Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk

von Andreas Stichmann 
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk
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Inhaltsangabe zu "Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk"

'Andreas Stichmanns Roman macht glücklich.' DIE WELT

Hamburg-Osdorf. Der Sonnenhof – früher alternatives Wohnprojekt, heute eher betreutes Wohnen – hat schon bessere Zeiten gesehen. Findet Ramafelene, der seit seiner Kindheit dort lebt.
Schlimm. Findet auch Bianca, die auf dem Sonnenhof ihre Sozialstunden ableistet. Bianca, mit den blauen Haaren, in die Ramafelene sich verliebt. Was Mitbewohner Küwi nicht gefällt, obwohl er gerade selbst einen neuen Freund gefunden hat: einen Mann ohne bürgerlichen Namen. Einen Mann mit einer Vision. Die den Sonnenhof miteinschließt. Schlimm? Man wird sehen.

Ein hochkomischer und zutiefst ernsthafter Roman über Güte, Durchtriebenheit, Solidarität. und die Entführung eines Millionenerben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499290893
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:26.06.2018

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    Girdies avatar
    Girdievor 2 Jahren
    Ungewöhnliche Geschichte und einzigartige Charaktere

    Im Roman „Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk“ lässt Andreas Stichmann in Hamburg-Osdorf frischen Wind und neue Ideen in die beschauliche und seit Jahren existierende Wohnsiedlung Sonnenhof durch zwei Charaktere einkehren. Früher als alternatives Wohnprojekt gegründet dient sie heute dem betreuten Wohnen unter der Leitung von Ramafelene Meisner, dem Sohn der Gründerin und passenderweise so wie sie von Beruf Sozialarbeiter. Einerseits erscheint dort die 17-jährige Bianca, genannt Bibi, vom Äußeren her schon durch ihre blauen Haare auffallend. Sie soll dort ihre Sozialstunden ableisten und sinnt dabei über einen Ausweg der ihr drohenden Unterbringung in einem Heim nach. Andererseits hat sich David van Geelen, Miterbe eines Unternehmens und Focusing-Trainer den Sonnenhof und seine Bewohner bewusst dazu ausgesucht mit ihm gemeinsam vom Projekt der Entführung eines Millionärs zu profitieren. Er möchte die Welt verändern, ist sich aber bewusst, dass er das nicht alleine schafft.

    David setzt auf das Schwarmverhalten so wie bei Fischen. In Bezug darauf bezeichnet er sich selbst als Seapunk, also als jemand der wie alles vom Meer beeinflusst wird. Entsprechend ist das Cover in aquablau gestaltet mit dem Bildelement eines Wals. Die im Buch enthaltenen bunten Seapunk-Collagen zeigen Beispiele für die gleichnamige Stilrichtung. Das sieht gut aus, hat aber auf den Handlungsablauf keine Einwirkung.

    Jeder Charakter dieses Romans scheint auf der Suche zu sein. Ramafelene sucht nach neuen Konzepten, um mehr Geld zur Erhaltung und Renovierung der Wohnanlage einzunehmen. Seine Mutter sucht nach einer Möglichkeit selbstbestimmt im Alter zu leben, der Bewohner Küwi sucht mittels Detektor nach realen Schätzen, Bibi sucht nach einer dauerhaften Bleibe und David van Geelen nach Mitstreitern für seine Idee.

    So kurios und komisch wie das Aufeinandertreffen dieser Figuren auch sein mag, so nachdenklich stimmen die Sorgen der Personen, die hier versammelt sind. Der Autor bildet dadurch einige Themen unserer Gesellschaft ab. Bibi steht als Vertreterin der Jugendlichen, die eine dunkle Zukunftsperspektive für sich sehen und aus Langeweile unüberlegt und eher beiläufig straffällig werden. Ingrid, auch dunkle Inge genannt, hat viel erreicht in ihrem Leben und vertritt die ältere Generation die umsorgt altern möchten. Ihrem Sohn ist es noch nicht gelungen eine Lebensgefährtin zu finden. Seine große Zuneigung zu Bibi ist nicht zu übersehen, aber der Altersunterschied ist groß. Die behinderten Bewohner möchten entsprechend ihrer Fähigkeiten aktiv am Alltag beteiligt werden und nicht nur nutzlos beschäftigt sein. Die Idee von David übersteigt schließlich alles. Erscheint sie auf den ersten Blick als wahnwitzig aber genial, so ist sie auf den zweiten zu hinterfragen.

    David wurde durch das Verhalten seiner Eltern ihm gegenüber geprägt. Das was er heute ist, hat er zum größten Teil seiner Umwelt zu verdanken. Seine Idee spricht für ihn, doch die Umsetzung richtet er gegen die Schatten seiner Vergangenheit. Über die Konsequenzen hat er sich wenig Gedanken gemacht. An dieser Stelle treibt denn auch der Ernst der Sache an die Oberfläche.

    Andreas Stichmann schreibt schlicht und auf wesentliche Details beschränkt aus unterschiedlichen Erzählperspektiven. „Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk“ ist ein Abenteuer, das auf den Prüfstand zu stellen ist. Der Autor brachte mich dazu, darüber zu rätseln wie weit man gehen muss um, eine gewachsene Gemeinschaft aufzubrechen und die Zugehörigen zu instrumentalisieren. Wenn auch das Verbrechen am Beginn einer Weltveränderung bei mir ein Störgefühl hervorrief, so war das Lesen doch verbunden mit Einzigartigkeit der Charaktere und einer ungewöhnlichen Geschichte. Das Ende war vielversprechend, ließ aber Raum zum Weiterdenken. Kein Buch für jedermann, eher für Denker die Situationskomik mögen.

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    Andreas Stichmann ist ein Spezialist für gerade so weit ins Phantastische verrückte Geschichten rund um verschrobene Existenzen, dass zwar die Ränder verschwimmen, man das Zentrum aber umso klarer sieht. So als sei ein kleiner Bereich kugelförmig aus der Wirklichkeit herausvergrößert worden. Lupenfunktion … Es sind aber gar nicht die großen Konzepte, die diesen schelmischen Roman besonders machen, sondern die oft in wenigen Worten so konturscharf wie komisch gezeichneten Szenen aus dem Inneren des Narrenraumschiffs, das der Sonnenhof zuallererst einmal ist … das hat Stil und Humor. Selten genug.

    Stichmann verschiebt die Wörter und Bedeutungen, bis das sanfte Licht der Menschlichkeit aus den Ritzen tritt. Und das ist in der heutigen Gegenwartslage immerhin eine Ansage. Eine literarische zumindest … Andreas Stichmanns Roman macht glücklich.

    Der Roman ist mehr als nur ein kleiner Abgesang auf alte Weltverbesserungsprojekte … er spürt den elementaren Widersprüchen nach: zwischen den Ideen, an die sich die einzelnen Menschen klammern, und den undurchschauten Affekten und Erinnerungsresten, die tatsächlich hinter der Begeisterung für diese Ideen stecken.

    Stichmann erzählt von der Sehnsucht nach Erneuerung und zugleich den Fesseln des Pragmatismus. Indem der 1983 in Bonn geborene Autor dabei Farce und philosophischen Diskurs vermischt und Absurdität und Glanz großer Visionen thematisiert, trifft er den Nerv der Zeit.

    Die Prosa des 1983 geborenen Andreas Stichmann wirkt beiläufig. Doch sie ist im höchsten Maße konzentriert: Es ist die traumtänzerisch sichere Sprache eines Schriftstellers, der weiß, dass ein falsches Wort zum Absturz führt, und der doch ein realistischer Autor sein will, einer, der zum inneren Kern der Wirklichkeit vorstößt und sie zum Leuchten bringt. Diese Balance zwischen zwei Erzählweisen erschließt uns eine Weltsicht, wie es sie in der deutschen Gegenwartsliteratur so noch nicht gab.

    Andreas Stichmann hat von jeher ein großes Gespür für soziale Querlagen und für die politischen Parolen, mit denen man sie wahlweise zu verschieben oder zu verharmlosen droht. Gleichzeitig weiß er um die Verwandlungsmacht der Imagination.

    Er beherrscht perfekt die Balance zwischen einem erdgebundenen realistischen Erzählen und einem kalkuliert pathetisch überhöhten, deklamatorischen Stil. All seine Figuren in diesem prekären Milieu umhüllt er mit feiner Ironie, ohne sie dabei vorzuführen oder der Lächerlichkeit preiszugeben … ein höchst unterhaltsames, komisches Buch, in das die Frage, wie Solidarität und Hilfsbereitschaft praktisch gelebt werden können, ohne sozialromantische und moralisierende Attitüde eingeschrieben ist.

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