Andreas Wenderoth

 3.7 Sterne bei 7 Bewertungen

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Rezension zu "Nur weil ich Hypochonder bin, heißt das ja nicht, dass ich nichts habe" von Andreas Wenderoth

Nur weil ich kein Hypochonder bin, heißt das ja nicht, dass meine Empathie grenzenlos ist
Aliravor 10 Monaten

Ich habe das Buch gelesen, weil ich in der Bekanntschaft einen Hypochonder habe, den ich besser verstehen wollte.

Der Anfang des Buches hat mich begeistert, weil sich der Autor so wohltuend von diesem Bekannten unterscheidet, indem er viel Selbstreflexion und Humor hat.

Leider hat diese Begeisterung nicht lange angehalten, ab Seite 128 „Selbstdiagnose“ habe ich die Lektüre beendet, weil mich der Inhalt immer mehr gelangweilt hat und ich nichts Neues mehr über das Wesen eines Hypochonders erfahren habe – daher nur drei Sterne.

Anderswo habe ich gelesen, dass Hypochonder mit ihrem Leben insgesamt unzufrieden sind. Aber anstatt ihr Leben zu ändern, flüchten sie in ihre eingebildeten Krankheiten.

Dieses Resümee scheint mir – wenn ich besagten Bekannten vor Augen habe – plausibel.

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Rezension zu "Ein halber Held" von Andreas Wenderoth

Der Verfall und die Lichtblicke eines an Demenz erkrankten Menschen
Osillavor 2 Jahren

Auf Radio Eins habe ich einen Beitrag zu diesem Buch gehört, in dem auch der Autor Andreas Wenderoth zu Wort kam. Mit viel Humor berichtete er über die Krankheit seines Vaters und weckte somit mein Interesse an diesem Buch. Denn Demenz ist eine Krankheit, die jeden von uns irgend wann einmal ereilen kann und sie birgt nicht nur das Vergessen der Vergangenheit, sondern auch das Problem sich im Hier und Jetzt des eigenen Lebens zu verlieren.

„Du kannst dich nicht in die Zukunft wenden, wenn du deine Vergangenheit vergessen hast“, hat Umberto Eco mal gesagt. (Seite 47)

Andreas Wenderoth (geboren 1965) studierte in Berlin Politologie und Geographie. Danach arbeitete er als freier Autor für Zeitungen wie GEOund Die Zeit. Außerdem arbeitete er für den WDR und Deutschland-Radio Kultur. Er bekam den Theodor-Wolff-Preis und war für diverse andere Preise (beispielsweise dem Deutschen Reporterpreis) nominiert.

Andreas Wenderoth beschreibt das Leben seines Vaters Host Wenderoth, vom Beginn seiner Krankheit an. Der Vater, der 27 Jahre lang Reporter beim RIAS war, war ein Mann der sich stets über Worte definierte. Doch eines Tages wird klar, er ist krank, die Diagnose: vaskuläre Demenz. Der Vater, der Stück für Stück seine Erinnerung verliert und somit auch sein bisheriges Leben und seine Zukunft, hadert mit seiner Krankheit. Auch die mit betroffenen Verwandten und Pfleger kommen in diesem Buch nicht zu kurz. Was bedeutet es für die Angehörigen, wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt? Was müssen die Pfleger alles über sich ergehen lassen? Und vor allem, was bedeutet es für den Erkrankten selbst?
Klar ersichtlich ist, dass der Sohn den Verfall seines Vaters mit diesem Buch versucht zu verarbeiten. So kommt es zu mancherlei Wiederholungen, Anekdoten und Auffälligkeiten die dem Autor wohl ständig im Geiste herumspuken. Andreas Wenderoth gelingt es, das Auf und Ab der Krankheit zu beschreiben und so kommen auch die hellen Momente des Vaters, als er die Treppe zur Wohnung seines Sohnes empor steigt oder wie er seine Lage mit Selbstironie bewältigt, zum Ausdruck.

Eine immer wiederkehrende Frage in Bezug auf die Erkrankung und das verhalten erkrankter Personen ist die, ob „sich der wahre Charakter eines Menschen erst in der Krankheit und Not zeigt oder ob erst die Krankheit ebendiesen Charakter verändert“ (Seite 258). Andreas Wenderoth erkennt Anlagen im Charakter seines Vaters, die schon vor der Erkrankung bestimmend waren und nun in Kombination mit der Demenz verstärkt hervor treten.

Der Autor bedient sich einer äußerst bildhaften Sprache: „Mit ausgefransten Hirn sitzt er da und wartet darauf, dass er den Geist aufgibt.“ (S. 281) Mit ernsten Worten aber auch mit dem nötigen Witz, um solch einen Verfall überhaupt mit ansehen und verarbeiten zu können, erzählt Wenderoth über die Demenz seines Vaters und über deren Auswirkungen im Leben aller beteiligten Personen. Das Leben des Vaters wird Stück für Stück zurück gespult.

Die Kindheit ist das erste Kapitel des Lebens. Und sie wird auch sein letztes sein. In ihr kreuzt sich sein Leben. Auf der sich verkürzenden, rückwärts verlaufenden Lebensskala, liegt der Tod nun immer näher bei der Geburt. (Seite 134)

Der Anfang des Buches war sehr informativ. So erfuhr man einiges zum Thema Demenz und ganz konkret zur vaskulären Demenz, was nichts mit Alzheimer zu tun hat. Die Mitte des Buches war etwas langatmig, was an den wiederkehrenden Anekdoten und anderen Wiederholungen lag. Zum Ende hin fesselte mich dieses Buch aber wieder. Es war ergreifend, mit zu erleben, wie das Alter und die Krankheit einem Menschen und seine Angehörigen hilflos und oft auch ratlos machen. Aber auch wenn der Vater durch die Demenz seine Sprache einbüßen musste, so erfreuten mich einige seiner Überlegungen sehr, denn sie zeigen, dass auch der Mangel der Sprache überbrückt werden kann, wenn man im Bildhaften bleibt:

du wirst doch in Ruhe nachher mal aufräumen, zunächst mal in deinem Kopf. Das ist das Wichtigste. (Seite 7)

Das erinnerte mich an meinen eigenen Großvater, der aufgrund eines Schlaganfalls seine Sprache verlor. Wie er vor einer Attraktion im Freizeitpark stand und sagte: „Das würde ich auch mal fahren, wenn ich mir sicher sein könnte, dass dann alles in meinem Kopf wieder richtig gerüttelt werden würde.“ Es zeigt, dass Humor das wichtigste Mittel ist, um mit solchen Schicksalsschlägen fertig zu werden.

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Rezension zu "Ein halber Held" von Andreas Wenderoth

Sehr persönlicher Bericht
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Sehr persönlicher Bericht

In Form eines journalistischen Berichtes, im Ton weitgehend sachlich, beobachtend, an manchen Stellen allerdings auch deutlich emotional (da, wo die Distanz des Journalisten der persönlichen Betroffenheit des Sohnes weicht), so gibt Andreas Wenderoth Einblick in die Demenz-Erkrankung seines Vaters. Und gibt damit ebenso Einblick in das Vater-Sohn Verhältnis, über das, was es bedeutet, wenn die Lebensverhältnisse sich umkehren, aus Eltern Kinder werden und Söhnen plötzliche auch eine Verantwortung zufällt eben für jenes betroffene Elternteil, die auch erst einmal angenommen, geschultert und verarbeitet werden muss.

„Entschuldige mich bitte für meine Inhaltlosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held“.

Einer, dessen Beruf es war, geistig rege und sprachlich gewandt zu arbeiten. Einer, der nun immer mehr vergisst, Ängste erlebt, die Ehefrau als Feindin, die ihm ans Leder will, zu manchen Zeiten betrachtet (und behandelt). Und doch einer, der mit dem Rest einer inneren Ahnung und Haltung noch versucht, der „alten Rolle“ gerecht zu werden. Ganz besonders schön formulieren, sprachliche Volten mit einbauen, ohne zu merken, wie inhaltsleer, floskelhaft all das wird.

Vorgänge, Situationen, kleine Gesprächsausschnitte mit dem 87jährigen Vater immer wieder mit eingestreut, ebenso, wie nüchtern und sachlich die Krankheit und die jeweiligen Diagnosen der Ärzte mit beschreibend, die den Leser von Beginn an mit in diesen „langen Abschied“ einbeziehen.

Den Abschied vom Vater, vor allem aber den „Abschied von sich selbst“, dieses auch quälende Wissen und Erleben, dass man sich selbst fremd wird, seinen Platz, seinen „Wert“ in den eigenen Augen in dieser Welt dahingleiten sieht.

„bin ein bisschen wirrwarig….dann muss ich was warmes essen oder irgendwas, Ich weiß zum Beispiel heute nicht, wie ich zum Arzt gekommen bin, das Auto steht doch dort unten“ (der Arzt war ins Haus gekommen).

Vom Versorgen mit Insulin bis zur (fast unmöglichen) Pflege der Fingernägel, von Verzweiflung und aggressiven Episoden, von einer überforderten Ehefrau (und Mutter) hin zu dem ein oder anderen sehr klaren Moment, der unmittelbar berührt,

„Wir freuen uns über dieses Zwischenhoch“. Aber es wird selten, sehr selten.

Ungeschminkt, klar, berührend, aber über weite Strecken auch mit einer guten, beobachtenden Distanz bietet dieser Lebensbericht einen tiefen Einblick in das, was Demenz für alle Beteiligten vor allem praktisch bedeutet und ist somit eine interessante Lektüre für jeden, der alternden Eltern erlebt oder erleben wird.

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