Andreas Stichmann Jackie in Silber

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Inhaltsangabe zu „Jackie in Silber“ von Andreas Stichmann

Held sein! Darum geht es doch. Frisch auf, geradeaus! Auf der Party, in der Sauna, als Öko-Tourist in Afrika. Und natürlich beim Club alleinstehender Herren. Immer noch ausgefallener sein, noch ausgelassener, noch weiter vorne. Dass Helden scheitern, ist der Lauf der Dinge. Sie bleiben zurück im trostlosen Hawaiihemd, im eigentlich doch nicht so glamourösen Silberkleid. Und was bleibt noch? Eine ganze Menge mehr. Andreas Stichmanns Helden finden sich in den unterschiedlichsten Situationen wieder: Etwa in Südafrika, wohin die Erzählung »Malealea« führt. Dort sehen sich zwei junge Männer trotz aller Offenheit unüberwindbarer Fremdheit gegenüber, aber auch unvergesslichen Eindrücken. In »Goldener Stern« wird versucht, Mädchen zu beeindrucken – unverständlicherweise durch Sport. Und dann bleibt noch die Frage: Wer ist Rex Huhmann? In diesen Erzählungen trifft der Leser auf eine neue junge Stimme, und auf einen Blick, der sich abseits der begangenen Wege neu auf die Welt einlässt. Mit allen Folgen. Andreas Stichmanns Prosa ist klar, ohne einfältig zu sein. Sie ist rund, ohne glatt zu sein. Sie hat angenehm greifbare Ecken. Sie ist witzig, ohne mit dem Humor durch die Luft zu wedeln. Und es finden sich Sätze in ihr, mit denen man sofort seine Wohnung schmücken möchte.

das Buch macht Lust auf mehr Erzählungen von Andreas Stichmann. lesenswert!

— giulianna

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  • Rezension zu "Jackie in Silber" von Andreas Stichmann

    Jackie in Silber

    Ricardo Caeiro Pessoa

    01. November 2009 um 21:01

    Andreas Stichmann: Jackie in Silber. Erzählungen „Ein Hauch von Zauber in entzauberter Welt“ – zartbitterer Zauber Dass die Figuren in Stichmanns elf kurzen Erzählungen gerade in ihrem „Scheitern zur Höchstform“ auflaufen, darüber sind sich Rezensionen und Klappentext einig. Doch nicht das Scheitern selbst steht im Mittelpunkt, sondern das, was diesem vorausgeht: die Suche nach etwas, nach Sehnsucht, Anerkennung, Nähe, Liebe, Sex, Abenteuer, nach dem Ausbrechen aus dem engen Korsett des Immergleichen. So lernen wir Marcel in der Erzählung Die Blumen als verantwortungsbewussten, hilfsbereiten Zeitgenossen kennen, der sich täglich um die alte Frau Jensch, seine Nachbarin kümmert und der Wert auf freundliches, respektvolles Miteinander legt. Eigentlich entdecken wir nichts Besonderes an der Figur ’Marcel’. Bis er eines Tages, nach einigen merkwürdigen Begegnungen mit der ungeratenen, flegelhaften, Kunst studierenden Enkelin von Frau Jensch und deren langhaarigem Freund, zu den dreien mit einer Fasche Branntwein hinübergeht und beginnt, flotte, aber doch altmodisch wirkende Sprüche zu reißen: „Zur Mitte, zur Titte, zum Sack, zack, zack!“. Doch die Runde schaut ihn nur „belämmert“ an. Als er schließlich aufs Ganze geht und Strippoker vorschlägt, muss er feststellen, dass ihn niemand wirklich beachtet. In der Nacht sitzt Marcel wieder vor seiner Staffelei, trinkt seinen Branntwein selbst und malt sein Blumenwiesenbild. „Wenn es fertig ist, soll es aussehen, als könnte man geradewegs hineingehen und zwischen den großen, knallroten Blumen verschwinden.“ Oder nehmen wir Alleinstehende Herren, die erste Erzählung des Buches – in welcher übrigens stellenweise die seltene Erzählform in der zweiten Person auftritt: „Du schreitest durch das pudrige Licht der Laternen, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Du siehst imaginäre Passanten laufen, grüßt mit dem Nicken eines Generals“. Auf der Inhaltsebene werden dem Leser „drei Freunde in der Welt“ vorgestellt, drei Versager, die durch den Tag stapfen auf der Suche nach Wärme und Liebe. Jeden Tag treffen sie sich, um die Zeit auszufüllen. Immer lockere Phrasen auf der Zunge. Keiner kann so „schön potztausend sagen“ wie Henneberg. Nach einem Streit – Thema: Mädels – will Henneberg sich davonstehlen, mit Koffer und Hawaiihemd in einem Taxi zum Flughafen. Die Freunde suchen ihn: „’Henneberg, du kannst doch nicht einfach verdampfen!’. ’Wieso? Haltet ihr mich für spießig? Ich fliege jetzt für immer nach Bora Bora, ihr Fürze! Kokosnüsse, Sonne, Busen, noch Fragen?’ ... ’Hula, Hula’, lacht Henneberg und tanzt ein paar Schrittchen. ’Tutti Frutti’, sagt er. Doch dann friert er plötzlich ein.“ Die drei gehen wieder nach Hause: „Ihr seid drei Freunde in der Welt, man erwartet Wärme“. Alleinstehende Herren ist keine Erzählung über gescheiterte Helden auf Odyssee, sondern über drei ineinander greifende Existenzen, die in einem langen Gähnen aufgehen. Gerade ihre scheinbare Belanglosigkeit macht sie interessant. Es ist das Unbesondere an allen Figur, das beeindruckt, wenn sich das Leben wieder einmal anfühlt wie sich in die Länge ziehende Kaugummireste an den Schuhen im Hochsommer. In allen elf Erzählungen finden sich Figuren, die immer wieder scheitern werden, auch wenn die Erzählung zu Ende ist, so mag man denken. Dabei machen sie keinen großen Lärm um ihr Scheitern. Frances kündigt unaufgeregt ihren Tod an (Frances stirbt), Bob lag ohnehin schon immer im Sterben (Bussardweg), Jackie wirkt in ihrem silbernen Kleid ein bisschen wie ein Star, trägt es aber nicht mehr nachdem sie in die Psychiatrie eingeliefert worden war (Hey Hoppmanns). Es passiert nichts funkelnd Großes, ihr Leben findet statt und sie sind mittendrin. Es wirkt tragisch ohne allzu tragisch zu sein, teils bedrückend, stellenweise aber auch wieder komisch. Diese eigenartige Mischung beim Lesen der Geschichten von durchaus auch liebenswürdigen Versagern verdankt sich dem ganz besonderen lakonischen, zartbitteren Ton von Stichmanns Texten. Der Autor erweist sich hier als brillanter Erzähler direkter, szenischer Texte und des Beschreibens von Standbildern. Er erzählt die große Welt banaler Alltäglichkeiten, die doch das Wesentliche ausmachen, auf kleinen Raum. Darin liegt die Mehrdeutigkeit seiner Texten: zwischen Komik und Tragik, Ernst und Witz. Bei aller Wehmütigkeit, die sich beim Lesen durchaus einstellen kann, bringt der unangestrengte Humor einen „Hauch von Zauber in entzauberter Welt“. Dies gepaart mit solch beeindruckenden Sätzen, phänomenologischen Kleinoden, wie in der Erzählung Malealea: „...schließlich gibt es auch so allerhand Geräusch, dazu die öligen Schwingen einer sich blind und raupenförmig herumtastenden, im Kreis kriechenden, schwubbelig schwabbeligen Zeit. Ich denke: Jetzt ist Entspannung angesagt! Wenn schon Tourist sein, dann wenigstens entspannt, und was sind schon zehn Stunden? Die Zeit kaut und äst und häutet sich und kratzt sich eine sirrende Sekunde vom Kinn ...“. Für Jackie in Silber erhielt der 1983 in Bonn geborene Debütant Andreas Stichmann 2009 den Clemens Brentano-Preis. In der Begründung der Jury, in der neben Literaturkritikern auch Studenten des germanistischen Instituts der Universität Heidelberg sitzen, heißt es: „Andreas Stichmann streift mit distanzierter Neugier durch ein Panoptikum skurriler Figuren und erzählt zeitgenössische lakonische Geschichten“. Der Erzählband bietet kurzweilige Lektüre, die es in sich hat. Ob es Stichmann auch vermag, komplexere Figuren und Beziehungen in einem Roman auszugestalten? Man darf gespannt sein auf das Folgewerk.

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