Aus insgesamt zwei Bänden (und nicht zu knappe Bände von je ca. 800 Seiten) besteht diese „andere Form“ der Weltgeschichte, die Simon Montefiore fundiert, detailliert und mit Verve vor die Augen von Lesern und Leserinnen führt.
Gestaltet durchgehend als „Familiengeschichte(n)“.
Die Familie, konkreter die „erste Familie“ der Menschheit steht dabei zu Beginn (bei den Neandertalern) und von da an erzählt Montefiore rasant, unterhaltsam, mit Schwung und tiefen Einblicken in Verbindungen, Strukturen, Verbindungen, strategischen Bündnissen, Zerwürfnissen, Liebe und Hass und allem, was dazugehört, die gesamte Geschichte der Menschheit eben als das, was sie ist: Viel eher die Geschichte von Familiengruppen und, oder Clans als von einzelnen Individuen, Denn diese stammen ja immer aus konkreten Bezügen, aus Familien vielfacher Couleur, sind geprägt von ihren Familien, von den Vorteilen und Nachteilen, der Fülle und dem Mangel, den Bestätigungen und den Ablehnungen in den Familien. So dass, am Ende, Montefiore, ohne zu „psychologisieren“, wie ein kundiger, systemischer Familientherapeut Seite für Seite die Augen dafür öffnet, dass jedes Individuum immer, ohne Ausnahme, Teil eines lebendigen Systems war, ist und sein wird.
Und diese „Familien“ die Weltgeschichte im Großen und Kleinen geprägt hat, ausmacht.
Und das ist ein komplett neuer, frischer, anderer Angang an all das, was in der Geschichte passiert ist, als bisher vorgelegt. Gemeinsam mit der sehr prägnanten, flüssigen und stilsicheren Form seines Stils ergibt sich dabei ein packendes Leseerlebnis, dass in Teilen fast wie ein Thriller, in anderen wie Romantik und wieder in anderen Aspekten wie eine „verkorkste Familie“ daherkommt, immer aber eines ist: Bestens zu lesen.
Durch alle „Weltreiche“ der Geschichte hindurch, von der Antike bis zum Beginn der Neuzeit in diesem ersten Band. Durch das Entstehen von „Mächten“ und „Reichen“, die nicht die bekannten Fakten verändern, wohl aber tiefgründig den Blick „hinter die Kulissen“ wirft und dabei Seite für Seite auch die unangenehmen Seiten dieser Geschichte fundiert aufzuweisen und zu erläutern versteht. Dass die Geschichte der Menschheit und darin die Geschichte der „Familien“ von Machthunger, Gewalt, Herrschsucht strotzt. Die offenkundig eben auch mit „Mängeln“ dessen zu tun hat, was die hervorstechenden Personen in ihrer Prägung erlebt haben, wie Menschen durchgehend von den „inneren Erben“ ihrer Familien teils durch Generationen hinweg „konditioniert“ worden sind.
Was im Übrigen, je weiter die Lektüre fortschreitet, immer wieder auch Parallelen zur Gegenwart samt heutzutage „herrschendem Personal“ vor den inneren Augen entstehen lässt.
Der Beginn der Menschheit, die uralten Reiche Ägyptens, Persiens, Assyriens über die Babylonier, die alten Griechen hin zu Rom, den Maya über Makedonien mit Alexander dem Großen, aber auch mit Blick auf Mohammed, Dschingis Khan die Khmer, die mittlelalterlichen bis hochmittelalterlichen Königsdynastien der Welt, den Borgias und vielem, vielem mehr werden vor Augen geführt. Wobei es geschickt verbunden wird, hochbekannte Epochen der Geschichte mit den damit verbundenen prominenten Persönlichkeiten aufzugreifen.
Das gibt Lesern und Leserinnen durchweg ein Gefühl der Vertrautheit mit den Ereignissen und lässt doch im Hintergrund auch mitschwingen, dass darin immer nur die Spitze des Eisbergs oberhalb von Millionen anderer Familien-Geschichten, zeitbedingt ähnlich geprägt, mit in den Raum tritt.
Eine Lektüre, die in der Form und Stil ein Erlebnis ist und am Ende tatsächlich andere Einblicke ermöglicht. Und damit die Perspektive zu ändern versteht und einen anderen Blick auf all das, was passiert ist im Lauf der Jahrtausende implementiert.




