Andreas Schäfer Taschenbücher / Gesichter

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Inhaltsangabe zu „Taschenbücher / Gesichter“ von Andreas Schäfer

Familienurlaub auf einer griechischen Insel. Auf der Rückreise wird der Neurologe Gabor Lorenz am Hafen von Patras Zeuge, wie ein junger Mann auf einen Lastwagen springt, um unbemerkt auf die Fähre zu gelangen, mit der auch Lorenz und seine Familie nach Italien übersetzen. Das Bild lässt Lorenz nicht mehr los. Während der Überfahrt sucht er den Mann und wirft eine Tüte mit Lebensmitteln in den Laster, in dem der Fremde sich versteckt. Zu spät fällt ihm ein, dass sich darin auch Postkarten mit seiner Berliner Anschrift befinden.
Es dauert eine Woche, bis die erste dieser Karten bei Familie Lorenz ankommt, abgestempelt in Modena. Kurze Zeit später die zweite – mit Münchner Poststempel. Da weiß Lorenz, dass der Flüchtling näher kommt, dass er auf dem Weg ist zu ihm. Ein diffuses Gefühl von Bedrohung schleicht sich in Lorenz’ Alltag, das sich als Misstrauen in alle Lebensbereiche frisst.
›Gesichter‹ ist ein großer Roman, ein spannendes Seelendrama, das davon erzählt, wie jemand alles aufs Spiel setzt, weil er nicht in der Lage ist, sich selbst zu erkennen.
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  • Gute Ansätze mit Luft nach oben.

    Taschenbücher / Gesichter

    Schneekatze

    26. October 2014 um 19:00

    Klappentext: „Familienurlaub auf einer griechischen Insel. Auf der Rückreise wird der Neurologe Gabor Lorenz am Hafen von Patras Zeuge, wie ein junger Mann auf einen Lastwagen springt, um unbemerkt auf die Fähre zu gelangen, mit der auch Lorenz und seine Familie nach Italien übersetzen. Das Bild lässt Lorenz nicht mehr los. Während der Überfahrt sucht er den Mann und wirft eine Tüte mit Lebensmitteln in den Laster, in dem der Fremde sich versteckt. Zu spät fällt ihm ein, dass sich darin auch Postkarten mit seiner Berliner Anschrift befinden. Es dauert eine Woche, bis die erste dieser Karten bei Familie Lorenz ankommt, abgestempelt in Modena. Kurze Zeit später die zweite – mit Münchner Poststempel. Da weiß Lorenz, dass der Flüchtling näher kommt, dass er auf dem Weg ist zu ihm. Ein diffuses Gefühl von Bedrohung schleicht sich in Lorenz’ Alltag, das sich als Misstrauen in alle Lebensbereiche frisst. ›Gesichter‹ ist ein großer Roman, ein spannendes Seelendrama, das davon erzählt, wie jemand alles aufs Spiel setzt, weil er nicht in der Lage ist, sich selbst zu erkennen.“ Inhalt: Hauptprotagonist Lorenz Gabor hilft einem blinden Passagier bei der Überfahrt, verliert seine Postkarten bei ihm und diese werden ihm nach und nach geschickt: Der Fremde kommt näher. Es geht einerseits um mehr, andererseits um weniger, als der Klappentext verrät. Die Umstände zeigen ein Drama, das im Grunde vorher bereits existierte. Mir kam es so vor, als gäbe es verschiedene Themen und Richtung in dem Roman, die dadurch alle nur angerissen werden konnte. Die Beschäftigung mit der Gesichtswahrnehmung, das familiäre Drama im Hause Lorenz, der fremde Passagier, das berufliche Voranstreben – schöne Ideen mit interessanten Handlungen und Gedanken, aber nicht genug Tiefe. Idee & Umsetzung: Spannende Idee, aber an der Umsetzung haperte es. Wie Gabor sich verfolgt fühlt und wie der fremde Mann plötzlich überall auftaucht, das fand ich super beschrieben. Die ständige Anwesenheit des Fremden, der durch seine Anwesenheit sogar Gabors Karriere sabotiert. Aber am Ende bleiben zu viele Fragen offen, da die Story in eine andere Richtung weiterfließt, mit der man nicht gerechnet hatte, und dafür das eigentliche Thema vernachlässigt wird. Aufbau & Stil: Der Roman fängt ruhig an, die Personen werden vorgestellt, das Umfeld und was Gabor in seinem Beruf eigentlich genau macht. Prosopagnosie – Gesichtswahrnehmung und Gesichtserkennung – ist das Hauptthema von Gabor Lorenz. Dabei gibt es einige interessante Gedanken dazu. Die eigentliche Story mit den Postkarten wird zur Mitte hin ziemlich spannend, dass ich kaum das Buch aus der Hand legen konnte, flacht aber auch schnell wieder ab. Der Stil ist recht gut, nur die Satzstellung und die Zeitsprünge am Anfang verwirrten mich. Besonders als die Familie auf der Fähre ist und sich die Zeit beispielsweise mit Geschichten von den Nachbarn mischt, wusste ich nicht, wo die Familie sich denn jetzt im Augenblick überhaupt befinde. Auch an anderen einzelnen Stellen wusste ich nicht immer, um was es ging, weil die Satzstellung eine Zweideutigkeit zuließ. Fazit: 3/5 Gute Ansätze mit Luft nach oben. Da wäre noch mehr drin gewesen. Lieblingszitate: »Die interessantere Frage war doch: Warum können wir Gesichter überhaupt wiedererkennen? Gesichter, die wir zwanzig oder dreißig, manchmal sogar fünfzig Jahre nicht gesehen haben, aufgedunsene, abgemagerte oder in die Breite getriebene Gesichter, die ihren Charakter verändert haben: das Bindegewebe erschlafft, Wangen eingefallen, Nasen und Ohren vergrößert, und trotzdem – wusch! – ein Blitz der Erkennens, dreihundert Millisekunden schnell, und die bekannte Person tritt aus der Menge hervor. Als trüge jeder, verborgen in seinen veränderbaren Zügen, sein persönliches Urgesicht mit sich herum, eine Matrix aus Winkeln, Abständen und Proportionen, eine rätselhafte Mischung aus signifikanten Merkmalen, ihren Verhältnissen und einem damit verbundenen Ausdruck, dem die Stürme der Zeit nichts anhaben können.« (S. 75) »Wie ein unbeteiligter Beobachter wunderte er sich darüber, was zwischen Menschen, die nichts voneinander erwarteten, möglich war, während sich irgendwo tief in ihm riesige Schaufelräder durch ein Erdreich fraßen und auf einen Ort zubewegten, den er sich als seine Zukunft dachte. Die unwirkliche Langsamkeit dieser Verwandlung kam nicht in Einklang mit der Schnelligkeit, mit der die Semester rasten, eine Prüfung der nächsten folgte. Selbst wenn er gewollt hätte, die Fliehkräfte waren zu groß, seine Furcht, nach den Schwierigkeiten mit dem Physikum den Anschluss zu verlieren.« (S. 109)

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  • Leicht verzerrt

    Taschenbücher / Gesichter

    schweppisweppi

    01. November 2013 um 13:18

    Der Roman ist interessant geschrieben, Andreas Schäfer ein Autor, den man im Auge behalten sollte Doch hat mich an diesem Roman einiges gestört: Es ist und bleibt ohne Wechsel die Perspektive der Hauptfigur Gabor. Der Mann schlingert durchs Leben, als Leser bleibt man in seiner Perspektive, die jedoch nicht immer nachvollziehbar erscheint. Denn viele Handlungen sind spontan, ohne Reflexion, was sicherlich zum Charakter gehört, aber eben eine Verständnisschwierigkeit darstellt. Dies führt dazu, dass die Beziehungen zum Teil nicht durchweg  stimmig erscheinen, zum Beispiel das Verhältnis zur Tochter. Am stärksten ist das Buch im letzten Viertel, während es vorher nicht die erwartete Dynamik zeigt.

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  • Ein spannendes und sprachlich gelungenes Familiendrama über Bedrohung und Schuld

    Taschenbücher / Gesichter

    WinfriedStanzick

    17. September 2013 um 13:13

      Er heißt Gabor Lorenz, ist ein erfolgreicher Neurologe an einer Klinik in Berlin und hat lange über Demenz geforscht. Denn sein Plan ist seit langem, zum Professor ernannt zu werden. Wohl auch deshalb hat er vor einigen Jahren sein Forschungsgebiet gewechselt und arbeitet nun zu den verschiedenen Formen der Gesichtsblindheit, der Prosopagnosie.   Er ist glücklich verheiratet, hat eine etwa 14 - jährige Tochter namens Nele und einen noch kleinen Sohn, der den Kindergarten besucht. Seine Frau Berit verdient seit einiger Zeit als Erbenermittlerin gutes eigenes Geld, das aber im Haus von Gabor noch nie wirklich gefehlt hat. Seit langen Jahren fahren sie im Sommer auf eine griechische Insel, wo sie ein Haus besitzen, auf das den Rest des Jahres ein befreundetes englisches Ehepaar aufpasst.   Gabor liebt diese Aufenthalte auf der Insel und er hat es sich zur Tradition gemacht, während des Urlaub mehr oder wenige poetische Postkarten an seine Frau zu schreiben, die er dann, zurück in Deutschland, peu a peu an sie zustellt.   So könnte es auch dieses Jahr sein, wäre die Insel nicht seit einigen Wochen Zufluchtsort von Hunderten von Flüchtlingen aus Afrika und anderen Ländern, unter denen es sich herumgesprochen hat, dass die Inselbewohner, um sie schnell loszuwerden, die Fährgesellschaft dafür bezahlen, sie nach Athen mitzunehmen, von wo aus sie leichter nach Westeuropa zu kommen hoffen.   Bei der Abreise seiner Familie nach einem entspannten Urlaub sieht Gabor an der Fähre, wie ein solcher Flüchtling sich im Unterdeck der Fähre in einem Laster verstecken will, folgt ihm (warum eigentlich, fragt sich der Leser bis zum Ende) und wirft dem vor ihm weglaufenden jungen Mann einen Beutel mit Proviant hinterher. Er weiß in diesem Moment nicht, dass sich in dem Beutel auch die an seine Frau adressierten Postkarten befinden.   Als nach einigen Tagen in Berlin eine erste Postkarte eintrifft, die in Modena, wo er bei der Landung den Flüchtling in den Händen der Polizei gesehen hatte, abgestempelt ist, und wenig später eine zweite in München eingeworfene, da weiß Gabor Lorenz, dass dieser Flüchtling auf dem Weg zu ihm ist.   Spätestens zu diesem Zeitpunkt entwickelt die von Andreas Schäfer, der selbst griechische Wurzeln hat, klug und spannend aufgebaute Handlung eine immense Sogkraft, die den Leser nicht mehr aus ihrem Bann lässt. Gabor Lorenz, vorher die Ruhe in Person und sowohl privat als auch im Beruf auf beiden Beinen stehend, wird zu einem Nervenbündel, dem alles aus der Hand zu gleiten droht. Überall wittert er, meist mit guten und nachvollziehbaren Gründen, die fantasierte Rache des Flüchtlings, den er auf seinen Fersen wähnt.   Seine Familie und  seine Kollegen sind noch dabei, mit dieser schwerwiegende Verhaltensänderung von Gabor zurechtzukommen und sie zu interpretieren, da verschwindet Nele spurlos. Für Gabor ist klar: sie befindet sich in den Händen jenes Mannes auf dem Laster…   Andreas Schäfer ist es hervorragend gelungen, einen individuellen psychischen Konflikt mit einer gesellschaftlichen Problematik zu verbinden und daraus eine enorme Spannung abzuleiten. Doch obwohl das Thema Migration und die heimliche Furcht des deutschen Bürgertums vor dem Verlust seiner Privilegien durchaus immer wieder durchscheint, ist es nicht das Hauptthema. Hauptsächlich geht es um die Angst und die Bedrohung, wenn einem das eigene Leben, die Familie und der Beruf langsam aus den Händen zu gleiten scheinen.   Ein spannendes und sprachlich gelungenes Familiendrama über Bedrohung und Schuld.    

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