Andreas Schlieper Was darf Religion?: Ein Essay zur aktuellen Beschneidungsdebatte

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Inhaltsangabe zu „Was darf Religion?: Ein Essay zur aktuellen Beschneidungsdebatte“ von Andreas Schlieper

Dies ist kein Buch für die Infotainment- Kultur. Aber für den Leser, der mitdenkt und gewisse Vorkenntnisse hat. Eher hohes Anspruchsniveau.

— rumble-bee
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    Was darf Religion?: Ein Essay zur aktuellen Beschneidungsdebatte

    rumble-bee

    28. July 2013 um 00:39

    Darf man dieses Schriftstück überhaupt als "Buch" bezeichnen? Ich war skeptisch, zumal es ja als "Essay" betitelt ist. Ich hatte mich auf eine handfeste Polemik eingestellt. Mehr war in der Kürze nicht zu haben, dachte ich. Doch so war es nun wieder nicht. Wie der Autor selber zugibt, entzündet sich seine kleine, recht gut unterfütterte Streitschrift eher zufällig an der Beschneidungsdebatte, die uns im Sommer 2012 heimsuchte. In einleitenden Kapiteln wird der Verlauf der Debatte nachgezeichnet, sowie der Hintergrund erläutert - was nämlich die Beschneidung sowohl für Juden als auch Muslime bedeutet, und wie sie praktiziert wird. Man erfährt schon so einiges Wissenswertes - dass man als religiöser "Beschneider" keine spezielle Ausbildung braucht. Welche gesundheitlichen Bedenken es gibt. Welche Techniken. Und welche Differenzierungen innerhalb des Judentums. Hier setzt allerdings schon mein erster Kritikpunkt an. Das Büchlein handelt zuvorderst von der jüdischen Beschneidung, obwohl sich die juristische Debatte an einem Fall einer muslimischen Beschneidung eines kleinen Jungen in Köln entzündet hatte. Die Muslime kommen im Buch nur sehr am Rande vor. Hat dieser Aspekt den Autor weniger interessiert? Waren die Quellen schwerer zugänglich? Oder waren die Juden damals einfach nur lautstärker in ihrem Protest, als das erste Urteil des Landgerichts Köln verlautbart wurde? Der Verlauf des "Essays" war allerdings schon recht spannend in seinen Schlussfolgerungen. Der Autor entfernt sich nämlich von der Ausgangsdebatte, um in groben, aber doch fundierten Zügen aufzuzeigen, was berühmte Denker zu Staat und Religion zu sagen hatten. Allerlei Philosophen kommen zu Wort, der Autor hat seine Hausaufgaben wohl gemacht: sowohl Hobbes als auch Locke, Kant, sowie die berühmten jüdischen Denker Moses Mendelssohn und Moses Maimonides werden zitiert. Er bietet keine Lösung an, zeigt aber sehr wohl auf, wie vielschichtig die Lage ist. Ist Religion Privatsache, oder in einem Rechtsstaat verhandelbar? Wenn man sich auf eine juristische Komponente der Religion einigen könnte, was müsste dann noch alles verhandelt werden - zum Beispiel Feiertage und Bestattungsriten, um nur zwei zu nennen? Und vor allem - wer wäre den jeweiligen Religionen gegenüber überhaupt weisungsbefugt? Gerade bei den Juden scheint dies ausgesprochen schwierig zu sein. Ich mag letzten Endes aber nur drei Sterne geben. (Mit einem gedachten "Plus".) Dies hat mehrere Gründe. Zuerst einmal wird mir die persönliche Position des Autors nicht deutlich genug. Im Klappentext wird er lediglich als "bekennender und praktizierender Rheinländer" bezeichnet. Das ist mir persönlich zu wenig, auch wenn die Formulierung natürlich witzig ist. Ich möchte wissen, aus welcher Haltung heraus ein Autor von Sachbüchern argumentiert, sonst kann ich ihn nur schwer einordnen. Im Text hält er sich jedenfalls persönlich weitestgehend zurück. Zufällig habe ich gerade erst Richard Dawkins gelesen, und finde, dass es gewisse Parallelen in der Argumentation gibt. Überdeutliche Parallelen. Nur - es gibt keinerlei Literaturverzeichnis, ja, noch nicht einmal Fußnoten oder Anmerkungen. Gerade bei einem solch wichtigen Thema wäre das für mich unabdingbar gewesen! Ich möchte wissen, auf welche Quellen sich jemand bezieht. Und zu guter Letzt habe ich so manches Mal ob der Sprache und Ausdrucksweise die Stirn gerunzelt. Die Sätze sind oft eher verschachtelt, manche Beschreibungen hart am Rande des Sarkasmus. Etliche Ausdrücke fallen aus dem alltäglichen Sprachregister heraus, wie "eilfertig", "letzthinnig" (sic!!) oder "Mosleme" - was meiner Meinung nach sowieso falsch ist. Es müsste "Muslime" heißen. Mein Fazit bleibt jedoch - eingeschränkt - positiv. Dieses Essay richtet sich sicherlich nicht an einen Durchschnittsleser ohne Vorkenntnisse. Eher an einen geübten Konsumenten von Feuilletons und Glossen. Und an einen Menschen mit Verstand, der fähig ist, der teils verschachtelten Argumentation zu folgen.

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