Es wäre nicht Andreas Pittler, wenn er nicht neben dem Lokalkolorit auch ein bisschen Sozialkritik in seinen Romanen anbrächte. Die Charaktere sind wie immer sehr gut herausgearbeitet und zeigen so ein Abbild der Gesellschaft.
Wie schon bei den beiden Vorgängern dürfen wir - diesmal ein wenig intensiver - am Privatleben der beiden Polizisten teilhaben. Während Ferdinand mit seiner Resi bereits länger in festen Händen ist, flattert Sigi von einer weiblichen Blüte zu nächsten, und kann sich nicht entscheiden. Doch diesmal scheint auch ihn der Blitz getroffen zu haben. Das verspricht Aufregung für den nächste Fall. Wo der wohl spielen mag? Seeboden am Millstättersee im Milieu der Jäger?
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der uns in die Draustadt Villach führt, 5 Sterne.
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